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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-01 · Heft 13 (1.5.1890) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 13 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ter heiligen Sache des Judenthumes hat, muß die Gemeinde seines Ortes unterstützen oder auch die Nachbargemeinde, wenn rs dieser an Den nothwendigen jüdischen Institutionen fehlt. Es ist für jeden aufrichtigen Israeliten eine Gewissenssache, nach Verhältnis feiner Kräfte sein Schcrflein zur Erhaltung der Gemeinde beizutrazen. ' Es kann aber nicht geleugnet werden, dass trotzdem manche Gemeinden oft großes Unrecht begehen. So hörten wir neulich, Hass zwei alte und ehrwürdige Mitglieder ausgeschlossen wurden, weil sie freiwillig 150 Dollars beitragen wollten, während die Gemeinde 200 Dollars verlangte. Dieses Verfahren scheint uns nicht ganz angemesien zu sein. — Von einer anderen Gemeinde hörten wir, dass sie durch sechs Monate jeden Sabbath einen anderen Candidaten hatte, welcher vorbcten und predigen musste, ohne dass sie einen derselben zur Anstellung wählte oder ihm auch nur die geringste Entschädigung zahlte. Es war auch vorige Woche nicht das erste Mal, dass׳ eine Gemeinde einen Candidaten aus weiter Ferne berief, ihn am Sabbath functioniren ließ und ihm Sonntag die Erlaubnis ertheilte, wieder dorthin gehen zu können, woher er gekommen war. Dieses konnte derselbe jedoch nur dadurch ermöglichen, dass ihm eine mitleidsvolle Person oder ein außerhalb Der Gemeinde stehender Verein die Reisekosten schenkte. Dieses schreiende Unrecht,- gegen welches wir schon so oft protestirt haben, wird aber so häufig begangen, dass sonst aufrichtige und religiöse Männer cs gar nicht mehr für eine Verletzung der Religionsgesetze: ״Du sollst den Lohn des Taglöhners nicht über Nacht behalten", Du sollst Deinen Nächsten nicht bedrücken" und אל ת:זל דל ,Du sollst den A r m en nicht -berauben" halten, deren sich keine Gemeinde schuldig machen sollte. Dieser Mißbrauch, dieses Ausbeuten armer Candidaten und ihrer Familien sind cs, gegen welche wir um der Gerechtigkeit willen wiederholt öffentlich Protest erheben müssen. Als geeignetes Verfahren dürfte dagegen das folgende zu empfehlen sein: Wenu eine Gemeinde eines Beamten bedarf, so müsste sie cs sich zur Regel machen, dem berufenen Candidaten wenigstens den Gehalt für eine Woche nach Verhältnis des ausgeschriebenen | Zahreßgehaltes zu zahlen und nie mehr Candidaten zu berufen, als sie nach diesem Satze bezahlen will oder kan n. Der vorerwähnte Beamte hat gerechten Anspruch an die Gemeinde auf den einwöchentlichen Antheil des ausgeschriebenen Jahresgehaltes und die Gemeinde begeht eine .2ד2ד (Diebstahl), wenn sie ihm denselben vorenthält." Diese Sprache eines freien amerikanischen Blattes ist so beredt, dass der Artikel die weiteste Verbreitung durch die jüdischen Blätter verdient, damit endlich dieser unselige Zopf .91 eisekosten werden nur dem Gewählten vergüt 61' zur Ehre der Gemeinden, sowie zur Ehre der von denselben berufenen Eaudidaten auf immer aus dem Jnserateutheile der jüdischen Zeitungen schwinden möge. L- Cohen, Cantor u. Lehrer in Rees a. Rhein. I Kalman M Mass I I geb. am ,8. Jänner 1819 in Nikols bürg I > gest. am 27. Februar 1890. I Tiefe Trauer erfüllte die Mitglieder der isräelit. Gemeinde in Nikolsburg, als sie am 28. Februar d. I. ihren hochverehrten und geliebten Obercantor, Morenu Raw Kalman Lob Mass, welcher durch nahezu 30 Jahre dieses Amt an der Altschul-Synagoge versehen hatte, zur letzten Ruhestätte begleiteten. Schon rein menschlich genommen, musste das Hinscheiden dieses Mannes, der ein echtes Nikolsburger Kind, ein Stück des guten Alt- Nikolsburg repräseutirte, bei