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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-11 · Heft 11 (11.4.1890) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 11 (11.4.1890)
Date
1890-04-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Das Mascha!. Nach seiner'Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischea Schriften. m. Zn ähnlicher aber schlichterer Weise beginnt Amos (K 6, 1): .Ich sah den Herrn stehen am Altar, und er sprach: ,Schlage den Knauf, dass die Schwellen erbeben und wirf ihn in Stücken auf ihr Aller Haupt.' Zn dieser Allegorie ist wahrscheinlich der Götzentempel Ln Bet-El gemeint, in welchem die Götzendiener eben versammelt sind. Gott bestehlt nicht dem Propheten, sondern einem Engel, jede der Säulen oben am Knauf durchzuschlagcn, so dass die Oberschwellen, endlich der Tempel selbst über Aller Haupt Zusammenstürze. Mit der Zerstörung des Götzentempels gehen die Götzendiener, wie weiter angeführt wird, selbst zu Grunde. Jedoch Philippsohn in seinem Commentar zur Bibel will darunter das Reich Inda und den Tempel zu Jerusalem verstehen; denn, macht er geltend, an den Tempel zu Bet-El ist nicht zu denken, da der Prophet sicher sich Gott in keinen Götzentempel wertend vorstcllen konnte. Doch müssen wir dagegen einwenden, dass der Prophet Amos nicht über Juda, sondern über Las Reich Israel seine Strafreden hielt; denn Capitel 7. V. 12, sprach Amazia, Köniz im Reiche Israel zu Amos: .Seher, geh', flüchte Dich nach dem Laude Znda, dort ist Dein Brot und dort weissage.' Eine andere Vision desselben Propheten lautet: ,Also ließ mich der Herr, der Ewige, schauen: Siehe, ein Korb reifer Feigen da. und er sprach: Was sieh'st Du Amos? Da sprach ich: Einen Korb reifer Feigen. Und der Ewige sprach zu mir: Reif für das Ende ist mein Volk Israel, nicht länger werde ich ihm nacksehen' (Amo 8. 1—3). Die Allegorie hier bestehet in dem Wortspiele: קיץ״' und ,״קץ, reifen und welke n, die Jsraclitcu gleicken reifen, welken Feigen, sie sind zum Untergänge reif, ihre Leichen umher gleich welken Feigen. Aehnliche Allegorien siudeu wir in Zeremia, von denen er zwei auf Wort- und Gedanken spielen beruhende bei seiner Berufung zum Prophetenamte hat (Zer. 1, 11—16). ,Das Wort des Ewigen ergicnz an mich, wie folgt: Was sieh'st Du Jeremia? Und rck sprach: Einen Mandelzwcig sehe ich. Und der Ewige sprach zu mir: Du hast gut geseh'n, denn ick wache über mein Wort, dass ich es ausführe.' Hier ist das Wortspiel hervorzuheben: ״Scliaked“, Mandel und ״Sclioked1“, wachen. Und das Wort des Ewigen ergienz ein zweites Mal an mich: ,Was sieh'st Du?' Und ich sprach: ,Einen siedenden Topf sehe ich, mit der Vorderseite nach Norden.' Und der Ewige sprach: .Von Norden eröffne ick das Unheil über alle. Bewohner des Landes.' Hier ist ״Nafuach“, sftdend und ״tipataclx“, sich eröffnen, als Wortspiel in Betracht zu ziehen. Ein mit siedendem Wasser gefüllter Topf ist auch bei späteren arabischen Dichtern Ausdruck für zerstörenden Krieg. Die Vorderseite des Topfes ist, wo man das Wasser ansgicßl. Dass diese von Norden gegen das Land Israel gerichtet ist, bezeichnet, dass von dort die feindlichen Heere kommen werden, wie das Wasser von Norden her sich ergießt <S> Pbilippsohu). Der Midrasch (Jalk. zu St.) stellt hier eine eigemhümlLche Betrachtung über die vier Weltgegenden au. ,Von Osten strömmt das Licht ein; vom Westen kommt milder Thau; von Süden fruchtbringender Ziegen; vom Norden kommt das Böse her.' Das nordische Reich — ist's nicht heute auch noch so? Wie. weit der Prophet geschaut hat! Die zahlreichsten und am meisten ausgeführten Allegorien bietet uns der Prophet Jecheskcl. Dieser mit einer außerordentlich reichen Phantasie und mit gewaltiger Rcdekrast ausgestattete Prophet malt in lebendigen Bildern die beklagenswerthe, schuldvolle Vergangenheit seines