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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-11 · Heft 14 (11.5.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 14 (11.5.1890)
Date
1890-05-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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amb in der ganzen Menschbeit zu verbreiten, der schließe sich , uns an. Es ist unsere Ausgabe, durch unser Wissen, unsere ^Kraft, durch die Festigkeit und Ausdauer in allem Guten und Trefflichen viel zu leisten. Durch diese Festigkeit des Geistes und des Herzens, durch diese innere Gemüthswelt müssten unsere gerechten Bestrebungen schon festeren Boden gewonnen haben, der mie und nimmer erschüttert werden dürste. Jede Vereinigung der Genossenschaft, welche den Chorgeist ,gekräftigt wissen will, besitzt einen Wahlsprnch. Sind wir doch so reich an goldenen Worten in dem Buche der Bücher, dass uuch wir einen Spruch als Zeuge unserer Einheit und Eintracht wählen. Gegen alle äußeren und inneren Feinde, gegen alle Stürme der Zeit und der Welt soll und wird uns der Gedanke schützen: 08״i wsimros johü Weder die Kritik, noch die spitze Satyre vermag uns dann zu verwunden, so wir den Spruch -aus dem köstlichen Liede, das da sangen Moses und Israel, als Motto zu unserer Einigkeit erheben. Zeder, der diesem Paniere znjnbelt, der steht aus der Höhe des Priesterthumes, der ..darf den Berg des^ Herrn besteigen. So wie einst der Patriarch zu feinen Hansleuten mahnend aber bestimmt sprach: ״Hosiru es elohe hanechor ascher b’sochechem whitahavu wehachalifu simlosechem.“ ,Schaffet weg die fremden Götter, die unter Euch, reiniget Euch und wechselt Euere Kleider", so dringt auch der Mahnruf an unser Ohr, schaffet alles Unjüdische, das Euch anhastet, hinweg, alle Tändeleien am Tische des Herrn, die für die Bretter, welche j .bte Welt bedeuten, passen, lasse! fallen, alle Wahngebilde, die aus fremden Boden eutsprosscn, räumet aus euerer Mitte, und das Amtskleid traget nach Anoidnung der heiligen Schrift. Wohl müssen wir Form und Sitte im Auge behalten, doch ohne Alle« machäffen zu wollen. Solche Albernheiten müssen unterlassen werden, man bemühe sich mit Anstand und Würde, im Sinne und Geiste unserer Chachamim den Gottesdienst abzuhalten, er >wird das Herz crsrischen und das jüdische Gemüth ansachen. Der praktische Caulor muß aber auch in der allgemeinen Bildung, in der Synagogcntitteratur, in der Bibel, als auch in den wichtigsten, rabbinischen Schriften auf der Höhe der Zeit stehen. Sein musikalisches Wissen, dis Kenntnis des Chasonus müssen anerkannte Thatsachen sein. Es darf sich in der Gemeinde keiner linden, der ihm hierin, respective in den Functionen überlegen ist und die Autorität beanständet. Es scheint, als ob diele Forderungen zu hoch wären! Soll -sich unsere äußere Lage bessern, daun müssen auch wir ganz am Platze gerüstet erscheinen, dann erst können wir solche Gehalts- Ansprüche machen, die zur Erhaltung und Ernährung einer Familie standesgemäß ausreichen. Blicken wir um uns, wahrlich wir sind an Bescheidenheit und Zurückhaltung gewohnt, und doch reicht das Einkommen bei aller Sparsamkeit nicht hin noch her. Ja, fast unglaublich klingt die Mär, dass Gemeinden Beamte noch immer für 600 Mark suchen und — finden. ,Die Karrikatur .ist das komische Ideal!" Ein junger Geschäftsgehilfe steht in seinem Einkommen besser, als der Cultusbeamte; denn die ganze Gemeinde will nicht in inr Lage sein, ihm ein ruhiges Dasein schaffen zu können, und doch ist er zumeist auch ihr Seelsorger. In keinem Verhältnis steht alio Studium und Anlagecapital mit dem Einkommen des Cantors, noch entspricht dasselbe der Würde des Amtes. Dennoch schallt es gar grell aus manchen .Kreisen, dass wir für unsere Leistungen