Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 14 (11.5.1890)
- Date
- 1890-05-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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halten? Da werden sich Loch die Häuptgemeinden /schön bedanken für diese Anhängsel! Hoffen wir, dass die hohe Negierung dies korrigieren wird. Die Functionäre, als Eantoren und Ncligions-!chrer, sollen sich durch ihre berufenen Vertreter, als da sind Eantoren- und Lrhrervercin. an das bohr k. k. Ministerium wenden «11i> in dieser motivierten Eingabe ihr Anliegen Vorbringen, so liehe sich wohl manches, wo nicht alles erreichen. Diese Anregung rmpseblen wir den obigen Vereinen als Vertreter der Eantoren und Rcligionslehrcr. Schweigen wir, so müssen Regierung und Cullusgemeinden glauben, wir seien jehr zufrieden mit unserer Sicllung. Einigrs über ״Concurse." Der Artikel in Nummer 13 dieses geschätzten Blattes ^,Reisekosten werden nur dem Gewählren vergütet', bringt mir einige Episoden aus meinen Erfahrungen ans dem Gebiete der׳ ,Coucurse^ in Erinnerung. die ich zur Beberzigunz und Nichtschnür unseren jüngeren Collegen anempschle. Da nicht jeder Eoüege das Glück har, in großen Gemeinden dauernd angestellt zu sein, denn bekanntlich gehört hiezu nicht nur Fähigkeit und Stimme, sondern, was die Hauptsache ist, auch Glück, so passiert -es Manchem von uns, dass wir hiu und wiedcr ans die Rückseite der ,Cantorcn-Zritnug' blicken, um für uns eine passend scheinende Slclle zu erspähen. So ergieng cs vor einigen Jahren auch mir. Die Gemeinde K. schrieb einen Concurs behufs Besetzung der Chordirigenten-Stelle aus. Ich reichte ein Osstrr nebst -Original-Zeuznißen ein, worauf ick die mir erfreuliche Veittheiluug erhielt, ich sei zur Probe zwar vorgemerkt, die Berufung Liezu werde aber erst in einigen Wochen erfolgen. Mil Geduld find wir nun alle Eantoren verleben, oder müssen cs fein, und so übte auch ick diese schöne Tugend, in der sicheren Erwartung, sie werde mir Rosen bringen. Nach kurzer Zeit -vertraute mir ein Mitglied meiner Gemeinde, man habe sich bei ihm Seitens i der Gemeinde K. über meine Person erkundigt, woraus er gewissenhaft geantwortet bat. Dies bestärkte mich noch mehr in anciner Hoffnung, denn, so rai'onnirtc ich. wenn mau sich über Jemanden erkundigt, so iutcressirt mau sich für ibn. Es vergiengen nun Monate, aber ׳אין קול ואין קשב bis ich endlich meine Documente zurückverlangtc, welche mir mir dem Bescheide retournirt wurden, ich sei noch immer zur Probe vorgemerkt. Meine Documente waren also 6 Monate im Archiv der genannten .Gemeinde, ohne mich zu befragen, ob ich in der Lage bin oder Lust habe, so lange zu warten, bis der löbliche Vorstand zu einer Entscheidung sich, bewogen fühlt.. Ein zweiter Fall. Die Grostgemcinde S. benöthigt einen Bassisten und einen Tenor; Letzterer soll auch Chordirigent sein. Auf mein Bewerben um die letztere. Stelle wurde ich zur Probe derufen, und dieselbe ful, wie mich der Vorstand einstimmig versicherte, vorzüglich aus, doch werde die Ausuabmc, ans welche ich ganz bestimmt rechnen kann, mit der des Bassisteu zugleich erfolgen. Nachdem ich mich aber im Warten schon zu lange, geübt habe, holte ich auf privatem Wege Erkundigung ein, worauf ich die Antwort enthielt, die Gemeinde acceptirt überbaupr keinen Tenor, da sie schon einen von früher hat, und Chordirigent kann -auch der Bassist sein. Zur Steuer der Wahrheit muh ich zwar erkennen, dass mir die Neisespesen ersetzt wurden, aber-warum Bedenken die Gemeinden nicht früher genau, welche Beamten sie benöthigen und anstellen wollen? Wozu