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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-12-14 · Heft 40 (14.12.1888) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 40 (14.12.1888)
Date
1888-12-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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dann der Ersatz für das siebente Jahr?" Die Antwort führt der Verfasser von seinem Lehrer an. Ein ganzer Tag besteht eigentlich׳ aus vierundzwanzig Stunden, die der Mensch nach rabbimscher Vorschrift in folgender Weise zu verwenden hat: acht Stunden.zum Thorastudium, acht Stunden zur Erfüllung seiner Berufspstichten und körperlichen Brdürfniße und acht Stunden zum Schlafe. Da aber int Erlassfahre, wo keine Arbeit stattfindet, sechzehn Stunden zum Thorastudium verwendet werden können, so hat auch das siebente Jahr einen richtigen Ersatz. (Die Rechnung stimmt vollkommen; der Dilettant möge sich die Mühe nehmen, die Probe anzustellen.) 2. Im Jalkut' Anfangs Emör finden wir folgenden Vortrag des Rabbi Josua. ״Gott zeigte dem Moses alle kommenden Geschlechte und ihre Führer, zeigte ihm auch- Saul, den ersten König in Israel, wie er vom Schwerte zu Tode getroffen wird, und Moses rief: Herr der Welt, der erste König deiner Kinder Israel soll durch das" Schwert-: fallen! Und Gott antwortete: Mir sagst du das »emör el Hakohanimc, sprich nur zu. den Priestern, die er in Nöb unschuldig.hat.'hinrichten lassen, diese klagen ihn all". So weit der MidVLsch.^".DieseH-üttklr -Stelle erklärt 8er Verfasser in geistreicher / und leichtverständlicher Meise. Im Talmud (Sanh. 18) kautet ein . Spruch: ״Ein König darf nicht Richter sein, und auch ihn darf man nicht richteti"^ Daraus׳ifolgt, ׳ wenn aber der König dennoch auch - das Richteramt ausübt, so darf man ihn, wenn er schuldig ist, auch richten. DarUM sprach» Mdses zu Gott, warum soll der König Saul 'durchs Schrdert fallen, daman doch einen König nicht richten darf/ und Gott ׳ antwortete darauf : da <v über die Priester in Nob Gericht gehalten, darum wurde׳ auch et gerichtet. Wir haben hier nur eine Skizze gegeben, der Verfasser führt diese Idee noch weiter fort; doch wiRwollen ja nur Proben anführen und die Tendenz dieses Blattes Echt zu sehr überschreiten: Wir beabsichtigen damit überhaupt, den Stand.der alten Ehaffatzim,zu kennzeichne^ wie sie D -strebt wären, natürlich nach alter Methode, jüdische Wissenschaft sich J anzüeiguen. Möge dieses unseren heutigen Cantoren als Richtschnur! nachneüer Methode dienen. " 3. Im Talmud zEiduschm heißt es gleich Anfangs: ״Der . Mann kann sich eine, Frau aneignen »descholausch dexochina« .auf dreierlei Artm". Warum, fragt der Talmud, steht in der Mischnah nicht »beschlauschoh?« da doch derech weiblichen Geschlechtes ist, wie wir finden hadrere^ jelchu boh (2. M. 18, 20.) Bekanntlich machen die Zahlwörter in der hebräischen Sprache eine Ausnahme, scholausch wird weiblich gebraucht und schlauscho männlich. — Nun folgt die Frage: Warum bringt der Talmud nicht als Beweis eine frühere Bibelstelle/'wo auch vorkommt »baderech telchu boh« (1. M. 42, 38)? Darauf antwortete der Verfasser wahrlich in gcistreicher. Weise: das Wort derech hat ejne zweifache Bedeutung, es?bedeutet .: Weg oder Straße, -über -auch :- Art und . Weise. In' der angeführten Mischnah hat es ׳die Bedeutung :' Art und Weise, der Mann kann eine Frau aüf dreielei Ärten oder in dreifacher Weise sich aneignen , und in der Stelle (2. M.' 18, 20) hat dieses Wort dieselbe Bedeutung., nicht aber in der früher vorkommenden Stelle (1, M. 42, 38), darum führt der Talmud als Beweis die spätere und nicht die frühere Bibelstelle an. (Das ist doch eine herrliche Erklärung, mit der noch heute nach neueren Geschmacke jeder Magid prunken kann). ," 4;. Als Gott zu, Moses sprach: ״Lass zu dir näher treten deinen Bruder Ahron und seine Söhne aus der Mite der Kinder Israel um ihn zum Priefterdienst .zu bestimmen (2. M. 18, 1.) .so mißfiel dieses dem Moses, aber Gott besänftigte, ihn; habe ich doch die Thora durch׳ dich überliefert, das überwiegt jedes andere Amt, denn durch .