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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-11 · Heft 14 (11.5.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 14 (11.5.1890)
Date
1890-05-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© Als Joasck, Köniz von Israel, den auf den Tod erkrankten Propheten Elisa besuchte, sagte dieser zu ihm: .Nimm einen Bogen und Pfeil *, und da er dieses gethan, befiehlt er ihm, die Hand auf den Bogen zu legen, und Elisa legte seine Hände auf die dcL Zoasch und sprach: ,Oeffne das Fenster und schieße!' Und er schoß. Darauf sprach der Prophet: ,Pfeil dex Hilfe Gottes, Pfeil der Hilfe gegen Aram, Du wirst Aram bis zur Vernichtung .schlagen.' Und-er sprach: ,Nimm Pfeile und schieße zur Erde, und er schoß dreimal und hörte auf. Da zürnte der Mann Gottes und sprach: .Du hättest fünf- und sechsmal schießen sollen, dann hättest Du Aram bis zur Vernichtung geschlagen, setzt wirst Du Aram dreimal schlagen' (2, Kön. 13,14). DaS Schießen mir den Pfeilen war eine symbolische Kriegserklärung gegen Aram, und die folgende Handlung des Schlagens auf die Erde zeigte symbolisch den Ausgang des Krieges an. Auch bei den Römern war es Sitte, dass durch Priester an der Grenze der feindlichen Nation, die Gründe des Krieges mit lauter Stimme verkündiget wurden und ein Pfeil in das Territorium der Feinde abgeschosten. (S. Philippsohn'S Com. z. St.) Bei dem Propheten ZejaiS stndet sich nur einmal eine symbolische Handlung. Er löst daS Gewand von seinen Lenden und die Schuhe von seinen Füßen und geht halb nackt und barfuß einher, als Symbol für die völlige Niederlage, welche die Egyptier durch die Assyrer erleiden werden (Jes. 20). Bei dem Propheten ZeremiaS übersteig! die Zahl der symbolischen Handlungen die der überhaupt sehr einfachen Visionen. Er geht zu einem Töpfer und sicht dessen Handlungsweise zu. Und während er veobachtet, wie der Töpfer, wenn ihm ein Gefäß nicht gelungen, sofort den Thon zu einem anderen Gefäße umbildct, ergeht das Wort au ihm: ,Kann ich nicht wie dieser Töpfer mit Euch verfahren, HauS Israel? Siche, wie der Thon in des Töpfers Hand, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel" (Zer. 18, 1). Oder er kaust sich einen irdenen Krug, nimmt sich einige von den Aeltesten des Volkes und der Priesterschaft mit, geht mit ihnen vor Las Töpferthor und zerbricht inmitten einer Slrafrede den den Krug jnn den Worten : .So werde ich dieses Volk und diese Stadt zerbrechen, wie man ein Töpfergeräth zerbricht, ohne cs Wieder Herstellen zu können' (Zer. 19, 1). Er trägt ein Zoch um den Hals, um anzudeulen, da's Juden unter das Zoch des Königs von Babel kommen werde. Ein Gegenprophet nimmt cs ihm ab, und zerbricht es, weil er der Ueberzeugunz ist, dass binnen zwei Zähren das Zoch des Ncbukadnezar zerbrochen sein wird jZer. 27, 2). Zn umgekehrter Weise zu Jeremias sind die symbolischen Handlungen des Propheten Ezechiel an Zahl geringer als seine Versionen; so lautet eine derselben (Ezechiel 4, 1): ,Du aber Menschensohn nimm Dir einen Ziegel und lege ihn vor Dich hin, grabe daraus ein die Stadt Jerusalem, mache gegen sie eine Belagerung, baue gegen sie ein Bollwerk, schütte ein Wall gegen sie auf, lege ein Heer gegen sie, und stelle gegen sie Sturmböcke rings umher. Für Dich aber nimm eine eiserne Pfanne, und lasse sie eine eiserne Mauer bilden zwischen Dir und der Stadt, richte Dein Angesicht gegen sie, dass sie belagert sei, und Du sie belagerst. Ein Zeichen sei dies dem Hause Israels.' Andere symbolische Handlungen des Ezechiel sind derart, dass man mit Grund dieselben nicht als wirklich von ihm vollzogen, sondern nur als schriststellerische Einkleidung betrachten kann. So das Verschlingen einer Pergameutrolle, die in seinem Munde süß wie Honig ist (Das. 3, 3), so alles Dasjenige, was er im! vierten Eapilel erzählt. Desgleichen das Verfahren mit seinem! Haar (Das. Eap 5, 1). sein Benehmen nach dem Tode seines Weibes (Das. 24, 10). Ein gleiches Uriheil, dass nämlich die Handlung nicht wirklich vollzogen worden, sondern