Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1890)
- Date
- 1890-03-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erubin steht 3הדר המועדות). Keinesfalls aber würde ich gut heißen, dass die Gemeinde mit dem Vor beter zugleich in lauter Stimme die 18 Benedictioneu bete, weil dies weder nach dem Schulchan Aruch noch nach dem Geschmacke ist. — A. R o t h, Bezirks-Rabbiner in Siklos. Kleine Chronik. Wjeu. Der Verein der ,österr.-israel. Union * veranstaltete Donnerstag den 2V. Februar anlässlich des hundertjährigen Todestages Kaiser Josef II. eine Gedächtnisfeier. Nachdem der Vorsitzende Docent Dr. Grünfeld die zahlreich besuchte Versammlung begrüßt batte, hielt Religionsschnlinspector Dr. Gerson Wolf die Festrebe, in welcher er ein treffendes Bild entwarf über die traurigen Zustände, in welcher sich der österreichische Kaiserftaat zur Zeit der Vorgänger Josef II. befand, und wie der Geist-der Freiheit und der Toleranz, der mit dem großen Kaiser einzcg, auf die Hebung des Volkswohlstandes und die Eutwick.lnug Oesterreichs günstigen Einfluss nahm. Im Reiche waren zahlreiche Krätte vorhanden, die man gezwungen batte, zu feiern, weil man den Katholiken Vorrechte eingeränusi hatte. Es waren dies die Protestanten und Juden. Für diese entschloss sich der Kaiser das Toleranzpatent zu erlassen. Nachdem Dr. Wolf seinen mit vielem Beifall, aufgenommeuen Vortrag beendet harte, sprach Gemeindetath Dr. Alfred Stern, welcher eine geistreiche Parallele zwischen Kaiser Josef II. und Franz Josef I. zog. Nach der Necitation des GedicbreS .Sein Bild' vongAuast. Grün, wirkungsvoll vorgetragen vom Schriftführer der Union, Herrn Josef Fuchs, forderte der Präsident die Versammlung ans, das Andenken Kaiser Josef II. durch Erheben von den Sitzen zu ehren, und biemit schloss die osficielle Feier. Wien. Eine für die geschichtliche Bibelforschung ungemein wichtige Nachricht kommt ans Egypten. Der amerikanische Gelehrte Wilbor, einer der ersten Kenner und Sammler egyptischer Alterthümer, meldet in einem Briefe, durch Ankauf in den Besitz eines mit zweiunddreißig Schriftcolumneu in Geheimschrift bedeckten Steines gelangt zu sein, dessen Bedeutung für die Geschichte Josephs in Egypten höchst wichtig ist. Der Text, welcher in'deutlichen Zeichen den Titel eines bisher ganz unbekannten Pharao aufführt, erzählt, wie in dem vierzehnten Negierungsjahre dieses Königs ein H iliger es versucht habe, durch religiöse Handlungen und sonstige Mittel, ,bei dem sehr großen Unglück in Folge der während der Zeit von sieben Jahren nicht eingetretrncn Nilüberschwemmung" ein weiteres Unglück zu verhüten. Diese Nachricht ^passt vollkommen auf die biblische Erzählung von den sieben :heueren Jahren, welche der damals dreißigjährige Joseph dem Pharao prophezeit hatte. Schon in einer anderen Inschrift ans einem Grabe bei Elkab, deren Abfassung in die Zeit zwischen 1700 und 1800 vor der allgemeinen Zeitrechnung fällt, ist die Rede ״von vielen Jahren der Hunge-snot", welche damals in Egypten geherrscht hatte. Indem sich die Wissenschaft in der Lage befindet, nunmehr mittelst der ueuentdeckten Inschrift den Namen des damaligen Königs genau angebeu zu können, erwächst der Bibefforschung ein ganz unerwarteter Gewinn. Wien. Der langjährige Secretär und Intimus des jüngst verstorbenen Grafen Andrassy, der Hofrath Ludwig Doczi im Ministerium des Auswärtigen, erzählt in einem Feuilleton der ,Neuen Freien Presse' vom 22. Februar folgende interessante Aneedots aus dem Leben des Grafen Andrassy: Es war in Terebes, wo der Graf auf der Heimfahrt von der Jagd einen seiner Secretäre neben sich auf den Kutschbock gesetzt hatte. Die Dorfbewohner grüßten und gafften — die demüthigsten Größer und eifrigsten Gaffer waren ein Häuflein -Dorfjuden im Kaftan. Der Secrelär, ein junger und etwas vorlauter Manu, bemerkte dabei: ,Euer Exeellenz glauben wohl, dass diese Juden den Minister bewundern? Nein; sie bewundern mich, sie wissen, dass ich Jude bin, und dass ich hier neben dem Grafen Andrassy sitze, erscheint ihnen als ein viel größeres Mirakel, als dass der Gutsherr von 'Terebes im Nathe der Krone sitzt.