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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-21 · Heft 12 (21.4.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Juden, die sich, wie man sagt, mit profanen Kenntnißen beschäftigten; aber auch das Studium auf dem Gebiete jüdischen Wissens war ein/verkümmertes. Das Studium der Bibel und der hebräischen Grammatik war vernachlässigt und das Studium des Talmuds diente nur dazu, Spitzflndigkeilen auf Spitzflndigkeilen zu häufen, und artete in eine fast absurde Sophiftik aus; daS Salz war faul geworden. , Der Kaiser gestaltete nun ausdrücklich, dass die Juden die Hochschulen und die Gymnasien besuchen können, und wurde das katbolisch gefärbte Gebe! vor und nach dem Unterrichte anfgegeben; den Lebrcrn winde eingeschärfr, die israelitischen Schüler liebevoll zu behandeln. Es war ibnen auch gestattet, die Volks-, oder wie sie damals bießeri, die Trivial- und Normalschulcu zu besuchen, aber da wo Inden in größerer Zabl wohnten, sollten sie jüdilche Schulen errichten. Von R. Iockanau ben Sackai wird berichtet, dass er sick von Kaiser Vcspasian die Gnade erbat, die Schule in Jamnina zu schonen, und der Kaiser gewährte diese Bitte, obne zu ahnen, dass ans diesen Schuten sich anj's Neue der jüdische Geist erbeben werde. Die Inden zur Zeit Kaiser Josefs II. hatten auch keine Ahnung davon, dass die Schulen, die der Kaiser wünschte, ihnen die Pforten in die Welt öffnen und von ihnen die Sckmach abwälzeu werden, die sie Jahrhunderte lang getragen baden. Sie weigerten sich, Schulen zu errichten oder die allgemeinen Schulen zu besuchen. Der Hauptgrund, warum die Juden zunächst gegen die Errichtung und auch gegen den Befuch der allgemeinen Schulen waren, bestand darin, weil man fürchtete, dass die Juden zum Abfälle von ihrer Neligion verleitet werden können. In katholischen Ländern hielt man die Sprache, in welcher Lutber schrieb, gejährlich für deu Katholizismus, und die deutsche Sprache, weiche die Unterrichtssprache war, war auch die Sprache der Feinde der Juden. Die erste jüdische Volksschule, die entstand, war jene in Triest, und war cs Hartwig Wessely, der auch den Kaiser Josef in hebräischer Sprache besang, der die Triester Gemeinde zu diesem Schritte bewog, und wie hinzugefügt werden mag. wurden die Lehrer an dieser Schule wiederholt vom Kaiser belobt und durch Gnadeugabeu ausgezeichnet; hierauf entstand eine jüdische Schule zu Prag. Die Triester Gemeinde richtete auch ein Sendschreiben an die Wiener Israeliten und an jene aus Galizien, die in Wien wohnten, in welchem die Errichtung einer jüdischen Schule empfohlen ward; doch die Juden in Wien waren stets Gegner einer jüdischen Schule und zwar ans politischen und socialen Gründen, und mag es hervorgehoben werden, dass sie zur Concordatszeit diesbezüglich den Kampf gegen den allmächtigen Minister Grasen Thun ausgenommen haben und Sieger geblieben sind. In Wien liest man damals und noch lange Zeit nachher die Kinder privatim unterrichten, und spielen die Hauslehrer oder die Hofmeister eine große Nolle. Der erste israelitische Schüler, der das Gymnasium in Wien besuchte, dürfte Josef Nassau gewesen sein, der als Hörer der Philosophie 1803 starb. Von seinem Vater Jsak Wolf Nassau besteht noch jetzt eine Stiftung, und die Mutter Eleonore war Mitbegrüuderin des Frauenvereines, der bis auf deu heutigen Tag segensreich wirkt. Salomon Löw aus Pressburg war der erste jüdische Student, der 1783 an der mediciuischen Facultät der Wiener Universität inscribirl wurde. Der erste jüdische Medicinae-Doctor war Samuel Oppenheimer, ein Nachkomme des bekannten Hoffactors Samuel Oppenheimer. Er hatte seine Studien nicht in Wien, sondern in Utrecht gemacht und wurde dort promovirt. Nachdem er in Pest