dass sie nur״ um der daran gekvüften Belebrung Willen, als vollzogen dargestellt wird, lässt sich auch auf die im ersten und dritten Capitel des Buches Hosea anwenden. Es kann doch nicht gedacht werden,, dass der Prophet Hosea solche unsittliche Handlungen, wie sie daselbst geschildert werden, in Wirklichkeit ausgcführt babe. Und zu dieser Kategorie gehört wvbl auch, dass der Prophet Jeremiasbincu leinenen Gurt nach dem Euphrat trägt, ihn dort in eine Felsspalte birgt und ‘ nach einiger Zeit den ganz verdorbenem Gurt wieder zurückbringr, um daran die Weissagung über dasdrohende Verderben Judäas anzuknüpfen (Jer. 13). Die allegorische Schrifkauslegunz hat daber in der bild-׳ licken Redeweise der Bibel ihre Begründung; doch kam sie erst im späteren Sckrifnbnme zur größeren, allgemeineren Anwendung.. Die Veranlassung dazu waren die in der heiligen Sckrifl dem! höchsten Wesen beigelegte leibliche Gestalt nebst sinnlichen Bewegnugen. So deutete man »Hand und Arm Gottes', als dessen! Macht; das ,Sleben Gottes', als den Bestand der Welt durch ibn und dergleichen. Es ist aber nicht dabei geblieben, diemenschliche Phantasie artete auch in dieser Beziehung aus. Man allegorisirte so lange, bis der Glaube an die wirkliche Existenz der biblischen Geschichts- und Gesetzesgestalten verloren ging ltnb־ Alles nur als Scheinwesen zur Darstellung irgend eines Gedankens gehalten winde. Solche Vorgänge verfehlten nickt einen Ruckschlag auf die Freiheit in dem Gebrauch der allegorischen Aus-- legung auszuübcn. W . . . . r. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. (DoppNjub'tläu m). Ein langjähriger und׳ einiger Mitarbeiter unseres ' Blattes, Herr Rabbin.-r Wollner im VIII. Bez. Joscfstadt, feiert am 26. Mai seinen 70. Geburtstag und sein 50. Lehreijubitäum im Golteshause am 2. Tage des Schebuot-- festes und im Familienzirkel seiner Kinder und zahlreichen Enkel. H^rag. Am 14. April fand auf Einladung res ,Central- Vereines zur Pflege jüdischer Angelegenbeiten' eine Versammlung zahlreicher Cultuc-vorsteher Böhmens statt. Der Zweck der Versammlung war die Berathung und Festsetzung eines Normalstatutes aus Grund׳ des neuen jüdischen Gemeindegesetzes. Wndapell. Der Seerekär im ungarischen Justizministerium Herr Michael Szamo wurde von Sr. Majestät dem König zum. wirklichen Seetionsrath ernannt. — Dem Direktor der ungarischen. Creditbank, Herrn Siegmund Kornfeld, früher Direetor der Allgem. böhmischen Bank in Prag, ist der Eiserne Kronen-Orden dritter Classe verliehen worden. In Aresden fand, wie der ,Magdeb. isr. Wochenschr.' ge-- meldet wird, am 25. April die Feier des 50jährigen Bestandes desderzeit ältesten jüdischen Gotteshauses im Königreiche Sachsen, der Synagoge in Dresden, statt, und wurde dieselbe in Verbindung, mit־ dem Freitag-Abend-Gottesdienst würdig und glanzvoll abgehalten. Das sowohl von Außen, wie besonder» im Innern schön geschmückte Haus war selbstverständlich in allen seinen Theilen gefüllt. Unter den Ehrengasten befanden sich u. A. der Bürgermeister Bönisch, mehrere Stadträthe, Vertreter der Regierung, ׳die Stadtverordueten-Vorsteher, darunter Geh. Hosrath Ackermann. Voller Lichterglanz erstrahlte in dem sostylvclleu Scmper'schen Bau. Die Vorsteber und Deputirten hatten ihre Plätze auf der geschmückten Estrade. Auch eine, freilich kleine Zahl Herren, die schon vor 50 Jahren als Gemeiudemitglieder der Ein-- Weihung beiwohnten, ja sogar zum Tbeil bei derselben als Commissare thätig fungirteu, hatten das seltene Glück, auch dieses Jubelfest mitfeiern zu können, an ihrer Spitze der würdige Senior der seit über׳ 1 V2 Jabrhundert hier in großem Ansehen stehenden Familie Bondy-, Herr Banguier B., der vor 4 Jahren schon sein 25 jähriges Vorsteher-־ Jubiläum feiern durfte. Von hervorragender Wirkung waren die Gesänge deS durch Herren, Damen und Knaben der Gemeinde ver« stärkten Synagogenchcres, um dessen Constituirung sich Herr Obercäütor׳ Wolfssohn höchst verdient-׳gemacht hatte, und zwar׳ des Beethvven'schen

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