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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-01-01 · Heft 1 (1.1.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 1 (1.1.1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 dauerten über 2 Jahre, während dem unsere Arbeiten fast!abm gelegt wurden. Bei der Generalversammlung am 4. Januar 1887 ward schon der Antrag diskutirt, ob wir nickt am Besten die Kasse aufiösen sollten, da wir ohne behördliche Genehmigung nicht existiren dürfen. In später Nachtstunde kam darauf eine Antwort auf meine diesbezügliche Anfrage von dem Vorsitzenden der Ackawah, dass auch diese angesehene Kasse ohne Aussicht besteht und fortwirkt. Gewissermaßen besteht die Hilfskasse also erst feit Ende 1887 D- N), konnte von da erst unbeirrt arbeiten. In den Jahren 1887/88 wurde manches Gute begonnen, aber — ich gestehe es offen — cs ist wenig conseqnent durckgcsübrt worden. Zum Theil liegt die Schuld in meinen eigenen Verhälluißen — Mangel an Zeit, Stellenverättdernng. Aufgabe der Stellung — Wahl eines neuen Berufes und anderer Dinge, die ich nicht anfuhren will — genug, ich bin regierungsmüde, aber ich wünsche, das Werk, das ich milbegründet, guten Händen zu übergeben. Die Hilfekasse hat trotz aller Ausgaben für Unterstützungen und Propagandakosten unter meiner Leitung sich um siebcutanseud Mark vermehrt, sie kann aber bei eifriger, hingebender Arbeit jährlich um 3000 Mark sich erhöben. Nunmehr stehen wir wiederum an einem Scheidewege. Diesmal handelt es sich in der That um ״Sein oder Nichtsein". Die Hilfskasse bat im Verhältnis zu ihrer Mttgliederzabl ein nickt und. deutendes Vermögen, sie kann wie gesagt, mit leichter Mühe ihr Vermögen verdoppeln und verdreifachen, aber sie bringt die Zahl ihrer Mitglieder nicht in die Höhe. Nun habe ich es öfters ausgesprochen, je kleiner die Zahl der Mitglieder, desto segensreicher kann die Kasse wirken*) — werden doch die Quoten naturgemäß größer. Aber wie steht es mit der Propaganda? Wie kann ein Vorstand für einen ganzen Stand öffentlich das Wohlwollen anrufen, bei welchem von 2000 in Deutschland kaum der 20. Theil thätigen Antheil an der Kasse nimmt? — Hier liegt des Pudels Kern. Kann in dieser Hinsicht nichts Bedeutendes für die Hilfskasse geschehen, so schläft sie ein. Die einzige Rettung der Hilfskasse und der עזרה — und für letztere noch viel mehr — besteht in der Verschmelzung beider Kassen. — Da ist Hilfe, und dieser Weg muß eingeschlagen werden. Auf welche Weise hier eine Verständigung besonders in der Aufnahme der älteren Mitglieder von der עזרה בצרה in die Hilfskasse — erzielt werden kann, das wird die Aufgabe der Generalversammlung sein, die unbedingt eine besondere Kommission auS den Vertretern beider Kassen wählen muß, um die schwere Arbeit zu bewältigen. Von dieser Entscheidung wird auch das Statut und die Vorstandswahl abhängig. Ersteres muß vollständig umgearbeitet, letzterer völlig neugebildet werden. Ueber die Personenfrage in Betreff des zu wählenden Vorstandes enthalte ich mich selbstredend jeder Bemerkung. Das Kollegium wird auf die Höhe von 9 Personen gebildet werden müssen, wenn mindestens 3 Herren aus der Lsra bazöroh gewählt werden. Haben die Herren Mitglieder aus dem Cantorenstande sich so an die Ruthe der resp. Vorstände — die ja auch zu dem Laienstaude gehören — gewöhnt, da!s sie freiwillig und ohne jegliche Veranlassung sich ein Joch aufbürden. (? D. N.) so mögen sie recht viele Privatpersonen in den Vorstand hinein* *) Dieser