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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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er als Lebensaufgabe betrachtete, rücksichtslos anzugreifen und ein geistiges Tonrnier gegen denselben zu eröffnen. Seine drilte talmndische Arbeit bildeten dis הדרשים -Erläuterungen und Bernerkungen zum Talmud; darin bekundet er, dass er den großen Oceau des Talmuds umschiffte, und dass er in diesem Riesenwerke so bewandert war, dass er dem gewiegtesten Talmudisteu seiner Zeit als Leitstern und Wegweiser zu dienen vermochte. Uelier die jüdischen Gemeilldeverhiiltniße in Prag. Gelegentlich der Besetzung der Oberrabbinerstelle in Prag veröffentlichte die ״Magdcb. ist. Wochenschr." mehrere eingehende Berichte über die verschiedenen Strömungen, die ans die getroffene Wahl Einfluss hatten. Im Anschlüsse an dieselben liefert ein -Correspondent des genannten Blattes eine Schilderung der jüdischen Gemeindeznstände in Prag, die namentlich für die Leser unseres Blattes von hervorragendem Interesse sein dürste. Daselbst heißt cs: Die in Ihrem gescb. Blatte in den letzten Nummern zur Veröffentlichung gelangten Berichte aus Prag bieten mir eine willkommene Veranlassung, die Verhältniße in unserer Gemeinde in objcctiver Darstellung auseinander, zu setzen. Die! Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert eine weitere Ausführung, und ich erbitte mir für dieselbe Raum in Ihrem gesch. Blatte. Nor allem möchte ich vorausschicken. dass die betr. Prager Berichte in Ihrem Blatte wobt cum Studio, aber nickt immer ganz sine ira geschrieben waren. Der eine Correspondent war bemüht, von seinem Standpunkte aus der Wahrheit getreu zu bleiben, doch kannte er zu wenig die inneru Verhältniße; der andere Correspondent gieng in seinen Vermuthungen über, die manchen Beschlüssen zu Grunde liegenden Motive zu weit. Die Männer, die an der Spitze unserer Gemeindeverwaltung stehen,' betrachten es als Hauptaufgabe ihres Wirkens, dass in unserer Gemeinde kein sogenanntes Parteijndenthum auskomme, sie wollen sie zu keiner orthodoxen machen, aber eben so wenig zu einer reformirten, und zwar im Sinne des bekannten Sckiller'schen Sinngedichtes — aus Religion. Sie wollen, dass unsere Gemeinde das bleibe, was sie seit Jahrhunderten gewesen, eine jüdische Gemeinde, wo sich alles zur Befestigung der drei Säulen deS Jndentbums vereinigt. Solche Bestrebungen verdienen gewiss alle Anerkennung, denn die Zerrissenheit in den jüdischen Gemeinden lastet schwer auf dem Judentbum; unsere großen Gemeinden leiden schwer darunter, dass sie nicht mehr als jüdische Gemeinden gelten wollen, sie nennen sich zum Schaden orthodox-jüdisch oder fortschrittlich-jüdisch. Nein, nicht Juden der einen oder andern Coulenr sollen wir sein, sondern, — es ist das in unserer Zeit kein Pleonasmus mehr — jüdische Juden, und dass die Prager Großgemeinde als Muster voranleuchte, ist das Bestreben der maßgebenden Persönlichkeiten unsere Gemeinde-Repräsentanz. Diesem Bestreben ist es auch zu verdanken, dass die Prager jüdische Gemeinde trotz der verschiedenen Strömungen eine einheitliche ist, und nicht, wie es in anderen Großgemeinden der Fall ist, hier einander bekämpfende Separatgemeinden bestehen. Diese Einheitlichkeit und Einigkeit zu wahren, war stets die unverrückbare Ausgabe unserer Repräsentanz, und muß es auch ferner bleiben. Alle unsere Institutionen müssen der Einheitlichkeit der Gemeinde Rechnung tragen, und ganz besonders soll das Nabbinat diese Einheitlichkeit repräsentireu. