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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-02-21 · Heft 6 (21.2.1890) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 6 (21.2.1890)
Date
1890-02-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 / kann nicht hoch genug angeschlagen werden und sie findet ihre > Ergänzung in der Erklärung der Regierung, dass es ihr Streben sein wird, dis Functionäre gegen ungerechtfertigte Behandlung zu schützen. Wenn nur diese hier angedeuteten Principien in der Praxis zur Anwendung kommen — und warum sollten wir denn an dem ernsten Willen der Negierung zweifeln? — so können wir vollauf zufrieden sein, und keinem objekiv Urtheileuden wird es einfallen, den Cantoren-Verein dafür Verantwortlich zu machen, dass ein Mchres bisher nicht erreicht wurde. Welchen Beweggrund werden aber jetzt die Faiseure des zu gründenden »Cantoren-Verein für das Königreich Böhmen* anführen, wenn der gegen den österr.-ungar. Cantoren-Verein erhobene Vorwurf durch die obigen Auseinandersetzungen widerlegt erscheint? Wir stnden keinen einzigen, und auch in dem Circuläre, das von Prag aus versandt wird, ist darüber nichts weiter zu lesen. Nur Pbrase, leere Phrase! ,Nur mit vereinten Kräften * so rufen die Herren Collegeu Ln Prag, ,kann der Cantorenstand die ihm gebührenden Rechte geltend machen.* Za wobl! Der Ansicht sind auch wir und gewiss auch alle Cantoreu in Böhmen. Aber gerade darum werden sie allen Lockungen widerstehen, und wir haben die vollste Ueberzeugung, dass sie solchen Bestrebungen, welche die Einheit und Einigkeit der Cantoren in Oesterreich untergraben, niemals Vorschub leisten werden. Profejsiir Snlomon Suyer. (Fortsetzung.) Im Vorangehenden wurde die Entstehung des in der jüdisch-synagozalen Musiklitteratur Epoche machenden 861״m׳ Zion“ geschildert, dem Sulzer eine gewisse Vielseitigkeit noch dadurch verlieb, dass er berühmte Tousetzer wie: Drexler, Fischhof, Seyfried, Fr. Schubert, Volkert und Würfel zur Composition von Psalmen veranlasste. Lange nicht konnte er sich für die Herausgabe dieses so wohl erwogenen und unter Besiegung nicht geringer Schwierigkeiten vollendeten Werkes entscheiden, und die Partitur blieb nur handschriftlich und ausschließlich in Wien im Gebrauche. Nachdem aber die Reformen des jüdischen Gottesdienstes in Wien sich dnrchzerungen und auch Mitglieder anderer Cultusgemeinden dieselben allmälig kennen gelernt halten, verlangten die namhaftesten Gemeinden des Zn- und Auslandes, wie jene von Pest. Kanizsa, Venedig, München, Frankfurt a. M., Berlin, ja selbst solche in Amerika, die Partitur, und da denn ein Werk, wie das verlangte, noch uickt vorhanden war, entschloss Sulzer sich endlich zum Druck seiner Sammlung. Im Jabre 1838 veranstaltete er denselben, und der Erfolg war ein solcher, dass 1842 eine zweite Auflage nöthig wurde. Durch einen 1865 erschienenen zweiten Band, der übrigens ein für -sich selbständiges Werk bildet, hat Sulzer seine Arbeit ergänzt, indem darin Choräle für alle religiösen Vorkommniße und für die geistlichen Functionen des ganzen Jahres enthalten sind. Und so gilt Sulzer als der Schöpfer des modernen jüdischen Synazogengcsanges, dem von den bedeutendsten Sachkennern, wir erwähnen nur beispielsweise seinen eigenen Lehrer .in der Composition Ritter v. Seyfried, dann Ritter v. Liszt, Robert Schumann, Ed- Hanslick, volle Anerkennung gezollt wurde. So hoch die Bedeutung Sulzer's als Organisator des Synagogengesauges angeschlagen werden mutz, so vollendet war auch seine Meisterschaft im Gesänge. Friedrich Uhl zeichnet ein treffendes Bild des unvergleichlichen Sängers mit folgenden Worten: ,Wenn wir duldsam brüderlich geworden sind in Wien, so gebührt ein großer Theil