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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-02-11 · Heft 5 (11.2.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 5 (11.2.1890)
Date
1890-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Während die eingewanderten Israeliten hoffen zu dürfen -glaubten, dass es ihnen gestatten sein wird, hier ein Menschenwürdiges Dasein fristen zu können, wurden sie thatsächlich wie die Parias geächtet und geknechtet, ja noch mehr, sie wurden auf -die grausamste Weise fclavisch behandelt, obwohl sie hiezu nicht die geringste Veranlassung gaben. Mögen die Gegner des Judenthums sich immerhin erkühnen zu behaupten, dass unsere Ahnen in Egypten nur durch ihr schacher- und wuchertreibendes Wesen, durch ihr AuSbeutungStalent wie durch Ränke, Schlauheit und Lntriguen den Hass und den Groll der egyptischen Machthaber in solch' hohem Maße erregten, dass jene sich veranlasst sahen, -sie durch Ausuahmsgesetze zu Boden zu drücken, so entbehrt diese Behauptung, wie überhaupt all' die hämischen Behauptungen und boshaften Vorwürfe der Antisemiten, jeder historischen Begründung. ׳.Waren unsere Ahnen in Egypten thatsächlich bestrebt gewesen, sich auf Kosten der Egyptier zu bereichern, wären sie thatsächlich bemüht gewesen, sich vom Fett und Mark der Egyptier zu nähren, die E gypticr durcb Ränke, Schlauheit und Zntriguen zu übervorthcilcn, zu täuschen und dur'chS Licht zu führen, so hätten die Machthaber Egyptens sich der ihnen so sehr verhassten Hebräer durcb Ausmeisungsdecrete, wie dies in späteren Zeiten in den , meisten europäischen und asiatischen Staaten so oft geschehen ist, auf die leichteste Weise entledigen können. Die Pharaonen wären umsomehr in der angenehmen Lage gewesen, eine solche grausame ׳Verfahrungsiveise beschönigen und entschuldigen zu können, als die Israeliten sich selbst in Egypten als Fremde betrachteten, indem sie durchaus nicht auf das Heimatsrecht Egyptens reflectirteu, sondern nach Kanaan gravitirten. Der Ausdruck sogar boorez boonu, wir sind iu's Land gekommen, um uns daselbst aufzuhalten, beweist, wie der Talmud erklärt, schlau jered -Jakauw lehischtakea, dass Jacob mit seiner Familie nicht etwa in der Absicht nach Egypten gekommen, um sich dort einzubürgern, sondern bloß zeitweiligen Aufenthalt daselbst zu nehmen. Allein die Pharaonen haben keine Ausweisungsdccrete, -sondern Gesetze erlassen, die berechnet waren, das Hebräervolk an das egyplische Land zu knüpfen, zu fesseln. In Egypten hatte damals der Materialismus sein goldenes Zeitalter gefeiert. Das Gold wurde abgöttisch verehrt, daher auch der Tross, der sich später beim Auszuge aus Egypten den Israeliten angcschlvssen, beim Anblick des goldenen Kalbes wonnetrunken ausgerufen: .Gut gesprochen, Herr Doktor!' hob Labes gedehnt an, nun, das ist schön, da bin ich gar der Schuldige?' und macht- Miene, -sich zu entfernen. ,Nicht jo Herr Labes', entzegnete Gabriel, »hier bekennen Sie ihren Racheact und rufen Sie laut ״Obotossi!^ Doch der Angeredete zuckte die Achseln. Da erhob sich ein Zeuge mild bekannte, er wäre der Schuldner des Labes und sei von demselben gezwungen worden, wider Engelmann falsch zu zeugen. .Es ist grässlich', rief er, die Hände verzweiflnngsvoll. ringend, ,hinaus will ich durch -die ganze Stadt und schreien, dass unser Carrtor unschuldig ist, mir aber möge Gott beistehen und ein gnädiger Richter sein!' ״Ich ehre Ihr Bekenntnis', nahm Dr. Löb hier das Wort, ,Gott sei Ihnen ein gerechter Richter und vergebe in seiner Gnade mnd Barmherzigkeit Ihre große Schuld.' In der ganzen Stadt erregte diese schmachvolle Affaire Aufsehen, das schmutzige selbstsüchtige Betragen des Labes stand im scharfen ׳Contraste zu dem ehrbaren Wandel des Cantors Engelmann. Labes war gerichtet, der Wolf im Schafspelz erkannt und gemieden, bis er ganz alleinstehend seine ,fromme' Laufbahn elend