Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1890)
- Date
- 1890-02-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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e zu fernem Grabe sich erhielt. Die Reife seines Urtheils, die Schärfe feines Verstandes, fein umfafscudeS Wissen, vor Allem sekne sittliche Kraft, wurden schon damals au dem Züngling erkannt und gewürdigt. Nießer war demnach in allen geselligen Kreisen ein sehr gern gesebeuer Gast. Zu Gesellschaft war Nießer dem Anscheine nach immer bereit, sich den Wünschen Anderer unterznordnen, thal aber immer das, was er als' das Rechte und Gute erkannte, Uetz sich nie aus moralischer Schwäche zu Handlungen verleiten, die er aus SinlichkeirSgründen verwart, und suchte in gleichem Sinne ebenso auf seine Freunde zu wirken. Er zog sich keines- Wegs von studentischen Vergnügungen zurück, fand aber immer dcukPunkt, der aus guter Sine nicht überschritten werden durfte, ohne dem Zwecke seiner Studien zu schaden. Kam er in die Lage, seine Ehre zu vertocidrzen, to stand ihm immer sein Mut, obwohl er nicht sonderlich in der Fechtkunst geübt war, zur Seile ui d ersetzte die ihm mangelnde Geschicklichkeit. Es gab daher keinen GctellschaftskreiS in Heidelberg, in dem Nießer nicht in boher Achtung stand und gern gescben ward. Denn seine Licbcnc- Würdigkeit gewann alle Herzen, seine Kenntmße überragten bald das Maas', wie eS von der Mehrheit der Studenten erwartet werden darf, sein Eharakter und hoher Geist erzwang sich Auerkennnng bei Allen, mir denen er in Berührung kam. Mau merkte kaum, dass er emsig studiere, fand ihn stets geneigt, auch die heitere Seite zu gcuißen; aber in den Stunden der Einsamkeil holte er dann mir fester Willenskraft das Versäumte eifrig nach. Am 20. Dccember 1826 machte Nieser sein Examen underhielt in seinem Dector-Diplom den eriten Grad summa cum laude beider Rechte. Zst beiden jetzigen unstreitig günstigeren Zuständen der Juten die pracrische Wirksamkeit für einen jüdischen Slndierenten eine höchst!chwierige — so war sie damals eine vollends unerreichbare. (Fortsetzung folgt.) Der Autihrliraismus oder: Religionshass und Racenhass in den biblischen Zeiten.*) Von Dr. Nt. H. F r i e d l ä n d e r, Rabbiner in Pisck. «Fortsetzung.) Nun Horen wir einmal, welch' schlaue Mittel von Seite der EgYPlier ar.gcwendet wurden, um das angcstrcbte Ziel zu erreichen. Zhr wünscht bin־, so wurde den Israelitenzugernsen, unter uns zu leben und von uns alS gleichberechtigte Bürger bctrachtet zu werden. Nun gut, wir haben nichts dagegen, allein wer Rechte beampruch׳, der must auch Pflichten erfüllt», und die erste und heiligste Pflicht eines jeden Staatsbürgers ist. tais er die ihm vorgeschriebenen Stenern entrichte, damit der Staat in der Lage sei, für die Äufrcchterhaliuug der öffentlichen Ruhe. Sichcrheit und Ordnung Sorge tragen zu lönnen. Diejenigen Untertdaneu aber, deren Verbäluuße es ihnen »ich! gcstaNei׳, die gebührende Steuer zu ent! ich len, seien verpflichtet. Hand arr's Weik zu legen und sich an den Festun gebauten und sonstigen staatlichen Arbeiten zu bciheiligen. Und daraus war cs eben abgesehen. Man wellte die edelsten Kräfte drescs geistig begabten Volkes, von dem man gewusst, dass es leine Reranhümer und Schätze in'ö Land gebracht, für *) Der Nachdruck obigen Vortragec׳, der am 11. Jänner in Prag gehalten wurde, ist nur mit Bewilligung der Rcdaclion gestaltet. staatliche Zwecke ausnützeu. Mass beißt in der hebräischen Sprache Steuer. ״Wajosimu olow sore missim.