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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-03-01 · Heft 7 (1.3.1890) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 7 (1.3.1890)
Date
1890-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Auch hi der abgclausencn Verwaltungsperiode ist es uns gottlob gelungen, durch namhafte Unterstützungen, Abfertigungen, Darlehen rc. die traurige Lage von Unheil betroffener Vereins- und Berussgenofsen freundlicher zu gestalten, das Elend fo mancher Familien nach Möglichkeit zu mildern, und wenn wir, gleich gepriesenen Musterbildern, die empfangenen Dankbriefe veröffentlichen wollten, sie wären sicherlich die beredteste Widerlegung der früher erwähnten, gegen uns erhobenen Anklagen. Trotz dieser bedeutenden Auslagen sind wir. Dank der tüchtigen Verwaltung unseres Vereinßcafsiers, Herrn Cantor Blatt, doch in der Lage, eine abermalige Vergrößerung unseres Vereins- Vermögens constatiren zu können. Diese nachgewiesenen rnateriellen Leistungen und Erfolge mögen unsere geehrten Vereiusgenossen beruhigen; denn jeder Einzelne kann mit Selbstbewusstsein darauf blicken, gute Werke vollführt und gewissenhaftes Streben unterstützt zu haben. Allein auch zur Beruhigung unserer Ankläger müssen wir, so unbequem es uns auch erscheint, hier constatiren, dass wir auch in moralischer und gesetzlicher Beziehung für unsere Berufszenosfen, also auch für unsere Prager Ankläger, so Manches errungen, was durch Lässigkeit nicht zu erreichen gewesen wäre. Wenn die Herren Ankläger aufmerksam lesen, so werden ste in dem neuen jüdischen Gesetzentwürfe so mancher Errungenschaft begegnen, die sich unseres Erachtens in späteren Tagen als wahrhaft segensreich für die jüdischen Cantoren, also auch für unsere Ankläger, gestalten dürfte und, wenn diese Herren die Lebensäderchen, die manchem Gesetzesparagraphen genährt und gekräftizt, verfolgen könnten, so würden sie der Spur dieser zarten Fäden folgend, endlich den Ausgangspunkt derselben in der Kanzlei des österr.-ungar. Cantorenvcreines in Wien auffinden und alsbald zur Einsicht gelangen, dass der Vorstand unseres Vereines zu jener nächtlichen Stunde, da unsere Ankläger von Neid und Missgunst geleitet, die unglaublichsten Anklagen gegen uns schmiedeten, auch in ihrem, der Herren Ankläger Interesse, arbeitete nnd strebte. Das ist unsere Revanche. So werden wir auf der betretenen Bahn unentwegt weiter schreiten und so sehen den Ereignißen in der Moldaustadt ruhig und neidlos entgegen, wünschen unseren Herren Anklägern Glück und Gedeihen zu ihrem schweren Unternehmen, und in diesem Sinne rufen wir ihnen die bemerkenswerten Worte im diesmaligen Wochenabschuitte zu: Wenauadti schommoh liwne Jisroel, wenikdaseh lichwaudi. Möge ihre Stiftung einstens Heiligung und Ehre im Gefolge haben! Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Der Antihebraisnms oder: Religionshass und Racenhass in den biblischen Zeiten?) Von Dr. M. H. Fr ied lä nder, Rabbiner in Pisek. (Schluss.) Amalek war unstreitig der gefährlichste Feind Israels. Sein Wahlspruch lautete: Lechu ivenachechidem. ,Lasset uns sest zusammenhalten, damit es uns gelinge, die geistige, moralische und physische Existenz dieses Volkes in Frage zu stellen, auf dass der Name ,Israel* aus der ganzen großen weiten Erden- *) Der Nachdruck obigen Vortrages, der am 11. Jänner in Prag gehalten wurde, ist nur mit Bewilligung der Redaction gestattet. rnnde nicht mehr vernommen werde/ Da nun Amalek, und zwar mit Recht, der Befürchtung Raum geben zu müssen glaubte,, dass Israel, so es zum Sinai gelangen und dort sich für die Annahme der Thora bereitwilligst erklären