uuuöthig Bewerber kommen lassen und sie materiell und moralisch schädigen? Denn, ׳sda sich der Zweck der Reisen sehr schwer verheimlichen lässt, so macht es bei der Gemeinde immerhin einen schlechten Eindruck, wenn man unverrichteter Sache hcimkömmt. Ja ich kenne Gemeinden, die ihre Angestellten sofort entlassen, wenn sich dieselben um eine andere Stelle bewerben, und so fallen die Aermsten zwischen zwei Sessel-zur-Erde. Dies sind sehr traurige aber leider wahre Erscheinungen, es wäre also die höchste Zeit, auf diesem Gebiete etwas zu thun. Ich könnte noch einige Beispiele dieser Art anführen, aber wozu etwas erzählen, was den Meisten von uns aus eigener Erfahrung bekannt ist. Eines Umstandes must ich aber noch Erwähnung rbnn, der sehr deprimirend für unseren Stand ist. Wenn man nämlich schon das Glück hat, zu einer Probe berufen zu werden, so muß man oft stundenlang herumlausen und antichambriren, bis man bei dem vielbeschäftigten Vorsteher, der gewöhnlich Arzt oder Advocat ist, und dem jüdische Angelegenheiten nichts weniger als angenehm sind, vorsprechen kann.' Dieser schickt nun den devot dastehenden Bewerber weiter von Pontius bis zu Pilatus, d. h. zum zweiten Vorsteher, dieser wieder zum Tempelvorsteher u.!. f., bis man endlich nach, vielem Herumlaufen sich sämmtlichen Vorstandsmitgliedern vorgestellt har. Vergisst man aber einen derselben, wie dies durch Unkenntnis der Personen׳ in einer fremden Gemeinde leicht der Fall il't, so hat mau ׳sichere Aussicht, denselben in der Opposition zu sehen. Die Herren scheinen überhaupt oft zu vergessen, dass sie Jemanden zur Probe berufen haben, denn nichl selten kommt es vor, dass der Bewerber sich erst Kost und Wohnung für den Samstag suchen must. Mir ist auch ein Fall bekannt, wo der Präses rundwegs erklärte, die Gemeinde besorge den Unterhalt des Berufenen nicht, nur im Falle der Ausnahme werden ihm die dicssälligen Ausgaben gedeckt. Ich glaube von diesem Thema genug gesprochen zu haben, denn dies Wenige genügt, um die ,Concursverhältniste' zu kennen, und es wäre nur erwünscht, diesen Uebeln wie eher abznhelfeu. Das neue Gesetz, ,betreffend die Regelung der äußeren Nechtsvcrhältniste der ׳ israelitischen Neligionsgesellschast', welches für Collegen in Oesterreich gewiss von größtem moralischen und materiellen Nutzen sein wird, bleibt boffentlich auch jenseits der Leitha nicht ohne Wirkung. K. .in H. Ein altes Thema im neuen Gemnnde. Von M. Tintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau, Preußisch-Schlesien. (Nachdruck verboten.) (Schluss.) ,Holl auch das Alter nicht verneinen, <L0 müsst Ihr es gur miteinander meinen, Müsst. Viele fördern,-Manchem nützen, - Das wird auch vor Vernichtung schützen." In diesem Citate, dessen Verfasser es so gut mit der menschlichen Gesellschaft meinte, liegt auch der beste Wahlsprnch, der für uns hätte gedichtet werden können. Klein jedoch ist die Zahl derer in unserem Lager, die sich wirklich klar sind über die Bedeutung des ihnen anvertrauten Amtes und über das, was ihnen, nothlhut, und wenige sind. die Collegen, die überhaupt Antheil nehmen an all' den Anforderungen, welche die ernste Zeit an sie zu stellen berechtigt ist. Sie beharren in einer gewissen Stagnation und lassen alles über sich ergehen, vielleicht,mik026r ruach umeawado koscho.“ Wer aber als Sohn seiner Zeit ein thätiges Mitglied in der Kette der Gesammtheit heißen will und von der Ueberzeugung durchdrungen ist, dass unser Schaffen und Wirken einen höheren Werth hat, wer es begreift, dass unser Beruf cs gebietet, Heil und Segen in den Familien, Gemeinden