Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-12-05 · Heft 39 (5.12.1888) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 39 (5.12.1888)
Date
1888-12-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/1304829-3453130-3453169--2704-3456982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 3 — hcn.franbit und in manchen Gegenden daher gänzlich aufgegebeu rvmdcn. Man hat an Stelle der Mezizah. andere Manipulationen gesetzt, wie zum Beispiel, das^ Ausdrücken der Beschneidungswunde mit einem in Wein >oder sonstiger Flüssigkeit getauchten Läppchen oder Daraufspritzen von Wein und dergl. Dies Alles ist. keine Mezizah, weder der Wortbedeutung ׳מציצהלבפה noch dem Zwecke להוציא הדם ממקומות דרהוקים cn׳ sprechend. Cs isl nun gelungin, eine Form der Mezizah festzustellen die den Bestimmungen unseres h. Religionsgesetzes, wie auch den Anfordernngen-dermedizinischen Wissenschaft vollkommen gerecht wird- Herr Geheimräth Professor von Pettenkoser an der Universität zn München, der weltberühmte Hygieniker, hat den betr. Vorschlag an Hemi Provinzialrabbiner Cahn zu Fulda nach eingehenden Correspondenzen mit demsebeu gerichtet. Die auf dem Gebiete der Chirurgie nicht minder hervorragenden Koryphäen, Herr Geheimrath Professor Ritter von Nnßbaum an der Universität zu München und Herr Glheimrath^ Professor von Bergmann an der Universität zu Berlin haben nach sorgfältiger Prüfung dem von Pettenkoferschen Vorschlag ihre rückhaltslose Zustimmung ertheilt. Vom Standpunkte unseres h. Religionsgesetzes haben die Herren Rabbiner Dr. Hildesheimer zu Berlin, Rabbiner Hirsch zu Frankfurt a. M., Rabbiner I. Elachänan Spektor zu Kowno und der inzwischen beimgegangene Oberrabbiner Stern ihr Einverständnis mit dieser Form der Mezizah ausgesprochen und sie als eine wirkliche Mezizah Bepeh anerkannt. Zn Folgenden geben wir die Mittheilung des betr. Vorschlags, wie sie Herr Geheimrath Professor von Pettenkoser selbst die Güte Hatte zu entwerfen. e g iz a h, >7 i. bas Aussaugen des Blutes 'aus der penis-4) Wunde, welches bei rituellen Beschneidung jüdischer Knaben nstch dem Abschneiden des praeputü* 2) und dem AuHeinandertheilen 1 der lamina interna3 4) und Zurückstreifen derselben bis über die coröha4) zu geschehen hat, ist vielfach aus Befürchtung der Gefahr einer Infektion des Kindes durch den etwa mit Krankheitsstoffen behafteten Beschneider oder des Beschneiders durch das hereditär kranke Kind beanstandet, bezw. unterlassen worden. Um jede Befürchtungen zu beseitigen, habe ich auf Anregung des Provinzialrabbiners D. M. Cahn aus Fulda anstatt des Aussaugens mit den Lippen den Gebrauch eines kleinen Glasapparats und nach eingehenden Corresspondenzen mit dem Genannten schließlich den folgenden Modus empfohlen: Man nthmc einen klein«n Glascylinder*), welcher unten und oben offen ist. Das Mundstück ist etwas platt gedrückt, um es leicht in den Mund nehmen zu kennen. Die kre stunde Oeffnung wird über den beschnittenen Kindespenis gestülpt und auf die Haut über dem Schambogen (Symphyse) leicht angedrückt, so dass der Rand des Glasröhrcbens überall auf der Haut dicht anliegt. Dieser Rand ist'ganz glatt, wodurch selbü bei stärkerem Andrücken dem Kinde kein Schmerz verursacht wird. Ist der Schluß der Oeffnung durch die Haut des Kiudcs erfolgt, so saugt der Beschneider oben an der Oeffnung ebewo, wie es bisher direct mit dem Munde geschehen, wobei die Wirkung eines Schröpfkopfes eintreten wird. ׳ Dieses Verfahren schützt das zu beschneidende Kind vor jeder Gefahr