beschloss. Carl und Ruth träumten nun von ihrem Glücke und ließen es Hch nicht in Len Sinn kommen, dass eine gewaltige Kluft noch zwischen ahnen lag — Herr Joelsohu. Im Hause des Banquiers gieng Alles seinen gewohnten Gang, nur zwischen Vater und Sohn war ein säst .unerträgliches Verhältnis eingetreten. (Fortsetzung folgt.) »Das sind Deine Götter Israel, die Dich aus Egypten befreit haben.' Das Erwerben des Geldes wurde in Egypten Gottesdienst genannt. Das ganze Streben der Egyptier war dahin gerichtet, Neichthümer zu erwerben, um der Erde, ihren Freuden und Ergötzlichkeiten sich ganz hingeben zu können. Neid, Mißgunst und Eigennutz sind eben die Eigenschaften der Materialisten. Derjenige, der alles Höhere, Ideale und wahrhaft Göttliche verhöhnt, verlacht und verspottet und nur die Materie, den Stoff abgöttisch verehrt, der kann aber nicht ohne Neid es mit ansehen, wenn andere ebenfalls Neichthümer erwerben. Die Israeliten haben, wie die heilige Schrift erzählt, bevor sie durch Ansnahmsgesetze niedergedrückt wurden, in Egypten sowohl in geistiger als in materieller Beziehung einen mächtigen Aufschwung genommen. .Sie wurden ungemein mächtig und das Land war von ihnen voll.' In Folge dessen haben die Egyptier sie beneidet und gehasst. Wajkuzu mipne bne Jisrael. ES graute ibuen vor der israelitischen Nace. Ausweisen aber wollte man sie nicht, weil das Streben des König» Pharao, des Vaters des Materialismus und Antisemitismus in Egypten, dahingerichtet war, die edelsten Kräfte der eingewanderten, geistig begabten Israeliten für seine materialistischen Interessen auszunützen. Er rief daher seinem Volke zu r bowo nischakmo 10. Wir müssen aus schlauer Weile die Israeliten für unseren Staat zu gewinnen suchen. Wir dürfen Anfangs ihnen nicht schroff entgegengehen, dürfen sie nicht fühlen lassen, dass sie hier nur als Fremde geduldet werden, pen jirbeh, sonst möchten sie erst recht stark werden, denn es ist eine Nationaltugeud dieses Volkes, dass es, so es von Außen verfolgt, bedrückt und bedrängt wird, im Inneren fest zusammenhält, und in der Einheit liegt die Krast. Wenn dann ein Krieg ausbrechen wird, und die Hebräer zu unseren Feinden übergehen und am Ende aus dem Lande ziehen, weolo min hoorez und wir würden einen unersetzlichen Verlust erleiden. Der Umstand, dass der König der Befürchtung Raum geben zu müssen glaubte, dass die Israeliten die erste beste Gelegenheit benutzen würden, um entkommen und Egypten den Rücken zu wenden zu können, beweist doch klar und deutlich, dass nicht die Israeliten, sondern die Pharaonen die Ausbeuter waren. (Fortsetzung folgt.) Das Maschol. Nach seiner Bedeutung und Anweudung in biblischen und nachbiblische» Schriften. I. Wie in dem weithin sich erstreckenden Graswuchs des Feldes einzelne Blumen unbekannten Ursprunges sich erheben» so erzeugt sich in dem gleichmäßig dahinsiießenden Leben des Volkes der S i n n s p r u ch, das Sprichwort, die Sentenz. Zn ihnen findet der natürliche Drang nach einem Schmucke der Sprache seine unbewusste Befriedigung. Ost gemachte Erfahrungen, oft wiederholte Erlebniße fassen sich in ein kurzes, schneidiges Wort zusammen, und je treffender der Spruch dem wirklichen Leben entspricht und das, was jeder schon erlebt hat, ^bezeichnet, desto williger wird es ausgenommen und weitergetragen, desto schneller aber auch der eigentliche Urheber des Spruches vergeben. Nirgends ist die Namenslosigkeit so an der Tagesordnung, wie in der Spruchlitteratur. Völker und Volksschichten, in denen ein reiches Geistesleben pulsirt, finden in dem Spruch den adäquaten Ausdruck für die Ergebniße ihres Empfindens und Denkens. Was ' für den Menschen höherer Cultur die wissenschaftliche Begriff», bestimmung, das ist bei jenen die Sentenz, das Gleichnis, die Allegorie, die Parabel. Daher tritt bei den Orientalen die

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