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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-02-01 · Heft 4 (1.2.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Ich erlaube mir nun im Namen dieser vierten und auch der dritten Classe der Cantoren die Frage zu stellen: werden von dem löblichen Cantorenverein und dessen Organe auch unsere Interessen vertreten? Und wenn ja; wie sollen wir uns verhalten zu der bevorstehenden Gemeinderegelung in Oesterreich? Warum ist diesem für uns sehr wichtigen Gegenstände noch keine Beachtung gewidmet worden? Die ,Cantoren-ZeitungE klagt oft, und dies mit Recht, über Lauheit und Gleichgültigkeit ihrer Abonnenten, es bleibt ein großer Theil stark im Rückstände, und wer weiß, wie viele noch ganz fern stehen. Eben wegen dieser wahren Thalsache habe ich obige Fragen aufgeworfen. Viererlei Kinder hat der Cantoren- Verein und dessen Organ zur Fürsorge: Cantoren, Chasonim, Meschubodim und Religionslehrer. Alle haben sie wohl einen Namen בלי oder ש״צ und alle das gleiche לחבא עניא ob aber alle gleiche Gesinnung und gleiche Gefühle für einander hegen, frage ich heute im Namen meiner Standesgenossen. Wenn diese Frage richtig und im Interesse aller oben angeführten Amtseollegen beantwortet sein wird, wenn der Cantorenverein und dessen Organ gleiche Bestrebungen hat und gleiche Tendenzen verfolgt für den Großen wie für den Kleinen, wenn der Meschubod und der Religionklehrer mit seinem spärlichen Chasonns sich vertreten und seine Interessen gewahrt sehen wird, dann wird gewiss Keiner zurückbleiben, Keiner iern und thei!. nahmslos stehen von diesem für uns so wichtigen Vereine und dessen Organe. Gerne wird Jeder sein Möglichstes opfern, denn Zeder.wird wissen, dass er nur sich und die Seinigen schützt und stützt. Ich weiß im Voraus, dass mir der Prospect der ״Cantoren- Zeitung" für das hcurige Jahr empfohlen werden wird, wo meine obige Frage genau beantwortet iir. Es heißt daselbst: ״Die Ziele und Zwecke des Organes sind: schützend in Ansehung der Jnteresten des Cantorensiandes zu wirken." Ja'aber der Meschubod und der Lehrer ist noch immer im Zweifel, ob er auch mit inbegriffen ist. Zu einem Laue braucht man sowohl kleine als große Steine. Einige warm befürwortende Artikel, welche die Interessen dieser kleinen Carnoren zum Gegenstände der Erörterung machen, würden eine große Collcgenschaar Ihrem Blatte und auch dem Cantoren- Vereine zusühren. Wir dürfen gegenseitig nicht gegnerisch bandeln, Engklw.anu an, dass er eine trete Wirthschaft führt, weil sein-- Tochter Ruth es für zeitgemäß findet. Nebenbei erzählte er mir new merkwürdige Dinge, die Ihren Herren Sohn angehen. — Ich und meine College» wären der Ansicht, dem Cantor sofort zu kündigen, möge er andere Gemeinden mit seiner Frömmelei blenden. Was meinen Sie dazu?'׳ ״Nicht so vorschnell. Herr Gabriel! Die Anklage ist für mich nicht maßgebend, denn für Geld verkauft der fromme Labes auch ferne Seele und macht jede Aweroh mir 5 Pfennige Zedokogeld ab. Bis jetzt galt Herr Engelmann als ein biederer und tüchtiger Beamter, und niemals gab feine Führung zur Klage Veranlassung. DaS Wort ״K ü n d i g e »'׳, einem geistlichen Beamten kündige», ist, gelinde gesprochen, Barbarei — dazu würde ich niemals meine Zustimmung geben. Dinge, die mein Haus angehen, werde ich selbst erledige», und hat Niemand tin Recht, sich in meine Samilienverhältniße zu mischen. Fertigen Sie den Kläger ab und dulden Sie keine Verleumd-ung, denn ein Mensch, der die Religion wie eine Waare behandelt und die Schale von dem Kern nicht zu nuterfcheiten vermag, ,miß gebührend abgewiesen werden. Verhalte» Sie sich ruhig und hören Sie erst Sr. Ehrwürdeu Herrn Dr. Lob. Geben Sie mir Ihr Wort, durch keine fernere Uebercilung rücksichtslos handeln zu wollen I" ״DaS haben Sie", sagte Gabriel und schlug iu des Banqniers dargeboteue Rechte ein. .Mit herzlichen Gruße verabschiedeten sich hierauf die beiden Männer. - (Fortsetzung folgt.) vielmehr, ob Klein oder Groß, zusammenhalten. Je größer dev Körper, desto leichter ist etwas durchzusnhren. Cantor Blau in Horn (Nied.