Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1890)
- Date
- 1890-01-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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e ein gottbegnadeter 1111b gottbegeisterter Sänger, ein Kenner der heiligen Schrift nnd des Synagozengesanges, ein feinfühliger Künstler, dessen Leben nnd Scheiden unvergesslich bleiben werden. Der große Leichcnzug, welcher dem Dahingefchiedenen bis an die Grabespforte das letzte Ebrengeleite gab, die schönen Grabgesäuge des Synagogcnchors. welcher ein vom Verstorbenen componirtes Trauerlied vortrug, wie des Seminarchors, die Trauer- und Trostworte des Herrn LandrabbincrS Dr. Gronemann und des Herrn Seminardirectors Dr. Krouer machten den Abschied zu einem würdigen und erhebenden. Zur Erinnerung an die denkwürdige Stunde seien die Hauptgedanken angedeutet, welchen beide Trauerredner Ausdruck verliehen haben. Herr Landrabbincr Dr. Gronemann wendete auf den jähen, am Chanukkafeste eingelretenen Tod den Vers an aus dem Prediger Salomonis:לשחוק אמרתי מהולל ולשמחה מה זו עשה, erinnerte an das ähnliche Verhängnis bei dem Weihefest der Stiftsbütte in der Wüste, als Nadab und Abihu plötzlich dahingerafft wurden. Dann schilderte er das Verdienst und die Bedeutung des Dabingegangenen, indem er seinen meisterhaften Gesang als eine stete Tempelweibe mit den Strahlen des Leuchters verglich, ihn selbst aber als den Träger eines Gottesdienstes bezeichnete, welcher der Menorah gleich aus einem Gusse geformt, sein gesammtes Licht nur nach einer Richtung erstrahlen ließ. Dann pries der Redner seine Amtstreue, seinen Biedersinn nnd seine Manneswürde und legte in tiefempfundenen Worten der 1 versammelten Gemeinde die Pflicht ans Herz, der hinterlassenen Familie eine Spenderin reichen Trostes zu sein. Zm Namen der Bilduugsanstalt für jüdische Lehrer, an welcher Berggrün durch viele Jahre wirkte, richtete Seminardirector Dr. Krouer an den Dahingeschiedenen einige Ab« schiedsworte und schilderte den tiefen Schmerz der Lehrer und Schüler über den Verlust, den die Anstalt erlitten. Er zeichnete sein Bild als Meister deS Gesanges, der durch schweres Ringen seine Gottesgabe zu künstlerischer Vollendung gebracht hatte, und hob seine Verdienste um den Unterricht in Gesang und Musik am Seminar hervor. Er schilderte den makellosen Charakter und die menschlichen Tugenden, welche-der Mitarbriter eines Schulkörpers bewährt hatte und ihn zur Zierde der Anstalt und zur Freude seiner Genossen machte, und wies auf den grellen Gegendas Lalmudstudium, und die berühmten Lehrer derselben sahen bald Schüler aus allen Landern herbeiströmen. Für Pole» ersetzten die Juden den Bürgerstand, an dem es in diesem Lande fehlte. Handel, Gewerbe und Industrie blühten durch sie auf und steigerten mächtig den natürlichen Reichthum des Landes. Nicht nur mit den benachbarten Deutschen, Russen, Ungarn und Wallachen, bis tief in den Orient hinein wurden Handelsbeziehungen angeknüpft, die Polnischen Juden wurden bald in kommerzieller, wie in geistiger Beziehung die Vermittler zwischen dem Morgen- und Abendland. Zm Jahre 1364 stiftete Kasimir die Universität in Krakau. Jur nächsten Jahr gab er den Städten feste Mauern und eigene Gerichte. Es gab noch immer Jntriguen gegen die schöne .Königin von Jerusalem^, aber alle scheiterten an Esterkas Klugheit und ihrem ehrbaren Wandel. Bei ihr hatte König Kasimir gefunden, was ihm weder seine fürstliche Gemahlin, von der er geschieden war, noch die adeligen Damen, denen er den Hos gemacht, geboten hatten: Liebe, Treue, Familienglück. Wenn Kasimir zu ihren Füßen