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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-01 · Heft 10 (1.4.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 10 (1.4.1890)
Date
1890-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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׳7״ geselliges Beisammensein statt. Herr Cautor Sarasohn aus Stettin hielt die Festrede an Stelle des Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt Dr. Stern, welcher durch Trauer verhindert war, au erscheinen. Herr -Cantor Friedmann schilderte hierauf Herrn Sarasohn als den zweiten opferwilligen Sohn unserer Stammmutter Sara, dankte ihm im Namen des Vorstandes für sein Erscheinen und forderte die Gesellfchaft auf, in ein Hoch auf Herrn Sarasohn einzustimmen. Auch Fräulein Sarasohn sang beim gemüthlkchen Therl einige Lieder mit schöner Stimme und gutem Vortrage. Heiter und vergnügt verließen die Theilnehmer spät nach Mitternacht den Saal. Das Concert hat, obgleich es in vorgerückter Saison stattfand, einen Ueberschuß von 600״ Mk. gebracht. Der unermüdlichen Thätigkeit einzelner Vorstands- Mitglieder, besonders der Herrn Nosenthal und Göttinger, ist der pekuniäre Erfolg des Concertes zu verdanken. Leipzig. Die jüdischen Referendare Sachsens haben an die > zweite Kammer eine Beschwerde gegen den sächsischen Zustizminister | eingereicht, in welcher demselben der Vorwurf gemacht wird, dass er i die jüdischen Referendare von der richterlichen Carriere abzuschneiden suche. Die Beschwerdeschrift wurde jedem einzelnen Kammermitgliede , übermittelt, und die social-demokratischen Abgeordneten haben bereits ״mit Bezug auf dieselbe nachfolgende Interpellation gestellt: ,,Ist eS wahr, dass seit der am 1. October 1876 erfolgten Einführung der neuen Gerichtsverfassung kein einzige! Referendar jüdischer Confession den Nichtereid erhalten hat, und dass alle Referendare, welche beim Justizministerium um Gewährung des Nichtereids einkamen, trotz Befürwortung durch die zuständigen Dienstvorgesetzten, immer erfolglos -waren, ja sogar unbeantwortet blieben?" Ferner: ״Ist es wahr, dass ein jüdischer Referendar im Gegensatz zu den christlichen Referendaren nie eine Jahrec-remuneration erhält?' — ,Im bejahenden Falle ersuchen wir um Darlegung der Gründe, welche die Kgl. Staatsregierung im Widerspruch mit den Neichsgesetzeu und der Landesverfassung zu einer solchen Praxis bestimmen.' Der Justizminister lehnte die Beantwortung der Interpellation ab, weil über die Zulassung zum Nichtereide und Gewährung einer Vergütung die Justizverwaltung nach eigenem Er- . messen entscheide. Die Gründe über Gewährung oder Ablehnung solcher Gesuche werden den Bittstellern selbst nicht eröffnet und seien um so weniger geeignet, öffentlich mitgetheilt zu werden. Der Abgeordnete :Liebknecht meldete daraufhin eine Erneuerung der Interpellation im deutschen Reichstag an. Karrnover. Für die durch das Ableben des Obercautors Berg- .grün erledigte Obercantorstelle haben sich bisher an 60 Bewerber, unter ihnen auch einige aus Oesterreich-Ungarn, gemeldet, und werden die Einberufungen zu Probevorträgen demnächst erfolgen. Der Vorstand soll die Absicht haben, das bisherige für diesen Posten systemisirte Fixum (5000 Mk.) zu erhöhen, falls eine ausnehmend tüchtige Kraft sich fände. Aarmstadk. Das Gesuch der isr. Gemeinden Hessens, um Ge- Währung eines Beitrags zur Bestreitung ihrer Cultuskosteu aus Staats- Mitteln, ist in diesen Tagen in der II. Kammer der Hess. Landstände einstimmig genehmigt worden. Die Höhe dieses Zuschusses wird im ׳Verhältnis zur bezüglichen Leistung deS Staats für den CultuS anderer -Coufesfionen bemessen werden und dürfte sich somit zwischen 12.000 und 15,000 Mark bewegen. Jedenfalls ist damit die Gleichberechtigung der Confesfioneu auch äs facto durchgefnhrt. AarkS. Man möchte es kaum glauben, aber es ist so — an dem Ausbruch der jüngsten Ministerkrisis, der wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam, ist thatsächlich ein Jude die unschuldige Veraiilassung. Der Hergang der Sacke war folgender: Der Ministerrath hatte sich mit der Ernennung des Vorsitzenden des Kassatioushofes zu beschäftigen. Der Kassationshof entspricht iu Frankreich dem Reichsgerichr in Deutschland, Oberster Gerichtshof in Oesterreich, und sein Vorsitzender ist der höchste 3!ichter des Landes. Die meisten Rechte zur Beförderung auf diesen hohen Posten hat Bedarrides, Abtheilungs-Vorsitzender am KassationShofe. Tirard will ihn jedoch nicht ernennen, weil er Jude ist und die Beförderung eines Juden nach der Meinung des Minister» ' Präsidenten von den Antisemiten gegen die Regierung und die Republik . ausgebeutet werden könnte. Er schlug vor; die Stelle dem Senator und ehemaligen Justizminister Mazeau zu geben, und die Mehrheit der Minister erhob diesen Vorschlag zum Beschlüsse. Als der Beschluß verkündet wurde, bemerkte Fave, dass Constans ein unzufriedenes Gesicht machte, und fragte ihn: ,Sie glauben wohl, dass die Eruennung der öffentlichen Meinung mißfallen wird?