Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1890)
- Date
- 1890-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Trümmern von Jerusalem*, eine großgedachte, im heroischen Pathos dep Zeit mit schwungvoller Kraft durchgeführie Schöpfung, die Bendemanns Ruf über die Grenzen des Vaterlandes hinaustruz und auch in Paris 1837 lebhaftes Aufsehen erregte. Der nun zu deu Berühmtesten zählende junge Meister wurde 1838 nach Dresden als Professor an die Kunstakademie berufen und dort förderte er seinen .Ruhm um ein bedeutendes Stück weiter durch die bedeutenden Fresco- Arbeiten, die er im königlichen Schlosse ausfnhrte. 1858 kehrte er nach Düsseldorf zurück, und zwar als Nachfolger seines Lehrers Schadow in der Leitung der Knnstakademie. Hier schuf er nun ein mit den Dresdener Werken wetteiferndes zweites großes Hauptwerk in der Ausschmückung der Aula der Realschule mit großen Wandgemälden in Oel und Wachs. 1872 malte er noch ein weiteres Hauptwerk, ,Die Wegführung der Inden in die babylonische Gefangenschaft", das sich im Besrße der Nationalgalerie befindet. Areiönrg. Als Opfer des auf allen deutschen Universitäten überwuchernden Nacenhasses und antisemitischen Studentenübermutes ist hier der Mediziner Ed. Salomon, ein hoffnungsvoller Jüngling im Pistolen-Duell gefallen, lieber die grandiose Theilnahme an dem Leichenbegängniße dieses Märtyrers für das Judenthum wird der ,Magdeb. Wochenschr.* Nachfolgendes berichtet: Noch selten hat Freiburg ein so glänzendes Leichenbegängnis gescheit, wie dasjenige des im Duell gefallenen Studenten Salomon, das am 16. d. M.. Nachmittags 2-/2 Uhr' stattfand. Nach Tausenden zählte die Menge, die sich um den Friedhof versammelte. Sämmtliche akademischen Verbindungen waren durch Deputationen in Wichs mit umflorten Fahnen vertreten. Die Leichenrede hielt (infolge Erkrankung des hiesigen Rabbiners) ׳Herr Konferenzräbbiner Dr. Schwarz aus Karlsruhe, der bient telegraphisch herbeigerufen wurde.?Wie er sprach und was er sprach, wird niemand so' leicht vergessen, der es gehört hat, am weuigsteu die akademische Jugend, die vor der Leichenhalle versammelt war. Es war keine Grabrede im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eine ׳Philippika gegen den Dnellnnfug, gegen die Verwirrung der Ehrbegriffe und gegen die geistige Verrohung, die hentzurage bei der studentischen Jugend ganz besonders eingerissen ist. Die Rede, - ein Meisterwerk der Rhetorik, geißelte aber auch in schönster, zutreffendster Weise die antisemitischen Tendenzen,, die sich dank'der heutigen Zeitströmnng, auf unseren Universitäten so breit machen und die schon .den Schülern der untersten Klassen des Gymnasiums eingeimpft werden. Man mag darüber streiten, ob eine derartige Tendenzrede am offenen Grabe angezeigt war, jedenfalls aber ist es mir Freuden zu begrüßen, -dass der Herr Rabbiner in rücksichtsloser Offenheit die Dinge einmal beim richtigen Namen nannte und die Gelegenheit wahrnahm, über -diese barbarischen Zustände — wie sie schlimmer nicht in der Zeit des Mittelalters und des Faustrechts vorhanden waren — das Verdikt .auszusprechen. Wenn nicht besonnenere Elemente die Oberhand behalten hätten, wäre es jedenfalls seitens der Vertreter der »schlagenden* Verbindungen zu Aeußernngen des Unwillens gekommen — der beste Beweis dafür, wie mächtig die Rede eingeschlagen und gezündet hat. Der ,Freiburger Bote* bringt über diesen traurigeil Vorfall folgenden bemerkenswerten Bericht: ,Gestern Nachmittag wurde die ׳Leiche des erschossenen Mediziners Salomon mit dem üblichen studentischen Gepränge zu Grabe geleitet. 15 Corporationen waren bei der Trauerfeierlichkeit vertreten. Wenn je das Flittwerk eines Studentenbegräbnißes den Eindnick innerer Leere und Hohlheit bei uns hinterlassen hat, so war es hier der Fall. Dieser Eindruck wurde auch keineswegs abgeschwächt durch die stellenweise wahrhaft niederschmetternde ,Rede des amiirenden Rabbiners. Huldigte doch auch dieser bei all' dem Ergreifenden, Wahren, das er sprach, dem verhängnisvollen Jrrthnm, der Gefallene hätte nach der herrschenden Sitte nicht anders handeln können. Wenn Salomon wirklich in seinen heiligsten Gefühlen gekränkt war, gab es fürwahr einen anderen, vor dem Forum des gesunden Menschenverstandes vollgiltigeren Weg, die dadurch etwa verursachte »Makel* abzuwaschen.