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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-02-01 · Heft 4 (1.2.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7׳ dieser beiden Genossen ward sprichwörtlich geworden, denn dieselbe Hingebung besaß auch Tschokke für Hammerschlag. Ec wollte ohne Hammerschlag nichts unternehmen, in der Zeit der schweren Examina ohne ihn nicht schlafen, nicht essen, und auch die Ferialmonate wurden, zu gemeinsamen Reisen benützt. Tschokke, als wahrhaft genial und ideal angelegter junger Mann, war, so oft er von Wien, wo er Theologie hörte, nach Hause kam, von jedem einzelnen Bürger mit Hochachtung bewillkommt worden. Wusste man ja doch, dass er jene Pfade betreten wird, welche, zum Ziele führend, die Alltäglichkeit längst hinter sich lassen. Oft sah man ihn mit seinem ehemaligen Direetor, dem ausgezeichneten liberalen Provinzial und jetzigen Senior des Abgeordnetenhauses, Dr. Franz Posselt, in innigem Verkehr. Mein Vater, damals erster Cantor in Leipa, hatte das Glück, die persönliche Bekanntschaft Beider zu genießen. Insbesondere hat sich Direcror Posselt als leutseliger Rathgeber meinem Vater gegenüber in Dingen, welche das Wohl des ihm zum Studium übergebenen Sohnes Heinrich betrafen, uneigennützig gezeigt. Als Sohn steht es mir nicht an, der ehrenden Auszeichnungen zu gedenken, die mein Vater nicht nur von der Jsraelitengemeinde sondern auch von der liberalen Bürgerschaft ob seines hervorragenden Wirkens und seines krystallreinen Charakters erfuhr; aber ohne voreingenommen zu sein, könnte man sich sagen: Aus dem Schoße'einer solchen Bürgerschaft konnten nicht anders als Männer von der Bedeutung eines Tschokke, Pofselt und Schmevkal erstehen, welche den liberalen Ideen in ihren Thaten und Schöpfungen ein weites Feld eröffnet haben, eine solche Stadt ist kein ,weltvergessener Ort', und nur diejenigen können so sprechen, welche die Kunst, Land und Leute zu verstehen, in sehr geringem Grade besitzen. Ja ich brauchte nur an Professor Eduard Sueß zu erinnern, als er vor circa 2 Jahren im Parlamente mit ganzer Wärme von den zwei liberalsten Priestern und deren Vaterstadt gesprochen. — Als sich vor circa 5 Jahren der Antisemitismus in seiner unverschämtesten Art in Wien breit machte und auch solche Kreise ergriff, die durch die Flügel Arions vor böswilligen Geistern geschützt erschienen — sagen wir es nur gleich, im academischen Gesangsverein hatte die Giftpflanze Wurzel gefassr und mit ihren Verschlingungen den besten Theil der Studentenschaft zu verderben gedroht—da ließ der Chormeister Professor W-inwurm die Sänger zu einer Generalprobe berufen, doch war dies nur eine Scheinprobe, denn au diesem Abend hatte er den Academikern zu verstehen gegeben, dass, sobald der Antisemitismus in diesen Kreisen noch weiter sein böses Spiel triiben sollte, seines Verbleibens als Chormeister dieses Vereines nicht mehr sein kann. Da stand der Rector Professor Tschokke von seinem Sitze auf und sagte: »Meine Herren Sänger! Jedes Jahrhundert brachte uns eine Seuche. Das 13. Jahr« hundert die Pest, das 14. Jahrhundert Beulen, das 15. Jahrhundert eine andere bösartige Krankheit. Das 19. Jahrhundert brachte uns den Antisemitismus. Möge nie diese garstige Krankheit die geistige Kraft unserer Jugend rauben!" Wie ein Mann erhob sich die ganze Sängerschaar, umringte ihren Rector und brachte ihm, indem sie k>׳. diesem Augenblicke Alle seines Sinnes waren, eine liebevolle, dankerfüllte Ovation. - B. S. London. Am Montag, den 16. Dezember kurz nach 1 Uhr Mittags brach in einem Keller unter der Sandy's Row-Synagoge Feuer aus, welches in derselben großen Schaden aurichtete. Beinahe der ganze Fußboden, sowie das Inventar der Synagoge wurde durch das Feuer zerstört, so dass von demselben nur die Trümmer zu sehen sind. Einem der Synagogeubeamten gelang es