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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-01 · Heft 13 (1.5.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 13 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 bleiben. So viel jedoch steht fest, dass die Anschauungen der beiden intelligentesten Vertreter des modernen Synagogengesangcß in dem. einen Gesichtspunkte, der nothwendigen Pflege des traditionellen Gesanges, Zusammentreffen. Wie wäre es auch anders denkbar? — Die traditionelle Melodie zog sich bis in die entferntesten Winkel zurück, ängstlich znsammenschauernd, angesichts des sie feindselig nmwebenden Eiseßbauches der bekannten Anfanzsbestrebnng modernen Synagogengcsanges, und durfte in ibrcr altehrwürdigen aber scheinbar abgetragenen Gewandung es nicht wagen,neben dem jugendlichen und modern bekleideten Knuststyle zu erscheinen, ohne der Zudringlichkeit geziehen zu werden; musste vielmehr, um, wenn auch nur elend, weiter zu bestehen, die Gemeinschaft bekannter Altersgenossen, wie Piutirn, Jozei etc., die ans Der modernen Synagoge gleichfalls verbannt wurden, aufsuchcu. Dort fristeten sie ein allerdings kummerrcichcs Dasein, bis die modernen Herren Synagogengesangsverlrctcr nach und nach zur Erkenntnis gelangten, dass eS lediglich mit der modernen Melodie für die Folge keineswegs sein Bewenden haben könne und man sich daher nothgcdrungen wieder die alten Weisen anschen müsse, mit denen vielleicht, trotz des auf ihnen lastenden Bannes, doch noch etwas an zu- -fangen wäre. So gelangte die traditionelle Melodie nach und nach zu Bedeutung und freier Machtentfaltung, so dass dieselbe in unserer Zeit ein Hauptfaktor der synagogalen Liturgie geworden und ihre Herrschaft voraussichtlich auch für spätere Tage behaupten wird. Der Bannstrahl wurde jedoch nicht immer von Neophyten oder zielunbewusslen Vertretern des Synagogengesanges, die ja noch heule, selbst in großen Gemeinden mir dem Trngbilde einer sogenannten modernen Kunstform liebäugeln und den uneingeweihten Zuhörer verblüffen wollen, geschleudert, sondern auch die gewaltigen Machthaber der synagogalen Töne, denen die technische Ausführung der altjüdischen Melismatik etwas unbequem war, machten aus der Not eine Tugend und suchten leider die alte Weise aus der Synagoge zu verdrängen, indem sie von nichtjüdischen Compouisten die heiligsten Stellen des Synagogenzebetbuchcs musikalisch illustrieren ließen und somit auf Den alten s Stamm ein junges Reis pfropften, welches dort unmöglich ge- ן Leihen, sondern im Laufe der Zeilen verdorren und ab fallen musste. So kam es, dass beispielsweiie von den Nachfolgern Sulzer's selbst die Nelponiorien des 8chir Zion verworfen und jeweilige Versuche zur Neugestaltung derselben unternommen wurden, daher die geradezu possierliche Erscheinung, dass von jedem späteren Herausgeber eines synagogal-gesanglichen Werkes sogar das gewöhnliche Borucli hu uworuch schmo und amen in neue Formen gekleidet erscheint und einer Verwirrung Olaum gab, der gegenüber wir Zeitgenossen uns in Verlegenheit befinden, welche jedoch den späteren Historiker mit wahrhaftem Entsetzen erfüllen wird; mit Entsetzen vor einer Kunstrichtung, da ein jeder Catuor vor dem Bctpulte das thal, was er wollte, und jeder sogenannte Componist, ohne Nücksichtuahme auf Styl und Herkommen, das schuf, was er wollte. Leuchteten nun nicht einige wenige, Helle Sterne inmitten dieser allgemeinen Finsternis, es lagerte tiefe Nacht auf der liturgischen Gesangsarbeit der Israeliten, und die tiefe Nacht sie musste endlich erhellen durch das Meer von Licht, welches diese hellleuchtenden Sterne entsendeten. Waren