Alt und Jung die wehmüthigsten Gefühle erwecken. War er bei der jüngeren Generation eine Erscheinung, ohne die sie sich die Altschul-Synagoge und mit ihr die Nikolsburger Jsraelitengemeinde gar nicht vorftellen konnte, so verlor die ältere Generation in ihm einen alten, treuen Jugendgenossen, und manchem Greife, der am Sarge des Verblichenen stand, rollten reichliche Thränen die Wangen herab, bei dem Gedanken, dass mit Reb Kalman Lob. Mass ein Theil seiner selbst, ein Theil seines Lebens und seiner Welt begraben werde. Aber abgesehen von dieser rein menschlichen Seite hat das Hinscheiden dieses Mannes, mit Rücksicht auf dessen Bedeutung im Gemeindeleben und mit Rücksicht auf seine weit über Nikolsburg hinausreichende Bedeutung als Cantor, eine unausfnllbare Lücke gerissen. Möge es uns daher gestattet sein, in kurzen Umrissen seinen Lebenslauf zu schildern. Kalman Löb (Leopold) Mass war zu Nikolsburg im Jahre 1819 geboren. Er war der einzige Sohn des Ezechiel (ר' יהזקאל) Mass, welcher durch 40 Jahre, und theitweise -noch bei Lebzeiten des berühmten mährischen Landrabbiners Markus Benedikt, in Nikolsburg an der Altschul-Synagoge das Amt des Chasau versehen hatte und der mit feiner glockenreinen Tenorstimme als vortrefflicher Baal Tefillahbei Vielen noch in bester Erinnerung steht. Als einzigem Sohne wurde dem jungen Kalman Löb eine liebevolle und sorgfältige Erziehung zu Theil. Nachdem er eine ׳ sehr gute Schulbildung genossen hatte, widmete er sich, dem Lieblingswunsche seiner Eltern gemäß, ganz dem Talmndstudium, er wurde Bochur. Er lernte zum größten Theile unter den damaligen bedeutenden Rabbinern und Talmudisten in Nikolsburg, theilweise aber auch in Eibenschntz in Mähren, wohin ihn sein Vater schickte, damit er auch einigermaßen die Fremde kennen lerne. Unser Kalman Lob war einer der Hervorragendsten unter seinen Studiengenoffen und zeichnete sich durch rasche Auffassung und bedeutenden Scharfsinn aus. So erreichte er in verhältnismäßig kurzer Zeit das Ziel feiner Wünsche, den Titel Morenu, welcher nicht bald einem Würdigeren verliehen ward. Nebstbei wusste er sich auch eine ansehnliche allgemeine Bildung zu erwerben. Schon in seiner frühesten Jugend lauschte unser Kalman Lob mit großer Aufmerksamkeit den Vorträgen seines Vaters im Tempel, so dass er als Jüngling mit den alten, überlieferten jüdischen Nigunim mehr vertraut war, als so mancher Cantor der neueren Zeit. Er war über- Haupt für Musik und Gesang außerordentlich empfänzlich und begeistert und er selbst erzählte manchmal In späteren Jahren, wie er oft als junger Mensch beim Anhören eines schönen Musikstückes biß zu Thränen gerührt war. So wuchs er Harmonisch gebildet und auch körperlich vortrefflich gediehen zum prächtigen Jünglinge heran, die Freude und der Stolz seiner Eltern, der Liebling der Gemeinde. Bis jetzt hatte er sich noch keinen bestimmten Beruf gewählt und erst feine Verheirathung sollte, wie dies bei den Bachurim zu damaliger Zeit gewöhnlich geschah, diesfalls eine Entscheidung bringen. Der damalige, hochangesehene Bürgermeister der Judengemeinde, der Juwelier Neb Jtzig Toch, fand Gefallen an dem jungen Manne, setzte ihn zu feinem Schwiegersöhne ein und nahm ihn zu sich ins Geschäft. So wurde Kalman Löb MafS Gold« und Silberhändler, welches Geschäft er bis zu seinem Tode, später allerdings in sehr reducirtem Maße, betrieb. Zu dieser Zeit fieng Kalman Löb Mass an, h׳'e und da seinen Vater im Tempel zu vertreten, und jedesmal war Alles voll Be- Wunderung für den schönen Vortrag und die glänzende Stimme des jungen Mass. Da riethen ihm einige Freunde, welche in Wien Gelegenheit gehabt hattest, andere Cantoren und Sänger zu hören und

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