enghrrzig-stagnirenden Auffassung von der Bedeutung und Aufgabe der Hilfscasse wird wohl schwerlich Jemand das Wort reden | wollen. Die Red. I wählen!! Ich aber erkläre hier, dass das Laieuelement nur in ganz geringer Weise vertreten sein darf. Wie es dem jüdischen Cultusbeamten zu Muthe ist, von welchen Sorgen und Qualen er heimgesucht wird — das weist nur der Beamte selbst. Der Privatmann gibt gern eine Unterstützung, aber er fühlt nicht und kennt nicht seine Lage. Im Großen und Ganzen haben Privatpersonen. bis jetzt sehr wenig für uns geleistet — einen Herrn JulinS Isaak, einen Philanthropen erster Ordnung, der leider in Folge der Mißhelligkeiten mit der Polizei sein Amt niederlegte, finden wir nicht zum zweiten Male! Wenn im Ganzen zwei Mitglieder, die nicht den« Beomlcnstande angehören, im Collegium sitzen, so ist es übergenug. Wober abcr sieben andere Mitglieder nehmen? Diese Frage beschäftigte schon vielfach unsere Generalversammlung und soll hier nicht uuerörtert bleiben. Dass die in Berlin lebenden Mitglieder ein gewisses Contingent in dem neuzuwäblenden Vorstand bilden werden, ist selbstredend; es bleiben aber immer uoch 3—4 oder gar 5 vacante Sitze. Man hat sich bis jetzt immer gescheut, die auswärtigen Mit» glieder in den Vorstand zu wählen, weil diese — wie wir ja auch in Erfahrung gebracht haben — den Sitzungen selten oder fast nie beiwohnen. Diese Schwierigkeit ist sehr leicht gehoben. Kommt eine Verschmelzung zu Stande, oder ist der künftige Vorstand reg» kam und ist ein jährlicher Ertrag von cirea 3000 M. zu erzielen, so kann die Kasse, ja sie muß in dem jährlichen Budget 3—500 M. für Verwaltungskosten aufnehmen, aus dem den auswärtigen Mitgliedern, die entweder 4 Mal pro Jahr oder nach Bedarf öfters zur Sitzung kommen, die Neifekoften erstattet werden müssen. Durch diesen Wablmodus kommt auch mehr Anregung in das Collegium. Die einzelnen Mitglieder kommen mehr in Berührung mit den entfernt wohnenden Vorstandsmitgliedern und können durch diese ihre Wünsche und Beschwerden leichter anbringen. Auch ein Aetions.Comi!6 (Antrag Neubaner) kann Neues und Gutes wirken. Noch sehr Vieles hätte ich auf dem Herzen, aber ich darf den Raum dieses Blattes nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Ich scheide aus dem Vorstande, dem ich viele Jahre an» gehört, worin ich — falsche Bescheidenheit wäre hier nicht am Platze — Vieles gearbeitet. Konnte ich auch nicht alles das erreichen, was ich so sehr angestrebt und angeregt — Gott ist mein Zeuge, — ich habe überall nur das Gute gewollt. Die vielen Bitterkeiten, die ich auch in meinem Amte habe ertragen müssen, sie bilden eine uothwendige Folgerung der verschiedenen Verhältuiße — ich scheide ohne Groll und mit dem herzlichen innigen Wunsche, dass die Hilfscasse oder beide Sassen Männer finden mögen, die meine Hingebung, aber eine größere Kraft haben, das weiter auszubauen und zu fördern, was feit 9 Jahren begonnen. Gott fei mit der Hilfscasse imk dem Cantorenstande l* Nachmamdes, als SynsgWenpoet. Von Dr. Abraham Loewy, Rabbiner in Neubidschow, (Böhmen). Das elfte Jahrhundert war für die poetischen Products die in der Synagoge praktisch verwertet wurden, sehr günstig. > Bei diesen fynagogalen, prosaischen und poetischen Arbeiten legten I die Dichter den Schwerpunkt auf die Bearbeitung des Sprachj Materials. Man studierte den Niäraseb und den Talmud,, um geeignete historische Stellen für ein Fest, das an ein

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