* ,Ich bin dessen .gewiss', antwortete Constans, ,die Zeitungen werden über uns herfallen-' Tirard hatte Liese Bemerkung gehört und sagte laut und in giftigem Tone zum Minister des Innern: »Ja, die Zeitungen werdeu uns angreifen, namentlich wenn Sie das Zeichen dazu geben. Wir wissen Alle, dass Sie es sind, der Prefsangriffe gegen unS veranlasst'. Inmitten des plötzlichen, tiefen Schweigens der betretenen Minister schnellte Constans in die Hohe, gieng auf Herrn Carnot, der den Vorsitz führte, entschioffen zu, reichte ihm die Hand und sagte: ,Herr Präsident ich trete von meinem Amte zurück. Ich will die Unverschämtheiten (impertinences) des Herrn Tirard nicht mehr einstecken. Ich habe es satt.' Damit wandte er sich dem Ausgange zu. Carnot suchte ihn zurückzuhalten und rief: ,Die Sache kann doch ausgeglichen werden, bleiben Sie doch, seien Sie nicht so übereilt.' Constans erwiderte, indein er bei der Thüre stehen blieb: ,Rein, Herr Präsident, es ist keine Uebereilung. Ich bleibe bei meinem Rücktritts-Entschlüsse.' Dann verließ er den Berathungs-Saal. In dem neuen Ministerium hat Constans wieder das Portefeuille d eS Ministerium des Innern erhalten. Stessenverändernngen. College Lazarus, bisher in Klattau, ist nach Olmütz berufen worden; College I. Ritter, bisher in Tulln, ist in Weitentrebetitsch (Böhmen) engagirt worden. Publirakronen des österr.-ung. Cankoern-Nereinrs. Dcreinslieitriigr. M. Peterselka, Wien 1. st. 50; S. Rosenberger, Komotau 1 fl. 50; I. Singer, Wien 1 st. 50; A. Nähnadel, Tachau 2 fl.; Friedmaun, Parabuty 1 fl. 50; Rosenbaum, Graz 3 fl.; A. Kohn, Kauitz 3 fl.; Löwy, B. Nenstadtl 2 fl. 50; L. Butter, 31. Oetting G.-B. 5 fl. und 2 fl.; A. Lederer, Eger 3 fl.; Kohn, Lundenburg 4 fl. 50; A. Pekarnik, Wien 3 fl.; S. Notter, Polna 3 fl.; Hahn, Teschen 3 fl.; D. Beutler, Auscha 3 fl.; I. Schiller, Wien 4 fl.; H. Pimsenstein, Prag 5 fl.; A. Kornitzer, Wien 3 fl.; I. Schönfeld, Tab 3 fl.; L. Kraus, Veröcze 3 fl.; S. Pollak, Wlassim 3 fl. . I. Feldbauer, Semlin 3 fl.; I. Körner, Smichow 3 fl.; W. Stein, Postelberg 3 fl.; S. Hirsch, Wien 2 fl.; Rosenfeld, Güssing 3 fl.; I. Bauer, Wien 1 fl. 50; I. Singer, Wien 2 fl. M. Mall, Cassier, II. Tempelgaffe 3. Correspoirdenz der Nedaetion. Schw. in L. St. M. Wollen Sie diesbezüglich ein kleines Inserat im Blatte cinschalten taffen. D. in S., M. in Sr. Sulzer-Nadeln sind direkt bei Herrn A. Ainar, Juwelier, Wien I. Köllnerhofgaffe 2, zu beziehen. Dieselben sind sehr hübsch ausgeführt und prekswürdig- Den geschätzten Leser» und Mitarbeitern unseres Mattes wünschen wir שמחת יום טוב Die Nedaction. L’ jfiblG-LB französische Lebensversicherungs-Gesellschaft. Stammkapital .Frcs. 12,000.000 Gowährleistungsfond . 22,000.000 ״ Versichern ngsstand am 21. December 1886 67,500.000 ״ Unabhängig von (len Garantien, welche die Gesellschaft ״L’Aigle“ ihren französischen Versicherten bietet und die aus den Statuten sich herleiten, welche die Gesellschaft von der französischen Regierung erhalten hat, bietet die Gesellschaft ״L’Aigle“ ihren österreiehiseh-ungarischen Versicherten folgende besondere Garantien : Die Gesellschaft ist durch k. k. Decret vom 31. August 1885 ermächtigt worden, in Oesterreich und Ungarn geschäftliche Operationen auszuführen. Sie hat eine Caution von ö. W. fl. 110.000 in Wien und ö. W. fl. 110.000 in Budapest erlegt. Die Gesellschaft leistet Versicherung zu liberalsten Bedingungen und billigst bemessenen Prämien-Sätzen auf das Leben des Menschen in allen Combinationen. — Nähere Aufklärungen ertheilt bereitwilligst die Direction für Oesterreich-Ungarn: Wien, Schottenring 14• Repräsentanz für Ungarn: Budapest VI: Theresienring 3. Repräsentanz für Mähren und Schlesien: Brünn, Franzensglacis 9. Repräsentanz für Böhmen: Prafl> Graben 25• Repräsentanz für Galizien: Brody.!

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