Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 12 (21.4.1890)
- Date
- 1890-04-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 nicht anerkennen und beugen sich in devoter Selbsttäuschung. Sie sind Männer von Geist und Herz, aber nicht von Kraf! und Energie, wir achten sie als unsere Collegen und Freunde, aber wir müssen sie bedauern. Schlimmer als diese, sind jedoch Diejenigen, deren Ideal nur die Klugheit, respective die Schlauheit im Amte ist, die ihre Anschauungen nach den Parteien in der Gemeinde feststelleu, und somit das Heiligste als ,Geschäftssache" entwürdigen. ,Man kann nicht alles Zedermann recht machen!' (Fortsetzung folgt.) Farben und Töne.*) Von Dr. O- Stein. Heinrich Heine war stolz auf sein ,Klangbildertalent', d. h. auf die Eigenthümlichkeit. dass stch bei den Klängen der Musik Die Töne in seiner Phantasie zu rasch wechselnden Bildern gestatteten, wie er sie beispielsweise in seiner berühmten Schilderung -eiucs Paganinischcn Coucerts in den ,Florentinischen Nächten' ausgezeichnet bat. Es bat aber durchaus nichts Ausfallendes, dass zwischen Gehör und Gesicht sehr innige Beziehungen bestehen, worauf ja schon die physikalische Verwandtschaft zwischen Tönen und Farven hinweist, die ja beide durch sich fortpflanzende Schwingungen erzeugt werden. Die Tonhöhe hängt bekanntlich von der Anzabl der Schwingungen eines tönenden Körpers ab, während die Farbenempstndung durch die Zahl der Schwingungen des Lichtäthers bestimmt wird. Man kann A. B. Marx auch nur beistimmen, wenn er an der von manchen Seiten bestrittenen ״Charakteristik der Tonarten' fcstbält und sagt: ״Wer mit unbefangenem und «mpfänglichcm Sinne Musik bört und ausübt, der ist inue geworden. Lass die verschiedenen Tonarten — abgesehen von Höhe und Tiefe, abgesehen davon, dass einige auf dem und jenem Instrumente mehr Helle und klangvolle Töne haben als andere <z. B. die Tonart O-Dur, auf der Geige die bloßen, stärker und Heller erklingenden Saiten) — einen verschiedenen Charakter, bald heißere, bald kühlere, bald trübere und weichere, bald hellere und festere Stimmung an sich haben und auf den Hörer übertragen, obgleich der Grund dieser Erscheinnuug noch nicht aufgedeckt ist.' Man hat neuerdings sogar, entsprechend den drei Grundfarben roth, gelb und blau, auch in der Musik drei Grundtöne: e, e und g angenommen, von denen g dem Roth, 6 dem Gelb und c dem Blau cntspicht, und deren Aenderungen durch stimmliche Verschmelzung die Reihe der harmonischen Tonverbindungen erzeugen sollen, genau so, wie die Aenderungen der Drei Grundfarben durch ihre tbeilweise Verschmelzung alle Abstufungen des Sonnenspcctrums hervorbringem Noch inniger verwandt, als die Töne an sich, ist offenbar ihre Klangfarbe, der geistige Ausdruck der Töne und die dadurch dervorgerufene Stimmung, den Farben auf der Palette des Malers, weshalb man auch von einem Orchestercolorit, von zu starkem Farbenauftrag eines Tonstückes oder der dunkeln Färbung einer Stimme spricht. Mau hat daher auch wohl den grellen Trompetcuton mit roth und die milden Mitteltöne des Cellos, oder den rubigeu Klang der Bratsche mit braun bezeichnet, doch sind solche Vergleiche, obwohl au sich nicht unzutreffend, immer mehr oder weniger individuell und willkürlich. Neuerdings hat aber auch die Physiologie ihre Aufmerksam- Leit den Beziehungen zwischen Gesichts- und Gehörswahrnehmungen zugewendet und bereits verschiedene höchst intereffante und merk¬ *) Siehe ״Neue Musik-Z ei tu n g.' Stuttgart, Leipzig. Jahrg. XI., Nummer 5. würdige Wahrnehmungen gemacht. Zunächst ist festgestcllt worden, dass es Personen gibt, welche keinen Ton bören, ohne gleichzeitig auch eine Farbenempstndung zu haben. Die Engländer nennen dies ziemlich seltene Phänomen ״colour hearing.