׳sie wird di.e Welt erhalten" (Rab. z. St.) Der Verfasser erklärt diesen Midrasch wie folgt: Der Talmud (Taanis, 8) behauptet, Thorastudium erhält sich nur Lei demjenigen, der bescheiden ist, darum wurde die Thora durch Moses gegeben, weil er der Bescheidenste auf der ganzen Erde war. (4. M. 12, 3.) Darum sprach Gott zu Moses: Warum bist du mißmuthig, dass ich die Priesterwürde nicht dir verliehen habe, ist doch die Thora nach deinem Namen genannt, weil du bescheiden bist, so ziemt es dir nicht eine solche Sprache zu führen. W ..... r. (Fortsetzung folgt.) Pädagogische Mahnung. Bon M. Ti ntner Camor und Lehrer in Bunzlau (Preuß. Schlesien). Unsere alt ehrwürdigen Urkunden sind voll köstlicher Perlen pädagogischer Aussprüche, die ihres Gleichen in der großen WMit-- teratur nicht gefunden haben. Wer kennt nicht das treue Bild der tugendhaften, frommen Hausmutter, die der weife Spruchdichter im 31 Cap. V. 10 — 31 der Nachwelt zur Beherzigung überliefertes Esches chajil mi jimzo, w’rochok mippeninim michroh. ״Ein tugendhaftes Weib zu finden — o köstlicher als Perlen ist ein solcher Erwerb". >.,. , Wahrlich, eine tugendhafte, religiöse Frau bringt Gottesfurcht ins Haus, waltet wie eine Priesterin, wirkt auf ihren Gatten ein, dem draußen im Getriebe der Welt die Religion abhanden gekommen, und erzieht ihre Kinder l’toro uTmaasim. towim. Sie lebt in ihrer Familie mehr, als in sich selbst, denn sie ist der . Engel des Friedens im Hause, der sichtbare Schutzgeift aller Glückseligkeit. Wie edel steht sie da in ihrem einfachen, aber Üef wirkenden erziehenden Beruf, ihr Watt das Gemüthsleben der Kiitder. An der-Mutter Brust nmrb das Kind erst ein Mensch zarten Sinnes, regen Gefühles, frommen Glaubens; an des Vaters Hand wird der Söhn ein Bürger, mit allerlei Geschicklichkeiten ausgerüstet. Vergebens, jedoch ist-des Vaters Segen bei dem Baue, wo der Fluch der Mutter wieder niederreißtt Bei der Frage: was kannst du? werden die . meisten Söhne an ihre Väter denken. Die Frage: was bist Du? wird in den Meisten das Bild der Mutter vor die Seele rufen. Diese Ansicht muß sich bis in seine ersten Anfänge verfolgen lassen, uns erinnern an die. Mutter, auf deren Schoße wir saßen und den Erzählungen lauschten, -oder wenn sie an unserem Bettlein mit uns betete und das »Zehma Jisroel uns vorsagte. Denn der Anfang aller Weisheit ist die-Gottesfurcht. Ach, einem Mutterherzen darf ja die Liebe nicht empfohlen werden gegen, diejenigen, welche ihr Gott gab. - O, ihr Mütter, wie groß ist eure Aufgabe, wie erhaben eure erziehliche Bestimmung! Erwäget, beherzigt uns erkennet, was ihr durch die, Gnade- Gottes besitzet. Pfleget die zarten, empfänglichen Seelen, sorget, dass, für den Glauben der Sinn, für die Liebe das Leben aufgehe. Arbeitet daran mit der Bibel in der Hand, mit dem Spruch auf der Lippe, mit der Wahrheit im Auge, mit der Liebe im Herzen; dann erfüllet sich des weisen Königs Wort: »Rho posecho wechochmo, wesoras ׳ cheset ai leschonoh.« ״Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und Lehre der Sanftmut ist auf ihrer Zunge". Nur so erziehet ihr Söhne und Töchter dem Hause Israel, die Gott und Menschen angenehm sind. Ohne Liebe wird keine Zufriedenheit des Gemüthes gefördert, ohne Religion keine Tugend im vollen Sinne des Wortes erblühen. Verächtlicher als der Mann, ist das Weib, welches mit einiger Halbwisserei und überschwänglicher Belesenheit die gebildete Zweisterin spielen will; das Haus, die Familie muß eine Mutter haben, die

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