*) Das ihm zugewiesene ,Martyrium* Hai darum ׳feine sehr bedenkliche Seite. Im Uebrigen möchten wir mit dem wohlmeinenden Redner hoffen, dass der entsetzliche Ausgang des frevlen Spieles zum Anstoß werde, dem herrschenden Duellunsug im Vereine mit dem Nacenhasse endlich einmal entschieden Einhalt zu gebieten. .Ob aber mit den verlegenen Gesichtern der narbenreichen Theilnehmer, die bei manchen Stellen der Leichenrede einen wahrhaft bedauerns» *) Aber hätte man dann nicht wieder von ״der Feigheit der Juden^ -gesprochen? Das ist die innere Zwangslage, in der sich der geforderte Jude stets befindet und die ihn zum ״Märtyrer" stempelt. ״(Red.) wertheu Anblick gewährten, schon ein Anfang zur Besserung gemacht fei, muffen wir einstweilen billig bezweifeln.' Inaris. Samstag den 1. Mär; hat Herr Albert Cahen, Professor der Nethorik am College Rollin, auf Veranlassnng der Societe des etudes juives einen Vortrag über ,die liturgische Musik der Juden" gehalten. Die Baronesse Monerheim bestimmte 28 000 Rubel für Erbauung eines KrankenhaufeS ihrer.Vaterstadt Nieschwies. Einige Stadtverordneten wollten bei Berathungeu über den geplanten Bau die Juden ausgeschlossen missen, da die Baronesse gewiss bei ihrer letztwilligen Verfügung nur christliche Bürger im Sinn gehabt habe. Herr Friedensrichter Soltanow protestirte hingegen mit den Worten: »Die 28.000 Rubel sind den Einwohnern Nieschwie's vermacht worden, zu denen auch die Juden gehören, und hätte die Erblasserin die Inden auSschließen wollen, so würde sie eS im Testament bemerkt haben. Wir haben alle einen Gott!* Diese Worte bewirkten, dass beschlossen wurde, 8 Betten für Juden und 8 für Christsu zu errichten. — In Koponi ist auf Anordnung des Dorfältesten die Synagoge geschloffen ° worden. Die Gesetzesrollen und gotteSdienstlicheu Gerärhe wurden mit Beschlag belegt, weil die Juden angeblich in der Synagoge nicht beten, sondern politische Fragen besprechen und beraten, wie mau dis Bauern betrügen könnte. L literarisches. Die uns soeben zu Gesicht kommendeu Nummern 3 und 4 der .Neuen Mnsik-Zeirnng* (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart) beweisen, dass es der Redaktion Ernst mit ihrem, Versprechen ist, ihre Leser mit allen Vorkommnißen auf musikalischem Gebiete auf der Höhe der Z-it zu elhalten und ihnen anregende Belehrung uud gediegene Unterhaltung zu bieten. Die mir vielem Beifall aufgenommene Preisnovelle La Rosees ,Die Macht der Töne" geht ihrem Schluss entgegen, während die hnmoroolle Erzählung ״Der Pensiousgott" von Jnstinus die Spannung des Lesers nnansgesetzt rege erhält. Die 3. und 4. Fortsetzung der Meisterarbeit Rob. Hamerlings ״Meine Lieblinge" beschäftigt sich hauptsächlich mit einer Charakteristik Schumanns und Chopins. Eine interessante Parallele bietet der Extrakt aus dem Brief- Wechsel R. Wagners und Fr. Liszts für die Benrrheilung der beiden Tonmeister als Menschen. La Mara veröffentlicht höchst werthvolle Erinnerungen an Franz Schubert ans dem Nachlasse seines Freundes Spann. Hieran schließen sich eine Anzahl gediegener Aufsätze, Bücherbesprechnngen, Mittheilnugen, sowie werthvolle Musikstücke und die Fortsetzung von Dr. Svobodas Illustrierter Musikgeschichte. Und dieses alles wird für den Betrag von vierteljährlich 80 Pf. geboten. ״Hadras Kodeseh“ für Cantor, 3010 ־and Olxor eicht und gefällig nebst vielen Casualien, von Collegen und Gemeinden warm empfohlen. Gegen Nachnahme oder Einsendung von 5 fl. Ö. W-, zu beziehen von 31. Tintiter, Cantor und Lehrer in Blinzau, Preuss.-Schlesien. ״L’üiaLE“ französische Lebensversicherungs-Gesellschaft. St4an1mkapital .Frcs. 12,000.000 GowiUirleistungsfond . 000 22,000 ״ Yersicheru11gsstandamSl.Decemberl886 000 67,500 ״ Unabhängig von den Garantien, welche die Gesellschaft ״L’Aigle" ihren französischen Versicherten bietet und die aus den Statuten sich herleiten, welche die Gesellschaft von der französischen Regierung erhalten hat, bietet die Gesellschaft ״L’Aigle" ihren österreichisch-unj»־ rischen Versicherten folgende besondere Garantien : Die Gesellschaft ist durch k. k. Decret vom 31. August 1885 ermächtigt worden, in Oesterreich und Ungarn geschäftliche Operationen auszuführen. Sie hat eine Cantion von 8- W. fl. 110.000 in Wien und ö. W. fl. 110.000 in Budapest erlegt. Die Gesellschaft leistet Versicherung zu liberalsten Bedingungen und billigst bemessenen Prämien-Sätzen auf das Leben des Menschen in allen Combinationen. — Nähere Aufklärungen ertheilt bereitwilligst die Direction für Oesterreich-Ungarn : Wien, |, Schottenring 14 Repräsentanz kür Ungarn: Budapest VI. Theresienring 3. Repräsentanz für Mähren and Schlesien: Brünn, Franzensglacis 9. Repräsentanz für Böhmen: Prag, Graben 25. i Repräsentanz für Galizien: Brody.