Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 13 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-auf, Grund von Vergleichen seine Stimmmittel zu schätzen in der Lage waren, sich im Gesang weiter auszubilden. Da er in feinem Geschäfte sehr oft längere Zeit in Wien zu thun hatte, so konnte er diesen!Rath ohne große Störung in seinem Geschäfte befolgen. Er nahm musikalischen und gesanglichen Unterricht bei dem damaligen Professor am Wiener Conservatorium, Weiß, und später bei unserem unvergesslichen Sulzer. Bei seiner Begabung machte er rasche Fortschritte. Sulzer gewann ihn bald sehr lieb uud wusste ihn durch seinen aufmunternden Beifall noch mehr anzuspornen. Das Zeugnis, welches Sulzer ihm nach vollendetem Unterrichte ausstellte, war ein glänzendes und enthielt unter Anderem die Be׳ merknng, dass Leopold Mass nach seinen Stimmmitteln — er besaß einen äußerst kräftigen und klangvollen hohen Bariton — und seinem yrusikalischen Wissen befähigt sei, in einer der größten Städte als Cantor zu fuugiren. Nun wurden unserem Kalman Löb Mass verschiedene Anträge gemacht. Manche riethen ihm, sich der Oper zu widmen, andererseits wurden ihm glänzende Cantorposten angetragen. Er hatte in einem Wiener Tempel sogar schon seinen Probevortrag mit glänzendem Er- 'folge gehalten und sollte acceptirt werden, da siegte in ihm im letzten Augenblicke die Liebe zu seiner Heimathstadt und zu seinen Eltern über die verlockende Aussicht auf eine glänzende Zukunft, und er kehrte nach Nikolsburg zurück. Hier wurde er nun nach der Pensionirung seines Vaters als Dbcrcanto r in der Altschul-Synagoze angestellt. Er war eS, der nach Sulzer'schem Muster in Nikolsburg den modernen Gottesdienst mit Chor einführte., ohne aber dadurch die Gefühle der Orthodoxen zu beleidigen. Er wusste eben das Alte mit dem Neuen so harmonisch zu verbinden, dass er beide Parteien, Orthodoxen und Neologen, -befriedigte. Von seinem Vortrag war Alles begeistert. Er sang hinreißend ^'chön und wusste Alt und Jung in die andachtsvollste Stimmung zu versetzen. In den Jngenderinnerungen der hier in Wien zahlreich wohnenden Nikolsburger wird gewiss auch das Bild dieses Mannes nicht fehlen, der es verstand, ihre jugendlich empfänglichen Gemüther mit weihevoller Andacht zu erfüllen. Wahrhaft glänzend waren seine Vorträge an den Jomim Nauroim. Es lässt sich nicht beschreiben, wie tief und mächtig er da die Herzen Aller bewegte. Eine heilige audachtsvolle Stille herrschte in der Synagoge, wenn er an diesen Tagen den Unsanne lokef vortrug. Er setzte seine ganze Kraft daran, um Gott und Menschen zu befriedigen. Trotz des vielen Leids, welches er in seinem Leben erduldete, wovon wir nur erwähnen wollen, dass er drei Gattinnen begraben hat, hat er stets den gleichen Eifer und die gleiche Hingebung für seinen Beruf bewiesen. Er war von musterhafter Pflichttreue, indem er sich, wie er selbst immer sagte, als עבד אלוהים als Diener GotteS betrachtete. Was ihm bei seinem Berufe als Cantor besonders zu Statten kam, war sein großes hebräisches Wissen. Er war aufrichtig fromm, ohne aber ein Frömmler zu sein, und diese seine eigene GotteS- Verehrung war es, welche ihn befähigte, sich bei seinem Gottesdienste vom irdischen Jammer zum Ewigen und Unendlichen emporzuschwingen. Um das Bild des Verewigten zu vervollkommnen, erwähnen wir noch, dass auch seine äußere Erscheinung eine imposante war, so dass er auch in dieser Hinsicht sein Amt würdig repräsentirte. Seine Stimmmittel sind ihm fast ungeschwächt bis zu seinem Tode erhalten geblieben. Besonders schön hat er am letzten Rosch-Haschonoh und -Jom Kipur seines leider so freudlosen Lebens vorgebetet. Er selbst sagte damals im Kreise seiner Familie: ,Schon viele Jahre habe ich nicht so schön gebetet.