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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-21 · Heft 15 (21.5.1890) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 15 (21.5.1890)
Date
1890-05-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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bringen wird. Doch angesichts solcher Sachwalter wie dieser Isch Jehudi ist nichts zu erwarten, und da solchen frivolen Kundgedungen gegenüber, wie dieselbe in dem Geistesleben dieses angeblich böhmischen Nabbinerleins Isch jehudi spuckt, Schweigen gleichbedeutend mit Zugestehen wäre, und da ein Mann, wie Herr Dr. Zellinek, der wohl eine geistreiche witzige Bemerkung nicht verwinden, doch jederzeit durch Wort und Schrift das wirklich Bedeutungsvolle auch bei den jüdischen Cantoren zu würdigen und anzuerkennen bereit ist, den Aeußerungen dieses sonderbaren Isch Jehudi Eingang in die ,Neuzeit* gestattet, so dürfen wir keineswegs schweigen und sind gezwungen, Nachfolgendes zu erklären. Das heutige jüdisch religiöse Leben pulsirt nicht mehr auf der Jeschiba, wo der einstige Rabbi als Lehrer unzähliger Schüler wirkte; auch nicht im Beth Din, wo der Rabbi Recht zu sprechen; auch nicht mehr in Haus und Küche, wo der Rabbiner zu erlauben und zu verbieten hat. Das heutige jüdisch religiöse Leben pulsirt ausschließlich im Gotteshause beim Gottesdienste, und wer der Träger des jüdischen Gottesdienstes ist, das braucht sicherlich Herrn Isch Jehudi nicht erst gesagt zu werden. Dass die Herren Rabbiner die Vertreter der Wissenschaft (J?hora) sind, wird sicheriich ebensowenig bestritten werden, als dass wir jüdische Cantoren als die Vertreter des Gottesdienstes (Abodah) erachtet werden müssen, wie es ohne Zweifel auch zugestanden werden dürfte, dass der moderne jüdische Gottesdienst wesentlich zur Kräftigung des jüdisch-religiösen Bewusstseins beigetragen hat. Seit Dezennien arbeiten jüdische Cantoren an dem Ausbau des jüdischen Gottesdienstes, und ihre Bestrebungen fanden Gunst und Anerkennung, in Hunderten und abermals Hunderten jüdischen Gotteshäusern wirken gesetzlich ungeschützte aber unumgänglich nothwendige Cantoren; diese Gotteshäuser, ja diese Gemeinden entbehrten bis nun des Rabbiners, weil er eben entbehrlich ist, aber nicht des Cantors, weil er unentbehrlich ist. Und nun-will dieses angeblich böhmische Nabbinerlein Isch Jehudi uns jüdische Cantoren in den Koth zerren, indem er sich auf das Piedestal der Bedeutung stellt und uns in die Kategorie des Schames verweist? Waren Sie, verehrter I8eh Jehudi, wirklich einstens ein Bochur? Nun so war ich ein Meschorer, der seine Wanderjahre unter vielleicht größeren Entbehrungen als Sie durchmachen musste. Haben Sie wirklich vielleicht eine Hochschule besucht? Nun auch ich musste die Hochschule der Musik frequentiren. Bilden Sie sich vielleicht noch heute fort? Nun muß ich cs nicht Ihn», um mit allen Erscheinungen und Anforderungen der Neuzeit gleichen Schritt zu halten? Nicht um eines Haares Breite haben Sie, mein verehrter I8eh Jehudi, uns jüdischen Cantoren gegenüber etwas voraus. Deshalb wollen wir von uns unserem Bedeutungsstaudpunkte nicht entfernen lassen. Stützen Sie, verehrter Herr Isch Jehudi, sich immerhin auf die Gesetzesparagraphe; wir werden sehen, inwieweit Nabbinen Ihrer Qualität irotz des gesetzlichen Schutzes im socialen Leben und vor dem Forum des Nothwendigkeitsgesetzes Stand halten. Dieses Nothwendigkeitsgesetz aber schüft uns jüdische Cantoren; denn wir sind die unentbehrlichen Faktoren jedweder, der größten wie der kleinsten jüdischen Gemeinde, nicht nur Böhmens, sondern auf der ganzen weiten Erdcnrunde, wo Israel seinem Schöpfer