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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-01-11 · Heft 2 (11.1.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 2 (11.1.1890)
Date
1890-01-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7־״ Seit jener Zeit wirkte der wackere Mann pflichtgetreu und immer vorwärts strebend zur Ehre Gottes und zur Erhebung seiner Gemeinde. Eine kleine Verkältunz nicht achtend, begab er sich trotz rauhen Morgennebcls in die Synagoge, um dort am Chanuka- Kosch-chodesch Gott dem Herrn Lob- und Danklieder anzustimmen; doch ach, gar bald sollte dieser Mund für immer verstummen und das fürchterliche Todesröcheln in seiner Kehle ertönen. Kaum dass er sich dessen bewusst war, raffte ihn, diesen kräftigen, noch im schönsten Mannesalter stehenden Mann, der grause '"unerbittliche Tod dahin, losgerisseu von seiner Lnnigstgeliebten Gattin, von einem überaus liebreichen Adoptivkind, sowie von seinen ihn hochverehrenden treuen Geschwistern und so vielen Tausenden treuer hochschätzender Freunde. Sein am 29. December stattgehabtes Leichenbegängnis bewies es, wie groß die Zahl der Leidtragenden an seinem Sarge war; um ihn trauerte die ganze Frankfurter Gemeinde, Hoch und Niedrig, Jung und Alt, Männer wie Frauen; und erst da die beiden Herren Nabbinen Dr. Brüll und Dr. Plaut ihm Nachrufe hielten und nach allen Richtungen sein pstichttreueß, thatenreiches Leben beleuchteten, da blieb kein Auge thränenleer, so erschütternd wirkte dieser so jähe Todesfall. Am Grabe noch sprach der Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Worte tiefsten Wehes um den so plötzlich der Gemeinde entrissenen, vortrefflichen Cultnsbeamtcu und wies darauf hin, dass das Andenken desselben stets hoch in Ehren werde gehalten werden. So möge Gott der Herr ihn den ehemalig gottbegeifterten Sänger, würdigen Scheliach Zibbur, den edlen gemeinnützigen Menschenfreund und Förderer alles Guten und Edlen, reichlichen Lohn und die ewige Glückseligkeit für all' sein Wirken und Schaffen stnden lassen. Sein Andenken wird von seinen Mit- Menschen und besonders von der ganzen Collegenschaar fortdauernd geehrt werden. 86ch6r zadik Hwrocho! Kleine Chronik. Wien. Vom Tempelban-Lotterie-Comitc des israelit. Bethaus- Vereines im IX. Bezirke wird uns mitgetheilt, dass die für den .31. Dezember 1889 anberaumt gewesene Ziehung der Gold-, Silber- und Effecten-Lotterie zu Gunsten des Tempelbanes im IX. Bezirke verschoben wurde. Die Ziehung wird unwiderruflich am 1. März 1890, acht Uhr abends, stattfinden. München. Auf der letzten Kunstausstellung machte ein Bild eines jüdischen Malers berechtigtes Aufsehen. Ein hervorragender Münchener Kritiker äußerte sich über dasselbe in folgender Weife: Den höchsten Preis aber verdient unseres Bedünkens der ,Talmudbachur' von dem Ungarn Isidor K a u f m a n n, (Herr Kaufmautt hat fein Atelier in Wien. Amu. der Red.) ein Bild, aus dem eine ganze Seele strömt: In winkeligem Gemache, durch dessen Fensterlein ein Stück des Hellen Winterhimmels blickr, fitzt ein bleicher Knabe vor dem Buche der rabbinischen Weisheit, das auf uugefügeui Schemmel ruht. Die ganze Denkkraft, alles Empfinden in dem jungen Menschen scheint angespannt zu sein; Entbehren, Zuversicht, jene Glückseligkeit, welche die Arbeit gewährt, schimmern aus seinem Antlitz. Auf dein niedrigen Ofeu rösten wenige Aepfel, die armselige Mahlzeit; auf dem kleinen Regale steht, als ein unersetzlicher Schatz, die bescheidene Bücherei — die einzige Tröstung in dem leidensreichen Leben des Studenten. . Wonn. Sonntag den 29. Deecmber ist Dr. Ludwig Philippson im 79. Lebensjahre verschieden, der sich als Prediger, Schriftsteller und Gelehrter hervorragende Verdienste um LaS Judenthum erworben hat. Er war einer der ersten Vorkämpfer für Reform und Emancivation im Judenthum lind entwickelte nach dieser Richtung hin nicht nur in feiner Gemeinde sondern weit hinaus über seinen eigentlichen Wirkunzßkreis durch die von ihm gegründete .Zeitung des Jndenthums*, die er bis zu seinem Tode redigirte, eine fegens- und erfolgreiche Thätigkeil. תיניצ׳ב׳דז Wekgrad, 30. December 1889. (Orig. Corresp.) Im Laufe dieses Monates haben sich in Serbien zwei Ereigniße zngetragen, die wohl geeignet sind, einen Beweis zu liefern für die allmälige und friedliche Entwickelung der jüdischen Gemeinden in Serbien. Vor kurzer Zeit wurde nämlich hier ein neuer Friedhof eingeweiht und der alte, der wohl schon über 350 Jahre