Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-03-21 · Heft 9 (21.3.1890) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 9 (21.3.1890)
Date
1890-03-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/1304829-3453172-3453181--2804-3457092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Andere, welche der Predigt zwar Wert beilegen, und von ihnen können wir hören: eine gute Predigt macht mir Vergnügen, aber ich bade keine Zeit an gewöhnlichen Sabbatben zum Gottesdienste zu kommen . . . .; und wieder Andere: die Predigt spricht uns an,, wir hören sie gerne, aber sie passt nicht zum Gottesdienste, oder der übrige Theil deS Gottesdienstes passt nicht zur Predigt", — und in diesem Tone gehen die Klagen so weiter. Darin aber haben die Leute in der That vollkommen Recht: Die Predigt passt nicht in unseren Gottesdienst hinein, und sie gehört weder zum vordern, noch zum zweiten Theile desselben recht. Zum vorausgehenden Tbeile nicht, weil die Gemeinde schon vom aufmerksamen Zubören deö wirklichen ,Gotteswortes׳, vom Vorlesen der Thora und Haphtora — zu welchem man doch am meisten verpstichtet ist — vollauf ermüdet ist; und zum nachfolgenden Theile nicht, weil sie denselben, durch ihre lange Dauer vollständig unwirksam macht, und die Leute ihm keine Aufmerksamkeit^mehr schenken können, indem sie eilen, um nach so langer Anstrengung schnell nach Hause zu kommen. UeberdieS ist die Einschiebungsstelle derselben im Gottesdienste schlecht gewählt, da nach U0K6Q Awrohom, hilchos schabos 284, zwischen Aschre uiib Kaddisch gar keine Unterbrechung (הפסקה) gemacht werden darf. Und die Predigt macht gerade an dieser Stelle einen sehr langen Zwischenraum, was .על פי דיין״" ganz und gar unstatthaft ist. Wir sind keine principiellen Gegner der Predigt und hören selbst gerne eine schöne. sinnreiche Predigt an, nur haben wir die Sache darznftellen gesucht, wie sie in Wirklichkeit ist, und wir folgen auch hier nur unserer Parole: ,Was Wahrheit ist, muß auch Wahrheit sein und bleiben!' (Fortsetzung folgt.) Zur böhmijchen Frage. Unwillkürlich wurde ich durch die Ausführungen im Leit. Artikel in Nr. 6 unseres Fachorganes betreffs der separatistischen Bestrebungen der Cantoren Böhmens (sagen wir lieber Prags) in Besorgnis versetzt. Es hat ja den Anschein, als hätte der Cantorenverein in Wien an dem denkwürdigen 13. Adar vernichtet werden sollen! Krieg wurde erklärt — und, wie ich aus dem erwähnten Leitartikel ersah, schon vor Jahren. Sollte vielleicht jetzt ein Waffenstillstand cingetreten sein, um daun umso heftiger den Gegner zu fassen? Im Interesse der guten Sache sehe ich mich nun veranlasst, diesen Bestrebungen entgegenzutreten, denn die Resultatlosigkeit eines Cantoren-Vereines für Böhmen liegt klar auf der Hand. Die hohe Negierung hat die Vorlage, betreffend die Regelung der israel. Ncchtsverhältniße, im Parlamente eingebracht. ,Diese Gelegenheit hätte man benützen und das Verhältnis des Cantors zur Gemeinde an maßgebender Stelle unterbreiten sollen!' So rufen viele unserer Collegen. In erster Linie ist es leider eine traurige Thatfache, dass die Negierung von der Existenz eines jüd. Cantor nichts weiß, denn — was ist der Cantor der Negierung? Der Rabbiner ist ihr Seelsorger, Erzieher der Jugend u. s. w. Nun wissen wir Cantoren nur zu gut, d a s s w i r e s s i n d, d i e d e r Gem e i n d e unentbehrlich sind, dass w i r die Functionen in der Gemeinde zum größten Theile ansüben, während der Rabbiner von Zeit zu Zeit eine Erbauungspredigt hält, an manchen Orten Religion unterrichtet — und fertig. Wie kommt es aber, dass der Rabbiner geschützt wird und wir gar nicht erwähnt