“ Man setzte über das Hebräervolk Steuerbeamte, leraaan anosura besivvlotom, damit man Ursache habe dasselbe, da es nicht m der Lage war, den diesbezüglichen gerechten Wünschen des Fiscus zu entsprechen, auscheinlich auf gesetzlichem Wege zur Verrichtung schwerer Arbeiten verhalten en können. Wajiwen ore miskenot lepavo. Und so mnislen sie als treue Unterthanen zwei VorralbSftädte dem Pharao bauen, ohne dass sie sich über Vergewaltigung, über Ausnahmsgcsetze beklagen durften. Nicht ohne lieferen Sinn" lehrt der Talmud, dass Körung .Pharao leibst Hand an'6 Werk gelegt, auf das Feld der Arbeit gegangen, Ziegel verfertigte und den Arbeitern als Musterbild vorauleuchtete; der Talmud will dadurch gleichsam andeulen, dass man in Egypten alle möglichen Mittel angewandt, um die Israeliten in dem Wahne zu bestärken, dass eS nicht etwa ,AusuahmSgesctze' sondern lediglich die bürgerlichen Pflichten seien, die sie zu jenen Arbeiten zwingen. Und als später Moses und Aron vor Pharao erschienen sind und ihn im Namen Gottes aussorderten, die Israeliten in die Wüste ziehen zu lassen, damit sie einem Gottesdienste anwohnen könnten, entgcgnele er entrüstet: Wer ift Adonai, dessen Stimme ich gehorchen soll, ich kenne keinen Gott, der es verlangt und wünscht, dass die Arbeiter dem Müßiggang stöhnen, einen heichaulichcn Lebenswandel führen und die schöne kostbare Zeit mit der Verrichtung religiöser Functionen vergeuden sollen. Das Geld ist unser Golt und daS Erwerben des Goldes nennen wir Gottesdienst. Zhr aber, MoseS und Aron, seid Aufwiegler, Socialistcn und Demokraten, Zhr wollt eine Arbeiterbewegung Hervorrufen, die Arbeiter verhetzen, damit sie weniger arbeiten, dafür einen größeren Lvhrr beanipruchen, treu rabim ato am lioorez ־vvehisch Latem ossom. Zch bin ganz glücklich, dass das Arbertervolk jetzt überhand nimmt, dass die Arbeiter mit Luft niid Liebe an die Arocit gehen und meinen materialistischen Theorien huldigen, und Zbr wollt mir sie verhetzen. Das geht doch wobt nicht an! Tiohbad boaboda al lioanoscbim. Von hcnie an muß die Arbeit den Leuten schwer gemacht werden, damit sie vollauf beschäftigt seien und weder Zeit noch Muße gewinnen, um sich mit Freiheilsgedanken, religiösen Anschauungen Niid höheren Idealen beschäftigen zu köuueu, rverrl ji8cben bedivY-re 5cb6ker. FreiheilSgedankcu, religiöse Anschauungen und höhere Ideale nannte man irr Egypten dhv16׳ scheker, ihörichle Dinge. Trotz alldem war der egyplische llkacenhass lange nicht so gefährlich, als der amalekilische Rcligionshass. Der egyplische R.'.cenh.ris war, wie wir ehe» nachgewiesen, nichts anderes als die natürliche Folge des Neides, der Mißgunst und des Eigennutzes; kcurcsfallö aber haue man es dort versucht, sie von dem Glauben der Väter abtrünnig zu machen, sie zu verlocken, zu verlcilen und zur Verleugnung des Glaubens zu veranlassen. Im Geg׳ntvell, gerade jene Hebräer, welche glaubten, sich itc Liebe, Gunst und Frenndschasl der EgypUcrdadurch zu erwerben, in dem sie mit rbtttN bei F׳cstgclag»n zechten niid die erlaubien wie nicht ulanblen Speiirn sich ninndeii ließe!!, wulden von ihn.n noch mehr gehasst und nut der nessten Verachtung beiira'r alö die conterr a'.rven Hebräer. Ki lau juchlun lianiizrim lecchol et hohvmn. Die Egyprier fouuJen nicht nur den Hebräern zulamm-.u sputen, kr loewo bi lemizrojim, lveil jene Zrene.aaieu, die ihre Tradilloncn, Siucn, Formen und Bräuche d-.n E-.ypticrn zu Liebe verleugnen zn müssen glaubten, l-tzteren ein Greuel waren. Drei Verdienste, to sagt der Talmud, haben die Zuaeliten in Egypten sich erworben, daher sie durch wunderbare Begeben-