Gotteshäuser errichtet. Und so schließen wir, trotzdem noch Vieles zu sagen wäre, mit der festen Zuversicht, dass wir jüdische Cantoren nimmermehr als Domestiken und Schamoßim erachtet werden dürfen, sondern der vorzüglichen Kaste der Leviten angehören, und bleiben werden für alle Zeiten mach dem Ausspruche des diesmaligen Wochenabschnittes: והלוים יחנו סביב למשכן העדת — ושמרו הלוים את משמרת משכן העדות. Wien, im Mai 1890. Ober-Cantor I. Singer. Ein Beitrag zur Klärung der Mage der traditionellen Tonarten. XIX. Wir müssen hier den Faden unserer Abhandlung einstweilen fallen lassen, um ein wenig pro domo zu sprechen. So weit es angieng, haben wir unß bei unserer Arbeit wohl in Acht genommen, um uns jedem Angriffe auf Andere fern zu halten und unfern Weg geräuschlos und friedsam zu verfolgen. Allein, es geht oft beim besten Willen nicht, diesen löblichen Vorsatz durchweg und überall einzuhalten, und die Natur der Sache bringt es auch mit sich, dass, wenn man sich einmal aus seinen vier Pfählen herauswagt und in die Oeffentlichkeit tritt, man dann oft in die Lage kommt, von Diesem und Jenem angerempelt-zu werden und da und dort mit Jemandem in unangenehme Collision zu gerathen. Nur ist's unter anständigen und gebildeten Menschen allgemein gebräuchlich, selbst falls einen das Missgeschick trifft, einem Begegnenden auf's Hühnerauge zu treten, dass man sich gegenseitig höflichst um Entschuldigung bittet und dann friedlich seines Weges weiter zieht. Dieselbe Usanze gilt auch im litterarischen Verkehr und sie wird bei einem etwaigen Anstoß von anständigen Leuten auch genau beachtet. Wir haben uns nun mit diesem die Aufgabe gestellt, ein Thema objectiv wissenschaftlich zu bearbeiten, über das von jeher so viele wahrheitswidrige Anschauungen und ungerechte Urtheile allgemein herrschten, hass cs unserer ganzen Energie, bedurfte,, um dieselben beweislich zu widerlegen und.ihre offenbaren. Jrrthümer auf Schritt und Tritt zu verfolgen und zu berichtigen. Da waren wir wohl genöthigt, manchen Namen hiebei zu nennen und - auf manche vorangegangene, einschlägige Arbeit Bezug zu nehmen, um die Vorgefundenen und in Verbreitung gekommenen falschen. Behauptungen zu bekämpfen, . sowie jede leichtfertige, unbillige Meinungsäußerung gegen unfern Gesang und unfern Stand entschieden zurückzuweisen und alles Schimpfliche von uns und unserem Berufe abzuwälzen. Wir gestehen aber auch Jedermann das Recht zu, sicb, wenn er sich von uns uugerechterweise angegriffen glaubt, nach Möglichkeit zu vertheidigen, und halten uns auch stets bereit, Jedem Rede zu stehen, wenn dieses in konventioneller, ritterlicher Weise geschieht. Das kann ja nur zur Klarstellung der angezweifelten Wahrheit beitragen,, indem durch Wechsel der Rede und Widerrede das alleinige Recht und die reine Wahrheit, von allen Schlacken der Gewohnheitsmäßigkeit und des Vorurtheils geläutert, zu Tage tritt, und die verschiedenartigen Ansichten über den beregten Gegenstand sich, dann zu einer allein wahren. und gerechten vereinigen. Wenn man aber denkt, uns mit nnsauberen böhmischen Dorfgeschichten zu widerlegen,, da allerdings verschließen .wir den Mund und antworten nicht; gegen Steinwürfe und Straßen׳ schmutz sind wir völlig ohnmächtig und — schweigen lieber. Wir sprechen daher dem geschätzten Autor, des Artikels: ,Der Hoheprister etc.* hiemit unfern aufrichtigen Dank öffentlich aus, der uns in seinem ,Berichtigungs*-Artikel glimpflich behandelt und. seine Argumente in aller Ruhe und Gelassenheit vorbringt, ohne uns persönlich zn beleidigen. Demgemäß stellen, wir uns auch bereitwillig zu. seiner .Disposition, um .ihm im Zweikampfe

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