-Oesterr.) Mit Rücksicht, auf die obige Enunciation können wir dem geehrten Einsender versichern, dass die ״Cantoren-Zeitnng" niemals einen Unterschied gemacht hat zwischen kleinen und großen Cantoren. Jeder ist uns als College willkommen und Jeder kann der Förderung seiner Interessen von unserer Seite sicher sein. Auch der Oesterr.-Ungar. Cantoren-Verein ist von diesen Intentionen beseelt und es bedarf nur eines Hinweises auf § 7 der Statuten, in welchen es heißt: ,,Mitglieder können werden Cantoren, Chasonim und Vorbeter". Zn dieser Fassung liegt die Antwort aus die vom College» Blau an uns wie an den Cantoren-Verein gerichtete Frage. Die Nedaction? Kleine Chronik. Wien. Anlässlich des Todestages des verewigten Kronprinzen Rudolf fanden Mittwoch den 29. und Donnerstag den 30. Jänner in mehreren Bezirken und Vororten Wiens solenne Trauer- Andachten statt. Auch aus der Provinz werden solche gemeldet. Wien. (Gegen den Antisemitismus in der Lehrerschaft.) Der dieser Tage stattgehabten Bezirks-Lehrerconferenz in Währing wohnte auch der neue, aus Zwettl nach Währing übersetzte Beznkshanptmann, Statthaitereirath Alexander Saner-Czaki v. Nordendorf, bei. Derselbe hielt eine Ansprache an die versammelte Lehrerschaft, in welcher er dieselbe mit energischen Worten ermahnte, ihrer Lehrerpflichten stets eingedenk zu sein. Er habe zwar keinen speciellen Fall unter der Lehrerschaft deS Bezirkes im Auge, aber Vorgänge in anderen Bezirken veranlassen ihn, an die Lehrer die ernste Mahnung ergehen zu lassen, sich jeder antisemitischen Agitation oder Hetzerei fern zu halten. Er werde es sich zur Pflicht machen, die Lehrer in der.Schule zu überwachen, sie aber ebenso strenge auch außerhalb der Schule beobachten. Er dulde absolut nicht, dass ein Lehrer antisemitische» Tendenzen huldige, und er werde selbe zu beseitigen wissen, wo immer er dieselben antresse, ob inner- oder außerhalb der Schule. Ebenso werde er ein strenges Augenmerk darauf richten, dass den Kindern von Lehrern nur wahre patriotische, d. h. echt österreichische Gesinnung beigebracht werde und dass die Kinder an ihren Lehrern nur wahre patriotische, d. h. österreichisch gesinnte Lehrer zum Vorbilde haben. Wrag. Eine Zeit lang hieß es, dass der neugewählte Oberrabbiner Dr. Ehrenscld ans Gnesen in Folge verschiedener Differenzen nicht gewillt sei, daS Prager Ober-Nabbinat zu übernehmen, und weiter in seinem bisherigen Wirkungskreis bleiben werde. Diese Ansicht wurde jüngst erst in einem jüdischen Blatte mit aller Bestinuntheit ausgesprochen. Wie uns nun milgetheilt wird, geht Herr Dr. Ehrenfeld doch nach Prag und wird in kürzester Zeit seinen Posten antreten. — Am 16. Jänner ist in Mähr. Trübau Herr MDr. Adalbert Kraus, ein Bruder des gewesenen Statthalters von Böhmen,. FML. Baron Kraus, im 81. Lebensjahre als Jude gestorben. Der Verstorbene war Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Junglttmzlan. (Orig.-- Corresp.) (Ein I u d e n f r e u n d.s Als ich vor circa! 4 Tagen die Tagesblätter zur Hand nahm und das Telegramm las: ״Professor H. Tschokke wird zum Erzbischof von Wien vorgeschlagen", da war ich in meinem Innern io erfreut, als wäre ein neues Verfassuiigsgesetz znm Heil der Inden in die Oeffentlichkeit gedrungen. Der Reetor magnificus der Wiener Nr.iversität — des armen Kürschners Sohn — wird zu in Erzbischof von Wien vorgeschlagen-! — Wer in der Stadt L-ipa in Böhmen den sogenannten hohen Graben, eine Gasse wo meistens Israeliten wohnen, hinangehr, der findet gegen Ende der Straße ein ebenerdiges Häuschen mir angrenzendem Garten, cs ist die Geburtsstätte Tschokke'». Seine Eltern waren biedere, rechtliche, nur um das Wohl ihres geli bteu Sohnes besorgte Leute. Ihr Sohn war für die Priestercarriore bestimmt, besuchte das Augustiner Gymnasium dieser Vaterstadt unv glänzte in allen Classen als Vorzugsschüler. Wenn er sich nun oft in rastlosem Eifer seinen Studien hingab, am frühen Morgen im Garten denkend sich ergieng, da konnte man an seiner Seite einen kleineren jungen Mann bemerken, der von dem nämlichen Streben beseelt, mit unserem Tschokke Eins zu sein schien. Es war der Octavancr Hammerschlag, der. mit der gauzeu Treue eines״ wahrhaft israelitischen Herzens an seinem Freunde hieng; ja die Treue׳

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