lag nnd Esterka im purpurnen Hermelinkastan die Anne um ihn geschlungen hatte, dann war sie in der That Königin. Sie regierte ihn und durch ihn Polen. * * * . i Heute ist Lobzow ein Steinhaufen, in dem Schlangen und böse Geister Hausen sollen. Wir meinen aber, dass es gute Geistersind, die über Leu epheuumraukten Trümmern schweben, und echt jüdische Geister: der Geist der Liebe und der Geist der Familie.! satz hin, mit dem doch so poetisch sein Leben endete. Aber gerade dieser verklärte Tod und das umso Heller strahlende Bild wandele die Trauer wieder in Harmonie und werde ein Trost für die Verwaisten sein. ת׳נ׳צ׳ב׳ה Mercantor Sal. Popper Frankfurt a. M. Am Abschlüsse des Jahres 1889 ist Obercantor S a l o m o n PopPer in Frankfurt a. M. in der Blüthe seiner Wirksamkeit nnd in der Vollkraft der Jahre jäb und 1111־ vermuthet von einer tückischen Krankheit dahin gerafft worden. Von befreundeter Seite erhalten wir über dieses traurige Ereignis folgende Mittheilung: Unter dem Eindrücke tiefster Trauer über den urplötzlichen frühzeitigen Heimgang des Obercantvrs an der Frankfurter Hauptsynagoge, Salomon Popper, gehe ich daran» Ihnen Einiges aus dem Leben dieses in allen Kreisen Frankfurts hochverehrten und würdigen Sängers, sowie über dessen Lebensende zu berichten. Popper, in einem kleinen Orte Südböhmens als Sohn armer aber achtungsvoller Eltern anno 1839 geboren, ward zuerst dem Handelsstaude gewidmet, doch gar bald zeigte sich's, dass er hiefür wenig Eignung besaß, während seine geistige Regsamkeit ihn in andere Bahnen lenkte, so dass er unter der Leitung seines Bruders, des ehemaligen Cantors und Lehrers B. Popper in Pisek die Realschule absolvirte und hierauf in Prag das Pädagogium besuchte, um als Lehrer in Budweis angestellt zu werden. Auf Aurathen eines zweiten Bruders, der gegenwärtig Obercantor in Eger ist, verließ er jedoch bald diesen Posten, um an dessen Seite als zweiter Lehrer an der öffentlichen Schule zu Kuttenplan zu wirken nnd gleichzeitig sich daselbst für's Cantorat zu bilden, was unter den damaligen Verhältnißen, da die Gemeinde Kuttenplan einen vorzüglichen Synagvgen-Chor befaß, umso leichter möglich war. Schon nach einem Jahre ward der in der ganzen Gegend als strebsam nnd fleißig anerkannte junge Mann nach Tachan auf einen selbständigen Posten als Lehrer und Cantor berufen und wirkte daselbst zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde. Nach dreijähriger Thätigkeit in diesen beiden Berufssphären: empfand Popper in sich den Drang, nach einer größeren Stadt zu gehen, um sich daselbst eine größere musikalische Durchbildung anzueignen, und fand er durch die damals an der Münchner Synagoge ausgeschriebene Bassistcn-Stelle bald Gelegenheit, nach der Metropole Baierns zu kommen, um unter der Leitung eines gottbegnadeten Cantors, des gottseligen Löwenftamm, sowie Lurch Privat-Unterricht bei einem der tüchtigsten Musikkünstler einen hohen Grad musikalischer Befähigung zu erlangen. Nebstbei betrieb er unausgesetzt die hebräischen Uebungen, die er für's- Cantorat als unerlässlich erachtete. So gelangte er nach. dreijähriger künstlerischer Bildung ans den damals vakanten Cantorposten in Offenbach a. M. Seine herrliche Vortragsweise verschaffte ihm bald viele Gönner im nahen Frankfurt, und so ward er bald nach der neubegründeten Westend-Union-Synagoge in Frankfurt berufen, woselbst sein ausgezeichnetes Wirken vielfach anerkannt, wurde und gar bald die Aufmerksamkeit mancher Sach- und Kunstverständiger auf ihn lenkte, woraus er anfangs der Siebziger Jahre als Obercantor dev! Hauptjynagoge ernannt wurde.