׳' Graf Andrassy lachte, meinte, er habe doch auch einen Weg gemacht, und legte beim Diner den Tischgeuosseu die Frage vor, wessen Carriere größer ftt, die seine oder die seines Secretärs? Ec erinnerte dabei an seine Exilzeit, an die Tage des knappen Beutels und der trübeu Aussichten, während der Secretär die Uuscheinbarkcit seiner Abkunst, die Miseren seiner Kindheit und 2) Hirsch Ehajes in seinem Buche מנהח קנא״ת Seite 7. Jugend ins Treffen führte. Durch die tragikomische Schilderung deSbunten Sindenteneleuds, das er durchgemacht, der Tage, da er von Maulbeeren gelebt, auf harter Bank geschlafen und als Briefsteller für Köchinnen sein erstes Schriftstellerhonorar verdient hatte, gelang es dem jungen Manne, die Gesellschaft für sich zu stimmen. Die' engelsgute Gräfin und ihre Kinder fielen zuerst von dem Minister׳ ab, und er selbst konnte nicht verhehlen, dass der Weg von solchen Anfängen bis in die Halle, wo man jetzt beisammensaß, etwas Noman» hafte» hatte. ,Freilich', sagte er, nicht ohne Auslug von Neid, ,dass׳ es solches Elend gibt, davon habe ich keine Ahnung gehabt. Aber" — hier schoß ein Strahl von Triumph über sein Gesicht — .dafür sind sie auch nie gehenkr worden.' Mrag. Seine Exeellenz der Herr Minister für CnltuS und Unterricht hat, laut Erlasses vom 24. Dec. 1889 in Erledigung deS Berichtes des Landesschnlrathes, die Remuneration für die Ertheilnng des israelitischen und «-vangelischen Religionsunterrichtes an den Staatsgymnasien, Realgymnasien und Realschulen in Prag und den Vororten vom 1. Jänner 1890 an von bisher 50 fl. auf 60 fl. jährlich für jede Stunde der Woche zu erhöhen befunden und zugleich angeordnet,. dass die Bestellung der betreffenden NeligionSlehrer in Hinkunst nicht, wie bisher für die Dauer des jeweiligen Schuljahres sondern für die Dauer des Bedarfes erfolge und dass die Remuneration nicht wie bisher nur für 10 Monate des Schuljahres, sondern foitlaufend in zwölf Monatsraten anzuweisen ist. ׳ Kremsier. Die hiesige israelitische Beerdigungsbrüderschaf' ״ChewTa Kadischa“ pnblicierte eine Schrift : ,Des Kaisers Trauerrage', Rede, gehalten bei der Gedächnisfeier für weiland Sr. k. k. Hoheit den Kronprinzen Erzherzog Rudolf am 30. Jänner 1890 vom Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün. Königgräh. Ein jüdischer Kaufmann begegnete nach dem Kriege im Jahre 1866 einem preußischen Tambour und war nicht wenig erstaunt, auf dem Felle der Trommel die hebräische Inschrift zu lesen: ״Kümo adonoj wejofazu ojweclio. Erhebe Dich, o Herr, dass zerstreut werden deine Feinde!' ,Wie kommt denn dieser Bibelsatz auf die Trommel?' fragte der Kaufmann. Der Tambour antwortete: ,Dies die Thalsache: In der Schlacht bei Königgrätzwurde meine Trommel von Kugeln durchlöchert, wie ein Sieb. Ich suchte lange herum und fand kein Pergament. Endlich bezeichnete man . mir einen jüdischen Schreiber, der welches haben würde, da er sich desselben zum Schreiben der Bibel und anderer religiöser Dinge bediene. Ich laufe also zu ihm und finde ihn gerade, wie er auf ein Blatt Pergament die. Worte schreibt״ die Sie soeben gelesen. Ohne viel Worte zu machen, nahm ich es ihm fort und fragte, was die Worte bedeuten. ,Es ist dies', sagte er, ,der Anfang eine» Gebetes,, das die österreichischen Inden an Gott richten für den Sieg ihrer Armeen.' ,Das macht nichts', erwiderte ich, ״dieses Gebet wird auchunserer Armee nützen können. Merlin. Sämmtliche CttltuSbeamte der hies. Synagogengemeinde, die Schächter mit einbegriffen, wurden gestern, soweit sie nicht preußische Staatsbürger oder Angehörige des Deutschen Reiche» sind, vom Ge- , meindevorstand entlassen, nachdem das Ministerium des Innern ihnen auf Grund der einschlägigen Gesetze in Uebereinstimmung mit dem Polizeipräsidium die Amtsbefngnis entzogen hat. Der Anstoß dazu gieng sicherem Vernehmen mach von dem bekannten Proeesse ans, in welchem der Gemeindevorstand unlängst wegen Anstellung eines ausländischen Cantors verurtheilt worden war. Aü/fseldorl. lieber den kürzlich verstorbenen Director der hiesigen Kunstaeademie, Professor Dr. Ed. Bendemann wird gemeldete Bendemann war am Deeember 1811 zu Berlin als Sohn eines jüdischen Bankiers geboren und nahm in einer sorgfältigen Erziehung und in den angeuehinsten Familienverhältnißen jene reiche Bildungsatmosphäre in sich auf, die damals, wesentlich unter gesellschaftlicher Führung vornehmer jüdischer Familien, das Berliner Geistesleben aus-- zeichnete. Er trat später zum Cbristenthume über. Der weichfühlende, vornehm ideale'Jüngling wandte sich .der bildenden Kunst zu und studirte zuerst die Aufangsgründe in Berlin, um dann nach dem im höchsten Glücke seines Ruhmes strahlenden Düsseldorf sich zu wenden,, und bei Schadow zu lernen. Es entsprach ganz seiner Eigenart, dass er von der Düsseldorf damals beherrschendrn sanft lyrischen Romantikgefeffelt wurde. .Eines׳ seiner ersten Werke war die altbiblische Idylle von ,Boas und Ruth'. Ihm folgten im Jahre 1832 ,Die Inden vor Babylon', die erste seiner Schöpfungen, die allgemeines Aufsehen erregte. Das Bild befindet sich im Wallraff-Nichartz-Museum zu Köln. Sein Hauptwerk der Frühzeit ist ,Jeremias auf denk