dieses Verdienstes außer den Worten von Lessing's Nathan den Liedern Sulzers, diesen gesungenen Bitten um Emancipation. Sulzer machte Proselyten für die Lehre der Humanität, welche keinen Neligionsunterschied im Staate kennt, und so hat denn wieder die Kunst geeint, ״was die Mode streng getheilt." Sulzer war vor Zähren, als wir ihn kennen gelernt, jung und schön! Schön nicht durch Regelmäßigkeit der Züge; diese waren stark ausgebreitet, die Nase kräftig und breit, der Mund groß, so breit, dass die mächtige Stimme nicht hätte austönen können, wenn die Flügel des Thores, aus welchem der süße Schall, dieser Strom von Wobllaut, diese Orgelkraft des Tones, ja dieses ganze Orgelregister drang, sich weniger weit geöffnet hätten. Sulzer besitzt den großen Mund großer Sänger. Die Mächtigkeit der Töne in Sulzers beiter Zeit war so gewaltig, dass wenn man sich nahe im Bereiche des Stromes derselben befand, man auch ihre physische Wirkung fühlte. Und diese Wirkung der süßen Gewalt, die einem angethan wurde, riss förmlich fort. Man schwamm in Seligkeit auf diesen Wogen, man wurde gehoben und getragen, man zitterte, und Thränen wurden dem Auge entpresst. Wer nicht von Sulzer Schubert's »Allmacht* gehört oder vielmehr empfunden, kennt kaum die Macht der Töne. Wir sagten, Sulzer sei trotz der Kraft seiner Züge schön gewesen. Es wird uns Zeder beistimmen, der den Mann in seiner Blüthe im Tempel vor den durch schweren Sammt den Blicken entzogenen Gebetrollen gesehen. Vom Haupte steten dem Sänger schwarzblaue Locken in einer fast weiblichen Fülle und Länge um das große dunkle Auge; schlug er sie über dasselbe empor,, so sah' man es bei aufsteigender Tonsäule von Lichtern erleuchtet, welche das Angesicht förmlich verklärten. Wenn dann Sulzer seine Klagegesänge anstimmte, welche herzzerreißend mächtig anschwollen, um sich in eine Art von leisem unterdrückten Schluchzen zu verlieren, oder wie ein kräuselndes Wölkchen zum Himmel emporzusteigen und dem Blicke zu entziehen, die Coloratur des des gesungenen Seufzers, so blieb kein Auge trocken. Zu solchen Momenten wurde der Säuger mit dem glänzenden schwarzen Haare, das sich von dem weißen Schultertuche abhob, ‘fvift idealschön, und das Buch der Bücher wurde in uns lebendig." Zn gleich begeisterter Weise äußerte sich Franz Liszt über die mächtige Wirkung, welche Sulzers Gesang in der Synagoge auf ihn chervorgebracht . »Zn Wien* schreibt er ,haben wir den berühmten Tenoristen Sulzer kennen gelernt, der sich als Cantor in der Synagoge.einen umso distinguierteren Ruf gemacht hatte, als dieser auf einen Kreis wirklicher Kenner beschränkt war. An dieser Künstlergestalt war die Maske, welche das innere Wesen bedeckte, manchmal durchsichtig, und manchmal gewahrte man die wirklichen Spuren, welche die himmlischen Lehren seiner Seele aufgcdrückt Hatten; er ließ sich vernehmen, als habe er die Finsternis Egyptens mitgemacht und £en lästerlichen Pharao von den Fluten verschlingen gesehen — als ob die den Feinden unsichtbare Feuerwolke, welche seilt Volk geleitete, seinem entzückten Auge noch leuchtete,- als wäre er noch Zeuge gewesen, wie der klaffende Schlund die Aufrührer Korab, -Dathan und Abiran verschlang; als hätte er in Zion Frendenaccorde auf den Psaltern und Harfen erklingen gehört; als hätte er die Töne, welche David dem Instrumente entlockte, vernommen, als hätte erHiram gekannt, Ophir und Sidou besucht, die Königin von Saba den legendenumwobenen Thron Salomons hinanschreiten gesehen, solchen Wohlgeruch verbreitend, dass 8 Jahre lang die Straßen erfüllt waren; als hätte er den Gesang der Gefangenen zur Zeit Ezechiels .an'den Ufern des Euphrat vernommen und die Worte des

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