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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-01 · Heft 10 (1.4.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 10 (1.4.1890)
Date
1890-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e Freiherr von Bruckenthal zum Generalcommissär, d. h. zum Statthalter von Siebenbürgen. Die katholische Religion war damals die Staatsreligion und die Katholiken die Privilegirten im Reiche. Dieser Zustand war jedoch von Nachtheil für den Staat, wie für die Katholiken. Die Katholiken hatten keine Concnrrenz oder nur in sehr geringem Matze zu befürchten; es genügte ihnen, ihr Privilegium auszubcutcn. Dadurch aber erlahmte die Schaffenskraft. Die Quellen des Wohlstandes und des ReichthumcS, die von tüchtigen Händen in Stand gehalten sein wollen, singen an nach und nach zu versiegen. Zu dem kam, dass es zu jener Zeit massenhaft katholische Feiertage gab. an welchen über- Haupt jede Arbeit ruhte, und was im Lause der Woche erworben wurde, gierig häufig bei den maienhaften Wallfahrten auf. Die zahlreichen Männer׳ und Frauenorden, die sich ausschließlich dem beschaulichen Leben widmeten, d. b. die dem Müßiggänge stöhnten, machten die Verbältnitze noch ärger. Zn solcher Weise kam es, dass der Volkswohlstand, trotzdem die Natur Oesterreich geradezu verschwenderisch ausgestattct batte, immer mebr abnahm und die Steuern nur mit großer Noth eingebracht werden konnten oder überhaupt nur spärlich eingiengen. Die Kaiserin suchte diesen Uebelständen abzuhelfeu. Sie ve'.minderte im Einverständnitzc mit dem Papste die katholischen Feiertage, da nach dem Zeugniße des Dr. Angclieus, des Kirchen׳ Vaters Augustin im 4. Jahrhundert, außer den Sonntagen nur noch Osten׳, Pfingsten und Christi Himmelfahrtstage gefeiert wurden. Die Kaiserin selbst gieng mit gutem Beispiele voran und ließ am Osterdicustag, der sonst als Feiertag galt. daS Dach auf dem Schlofie zu Schönbrunn aüsbcsiern. — Es wäre jedoch ein Zrrthum, zu glauben, dais nun allgemein die übersiüsiigen katholischen Feiertage aufgehoben waren. Es gab viele Geistliche, die katholischer als der Papst waren, und das Volk war bigott und überdies an Müßiggang gewohnt. Die Kaiserin hob ferner zahlreiche Klöster auf und verminderte die Wallfahrten. Zu diesen negativen Maßregeln kam auch eine positive. Um den Unternehmungsgeist zu fördern, gestattete sie auch ausländischen und protestantischen Fabrikanten, nach Oesterreich oder direct nach Wien zu kommen, um sich da auzusiedeln. Diese Begünstigung wurde auch den Juden gewährt. In der Judenvidnung für Wien vom 5. Mai 1764, heißt es, dass jenen Juden, welche Fabriken anlcgen wollen, der Aufenthalt in Wien gestaltet sei. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik- Wien. In der am 27. März stattgehabten Vorstandssitzung des österr. ungar. Eautoreuvereines beschäftigte sich der Vorstand mit der Frage, welche Schritte einznleiten feien, um auf Grund des neuen, vom Abgeordnetenhause beschlosienen Gemeindegesetzes in den nun abzufasienden Gemeinde-Statuten die den Cantoren rechtlich gebührende Stellung als Neligionsdiener zum Ausdruck zu bringen. Die Berathuug war diesmal mehr allgemeiner Natur und wird in der nächsten Sitzung, für welche ein diesbezügliches Referat vorbereitet wird, in eingehender Weise fortgesetzt werden. Es wäre sehr ersprießtich, wenn diese hochwichtige Angelegenheit eine ernste und erschöpfende publicistische Erörterung fände und die Herren College», namentlich in den größeren jüdischen Gemeinden, den Vereinsvorstand in seinen Bestrebungen eifrigst unterstützten. Mreßburg. Ueber die in vor. Nummer dieses Blattes behandelte Friedhofsfrage der orthodoxen Gemeinde in Budapest ist, wie der «Magdeb. Wochenschr.' berichtet wird, am l O. März die Entscheidung gefallen, und zwar ist das Verlangen der Orthodoxen, einen eigenen Friedhof errichten zu dürfe», vom Verwaltungs-Ausschuss einstimmig abgewiesen worden. Die Motive des Gegcn-Memorandums der Chewra- Kadischa der Hauptgemeinde sind vollständig gewürdigt worden, und׳ der Oberstadthauptmann fügte noch hinzu, dass die Zahl der Friedhöfe aus Nützlichkeitsgründen ohne Noth nicht vermehrt werden dürfe. Andererseits, sagte er, hat die alte Chewra-Kadischa ihrer Humanitären und culturellen Mission bisher glänzend entsprochen, und eS liege daher nicht im öffentlichen Interesse, die Wirksamkeit dieser Vereinigung, durch Zersplitterung ihrer Hilfsmittel zu beeinträchtigen. Beachtenswerthwar die Rede des Staatsanwaltes, in welcher er Hervorbob, dass zu den vielen Umständen, die gegen das Vorgehen und Verlangen der Orthodoxen sprechen, sich noch ein anderer Gesichtspunkt geselle, nämlich, dass es nicht im Jntereffe der Hauptstadt und eben so wenig des׳ Landes liege, der Orthodoxie, als dem Prototyp der Zurückgebliebenheit (?), Vortheile zu bieten. Kätscher, Hö.