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, kann die Besetzung der Oberrabbinerstelle nicht als Luxus betrachtet werden, die Wahrung der Einheit unserer Gemeinde macht'sie zur Nothwendigkeit, und durch die in neuerer Zeit sich an die Oberfläche drängenden Strömungen jetzt mehr, als je. Wir haben in Prag neun große und etwa zwanzig kleinere Synagogen. Jede dieser Synagogen steht unter einem besondecn Vorstands und hat ihre besonderen Fnnctionäre. Von jeher war' man im Interesse der Gemeindeeinbeit daraus bedacht, den Synagogsnvorständen als solchen keinen Einfluß ans die Gefammtgemeinde zu gestatten, weshalb auch folgerichtig die Synagogen- Fnuclionäre, vornehmlich ihre Rabbiner und Prediger, nicht zn einem Amte bei der Gesammtgemeinde zugelassen wurden. DaS war zum Nutzen und Frommen unterer Gemeinde, denn die der Thnre und ruhte ans. Plötzlich gieng die Thüre des Nebenzimmers aus, und ein junges Mädchen trat herein, die schlanke Gestalt in ein faltenreiches Gewand von Seide und eine mit Pelz besetzte Kazabaika gehüllt, Korallen und Perlen um Hals und Arme, die langen, schwarzen Zopfe mit Goldfäden durchslochten, rothe Pantoffel an den kleinen Füßen. Sie trug aus einem silbernen Brett einen Becher mit Wein und Backwerk. Der König erhob sich und blickte starr in das schöne edle Gesicht, dem die kleine Adlernase und die aufgeworfene Oberlippe einen ,reizvollen Zug von Eigenwillen und Trotz verliehen, und in die großen schwarzen Sammtaugeu. ^Wer ist das Mädchen?' fragte et endlich. »Ich bin Esterka, die Tochter Meilechs', sagte sie mit einer Hellen melodischen Stimme. Dann bot sie dem König den Becher. Er aber machte eine abwehrende Bewegung. ,Verschmäht mein Herr die Gabe der Jüdin?' fragte sie, die Stirne leicht runzelnd. ,Im Gegentheil, schöne Nymphe, ich wünsche, dass Du mir den Trunk credenzen sollst." »Ich bin keine Nymphe/ erwiderte Esterka ruhig, ,und meine Livpen sind nicht würdig den Rand des Bechers zu berühren, aus dem mein König trinkt.' ,Ich befehle es Dir!' ,Dann erst recht nicht', gab sie mit einem stolzen Lächeln zur Antwort. ,Ich bitte Dich darum, Esterka.' . Sie sah jetzt den König an, nippte von dem Wein und reichte ihm den Becher. Er setzte ihn an, genau an der Stelle, die ihre Lippen berührt hatten und leerte ihn auf einen Zug. , . ,Ans dein Wohl, schöne Esterka!' Sie wurde roll) und schlug die Augen nieder. ,Wenn ich gewusst hätte, dass Opoczno einen solchen Schatz birgt," sagte der König hieraus zn seinkm Gefolge, .ich wäre nicht zum ersten Male in Opoczno und bei Meilech Gidoni.' ,Ihr scherzt wohl, mein Herr und König", sprach Esterka indem sie plötzlich die Augen zn ihm ansschlug, ״denn ich kann nicht glauben, dass Ihr mich kränken wollt." llnd ehe Kasimir Zeit hatte, sie zurück-- zuhalten, war sie ans der Stube entflohen, und als der König sortritt, suchte er vergebens ihren Kops an einem Fenster zu entdecken. * q- * Einige Tage darauf sendete Kasimir'der Große seinen Vertrauten, Wenglinsky nach Opoczno zn der schönen Jüdin. Er brachte Esterka reiche Geschenke an Juwelen, persischen golddurchwirkten Stoffen, kostbaren rnffischen Pelzwevk und Karawanenthee. Sie. wies jedoch alles zurück und verweigerte Wenglinsky die Unterredung,- um die er sie bat. Eines Abends, als Esterka in ihre Kazabaika geschmiegt, beim Brunnen, der sich mitten aut dem Marktplatz befand, Wasser holte, stand plötzlich.-König Kasimir vor ihr. - - Sie erschrack im ersten Augenblick, gewann aber sofort wieder ihre Fassung und ihren ganzen Stolz. Der König hatte ihre Hand ergriffen. Esterka zog sie nicht zurück, aber .sie sah ihn scharf und vorwurfsvoll an und sprach: ,,Was wollt Ihr! wenn die Leute uh£ sehen, ist es um mich, um meine Ehre geschehen!" ״Esterka, ich liebe Dich!" Sie schlug die Augen nieder. ״Willst Du mein sein?"

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