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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-02-01 · Heft 4 (1.2.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 4 (1.2.1890)
Date
1890-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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mit. Das Wichtigste in diesem Schreiben ist/ dass er in Jerusalem nur zwei Israeliten, Färber von Profession, vorfand, die übrigen Insassen seien seit der Ankunft der Tataren im heiligen Lande theils entflohen, theils durch das Schwert nmgekommen. Zu diesen zwei Färbern kamen am Sabbath zehn Israeliten, um Gottesdienst abzuhalteu. Da Jerusalem herrenlos war, creirte er zu einer Synagoge ein auf Marmorsäulen gebautes, ödes, schönes Hans und schickte nach Sichern, um von dort einige Thorarotten zu holen. Er betonte die Nothwendigkeit einer Synagoge zu Jerusalem, da aus atten Theilen Palästinas, sogar aus Damaseus und Aleppo Männer und Frauen wattfahrten, um Jerusalem in seiner Verwüstung zu schauen, und um dort Klagelieder anznstimmen. Lange lebte er in Palästina nicht, der Tod ereilte ihn kurz nach seiner Ankunft zu Acre. Seine Grabesstätte kennt man nicht genau; Einige behaupten, dieselbe sei in Kaifa, dagegen behauptet Zunz in Ascher's Bensamin, Nachmani sei in der Nähe Jerusalems beerdigt worden. Von seinen synagogalen Dichtungen ist uns nur ein Pijut für Malchijot&efn1mt, welcher im Ritus von Avignon, Montpellier und Algier seine Stelle gefunden. Der Ausgang der Strophen lautet immer mit dem Worte Melech, König. Das ganze Gedicht beruht auf kabbalistischer Grundlage und Auffassung. Seine Seele ist durch Kanäle aus der idealen Welt in die der Realität hinabgeleitet worden, und ihre Mission besteht darin, in Gottesfurcht auf Erden zu wallen. Sein Dasein ist seit undenklichen ׳ Zeiten von Gott prädestinirt, seine Seele war schon seit Anbeginn im Scbatzhause Gottes. Das Gewissen bezeichnet er daselbst als eine untrügliche Waage, als ein Licht, das nie außgelöscht werden kann. Er -will seine Sünden bekennen, ehe es zu spät ist; denn im Jenseits zeugt seine eigene Schrift gegen ihn. “שם תוי בפני ייענה ומי יכחיש את אגרות המלך“ Durch das Sündenbekenntnis hofft er, wenn seine Sünden das Uebergewicht haben sollten, werde Gott sein Erbarmen als Zuschlag in die Waagschale werfen und das Gleichgewicht Herstellen. רחמיך לכף זכות שימה קלבןיי“ Außer diesem Pijut, welcher von Sachs in seiner ,synagogalen Poesie' in's Deutsche übertragen wurde und einem Ofan, den Luzzatto handschristlich besaß, besitzen wir Nichts von feinen synagogalen Erzeuznißen. Eingesendet. Löbliche Ne d ac t i o n! Auch ich erlaube mir, Einiges zu der in letzter Zeit an» geregten Debatte, betreffs des gefährdeten Cantorenstandes, zu bemerken, und ersuche von meiner Aenßerunz gefällige Notiz zu nehmen. Es wild Klage geführt, dass der einheimische Cantor durch fremde Eindringlinge sehr oft von seinem Posten verdrängt wird. Wohl wahr! Das ist aber gar nicht neu — dieser Nebelstand besteht schon lange in Jiraek. Nicht nur durch Fremde wird der einheimische Cultusbeamte verdrängt, sondern sehr häufig durch einen Einheimischen, oft durch den nächsten Nachbar. Es darf nur ein Cantor, der zufällig auf Reisen ist, in irgend einer Gemeinde vorbeten, und wenn er schöner singt, als der Angestellte, wird schon mit dem Betreffenden unterhandelt. Nicht allein das! Der Cantor soll oft auch Neligionslehrer sein; bei der Aufnahme wird nur auf den Tempelvortrag Rücksicht genommen und daS Lehramt nebensächlich mitbednngen, ist aber der Cantor kurze Zeit auf seinem Posten, was wird da alles verlangt, und was ist die weitere Folge? Es kommt ein Dritter, verdrängt den Zweiten, der den Ersten verdrängt hat. Es ist jedoch nicht nöthig, dass ich mich über diese Erscheinungen und deren Ursachen des Weiteren ergehe, sie sind schon genügend behandelt worden, und ich wende mich nun der Hauptsache zu. Die ,Cantoreu-Zeitung' ist ein Central-Organ für die Interessen der Cantoren, cs gibt aber meines Wissens verschiedenartige Cantoren, mit ungleichen Interessen: 1. Wirkliche, musikalisch gebildete Cantoren, in Großstädten bei Chor und Orgel. 