werde, Lebenskraft und Lebensfähigkert erhalten würde, um den Stürmen aller Zeiten trotzen zu können, so war sein ganzes Streben dahin gerichtet, Israel gar nicht zum Sinai gelangen zu lassen. ,Und Amalek kam und griff Israel plötzlich in Nesidim an/ Warum gerade in Nefidim? Israel, das ans Egyptens Knechtschaft zog, war noch nichtglaubensfest genug, cs hatte noch kein festes, unerschütterliches Vertrauen auf die Allmacht Gottes. Ein Volk das Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Pharaonen seufzte und schmachtete, was Wunder, dass es glaubensschwach war und das geringste Ereignis es in Verzweiflung bringen konnte? In Nefidim war eine Wassernotb, in Folge dessen das Volk in Verzweiflung gerieth. Alles kam außer Rand und Band. Die Gemeinde war im Innern zerklüftet und zersplittert, niemand wollte eine Autorität anerkennen; ja es kam sogar so weit, dass selbst der große unsterbliche Lehrer Moses, der seine Kraft und Fähigkeit, sein ganzes Leben in edler uneigennützigster Weise der Befreiung, Erlösung und Heranbildung Israels geweiht und gewidmet, ausgerufen: .Es fehlt nicht mehr viel nnd sie würden mich steinigen!' Noch mehr, sie haben cs sogar gewagt, das Dasein Gottes, des Einig Einzigen in Frage zu stellen. ״Hajeseh Adonai bekirbenu im ojin. Gibt es einen Gott oder nicht?" Diesen Moment hatte der gefährlich schlaue Amalek benutzt und überfiel plötzlich ^Israel in Nefidim, denn, dachte er, ein Volk, das in seinem Inneren zerklüftet und zerfahren ist, ein Volk, das keine Autorität anerkennen will, ist schwach, wehrlos und kann leicht besiegt werden. Moses, der das Gefährliche der Situation sofort erkannte, rief seinem Diener Zosna zu: bechar lonu Anoschim! Vor Allem wähle uns Männer, Männer von Geist, Herz und Gemüth. Männer, die sich durch eminente Gelehrsamkeit, Herzensgüte, Seelenadel, Biedersinn und sonstige hohe Tugenden auszeichnen. Vor Allem müssen wir uns einigen und uns eine Repräsentanz wählen, die wir achten, verehren, würdigen und feiern, auf die wir mit Stolz blicken und die wir als Autorität betrachten. Haben wir uns einmal im Innern vereinigt, dann ze webilochem lamolek, kannst du es wagen, die äußeren Widersacher zu bekämpfen. Moclior onochi nizov al rösch hagiweo. Ich aber muß auf das Piedestal der Unantastbarkeit erhoben werden; es darr nicht der erste und beste aus dem Volke es wagen, meine Handlungen einer Kritik zu unterziehen, es darf nicht der erste nnd beste aus dem Volke es wagen, mich wie einen untergeordneten, besoldeten Diener zu bebandeln, umate elohim bejodi, denn ich kämpfe für eine Gottessache. Amaleks Hass ist ein Neligionshass, fein Kampf ein Neligionskampf. Und so war es auch. Solange Moses, das Bild, der Träger der Gotteslehre, groß da stand, solange man die hochverdienten Männer und würdigen Lehrer geachtet geschätzt und gewürdigt, wegowär Jisroel, war Israel unbesiegbar, aber in Zeiten wo die ersten Würdenträger nicht beachtet nnd nicht berücksichtigt, während Halbwisser und seichte Klüglinge gefeiert wurden, war Amalek mächtiger. .Gedenke*, sagt die heilige Schrift, ,was dir Amalak gethan!' Nicht etwa dass die Israeliten sich rächen, sondern stets sich erinnern sollen, welche Mittel Amalek angewandt und welche Momente er benutzt, um sein sich vorgestecktes Ziel zu erreichen. Er übersiel dich auf dem Wege, da du aus Egypten gezogen und noch glaubensschwach und kleingeistig warst, weato ojef wejogea, daher er, welau jore elohim, Gott nicht fürchten zu müssen glaubte. Wenn nun Gott dir wird einst Ruhe verschafft > haben von allen deinen Feinden, wenn du dich der vollständigsten

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