-Schlesien. (Qrig.-Ber.). Herr Max Singermann,. Obercantor in Troppan. ist für den zweiten Cantor-Posten in Breslau an der neuen Synagoge nach einem Samstag den 9. März abgehaltenen Probe-Vortrag einstimmig engagirt worden. Wenn Herr Singermann seine gegenwärtige, definitive und pensionsberechtigte Anstellung verlässt, so tbnt er das lediglich im Hinblicke daraus, uman der Seite seines vortrefflichen Lehrers und Meisters Deutsch sich noch weiter auszubilden, um dereinst, wenn Obercantor Deutsch sich von seiner amtlichen Tkätigkeit znrückzieht, dessen Nachfolger zu werden. Dies ist auch, wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, der sehnlichste Wunsch Deutsch'», da Herr Singermann dessen Lieblings-׳ schüler ist. Herr Singermann, im Jahre 1863 in Polen geboren, hat seine Heimathsberechtigung in Oesterreich erlangt, und von Seiten der Breslauer Gemeinde wurden bereits die nvthigen Schritte eingeleitet, um die Genehmigung seiner Anstellung bei der Regierung nachzusnchen, was voraussichtlich ohne jegliche Schwierigkeit gelingendürfte. Magdeburg. Die vergangene Woche brachte wieder die betrübende Nachricht von .zwei Pistolen-Duellen zwischen christlichen und jüdischen Studenten: in beiden Fällen entschied diesmal die Kugel gegen die nichtjüdischen Duellanten. Ueber den einen Fall lautet der Bericht der ,Magdeb. Wochenschr.': Der 8tuä. jur. v. Semmern ans Schmatzdors gerieth mit dem Studenten Lehmann (Sohn des LandtagSobgeordneteu Rechtsanwalt Lehmann in Dresden) in Streit und führte derselbe zu einem Pistolenduell, welches am 18. d. M. im benachbarten Knanthayn stattfand. Hierbei erhielt der Korpsstudent v. Semmern einen Schuss in den- Unterleib, und ist derselbe in Folge dessen auch heute noch nicht vernehmungssähig. Sein Duellgegner hat sich gestern freiwillig der Behördegestellt. Ueber die Ursache des Streites ist zur Zeit noch nichts zu erfahren. — Ueber daS andere Duell lautet das Telegramm: Würzburg, 22. März. In einem Pistolenduell erschoss der Studios Paul Königsfeld aus Kodier (Schlesien) den Studenten Paul FreNer aus Nakit in Pommern. Ueber die Veranlassung wird hier bekannt, dass der erschossene Freuer das Duell durch ein seinem Gegner gegenüber gebrauchtes antisemitischesSchimpfwort provozirte.— Wahrhaftig traurige׳ Zustände! Die jüngsten Stöcker'schen Hetzreden werden die Verbitterung der Gemüther und Erhitzung der Köpfe in den Sludentenkreisen nicht׳ abschwächen, eher steigern. Merlin. Am 26. Februar fand, wie der ,Jüdische Kantor' meldet, zum Besten der Hilsscasse für israelitische Cultnsbeamte und׳ deren Witwen und Waisen ein Concert statt, dessen Programm sehr reichhaltig war und viel Abwechslung bot. Ein von Herrn Ludwig. Nosenthal, NabbinatSkandidar des Hildesheimer'scheu Seminars, ver״ fasster Prolog, wurde von Fräulein Nosenthal, Tochter des hiesigen Cantors, ganz vortrefflich vorgetragen. In dem musikalischen Theib wirkten mit: Die Concertsängerinnen Frau Hedwig H. Wolsradt und Fräulein Anna Rieß, welche Lieder und Arien unter großem Beifall des Publikums zu Gehör brachten. Die Herren William Wolf, Pianist, Kammermusiker Gehwatdt und Concertmeister Möket spielten ein- ,Trio von Beethoven', ,Fantasie über Motive der Oper ,Makkabäer' von Rubinstein, und ,Festpräludium über synagogale Melodien' von L. Lewandowski, in künstlerischer Weise. Ar ch die Cantoren der hiesigen jüdischen Gemeinde betheiligten sich an dem Concert. Herr Cantor Rosenthal sang eine Arie aus ,Elias' ,Es ist genug' mit musikalischer Auffassung und tiefer Empfindung. Herr Cantor Friedmann sang ein« von ihm componirtes Lied, ,Mailied' und außerdem mit Herrn Cantor Marksohn ein Duett auS der Oper ,Belisar^ von Donizetti unter׳ großem Beifall. Zum Schlüße deklamirte das oben genannte Fräulein Rosenthal einzelne humoristische Gedichte, deren wohlgelungener Vortrag, das Publikum begeisterte. Somit verlies das Concert zur größten. Zufriedenheit sämmtlicher Anwesenden. Nach dem Concert fand ein-

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