2. Wirkliche Chasonim, wohl geschult, ebenfalls in großen Gemeinden mit Meschorerim. 3. Sogenannte Meschubodim in kleinen Gemeinden, welche weder mit Chor, noch mit Meschorerim fnngiren, jedoch den Gottesdienst das ganze Jahr corrcct versehen. 4. Neligionslehrer als Cantoren in den neuen, kleinen Gemeinden, welche jahraus jahrein das Lehrbuch und den Chalif handhaben müssen. ,Verehrter Herr! Sie waren so freundlich, uns schon einige Male mit Ihrem Besuche zn beehren. Wenn Sie sich vielleicht meiner schlichten Worte erinnern, so werden sie wissen, dass mir gerade diese Besuche viele Besorgnis machten, da mir Alles an meinem unbescholtenen Rufe gelegen ist. Sie kennen überdies meinen guten Vater und wissen, wie sehr der biedere Herr für die Ehre seines Hauses und seines einzigen Kindes einsteht. Nehmen Sie es darum nicht übel, wenn ich durchaus darauf bestehen muß, uns mit Ihrer Gegenwart ferner gütigst verschonen zu wollen. Wir werden die Erfüllung dieses Wunsches hoch zu schätzen wissen, und Sie mehr denn je als wahren Freund achten.- Ruth Engelmaun. Eiligst lenkten beide Männer ihre Schritte dem Geschäftshaus,: zu. Carl war eben auf seinem Zimmer angelangt, als sein Vater ihn zu sich rufen ließ. ,Carl', redete ihn Joelsohn an, ,man erzählt sich wunderbare Geschichten von Dir. In welchem Verhältniße stehst Du denn zn dem Cantor Engelmaun und seiner Tochter?' ,In keinem solchen', entgegnete der Sohn, ,das im Stande wäre, mich, als charaktervollen Menschen, zn schänden.' ,Anderes kann ich freilich von einem Joelsohn nicht erwarten', sprach der Vater, und seine Augen hefteten sich fest auf den jungen Mann. ,Doch scheinst Du sehr freundschaftlich mit jenem Hause zn verkehren.' ,Freilich, mein Vater", erwiderte Carl, ״ich bitte nicht zu vergessen, dass Herr Engelmannein feingebildeter und edler Mensch ist." .Wohl', sagte der Vater, nach einer kleinen Panse, daS Auge noch immer scharf auf ihn gerichtet. ,Ich habe aber auch sagen hören, dass der Cantor eine schöne Tochter hat. Kennst Du denn diese auch?' ,Ruth Engelmann', rief Carl, ,ist nicht nur ein sehr schönes, sondern auch ein sehr geistreiches, tugendhaftes Mädchen", fest dem Blicke des Vaters begegnend. ״Sie besitzt meine ganze Hochachtung!' ,Gut', erwiderte gemessen der bedächtige Bangnier, »das Mädchen soll auch eine besondere Fertigkeit im Schreiben besitzen. Mein Sohn hat auch bestimmt schon früher Gelegenheit gefunden, Beweise dieser schönen Fertigkeit eines geistreichen Mädchens zn erhalten.' Carl schwieg, kein Zug seiner Gesichtsmuskeln verrieth den iilneren Zustand seiner Seele. ,Du schweigst? — Du bist ein Ehrenmann und sollst nicht getäuscht sein. Hier das für Dich bestimmte Bittet, das meinem Sohne alle Ehre macht, indem di.׳ ,CantorStochter' einem ,Joelsohn' das Haus verbietet.' ,Vater, halte ein und vernrtheile nicht vorschnell ein biederes» frommes und sittlich reines Mädchen!" Diese Seene wurde durch einen eintretenden Diener unterbrochen, der den Cnltnsvorstcher Gabriel meldere. Carl that, als ob nichts vorgefallen wäre, und entfernte sich grüßend. ,,Bitte Platz zn nehmen Herr Gabriel! Womit kann ich Ihnen dienen, was führt Sie zu mir? Hoffentlich nichts Unangenehmes!" ,,Wie man's nimmt, ich will mich bemühen, mein Anliegen so kurz als möglich zn fassen. Gestern erhielt ich ein Schreiben von dem wirklich frommen Heiman Labes; er klagt in demselben den Cantor

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