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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-01-21 · Heft 3 (21.1.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 3 (21.1.1890)
Date
1890-01-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Lind es erzeugen daher auf keinem Gebiete Reformen und Neuerungen so viele Misshelligkeiten, Verdrießlichkeiten und moratische Nachtheile, als auf dem - des Cultus und Gottesdienstes. Das der Lleorast-Gebetsformel entnommene Wort "עושה חדשית בעל מלחמות.- findet hier zwar fingirte; aber sehr treffende Anwendung. Das effeutiette und innere Wesen, gleichsam die Seele der Neligion, kann vermöge ihrer sublimen Erhabenheit nur von den wenigen Auserkorenen erfasst werden, während die große Masse sich zumeist an die körperliche Hülle derselben, an die Herkömmlichen Observanzen mit Zähigkeit klammert und an ihnen festhält. Es erleidet daher, nach meinem bescheidenen Dafürhalten, durch die plausibelste Reform — wenn diese nicht solidarischer Art ist, d. h. durch die Weihe einer synodalen Begutachtung sanetionirt wird — die Pietät des Gläubigen stets eine Alteration .und Einbuße an jener Wärme des Gefühles, wie an jener Treue des. Glaubens, welcher zur Erhaltung und Conservirung der religiösen Äuthenticität wesentlich nothwendig ist. Von diesem Gesichtspunkte ist der starre Coniervatismus, in .wel.chem das Lager der Orthodoxie immer noch verharret, leicht erklärlich und derselbe hätte auch seine volle Berechtigung, wenn .man sich den Anforderungen der Zeit, welche an das intelligente und das fortschrittliche Judentbum durch den Eintritt in die apolitische und bürgerliche Gleichstellung berantraten, zu verschließen vermocht baue. Es ist auch nicht die Reform allein, welche auf die Pietät der Gläubigkeit mehrere Decennien destructiv einwirkte, sondern vielmehr die leichtfertige Art und Weise, mit welcher von Nabbinen in manchen Gemeinden altehrwürdige, in chen Ritus tiefeinschueidcnde Gebete und Gebräuche abrogirt und fortwährend Reformen auf Reformen gehäuft werden, so dass man am Ende darin irre ward, welches die Form, die Reform, oder die Unform sei, und unwillkürlich bei dem Eintritte in die neuern Tempel und bei der Wahrnehmung dieser heterogenen Gebräuche die Jeremiade anstimmen musste ״כי מספר עריך היו אלה־ך יהודה". Unter solch sterilen Verhältnißen ist es wahrlich nicht zu verwundern, wenn der Gläubige in seiner Frömmigkeit erschüttert wird, sich an gar nichts hält und am Ende, nachdem er den Spreu vom Korne nicht zu unterscheiden vermag, das Kind mit dem Bade ausschüttet. Es gewinnt in Folge dessen der Zndifferen lismuS immer mehr an Terrain auf dem Gebiete deS Gemeinde- Wesens im Allgemeinen, insbesondere auf dem des Cultus und Gottesdienstes. Die Tempelhallen lichten sich in schrecklicher Weisesind beinahe dem Veröden nahe und stellen somit dem eifrigen und sich ehrlich abmühenden Cantorenstande seine Existenz und seine ohnedies precäre Zukunft in problematische Aussicht. Uebrigens will ich von meiner Reflexion abgeben uns von mehreren analogen Tempelreformen nur eine hervorheben, welche ich dem kompetenten Leserkreise zur Beantwortung in den Spalten dieses Blattes vorlege und ihrer Aufmerksamkeit anempfehle. Insbesondere erlaube ich mir, an meinen hochwürdigen Freund, Herrn Rabbiner A. Roth in Sikiäs, als Mitarbeiter dieses geschätzten Blattes, die ergebene Bille, sich in der nachfolgenden Frage vernehmen zu lassen. Es ist nämlich der Vortrag, beziehungsweise die Reform, nach welcher die 18 Benedictionen, die zweifelsohne eines der ältesten und heiligsten Gebete bilden, in den Neiormtempeln executirt werden. Zn den meisten derselben werden dieseBenedicrionenn nach der alten Form, indem diese erst von der Gemeinde in stillem Gebete und dann vor dem Vorbeter laut recitirt werden, beibehalten, wobei die verschiedenen Neipon'ea von der Gemeinde eingeschaltet werden