werden? Das kommt daher, weil man uns nicht kennt, weil wir keine rechtmäßige Qualifikation aufweisen können, daher das gänzliche Uebergehen. Unwillkürlich käme ich auf die Nothwendigkeit einer Cantoren schule zu sprechen, jedoch davon ein anderesmal. Heute weiß die Negierung wenigstens, dass wir auf der Erde leben und kennt uns unter dem Namen ,Neligionsdiener'. Der Vorstand des Cantoren-Vereines hat mit einigen Abgeordneten Rücksprache genommen, und wir können uns vor» läustg zufrieden geben, wenn man unsere Wünsche im Verordnungswege erfüllen wird. Unsere Sache gleich im Parlamente geordnet zu. sehen, ist Selbsttäuschung, Träumerei. Was nun die Bildung eines Cantoren-Vereines für Böhmen anbelangt, ist ebenfalls Täuschung. Ebensowenig wie ein Cantoren Verein für Galizien oder Mähren etwas erreichen wurde, ebensowenig kann ein Cantoren-Verein für Böhmen etwas erreichen. Wir müssen unsere Blicke stets nach Wien wenden, dort ist die Centrale, dort ist was zu erreichen, — natürlich unter allseitigem Zusammenwirken. Leider' ist der Jndifferentismus im Cantorenstande riesengroß, und die fortwährenden Ermahnungen an die Cantoren bezüglich der Vereins- und Abonnementsbeträge verurtheilen viele unserer Collegen. Es ist nahezu beschämend für uns Cantoren, wenn man sieht, wie die Arbeiter der verschiedensten Kategorien sich vereinigen, um gemeinsam zu wirken, während wir das von unserem Meister, dem hochseligen Sulzer (ע׳ה) gewürdigte Unternehmen zu zerreißen suchen. Daher fort mit diesen Bestrebungen. Ich glaube nicht irre zu gehen, wenn ich behaupte, dass viele meiner Collegen hier in Böhmen so denken wie ich, und sich von den süßen Versprechungen zu befreien wissen werden. Der Cantoren-Verein in Wien hat aber die Aufgabe, gerade jetzt, wo durch das Ministerium Vieles geordnet werden wird, bei demselben Vorstellung zu machen, um im Verordnungswege das zu erreichen, was erreicht werden kann. Julius Für nberg Cantor in Neuhaus, Böhmen. Zur Berichtigmlg. Der Verfaffer der Artikel-Serie: ,Ein Beitrag zur Klärung der Frage der traditionellen Tonarten' hatte die Freundlichkeit, einen meiner vorjährigen Artikel ,aus dem Dunkel der Vergeffenheit wieder an's Tageslicht' zu ziehen, um daran nicht etwa objective Kritik zu üben, was mir zwar willkommen, aber doch ein wenig zu spät wäre, sondern um den Artikel selbst als ein gewisses ,Erzeugnis schriftstellerischer Thatigkeit' hinznstellen. Ich kann nicht wissen, inwiefern der anonyme Verfaffer sich berufen fühlt, über die Brauchbarkeit eines Artikels, der vor zehn Monaten erschienen, zu entscheiden. Der Umstand, dass die geehrte Nedaction besagten Artikel ausgenommen und eine darin bestndliche Anregung durch eine besondere Anmerkung willkommen geheißen hat, beweist zur Genüge, dass derselbe, wenn auch nicht als ,vornehmer Artikel', so doch als gewöhnlicher gelten kann. UebrigenS ist es sonderbar, wenn rin Mitarbeiter eines Blattes über die Tauglichkeit der Arbeiten Anderer ein Urtheil abgiebt^ denn entweder die Arbeit ist gut, sie wird somit angenommen, oder sie ist es nicht, und sie erscheint gar nicht. Ich will hiermit nicht in Abrede stellen, dass jeder Fachmann berechtigt ist, ein öffentlich gesprochenes oder geschriebenes Wort objectiv zu bekritteln, aber gegen solch' abfällige Aeußerungen in Betreff der Meinungen Anderer, wie sie der Verfasser am Anfänge seines Artikels gebraucht, muß sich jeder unparteiisch Denkende verwahren. Und nun zur Sache! In dem angegriffenen Artikel ,Der Hohepriester und seine Nachfolger" stellte ich als ev i d e n t e Thatsache hin, dass erstens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.