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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-11 · Heft 11 (11.4.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (11.4.1890)
Date
1890-04-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e ivmde. Als aber im Jahre 1763 der Gottorxer Vergleich zu Stande kam, wo die königlichen Commissalien alle Rechte des Königs in hiesiger Stadt abtraten, und es den Gemeinden gelang, durch einen Separatartikel die Sache der Gemeinden bei der bisherigen Observanz bis zu einer näheren Auseinandersetzung zu behalten, von der Zeit an sah die dänische Regierung mebr als je auf die Fortdauer der Observanz, und wenn später der Senat sich Eingriffe darin erlauben wollte, so wurde ihm von dänischer Seite mit Aushebung des -Gottorxer Vergleiches gedroht. Unter der beibehaltenen Observanz wurde von dänischer Seite die Allonaer Gerichtsbarkeit verstanden, ohne dass jedoch der Senat diese eingeschlichene Observanz früher anerkannte, und der Senat j suchte in der Folge jeder Discussion auszuwcicheu. Wie Du sehr richtig bemerkst, haben diese Verhältniße vorläufig nur ein theoretisches Interesse. Etwas E1nülich:s zu Deinen Gunsten glaube ich dennoch bei Deiner Abwesenbeit vorläufig, und bis Deine projectirte Schrift erscheint, welche wie Du doch sagst, gut forlschreitet, nicht zu unternehmen. Wie stehi'ä mit der Aussicht zum Dociren an der dortigen Universität (München). Hierüber wünschten wir wohl Deine Meinung zu hörend Dass ein so gediegener Charakter in d:r vollsten Bedeutung des Wortes, eingedenk der Goelhe'scheu Sentenz: »Wollt ihr wissen was schicklich und gute Sttte ist. so fraget nur lei edlen Frauen an — war, bekunden zur Genüge seine Briese, die der eigentliche Biograph G. Rieß-r's, Dr. Isler. in reichhaltiger Fülle in den gesammelten Schriften Dr. G. Nießer's uns bietet. Der mir zur Verfügung gestellte Raum, müssigt mich nur aus Nennung der betreffenden Namen dieser wahrhaft geistreichen Damen zu beschränken. Es sind vorzüglich die Geschwister, Fräulein Elise und Sophie Hoffmeister in Heidelberg, Frau Dr. Haller in Hamburg, wie nicht minder Briese seiner zablreichen Freunde, Professor Hanno in Heidelberg, Dr. Steinheim in Altona, Dr. pbil. M. Stern in Göttingen. Diese wollen und müssen gelesen und beherzigt, nicht aber skizzirt sein. Zm Allgemeinen behandeln sie in edler, elastischer Nießer'scher Manier persönliche Angelegeubeiteu bezüglich seiner zu erstrebenden, eigentlichen Berussthätigkeit nach vollbrachten Studien, ferner kritische Urtheile über deutsche, französische, englische, litterarische Erscheinungen, poetischen, politischen wie auch religiösen Inhaltes, und bilden allein einen stattlichen Band. Da ich aber noch die eigentliche, berufliche prädistinirte Wirksamkeit Nießer'ö zu skizzireu deadsichlige, so bin ich genötbigt, die geschätzten Leser auf die gesammelten Schriften. Nletzer's von Dr. Isler zu verweisen, werde mir aber nächstens gestatten, ausznglich einen Brief an Frau Dr. Haller, das Leben Jesu von Strauß betreffend, und ein Stammbuchblart zu bieten. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wke«. Am ersten Tage des Peffachsestes feierte der älteste Sohn' des Freiherr« Albert v. Rothschild, Baron Georg v. Rothschild, seine Barmizwa und trug im Stadttempel die,Haftora' vor. Aus diesem Anlässe widmete Freiherr v. Rothschild namhafte Spenden verschiedenen rvohlthätigen Zwecken. Wie«. Aus einer kleinen galizischen Stadt erhält die Redaction der »Oesterreichischen Wochenschrift' nachstehenden Hilferuf einer unglücklichen Familie, der man auf dem »nicht mehr ungewöhnlichen Wege eines Pfarrerstellvertreters die junge Tochter geraubt hat: »Ich wohne in Lyszne bei Sanok und hatte meine 13jährige Tochter, Rachel Diller, welche von meinen Schwiegereltern sehr geliebt war, bei Letzter» in Tarnovce dei Krasiczyn, unweit Przemysl, in Pflege. Am X9. Jänner 1890 Morgens fuhr meiu Schwiegervater, Namens Eisig Lauter, mit seiner Frau, nichts Arges ahnend, wie sehr oft nach׳ Przemysl und kehrte Abends nach Hanse, ohne das Kind mehr an* zutreff-n. Dasselbe war inzwischen, wie sie bald erfuhren, von den Mägden der Eltern, unter Entwendung von Effecten und sonstiger- Gegenstände in der Höhe von 200 fl-, zu dem Pfarrerstellvertretev Namens Zemba nach Krasiczyn abgefnhrt. Meine Eltern beriefen michsofort auf telegraphischem Wege nach Tarnovce. Ich