und somit ihr altberkömmliches Recht behaupten. Ein großer Thsil der neuen Tempel hingegen richtet sich nach dem Muster der Großgemeinden, indem der Vorbeter mit dem schemoneh esreh. gleich laut beginnt und bis nach der keduscha rccitirt, worauf daun die Fortsetzung vom Vorbeter und der Gemeinde in stillem Gebete verrichtet wird, was auch nach meiner Laien- Ansicht die plausibelste Reform in diesem Gebete bildet. Nun aber gefällt sich mancher Rabbi in der sonderbaren Neuerung, dass derselbe nach dem Codex beide Formen per* horrescirt und aus demselben deducirt, dass der Vorbeter sammt der Gemeinde das sragllche Gebet zu gleicher Zeit mit lauter Stimme beginne und von Anfang bis Ende mit einander verrichte, eine Einführung, welche nebst dem gänzlichen Wegfälle der Nesponsen. worauf der betende Jude erpicht ist, sowohl auf die j Andacht d.׳s Vorbeters, als auf die der Gemeinde störend ein wirkt. Welches ist nun da der rechte Ring, die echte oder rechte Reform? K e s z t b e l y. im Jänner 1890. Josef Löwinzer, Cantor. großen Vermögens und der Stolz meines Namens. Seit längerer .Zeit jedoch bemerke ich nicht mehr die Geschäftsfreudizkeit bei Dir, und wie eine Melancholie überfällt eS Dich zuweiten. Hast Du Dir durchaus kein Unrecht gegen Dein Gewissen, gegen Deine Uebsrzengung zu Schulden kommen lassen?' Fest und sicher blickte Carl seinem Vater in das finster gewordene Antlitz. ,Nein, ich bin mir keiner Schuld bewusst und habe nie gegen Herz und Gewissen gefehlt!" ,Gut, ich habe Dir heute nichts mehr zu sagen, ein anderes Mal ein Mehrere?.' ,Und sonst für heute nichts, mein Vater?' fragte zärtlich der Sohn und ergriff zum Kusse dessen Hand. Joelsohn sah in das ehrliche Antlitz des Fragenden und schüttelte -verneinend das Haupt. * * * Neben der Synagoge steht das freundliche Cultusbeamtenhaus. Schon das Aeußere desselben verräth uns, dass eine sorgfältige Hand auch im Innern waltet. Eine zierliche kleine Laube, umschattet mit JaSmin, blickt freundlich aus dem Dorgärtchen uns entgegen. Es ist Sabbathvormittag, um die Zeit deS MufsafgebeteS. Eine feierliche Stille herrscht im Innern des Hauses, heilige Sabbathruhe in der ganzen Umgebung. Durch einen Hausflur gelangt man in das geräumige -Wohnzimmer des Cantors, das die peinlichste Sauberkeit zeigt und -auch in seinem Mobitar der Zeit entspricht. In der Mitte deS Zimmers .mutbet uns der sabbathlich servirte Tisch an, dicht vor demselben sitzt aui dem Fauteuil eine blühende Jungfrau, andächtig in einem ErbaunngSbuche lesend, Ruth, die einzige Tochter des CantorS Engelmann. - In diesem Augenblicke öffnete sich halb die Thür, und eine widerlich klingende Stimme rief: ,Guten Schabbes, Fräulein Enzelmann! Erlauben Sie, dass ich eintrete?' Ohne anf eine Antwort zu warten, trat die hagere, aufgeputzte Gestalt des Heiman Labes in das Zimmer und näherte sich dem erschrockenen Mädchen. ,Sie erscheinen ja wie ein böser Geist, um mich in meiner Andacht zu stören', sprach, ihren Platz verlassend, Ruth, .was verschafft mir die Ehre Ihres so frühen Besuches?' Mit einer faden Schmeichelei eutgegnete der Unwillkommene: ״Ich bringe Ihnen ein schönes Lied, das ich direct von Franz Abt bezogen habe und das wie für Ihre Stimme geschrieben ist/' .So, alles? Herr Labes, aber ich danke Ihnen entschieden iür Ihre Aufmerksamkeit, übrigens ist auch jetzt keine Visitenstunde für Damen meines CharakrerS', erwiderte barsch die CantorStochter. .Ich bewundere Ihre Dreistigkeit, mich in Abwesenheit meines Vaters zu überfallen, und wie geht es denn zu, da's Sie jetzt hier sind, Sie, der Fromme, es über sich gewinnen können, den Gottesdienst zu versäumen?' ,Ich werde für diese Sünde Zedokoh. geben, mein verehrtes Fräulein.' ,Bei diesen Worten ergriff er Ruth's Hand und wollte sie an seine Lippen führen: doch ein beredter Zornblick deS Mädchens sagte

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