Volkes, das über dasselbe heranziehende Strafgericht, endlich die einstige Versöhnung und die Wieder- Herstellung des israelitischen Tempels und Reiches. Der Verzweiflung, welcher ein großer Theil seiner Stammesbrüder zu verfallen drohete, tritt der Prophet mit einer Vision entgegen, die zu den großartigsten Schilderungen der prophetischen Lilteratur gehört; ein herrliches Bild, welches die Auferstehung und Wiederbelebung Israels verkündiget (Jeckeskel K- 87). Der Ewige führt den Propheten mitten in ein Thal, welches voll mit Menschenknochen war und sprach zu ihm: .Weissage über diese Gebeine, ich werde in euch Geist bringen, dass ihr lebendig werdet, werde' euch mit Sehnen, Fleisch und Haut überziehen.' Und es geschah also, aber noch kein Geist war in ihnen. Und abermals sprach Gott: ,Weissage zum Geiste,, dass er einziebe in die todten Körper.' Da kam der Geist in sie und sie wurden lebendig, stellten sich ans ihre Füße, eine sehr, sehr große Schaar. Und der Prophet hörte auf dem Leichenseide den Gottesruf: .Menschensohn! Diese Gcbeine sind das ganze Haus Israeldenn siehe,׳ sie sprechen: Dürre ist unser Gebein und verloren ist unsere Hoffnung, wir sind vernichtet.' Darum sage ihnen, so spricht der Herr, der Ewige: ,Ich öffne euere Gräber und ziehe euch aus denselben mein Volk, und bringe euch wieder aus den Boden Israels, ich gebe euch meinen Geist, und ihr werdet leben.' Die Strafen und Leiden, die über Israel gekommen, sind nicht zu seiner Vernichtung, sondern um es zu läutern und sittlich zu bessern, damit cs zur Erkenntnis gelange, dass Gott ist. Der Staat, alsder Leib Israels, musste gebrochen werden, damit der Geist frei seiner Fesseln, sich desto leichter zu Gott emporschwinge/ und die Wahrheit erfasse. Und wahrlich diese Prophetie, sie rag! bis in unsere Zeit hinein. Das finstere Mittelalter, wo Israel aller Menschenrechte und Freiheiten beraubt war, glich einem Grabe für das Gottesvolk.׳ dürre Knochen, ein Leichenseld, körperlich und geistig Herabkommen, war das Volk Israel. Aber Gott öffnete die Gräber, es kam eine bessere Zeit, Israel lebte wieder auf, geistig und materiell sich erbebend. Und wenn sich Feinde wieder erheben und eine gewaltige Strömung sich kundgibt, so ist das ein Krieg Gottes mit Amalek, der von Geschlecht zu Geschlecht fortdauerl (2 M. 17, 16). Wenn nur Israel treu zur Lehre Moses bält, ״wegowar Jisroel“, so wird Israel siegen. Unter allen Schristgelchrten, welche die Belebung der Todten durch, den Propheten, als eine wirklich vollzogene That betrachten, war der einzige Diabbi Jebuda, der die Behauptung ausstellte, ״Moschol stojn", eS war nur eine Allegorie, die auf die Fortdauer Israels Bezug bat (S. Jalk. 376). Die volle Eigenthümlichkeit offenbart der Prophet Jecheskel in seiner Vortragsweise. Allegorie und symbolische Handlungen leiten seine Reden ein, und sollten seine Ideen veranschaulichen, wodurch er zum wahren Volkslchrer wird. Den Grund des Gebrauches der vielen Allegorien gibt 2r selbst an: .Damit die Hartherzigkeit des Volkes endlich gebrochen werde, und es aufmerke und verstehe' (Jecheskel 12, 2). Nur sind die Bilder oft zu stark, zu auffallend in der Ausführung, was Manches auch schwer verständlich macht. In seinem Vortrage über dis baldige Zerstörung Jerusalems nimmt er einen Ziegelstein, zeichnet darauf die Stadt und errichtet um ihn Belagerungswerkzeuge (Das. 4, 1—3). Ein anderes Mal erscheint er im Aufzuge eines Gefangenen, als Andeutung, dass in solchem Aufzuge bald Jerusalems Bewohner eintreffen werden (Das. 12, 3). Zur Bezeichung der Leiden der Belagerung erhielt er den Auftrag, auf einer Seite lange Zeit vor dem Bilde Jerusalems zu liegen und schlechte Kost zu genießen (Das. 33; 4 und 5), durch die! Mauer seines Hauses eine Oeffnung zu machen und den Tod

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