glücklicherweise, 5 Thorarollen in Sicherheit zu bringen; als er aber versuchte, noch die 2 letzten Merarijches. Nr. 1 und 2 der Neuen Musik-Zeitung (Stuttgart, Carl Grüninzer) überraschen durch den Reichthum und die reine Aus» wähl des Stoffes. Wir sinden eine sehr hübsche Erzählung ״das Ständchen" von Rosegger, die preisgekrönte Novelle ״Die Macht der Töne" von La Rosve, die reizende Humoreske ״Der Pensionsgott" von O- JustknuS, ferner eine hochinteressante Charakteristik des Briefwechsels zwischen Wagner und Liszt, dis Biographien von H. Gndehus und Pia von Sicherer mit Porträts, sowie außerdem eine Anzahl lesenswerter und wertvoller Artikel. Zn den letzteren zählt namentlich der ans dem Nachlasse Robert Hammerlings erworbene, prächtig geschriebene Aussatz: ״Meine Lieblinge, aus dem Tagebuch eines Klavierdillettanten", dessen Lektüre dem Fachmusiker wie dem Laien hohen Genuss bereiten wird. Die musikalischen Beilagen enthalten die sehr geschmackvollen Klavierstücke: Tonskizzen von Viktor Glnth, musikalischer Briefwechsel von Oskar Wagner, sowie das stimmungsvolle Lied von Arnold Kleffell ״Mutter o sing' mich zur Ruh'". — Das in Nr. 1 (die betreffende Nummer ist von der Verlagshaudluug gratis und franko zu beziehen) enthaltene Preisausschreiben für Clavierstücke und Lieder wird viele unserer Leser interessiren. Publicalronrn des öjterr.-ung. Eantv ren-Vereines. MiLgliederbeiträge. S. Potlak, Blassim 5 fl.; I. Weiß, Tobitschan 1 fl.; M. Blatt, Wien 1 fl. 50; S. Gruschka, Krvman 1 fl. 50; Th. Fleck, Wien 3 fl.; I. Singer, Neubidlchov 2 fl.; I. Bauer, Wien 3 fl.; I. L. Schlesinger, Mislitz 2 fl.: M. Noseufeld. Pise? 1 fl. 50: S. Schischa, Mähr.-Budwitz 1 fl. 50: M. Kraus, Prag 3 fl.; I. Klein, Budweis 4 fl.; S- Dünmann, Wien 3 fl.; H. Bermann, 'Böhm.-Leipa 1 fl. 50; S. Nnßbanm, Holleschau 4 fl.; S. Weiß, Ung.-Brod 1 fl. 50; A. Grünhut, Klosterneuburg 1 fl. 50; F. Teltsch, Stockerau 3 fl.; A. Lederer, Bodenbach 3 fl.: H. Lemberger, Kuttenplan 3 fl.; L. Friedländer, Silhos Bolhas 1 fl.; I. Saller, Szeleskuty 1 fl. 50; M. Reiser, Neuern 6 fl.; A. Freisinger, Pilsen 3 fl.; S. Hirsch, Wien 1 fl. 50; G. Rosenfeld, Ungereiden 1 fl. 50; S. Löw, Jglau 3 fl,; L- Blum, Schlau 1 fl. 50; I. Blau, Esseg 3 fl.; I. Neumann, St. Pölten 3 fl.; M. Salzer, Laa 2 fl. 50; N. Kohn, Kobersdorf 3 fl. 50: I. Römer, H.-Mestec 5 fl.; S. Neumann, Hollabrunn 1 fl. 50; S. Nußbaum. Holleschau 2 fl.; 3- Herz, Prerau 5 fl.; M. Grnnbcrger, Preran 5 fl.; D. L. Notier, Wien 3 fl. Durch Herrn Cantor I. Weiß sind aus der Gemeinde Tobitschan nachfolgende Jahresipenden eingelaufen, für die ich im Namen des Vorstandes öffentlich Dank sage: Frauen- Verein 2 fl.; Gemeinde 3 fl.; Zedokoh 2 fl.; Chewra- Kadischa 2 fl.; Herr Cnltnsvorsteher Steinschneider 1 fl.; Herr Salomon Steinschneider 1 fl. Indem die geehrten Vereiusmitglieder um pünktliche Einzu retten, wurde er von dem dichten Oualm daran verhindert. Glücklicherweise entgingen auch diese der Zerstörung durch das Feuer, wurden .aber durch den Rauch und die große Wassermenae nebst vielen Büchern . s . . . , , und Gebetmanteln arg beschädigt. Gebäude nebst Inhalt waren > ' h 5 ‘ ׳ל sendung ihrer Viitgliederbeiträgc er sucht werden, mache ich sie genügend versichert. 6 ff. hhäat. unter dem Namen,,Deborah" bekannten Mösenthal'schen Schauspiels. -Gesellschaft bringt sowohl Opern als Schauspiele zur Aufführung. - IU. üoliltf, Cassier, If. Temvelgasse 3. en Correspondeaz dsr Redaction. M. 8. in Li. Die 5׳ u-cckcn w ir demnächst auc׳nch-.lich in unser:׳,: 1 Blair besprechen.!iupc H. Li. n L. Wolke ׳. Sie 'sei׳. g-stäiligst t1׳ .׳ecc an den Auror we/.d-en. UHl' Dr. I'r. i!'. 1'- Tan ren när Einge'andtes, denen Beröff?::tlichun.׳i wir mit ua cl'ftciע ־ r. vezinnen. Klüt■ A n u n! e r e g e e h r r e!1 ä 1׳ i t a r b e ter! 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