sehr gut besoldet wären, oft sogar von Männern, die an der Spitze der Gemeindever- Wallung stehen. Soll das die ethische und ideale Seite des .Lebens fördern, oder noch mehr die Schattenseiten des so schlecht Lestellten jüdischen Beamten aufdccken? Wir erachten es als unsere Pflicht, diese Schäden öffentlich zur Sprache zu bringen, der Laubeit und Gleichgiltigkeit eutgegenzutreten und Alle durch die ,Cantorenzeiinng" aufzurütteln. Wohl wissen wir. dass alle Ansprüche, die wir mit Neckt zu stellen haben, um guten Muthes unseres Amtes walten zu können, nicht mit einem Schlage erlangt werden können. E.ine auskömmliche, lebenläugliche Stellung, eine zu regelnde Pension, eventuell Versorgung der Hinterbliebenen, sind Forderungen, welche der Humanität entsprechen. Die trüben Gedanken, stets vogelfrei zu sein, keinen Notbgroschen hinlegen zu können, quälen uns gar sehr und verbittern das Leben. Jede Gemeinde müsste es als heilge Pflicht erachten, ihren Beamten bei seiner Anstellung in einer Lebensversicherung einznkanfen, damit er nicht das bangende Gefühl in sein nicht beneidenswertes .,Tagewerk" hineintrage. Viele unserer Collezen, ja die meisten sind bei den jetzigen teuren Lebens- und Unterbaltungsmitteln recht übel daran, und cs bedarf wahrlich keines Beweises, dass die Gemeinden wohl thatkräftig eingreifen könnten, wenn nur der gute Wille, und der Muth des Beamten, sein Los zu verbessern, vorhanden wäre. Trost und Hoffnung auf eine bessere Zukunst wird unS reichlich gespendet, aber in der Praxis wird wenig geleistet. Möchten doch die Vorstände diese Zeilen lesen, um einen Einblick in die Misere ihrer Beamten zu bekommen. Diese Verpflichtung zur genauen Untersuchung muß schon deshalb bestehen, da sich die Ansprüche an unser Wissen und Könnuen erheblich gesteigert haben, ohne dass damit eine pekuniäre Besserung verbunden ist. Zeitgemäß ist und bleibt es also, dass die Gemeinden ihre Beamten lebenslänglich anstellen, Pensionscassen gründen, die Dienstzeit des Anzustellendcu in Anrechnung bringen und so Ordnung und Wandel in diese wirren Verhältniße schaffen. Dann erst kann ein einmulhiges, inniges Walten zum Wohle des Ganzen erblühen. Mögen diese bescheidenen Wünsche der Berücksichtigung empfohlen sein! Das Mofchol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. VI. Aber nicht immer eignet sich die Individualität deS Propheten. Stimmung, Umstände und Beschaffenheit der Hörer für die Darstellung und die Form der Allegorie. An die Stelle derselben tritt, wenn einmal das schlichte Wort der Weissagung und Belehrung nicht zusagt, die mit der allegorischen Form verwandte symbolische Handlung. Der Prophet vollzieht eine Handlung, oder lässt einen Anderen eine Handlung vollziehen, die sinnbildlich dasjenige enthält, was der Prophet zu sagen beabsichtigte. Zuweilen ist die Deutung so einfach, dass eine eigentliche Erklärung gar nicht uöthig ist; meistens aber soll eben die Neugier der Zuhörer erregt, und sie zu Fragen veranlaißt werden. Die nun nöthiz gewordene Antwort ist gleichsam der 2>xt zu einer längeren oder kürzeren Predigt deS Propheten. Schon das Ritual des Passafeftes und Anderes ist darauf berechnet, die Aufmerksamkeit der Kinder zu erregen, um dem Vater Gelegenheit zu geben, sich durch die Erklärung der Symbole in eine belehrende Unterhaltung einznlassen (2, M. 12, 26). Aber auch ohne gestellte Fragen gibt der Prophet, wenn es uöthig ist, eine Erklärung. Der Prophet Achija begegnet dem Jerobeam auf dem Felde, reißt dessen Mantel in zwölf Stücke und spricht zu ihm: »Nimm die zehn Stücke, denn so spricht der Ewige, der Gott Israels: Siehe, ich reiße die Herrschaft aus der Hand Salamons und gebe Dir zehn Stämme." (1, Kön. 11,3b

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