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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e Hiesigen Synagvgen stehen z» einander im Verhältniße der Goncurreuz, sie wachen sorgfältig über die Häupter ihrer Lieben, Damit nicht durch Anschluss an eine andere Synagoge eine Lucke in den Sitzreihen entstehe. Die Concurrenz wirkt auch auf die Gestattung, resp. Umgestaltung des Gottesdienstes ein; hier sucht man durch Orgelklaug die Andächtigen anzulocken, dort werden schon Orchestcrstücke. non intercoufefsionellen Säugern und Sängerinnen auögeführt. geboten, um zahlreichen Besuch zu erzielen. Dieser Umstand hat zur Folge, dass jeder einzelne Sitz- »«Haber zu einer gewichtigen Persönlichkeit wird, und die Syuagogeuangestellten müssen sich winden und krümmen, um es allen Laste Habattim — jeder Jnbabcr eines Sitzes gilt ihnen als ^Hausherr*—reckt zu machen. Dieses Abbängigkeitsverhältnis druckt jeden Manneknuilh nieder, der Angestellte gewöbnt sich mit der Zeit daran, ohne cS gar zu suhlen, seine Ansicht nach den Ansichten aller seiner Clienten, vulgo Synagogenbesucker, zu ardomodiren, da diese aber oft wechseln, so wechseln auch die Ausichten, und wieder sucht der Angestellte recht und schlecht seine UederzeugunA umzugestalten. Das Princip, Functionäre der Spnagegen rem Dienste der Gemeinde sern zu halten, war darum geradezu eine Norbwendigkeit. Seit einigen Zähren, eS war vielleicht eine Schwäche unseres' Vvrstarbes, wurde von diesem Principe abgegaugcn, und cs zeigt sich jetzt. Dass unsere Gemeinde dadurch schwer geschädigt winde. Einzel«« Synagogen fanden bierin eine Handhabe, über den Kreis ibreS Wirkens hinauszustreben, sie wollen nun der Gesammtgemeinde ihren Willen dictiien, verlangen für ihre Functionäre besondere Btfuznitze, trctLu mit der Ambition auf: l'stat o'est rnoi! Setzt erst eine Synagoge hierin ihren Willen durch, kommt morgen «i«e andere, übermorgen wieder eine andere, und die Prager Gemeinde ist keine Gemeinde mebr, sie zerfällt in ein buuteS Gemenge von Gemcindchen, in welchen di und §), wenn sie gerade einen größeren Beitrag leisten, den Ton angeben, und Die wichtigsten Cultusangelegeuheiten wären ihren Launen unterworfe«. und wie wunderlich sind oft diese Launen! ES M beute sckon manches wunderlich in unserem Gemeinweien. ES wird auf sog. amtliche Functionen wilde Jagd gemacht, und es sollen sogar Agenten die Leistungen eines Trauungs-- functionärs außbieten und von seinem edlen und warmen Herzen für alle Verlobte das Schönste und Beste aller Orten erzählen. Solche Miskstäude darf man nicht förtwuchern lassen, und unsere Nepräsentanz wird sich ein großes Verdienst um unsere Gemeinde erwerben, wenn sie wieder die von alterßher hier herrschenden Principien zur Stärkung der Gemeindeeinheit zur practischen Geltung bringt. Sie darf der vollsten Zustimmung der Gemeinde- Mitglieder gewiss sein; das Zeter und Mordio einzelner männlicher Agenten und die Fürsprache einiger zartbesaiteter Frauen, welche ihre Huld aus eine bestimmte Person ausgegossen und dieselbeals alleittseligmachent) erklären, kann nur nnsern Vorstand in der Wiederherstellung der alten Ordnung bestärken. Darum betrachten wir die Wicderbesetzung der Oberrabbinerstelle an sich als einen wichtigen Sckritl auf diesem Wege — ganz abgesehen, von der hier röllig unbekannten Person des Oberrabbiners, der> wenn er hier ersprießlich wirken will, allerdings nicht nur eine talmudische, sondern auch eine wissenschaftliche Autorität sein mußv Aus diesen Darlegungen, welche aber noch lange nickt alle Missstände bloszelegt baden — Nef. hat sich die größte Zurück- Haltung anserlegt — wird man