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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-21 · Heft 12 (21.4.1890) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Central־Org־an Prnnuuicrulions-Preis. Kür ßanloren und ßuttusveamle in Heüerreich Angarn Ar die IntereAm der Hrmtoren Wedaction Administration Wien Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.st. 2.— IL Icouaragaffe Nr. 27. Kür ßantorcn «nd Hnttnsveamle lim llyUllll&Al v alllitlu Inserate im Anstand werden billigst berechnet. Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür Arioate und AnMnte Ganzjährig ...... fl. 8.— Ees 1heinL feden Zehnt e n Tag. Mcumscripte werden nicht retournirt. Begründer: Obercauior Jacob Bauer. ASownemrnts- »nd Anjertions- Seträge find iw Wien jaQfOar. . 12. Wien- 81. April 1890. 10. Zahraang. Ein altes Thema m neuen Gewände. Von M. Tintner, Cantor und Lehrer in Bunzlau, Prcnßisch-Schlesien. , (Nachdruck verboten.) Vorüber ist das Fest der Erlösung, verklungen sind die lieblichen Sangeäiveiseii ans den Tagen der Vorzeit, Der erwärmende Sonnenstrahl haucht neues Leben in die scheinbar erstorbene Schöpfung. Blüten und Blumen sprießen aus dem Schoße der Erde, und,zahllose gefiederte Säuger stimmen dem ewigen, unerschaffencn, einzigen Weltenmeister das große Halleluja fröhlich an. Wie eintönig und öde wäre das Leben für den irdischen Pilger, wenn nicht nach Tagen der Mühe und Arbeit, Sorge und Plage Zeiten der Ruhe, der Freude uns be-- schieden wären. Doch nicht spurlos soll der Eindruck, den wir in den Tagen der Weihe und Heiligung empfangen, an uns vorübergehen. Die Poesie darf nicht von der Prosa der Alltäglichkeit verdrängt werden, das wäre ein Todcsschiaf und kein Bewundern der nnuennbaren Allmacht, kein ״Tecbias Hamesim“, sondern ein langsames Vermodern unter der Scholle einer ewigen Nacyt. Die Natur ist eine ewige Lehrmeisterin für den Menschen, so er Augen hat, um zu sehen, Ohren, um zu hören. ״Rak beenecho sabbit“. Du Menschenkind, Du mußt mit Deinem geistigen Auge vorwärts schauen, Deinen Gesichtskreis erweitern, Ansichten sammeln, die zur Wahrheit und Erkenntnis führen. Ist es denn nicht klüger und rathsamer, fremde Erfahrungen zu benutzen, sich an den Geistesproducten gereifter Menschen zu schulen, als erst durch eigene, oft bittere Enttäuschllngen belehrt, weiser und geschickter zu werden? per babitum infusum! Sollte es wirklich nicht uöthig sein, einander näher zu kommen durch Wort und Schrift, immer von einander zu lernen, sich lieber gewinnen und sich als wahre Freunde und College» zu achten? Gehe hinaus in die Gottesnatur, betrachte das kleinste Insekt, und Du wirst finden, wie sich Gleich und Gleich gesellt. Zerrüttung herrscht noch immer in unserer Mitte, Freimut erstehe! Die Rettung bleibt nicht aus, einmütig preisen wir dann den Herrn dafür! O, möge dieser Ruf einer Heldenmutter in Israel die Saiten unseres Herzeus bewegen, um unS als Brüder zu verbinden, einig und stark, dass die Folgen dieser Zusammengehörigkeit zum Wohle unseres Standes gereichen mögen. Wenn wir einen Rückblick auf all' die Anregungen halten, die unser Fachblalt seil dem Jahre seines Bestehens gegeben, so- ן müsste man glauben, dass die!e Saal schon Früchte krage. Wohl erblickt man hie und da Keime, die aber sorgfältig gepstegt werden müssen, um eine reiche Ernte zu erzielen. Nicht nur der materielle Vortheil sei das Losungswort nein — dec geistige, k wissenschaftliche Höhepunkt muß erkämpft und erreicht werden ,Nach dem Nocke wird der Mann empfangen, nach seinem Wissen und Können aber wird er entlassen.* Es ist ja dasjenige, woran! nicht nur wir, sondern das ganze Judeulhum Antbeil hat. In unserer Zeit heißt es nichr mehr, wer die lauteste Kehle besitzt, bleibt Sieger, sondern Kunst und Wissenschaft, innig miteinander verbunden, geben den Ausschlag. Mir vielen Seufzern und Klagen erreichen wir nichts, tragen wir nur der Zeit Rechnung, schütteln wir die unseren Stand so verböhnenden, entehrenden Sprichwörter von uns ab, und unterstützen wir die gutgemeinten Nalhschläge unserer College», anstatt ein scheues Zurückziehen, Anklage und Widerstreit zu fördern. Können wir ja doch nicht das Rollen der Zeit hemmen. Die öffentliche Meinung wird das ideale Bestreben, die Aneckennung des Canto! ent Humes als geistliche Fnnctionäre verfechten, so sich alle einmüthig unter die Fahne der allgemeinen Bildung stellen. Dass die Arbeit schwer ist. darüber wissen wir aus praktischer Erfahrung so Manches zu erzählen. Doch gerade dieser Umstand muß uns bestärken, den Kamps sortznsttzen. Kampf erfordert dieses Ziel, einen Kamps — weniger gegen Diejenigen» welche glauben, genug für das Amt gelernt zu baden; denn diese lassen sich endlich belehren und vom gesunden Menschenverstände früher oder später leiten —1 als gegen die Vornrtheile der Gemeinden, die glauben, der Chasan brauche nur singen und nöthigensalls einen Ochsen schlachten zu können, und als Zugabe die Jugend oren zu lehren. Solche Anschauungen verdienen nur unser Mitleid. Die meisten unserer Amtszenoffen verstehen den Ruf der Zeit, kennen den Kampf an sich; sie wollen aber seine Rechtmäßigkeit

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