bestand, geschloffen. Diese beiden Acte erfolgten mit großen Solennitäten und unter, zahlreicher Be» theiligung der Gemeindemitglieder. Die Schließung des alten Friedhofes geschah dadurch, dass Gemeindelilitglieder, deren Verwandte ans demselben ruhen, den Grabmälern ihrer Angehörigen mit ,Genifah* gefüllte Krüge beisetzten, worauf Herr Rabbiner Dr. S. Bernfeld die Bedeutnng des Friedhofes nach der jüdischen Religion und die Nnfterblichkeit der Seele in einer geistreichen Neve behandelte. Nach Absingung eines Pfalmes durch den serbisch-jüdischen Gesangverein begab man sich zu dem neuen Gottesacker. Hier wurde vom Gesangverein abermals ein Psalm executirt, und dann hielt der Gemeindeprässs, Herr Jacob Alkalay, eine mit großer Aufmerksamkeit aufgeiwinmene Rede, in welcher er den Unterschied zwischen unserer Lage zur Zeit der Eröffnung des alten Friedhofes und der heutigen hervorhob. ,Während früher unsere Ahnen*, sagte er, ,es kaum wagten, ihre Todten beim Tageslicht zu begraben, sind wir, Dank der edlen Ge» sinnung der erhabenen Monarchen nuferer geliebten Dynastie Obrenovits und der anerkennungswürdigen Toleranz unseres Volkes, in der glücklichen Lage, selbst die Einweihung eines Friedhofes so solenn vorzunehmend — Der neue Friedhof, mit einer Mauer eingefriedet, ist sehr geräumig und hat prächtige Anlagen und ein großes Gebäude. Zu Ehren dieser Einweihung gab am nächsten Abend die Chewra Kadischab ein Baiiguet, an welchem über 300 Gemeindemitglieder theilnahmen. Bei dieser Gelegenheit wurde für die Chewra Kadischah circa 3000 Frcs. gespendet, und aiu Tage der Einweihung circa 2000 Frcs. — Dieser Friedhofs-Einweihung schloß sich dieser Tage auch die Einweihung eines Tempels in Schabatz an. Hier wohnen Juden schon über 100 Jahre, aber bis zur heutigen, neuen Constitution durften sie überhaupt keine Realitäten besitzen. Die feierliche Eröffnung des Tempels nahm der Kreispräfect — ein Nadicaler — vor. Sobald der Tempel geöffnet wurde, sangen die Schulkinder den ..En keloheno“. Hierauf machte das älteste Mitglied der Gemeinde, Herr Nachman Kohen, die Bnndeslade ans, und der Cantor celebrirte ein Eillweihlingsgebet, dem sich die Festrede anjchloss, die Herr Dr. Alcalay ans Belgrad in serbischer Sprache hielt, und welche mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Am Schlüße dieser Rede sang der Chor die serbische Hymne in hebräischer Sprache. Sodann folgte der ״Anoten Teschuah Lamelachim“, welcher.von den Versammelten stehend angehort wurde. Mit dem vom Chor gesungenen ״Adaun Olam“ war die Ceremouie beendigt. Der Tempeleinmeihllilg wohnten von der christlichen Bevölkerung außer dem KreiSpräsecc und dem Schabatzer Bischof, auch die meisten Professoren, Richter, Beamten und die angesehensten Bürger bei. Die jüdische Colonie war entzückt von dem ausgezeichneten Verlaufe der Einweihung und begieug diesen Tag als einen wahren Festtag. Jerusalem. Vor Wochen verlautete, dass der griechisch-orthodoxe Archimandrit die am Oelberge gelegene Höhle, in welcher nach uralter Tradition die Gräber der Propheten Cbagai, Secharja und Maleachi sich befinden, ankanfen und in eine Cnlrusstärte der von ihm vertretenen Kirche nmwandeln wollte. Durch Verwendung einflussreicher Glaubensgenossen wurde ein Ferman des Sultans erwirkt, da's diese Grabstätte nicht verkauft werden dürfe und den Juden geöffnet bleiben müsse- Nunmehr beabsichtigt der Archimandrit, oberhalb der Höhle eine Kirche zu erbauen, doch ist bereits ein Telegramm nach Constantinopel abgesandt worden, in welchem unter Bezugnahme auf die frühere Ent» fcheidnng des Sultans gebeten wird, den geplanten Ban zu verbieten. Srrvscripti o» auf die bulgarische Anleihe. Dienstag den 14. Jänner findet in Wien, Pest und Triest die Snbscription ansdie bulgarische Staatseisenbahn-Anleike im Betrage von 30 Millionen Francs statt, welche die Länderbank und der Wiener Bankverein erstanden haben. Durch ein Gesetz vom Jahre 1887 wurde die bulgarische Negierung ermächtigt, eine öffentliche Anleihe bis zur Höhe von 50 Millionen Levs oder Francs effectiv anfznnehlnen. Auf Grund dieses Gesetzes emittirt nun die Regierung zunächst 30 Millionen Nominale. Dieser Einisfiousbetrag zerfällt in 60.000 Obligationen zu je 500 Francs gleich 20 Pfund Sterling oder 405 Reichsmark oder 200 österreichische Goldgulden. Die Anleihe wird mit sechs Pereent in Gold verzinst und innerhalb 33 Jahren in halbjährigen Ziehungen getilgt werden.

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