“ Einer dieser ״Farbenhörer' oder Tonseher', den Dr. Pedrono in Nantes beobachtet hat, sieht bei jedem Tone, den er hört, eine andere Farbe, deren Intensität der Tonstärke entspricht, so dass ein dröhnender Schall grell leuchtende Farben hervorruft. Im Allgemeinen sind alle mit einem Kreuz versehenen Noten Heller, die mit einem b versehenen dagegen dunkler als die ohne Vorzeichen. Dasselbe Stück bringt, auf verschiedenen Instrumenten vorgetragen, auch ganz andere Farbenerscheinungen hervor. Die menschliche Stimme erzeugt die verschiedenartigsten Eindrücke: im Allgemeinen geben die Vocale 1 und 6 lebhafte Farben, a und o weniger stark hervortrctende, u dunkle. Meist entspricht dem e gelb, dem a dunkelblau, dem o roth oder orange, dem u schwarz. Er gewahrt die Farbenerscheinungen auf dem tönenden Körper, von dem die Schallschwingungen ausgeben; bei singenden Menschen senkrecht über ihnen und um ihren Kops. Professor Albertoni in Bologna hat nun noch die Entdeckung gemacht, dass an Farbenblindheit leidende Personen auch entsprechende Mängel der Gehörsempsindung haben. Farbenblinde, die kein Notb wahrnehmen, konnten beispielsweise in der Tonleiter kein g unterscheiden und cs auch, wenn man es aus dem Clavier anschlng, nicht nachsingen, während sie alle anderen Töne genau Wiedergaben; bei Farbenblinden für das Grüne fehlte die Wahrnehmung des Tones 6. Eine wissenschaftliche Erklärung dieser Fälle lässt sich gegenwärtig noch nicht geben, wohl aber genügen dieselben, um die innige Verwandtschaft der Töne und Farben darzuthun, die dadurch sozusagen erfahrungsgemäß bewiesen ist. Kaiser Joses II. (Schluss.) Das Bedeutendste und Wichtigste im Toleran;patente war, dass der Kaiser den Znden die Schulen öffnete, sowohl die niederen wie die höheren, und dieses war der archimedische Punkt,, von welchem aus sie sich den Eintritt in die Welt, in die Gesellschaft und dann Gleichberechtigung eroberten. Es giebt kein Volk, dass so großen Werth auf Bildung und Wissen seit den ältesten Zeiten legt, wie dis Juden, und zwar Bildung und Wissen selbst im zartesten Kindesalter. Wir dürfen es mit Stolz sagen, dass bei uns Inden die ersten Kinderschulen waren. Im Alterthume kannte man nämlich keine Kinderschulen, auch im Mittelalter gab es deren nicht viele. Als Beweis dessen mag gelten, das die älteste Schule hier in Wien die Bürgerschule zu St. Stefan im 13. Jahrhundert war (der Ort, wo sie stand, ist bekannt, Stefansplatz Nr. 3.) In dieser Schule war der Vortrag in lateinischer Sprache, die Umgangsspräche war jedoch zu jener Zeit in Wien nicht die lateinische Sprache, und es war daher nicht möglich, dass dieselbe für Kinder war. Thalsächlich bildete sich aus dieser Bürgerschule dann die Universität heraus. Bei uns Inden wurden jedoch Kinderschulen vom hohen Priester Iosna ben Gamala zur Zeit des 2. Tempels begründet. Die Schule stand auch bei den Juden stets höher als das Gotteshaus, daher kommt es,׳ dass man ans einer Synagoge eine Schule machen darf, nicht aber aus einer Schule eine Synagoge, weil das eine Degradirung wäre. In Folge der Jahrhunderte langen Bedrückung und der Abgeschlossenheit der Juden nach außen gab es aber nur selten