nun diese geschilderten Vorkommniße in einer Zeit der allgemeinen Aufklärung und in einer von Cultur und Volksbildung durchwehten Umgebung möglich, wie sollte der Synagogengesang erst dort geordnet werden, wo die Volksbildung keine allgemeine, die Anschauung noch verknöchert war? Wie sollte beispielsweise der Synagogenzesang in Rußland und den angrenzenden Ländern zeitgemäß gestaltet werden? Dort huldigte das Volk noch ausschließlich der Melodie, und wohlzesetzte, kunstvoll gefügte Eböre fanden keinen Anklang bei einem Publikum, dem Gebets, alte Melodie und d׳r sogenannte Stegreifgeiang noch als Heiligtbümer galten, die man um keinen Preis opfern wollte. Hier musste selbstredend ein Vermittlungsweg betreten werden, der den Zuhörer langsam und unbewusst auf jene Bahn leitete, die eine spätere, echte Knnstbcstrebnng vorbereiten und ermöglichen konnte. Reiche Erfahrung, umfassendes Wissen und ein ungetrübter Blick in die Zukunft mussten Eigenfchasten derj-.'nigen Männer fein, welche dieses schier erfolglose Unternehmen wagten, und volle Anerkennung mnß denjenigen Fachgenossen gezollt werden, die unbekümmert um Das öffentliche Urtbeil und ohne Rücksichtnahme ans ihr persönliches Interesse diese Sysiphus- Arbeiten ansführten. Mit der! Vertretern dieser Richtung wollen wir uns nun beschäftigen und beginnen unsere Arbeit mit Dem Leben und Wirken des Herrn P lese-Abras, Obercantor der israelitischen Cultnsgemeinde in Odessa. (Fortsetzung folgt.) Reisekosten werden nur den Gewählten vergütet! Den Lesern unseres Blattes sind die obigen Schlagworte gewiss nicht unbekannt und sicherlich dürfte schon Mancher perlönlich die unangenehme Bekanntschaft derselben gemacht haben. Das craffe Unrecht, das sie repräsentiren, ist bereits vor Jahren in diesem Blatte gegeißelt worden, und der Unmut, der hierüber laut wurde, fand auch in anderen Fachblättern kräftigen Widerhall. Aber trotz alldem blieb es beim Allen. Neuerdings lässt sichans dem Lande der Freiheit, aus Amerika, eine Stimme über diesen Uebelstand vernehmen, und bei dem acuten Interesse der beregten Frage, sowie dem ausdrücklichen Wunsche des llebersetzers entsprechend, sehen wir uns veranlasst, die diesbezüglichen in der ״Magdeb. isr. Wochenschr.' enthaltenen Ausführungen im Nachfolgenden wiederzugeben: Folgende Lection, welche dem in Cincinnati erscheinenden .American Israeli!«:' vom 27. März entnommen ist. dürste auch manche jüdische Gemeinde unseres deutschen Vaterlandes sich ins Album schreiben. Sie berührt einen wunden Punkt, aus welchen schon öfters in den jüdischen Blättern hingewiesen wurde, der aber immer wieder wie ein?INL2Q in den Concursen für jüdische Gemeindebeamte, besonders aber für Cantoren und Lehrer, in vielen diesbezüglichen Annoncen zum Vorschein kommt. Wer kennt nicht das Verhängnis- und bedeutungsvolle .Schwänzele', welches solche Annoncen (und zwar nicht zur Ehre mancher Gemeinden) dem vertrauensseligen Beamten in den Worten vor die Nase rücken: ,Rer sek osten werden nur dem Gewählten vergütet!'?' Der Raumersparnis wegen fei der Artikel jedoch ohne Commentar in wortgetreuer Uebersetzung wiederzegeben, da eK durchaus nicht schwer ist, für spccielle Fälle die Nutzanwendung aus demselben zu ziehen: ,Die jüdischen Gemeinden sind die Hauptpfeiler deK JudenthumeS. Sie haben während der letzten achtzehn Jahr- Hunderte dasselbe mit feinen Institutionen intact erhalten. Ohne Papst, Bischof oder Concil, ohne Fürst oder Hohenpriester stützten, und erhielten sie die jüdische Einheit in allen Ländern, Klimaterr und Generationen. Wer irgendwie Jntcreffe an der Erhaltung

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