überprüft worden war, gestattete ihm der Kaiser 1785, gegen I j deu Ansspruch der mediciuischen Fucultät, die Praxis in Wien, Nachdem der Kaiser den Eid auf die unbefleckte Empfängnis aufgehoben hatte, konnten auch, wie bereits bemerkt, jüdische Aerzte deu Dockorgrad erhalten. Unter der Negierung Kaiser Josefs II. hörten die Nabbiuatsgeeichte auf. Bis dahin waren die Juden geknechtet, sie wurden gepeinigt und gemartert; aber innerhalb des Ghetto genossen sie auf religiösem Gebiete vollkommene Freiheit, der Staat kümmerte sich nicht um ihre internen Angelegenheiten; außer Inden selbst wendeten ftiD mit Klagen an die Behörden, wie das nickt selten verkam. Die Inden batten nu Ghetto ihr eigenes Tanzhans undebenso hauen sie ihren Kerker, wohin diejenigen kamen, welche vom Nabbinaisgericht dazu verurtheilt worden waren, nämlich jene, die sich gegen die Neligionsgesttz: versündigt batten, oder die in Civilstreitigkeiten, die vom Rabbinale. entschieden werden konnten, dieser Strafe verfallen waren. Für geringere Vergehen bestand das HatSeisen in der Vorhalle der Synagoge, und habe ick selbst ein solches in der Synagoge meines Geburtsortes Hollesckau gesehen. Außerdem gab es noch die Strafe des Bannes. Kaiser Josef hob im Jahre 1784 die Nabbinatsgerichte auf und nnterstellie die Juden wie die Christen der OrtSobrigkeit. Der Vorgang war gewissermassen ein sehr starker, da mir demsetben die Autonomie der Rabbiner ans tiefste erschüttert oder vernichtet wurde; aber er wurde leicht verschmerzt weil die Juden schon früher zumeist bei Streitigkeiten die weltlichen Gerichte anriefen. Zwei Rabbiner erhoben bei der Hoskanzlei Klagen gegen diese Verordnung, n. zw. die Rabbiner von Prag und Brody; aber die Klagen batten weiter keine Folge und wurden einfach ad acta gelegt. Die Censur wurde ferner angewiesen, in neuen Werken Stellen, die von bösen Geistern etc. handeln, zu unterdrücken. Die Hofkanzlei batte empfohlen (10. Februar 1781), bei Neudruck des Talmuds, des Midrasch u. s. w. manche Stellen zu streichen oder zu mildern. Hiezu bemerkte der Kaiser: .Der Antrag der Hoskanzlei kann umso weniger stattfindcn, als man sich dadurch dem Vorwürfe der Verfälschung solcher alter Denkmäler aussetzen würdet Kaiser Josef war es auch, der die Juden verpflichtete, persönlich Dienste beim Militär zu leisten. Gegen diese Maßregel erhob sich sowohl in militärischen Kreisen, wie unter den Inden Opposition. Der Kaiser aber ließ sich nicht irre machen, und der Prager Rabbiner Ezechiel Landau ermunterte die Juden zum Heeresdienste. Er hielt an die jüdischen Nccruten folgende Anspräche: ,Gott und unser allergnädigster Kaiser wollen, dass Ihr zum Militär genommen werdet. Schicket Euch daher in Euer Schicksal, folget ohne Murren, seid treu aus Pflicht und geduldig aus Gehorsam. Vergesset aber nicht Eure Religion. Erwerbet Euch und Eurer ganzen Nation Ehre und Dank, damit man sehe, dass auch unsere bisher unterdrückte Nation ihren Landesfürsten und ihre Obrigkeit liebe und im Falle der Noth auch ihr Leben zu opfern bereit fei." Hieraus übergab er den Necrnten die Gebetriemen. Noch muß ich ein Moment hervorheben. Die heutigen Antisemiten, unter welchen es auch, wie behauptet wird, gute Katholiken geben soll, bestreiten die Wirkung des Tauswasscrs, wie solche von der katholischen Kirche gelehrt wird, dass nämlich der Täufling neugeboren wird. Das war in früheren Zeiten anders, und es gab viele Katholiken und Katholikinnen, die es als gott» gefälliges Werk betrachteten, wenn sie einen Juden zur Taufe brachten, und die es als frommes Werk ansahen, jüdischen Kindern die Nothtaufe zu geben. Dagegen erhoben sich schon! Kaiser Karl VI. und dann, seine Tochter, die Kaiserin Maria

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