leicht erkennen, woran eö hier fehlt. Uns lbut ein festes, unerschütterliches Princip notb, Ne» präsentanz und Nabbinal müssen von einem solchen Principe beseelt sein. Der Präses unserer Gemeinde im Vereine mit seinen gleichgesinnten College» im Vorstande sind ja von. dem besten Streven beseelt, aber diesem Streben muß die rechte Anleitung gegeben, der richtige Weg gezeigt werden. Kleine Chronik. Wien. Herr Dr. Jagues Fischer, Sohn unseres verewigten! College», Cantor Adolph Fischer, sab sich in Folge einer beleidigenden Kritik seiner Thätigkeil als Vertheidiger, die in dem ,Deutschen Volks-״ blatt' veröffentlicht war, gezwungen, den Redakteur dieses Blattes Carl Wolf zu einem Duell zu fordern, das übrigens unblutig verlief. Die beiten Duellanten hatten sich hierüber am 21. Dezember vor einem Erkenntnisgerichte zu verantworten. Nach Verlesung der ihm angethanen Beschimpfungen gab Dr. Fischer zu seiner Verlheidigung. ״Darf ich -denn?" erwiderte sie ruhig, ״mein Herz gehört -Euch, ich will eL nicht leugnen. Aber Ihr seid ein König, und was noch »chlimmer ist, einEdrist. Wenn Ihr ein armer Jude wäret, ich würde Mort Vater und Mutter verlasse» und Euch folgen, so aber . . . lebt Wohl . . . und für immer!" ,,Hör mich an, Esterka!" ״Ich habe Euch zu lange augehört." Sie machte sich los und ging rasch Der Zudeugaffe zu. Der König folgte ihr, und als er Wieder au ihre Seite gelangt war'» fasste er den Krug. ״Wak wollt Ihr?' ,Dir den Krug trage».3 ,Das schick! sich nichts Der Murg entwand ihr saust den Krug und trug ihn ihr bis an die Schwelle ihr es Hauses. Hier blieb sie stehen, den Kops gesenkt ««D schwieg. ,Was hast Du?' fragte Kasimir. .Wiederholt mir, dass Ihr mich liebt!' .So wahr ein Gott über uns Beiden ist', sprach, der König, ,ein einziger und ewiger, so wahr liebe ich Dich, mehr als Alles!' ,Wollt Ihr mich besitzen?' ,Za!* .Am jede» Pr-iS?* ,UmHeden!* ,Gur, dann tretet herein! * Esterta Ohrte ihn in ihre Stube, ließ ihn auf dem Polstersitz Platz net'Mku und setzte sich an seine Seite. .Ich liebe Euch/ sagte sie, ,und will Euch gehören.' .Esterka!' .Hort wich erst zu Ende. Ich will Euch gehören, doch niemals j in einer Weile, die mir mein Glaube und die gute Sitte verbietet. I Nehmt mich zur Frau!' ,DaS ist nur dann möglich, wenn du dich taufen lässt.' ,.Das werde ich nie!" ,Wie also?" .Es genügt mir, wenn Ihr mich vor einer Amtsperson und׳ zwei Zeugen zum Weibe nehmt, mir;»gesteht, das ich atS Eure Frau׳ meinen Glauben und meine Gebräuche befolge, wie Ihr die Euren, und dais die Mädchen aus unserer Ehe im mosaischen Glauben erzogen werden, ebenso wie die Söhne, die ich Euch schenke, im chrutlicken, worüber ein Pergament in christlicher und hebräischer Schrift auszustellen und mit allen Unterschriften sowie mit dem königlichen Siegel zn versehen ist.' ,WaS würden meine Großen sagen?" ries der König, ,waS mein Volk, wenn ich die Jüdin auf den Thron heben wollte!" ,Den Thron will ich nicht," fiel Esterka ein. ,nur dich. Ich׳ will als deine Frau, einfach und bescheiden, fern dem Hofe und fern der Welt leben. Alles will ich dir opfern, nur meine Ehre nicht!' ״Ist dies dein letztes Wort, Esterka?'! ,Mein letztes, König Kasimir!' Der König seuf,te und stand auf. ,Gib mir Bedenkzeit, ich werde ׳ mich mit meinen Getreuen beraten!' ״Thue es!" Der König greng hinaus. Vor der Thüre wartete sein treuer Wengliuski mit den Pferden. Als Kasimir sich in den Sattel schwang, hielt ihm Esterka dey Bügel, dann reichte sie ihm die Hand, und ehesie eS hindern konntehatte der König sie an feine Lippen gedrückt. (Schluss folgt.) ■m

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