kam und bot sofort Alles auf, um meine heißgeliebte Tochter wieder als Kindzurückzner halten. Allein ohne Erfolg. Zwar schien uns bald ein Schimmer von Hoffnung anfznlenchten, indem der oberwahnte Pfarrer-- stellvertrcter Herr Z.'inba, der uns Tag um Tag versicherte, er wisse nicht, wo unser Kind geborgen sei. ans unser Weinen und Bitten, sich am 30. Jänner I. I. endlich entschloss, uns zu versprechen und i uns die Hand zu geben, das Kind am nächstfolgenden Tage, d. i. am. , 31. Jänner 1890, vorzuinkren, jedoch unter der Bedingung, wenn wir ihm dagegen die An sicheruiig geben, dem Kinde gegenüber nicht zu weinen, und für den Fall, wenn es aus freien Slücken mit unsnicht geben wollte, mit demselben nicht zu rechten. Wir kamen nunmehr TagS darauf in die Wohnung des Letzteren mit der heißen Sehnsucht, unser theueres Kind wieder umarmen zu können. Allein der ebrenwertbe geistliche Herr entdeckre in uns die Absicht,?as Kindmit Gewalt mitnekmen zu wollen und aus Grund dieser Ueeerzenzung meinte er, kann er uns — da ist Wort und Hand eitel Ding — dasselbe Hiebt mehr zu zeigen. Wir begaben uns dann nach Przemysl zum Bezirkshauprmaun Statihalrerriraih Herrn Gorocki, einem recht lieben und humanen Herrn. Er trug den Gendarmen auf, nach dem Kinde zu fahnden, und beauftragte den Geistlichen, uns das Kind sofort ausznliefern. Derselbe erwiderte aber, das Kind war wohl am Tage der Flucht, d. i. am 19. Jänner l. I. dort, wo jedoch dasselbe sich dann aufhielt und noch gegenwärtig ist, weiß er nicht. Eine craffe Unwahrheit, da er Loch uns am 30. Jänner betheuerte, unsdas Kind am 31. Jänner 1890 vorzuführen; und noch am- 31. Jänner!. I. zugab, uns das Kind wohl zeigen zu können, nicht aber zu wollen, weil er unsere vermeintliche Gewaltanwendung fürchtet. Wir begaben uns dann nach Przemysl zum Bischof Solecki. Er schenkte uns volle Aufmerksamkeit und schrieb sofort an d.׳n mehrfach genannten Geistlichen Zemba. Leider war auch daS vergeblich. Letzterer erwiderte: Das Kind war wohl früher beim Kirchensänger und bann bei den Nonnen zu Krasiczyn; doch wo dasselbe gegenwärtig weil^ weiß er nicht. Nachdem wir uns bis heute vergeblich bemüht haben, um unser theueres Kind wieder zu besitzen und bis nun nicht einmal die Gewissheit haben, ob das Kind überhaupt noch am Leben sei oder nicht, erlauben wir uns hiemit an Euer Ehrwürden mit der Bitte ergebenst uns zu wenden, zu rathen, welche weiteren Schritte wir unternehmen sollen, um die uns gewaltsam entrissene 13jährige Tochterwieder zu erlangen. Hochachtungsvoll ergebenst Lemel und Elka Sitter. Wien, 8. April. In den an die Schmelz stoßenden Therlen von Neulerchenfeld und Ottakring fanden heute Abends Excesse statt,, die mit der gegenwärtigen Strike-Bewegung in Zusammenhang stehen,, bei denen aber nur znm Theile Arbeiter mitwirkten und die Hauptsächlich das Werk von Pöbelmassen, die aus den benachbarten Bezirken und Vororten zusammeuströmten, waren. Diese Excesse nahmen heute einen sehr ernsten Charakter au, und es kam dabei zu argen Gewalttbäligkeiten, indem die Menge in mehrere Victualien- und Bräunt-- weiuläden einbrach und in denselben Alles verwüstete und zerstörte^ Am ärgsten hausten die rohe» Gesellen im Laden des Branntwein-- Händlers Perlberg. Sie bewarfen Len Besitzer und dessen Familie mit Steinen, tranken Schnaps, riffen die Spunde aus den Fäfferir und zündeten den herausströmenden Branntwein an. Im Nu stand das ganze Local in Hellen Flammen, worauf die Rotte johlend weiterzog. Diese bedenklichen Ausschreitungen kamen daher, dass nicht recht; itig Alles aufgeboten wurde, um den Ansammlungen der Menge, welche aus der Schmelz und in den. benachbarten Straßen während des ganzen Tages stattsanden, rechtzeitig ein Ende zu machen. Als endlich Ernst gemacht und mit der Waffe gegen die Excedonten eingeschritten wurde, kamen auch einige Verwuii-- düngen vor. Die Excedenten konnten erst bewältigt werden, als um 9 Uhr Abends zwei Escadronen Husaren anrückten und die Menge zersprengten. Wie Augen- und Ohrenzeugen belichten, wurden in der excedierenden Menge sehr.drohende Rufe gegen die Inden laut, wie: ״Niedermit den Juden! Haut' die Inden nieder!" Antisemitische Agitatoren wurden nicht müde, diese Stimmung fortwährend zu verstärken und anzufeuern^ Zumeist waren es auch jüdische Geschäftsleute, die von den Plünderer». rys«

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