* ' Wie schon srüher erwähnt, hatte er großes talmudisches Wissen und war ein Morenu. Er hatte nahezu 4V Jahre der Nikolsburger Talmud-Chewrah angehört, deren Mitgliederzahl schon stark zusammengeschmolzen ist, und in die sein Tod eine tiefe Lücke gerissen hat. die nie mehr ausgefüllt werden wird. Auch als Mensch erfreute sich der Verstorbene allgemeiner Beliebtheit. Er war ein Muster strengster Pflichterfüllung in jeder Hinsicht, er war von mackelloser Ehrenhaftigkeit und wahrhaft noblen Charakters, er was der liebevollste Gatte und Vater, von gewinnendster Freundlichkeit gegen Jedermann und jederzeit bereit, mit Rath und That zu helfen. Er selbst verzichtete auf die einfachsten Genüsse des Lebens, um nur Anderen wohlzuthun. Dabei war er von einer außerordentlichen Bescheidenheit uud Anspruchslosigkeit. Als er sein 70. Lebensjahr vollendete, suchte er dies zu verheimlichen, um den össentlichen Huldigungen zu entgehen. Aber die Gemeinde ließ diese Gelegenheit nicht vorübergehen, ohne ihm Beweise ihrer Verehrnng und Liebe zu bieten. Der Vorstand der Altschul» Synagoge erschien in corpore bei dein Jubilar, übergab ihm ein Ehrengeschenk und sprach ihm seine Glückwünsche in der herzlichsten Weise aus. Ebenso erschienen die Gemeindevorstehung, Deputationen von Vereinen und eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern, um ihrem geliebten Reb Kalman Löb Mass ihre Gratulation, sowie ihre Verehrung und Liebe auszudrückeu. Tief gerührt war der alte Mann, von diesen allseitigen Huldigungen und war glücklich, der Gemeinde noch weiter seine Dienste widmen zu können. Leider sollte ihm dies nicht mehr lange gegönnt sein. Kaum ein Jahr später, am 7. Adar, dem Sterbetage Mosis, schloss er für immer seine Augen. Wie sehr die ganze Gemeinde seinen Hingang betrauert, bewies die überaus zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängniße. Die Gemeindevertretung, der Vorstand der Altschul-Synagoge, Deputationen der verschiedenen Vereine, fast sämmtliche Gemeindemitglieder folgten dem Sarge. Die städtische Feuerwehr, deren beitragendes Mitglied der Verstorbene war, bildete Spalier. Das Leichenbegängnis fand am 28. Februar, einem Freitage, Nachmittags, statt. Sonst dürfen in der Nikolsburger Jsraeliten--Gemeinde um diese Zeit keine Trauerreden gehalten werden. Eine Ausnahme von diesem Brauche sindet äußerst selten, und nur bei bes onders ausgezeichneten Männern, statt. Kalman Löb Mass wurde ohne Bedenken dieser Ausnahme würdig erachtet. Der Rabbinatsverweser. Josef Knöpfmacher, ein persönlicher Freund und Jugendgenosse des Hingeschiedenen, hielt demselben auf dem Friedhofe einen warmen, höchst ehrenvollen Nachruf, in welchem er die Vorzüge des Verblichenen, sowie die Größe des Verlustes, den die Gemeinde durch dessen Hiulritt erleidet, hervorhob. Die allgemeine Stimme aber lautet: Kalman Löb Mass wird nie ersetzt werden^ ein Kalman Löb Mass wird in der Alt-Synagoge nie mehr gehört werden! lieber die Amtsnachfolgerschaft nach dem Verstorbenen ist noch nicht entschieden worden. Vorläufig versieht dessen Sohn, EmanueL Mass, der nahezu 21 Jahre neben ihm als zweiter Cantor fungirte, das Amt des ersten und zweiten Cantors. Gedenket der Tage der Vorzeit — erwäget die Aenderung der Zeitalter. V. B. M. 32, 7. Dr. Gabriel Rießer HI. XXVIII. Sehr geehrter Herr Red acteurl Ich will hoffen, dass Ihr eigentlicher geschätzter Leserkreis, bis ihm diese Correspondenz .zu Gesicht kommen dürste, nicht nur den Verdauungs-Prozess der 10 Söhne Hamans, die bekanntlich casuistisch in einem Athemzuze abzuleiern sind, sondern sogar das ]Lechem. Oni glücklich fertig bekommen haben. Die schnelle, und was Hauptsache ist, die eorrekte Vorlesung der Megilla nebst ritueller Verschluckung der unwürdigen Familie Hamans gehört