einer Infektion durch den Mund des Beschneiders und ebenso *) penis: גרד 2) praeputium: עור ערלה 3) lamina interna: עור הפריעה 4) corona: העטרה umgekehrt den Beschneider vor der Gefahr einer Infektion durch das Blut des Kindes. München, den 10. Juni 1888. - Geheimrath Professor Dr. M. v. Pettenkoser. Wir haben noch hinzuzufügen, dass bereits bei zirka 20 Beschneidungen das Mezizahröhrchen angewendet worden ist und sich vorzüglich bewährt hat. Mehrere dieser Proben sind unter Aufsicht anerkannter jüdischer Aerzte vorgenommen worden. Ein Punkt muß bei ber Mezizah vermittelst dieses Glasröhrchens genau beachtet werden, da ohne denselben diese Mezizah nicht möglich ist: Das Glasröhrchrn muß unten auf die Haut über dem Schambogen fest genug aufgesetzt werden, dass der untere Rand des Glasröhrchens auf der Haut luftdicht abfchließt. Bei den Proben ist mehrmals wahrgenommen worden, dass der Mohel das Glasröhrchen nicht vollständig luftdicht unten aufsttzte. Wenn er alsdann oben saugte, so zog er Luft in das Röhrchen und in seinen Mund, aber kein Blut aus der Beschneidungswunde. Dies rührt offenbar von der Befürchtung her, das feste Andrücken könne dem Kinde Schmerz verursachen. Diese Befürchtung ist aber ganz und gar unbegründet, da der Rand, der aufgesetzt wird, vollkommen glatt ist und sich leicht an die Haut anschmiegt. So selbstverständlich dieser Punkt ist, so ist es dennoch nicht überflüssig, ihn hervorzuheben, indem lediglich von seiner Beachtung der Erfolg der Mezizah abhängt. Der Mohel wolle gest. auf Folgendes genau achten: Wenn er beim Saugen am Mundstück des Glasröhrchens Lust verspürt, die in seinen Mund eindringt, so sitzt das Glasröhrchen unten nicht allseitig dicht auf und er ist nicht 'מו&ן; wenn er aber bei festem Zuge gar keine Luft spürt, dann sitzt es unten richtig auf. Der Mohel möge daher nach der Prioh ohne Hast und Aufregung,. das Glasröhrchen über den Gid stülpen, so dass der ganze Gid in das Glasröhrchen hineinragt, und unten ringsherum ganz dicht aufsetzen, und, es also mit der Hand festhaltend, an dem oberen Ende saugen, so genügt e i n Zug, um die Mezizah richtig auszuführen, wie dies in mehreren Fällen constatirt worden ist. Ueber die Behandlung und Anwendung des Mezizah-Cylinders hat Herr Geheimrath Professor von Pettenkoser die folgende Instruktion entworfen, mit welcher Herr Geheimrath Professor von Nußbaum sein Einverständnis durck Mitunterschreiben derselben ausgesprochen hat: Behufs Vornahme der Mezizah wird das Glasröhrchen in ein etwa 10 Zentimeter hohes Weinglas gelegt, welches mit einer Lösung von 1 Theil Quecksilbersublimat in 5000 Theilen Wasser so weit gefüllt ist, dass das Glasröhrchen in der Lösung ganz untersinkt und etwa 10 Minuten darin gelassen. Unmittelbar vor der Beschneidung nimmt man das Röhrchen aus der Flüssigkeit heraus, wischt es auf seiner Außenseite mit einem reinen Tuche ab, doch nicht von innen. Dann stopft man in den oberen Theil, in das Mundstück des Röhrchens, ein wenig sterilisirte Watte (Salicyl-Watte, Karbol-Watte), damit der Speichel des Beschneiders keinenfalls aus den Penis des Kindes gelangen kann. Wo die angegebene Desinstzirung mit Sublimat nicht geschehen kann, genügt auch ein Auskochen des Glasröhrchens im reinem Wasser, wobei das Wasser eine halbe Stunde lang kochend erhalten werden muß. Alsdann schüttet man das Wasser fort, lässt das Glasröhrchen abkühlen, stopft in das' Mundstück desselben ein wenig sterilisirte Watte, um den Speichel des Beschneibers abzuhalten. Nunmehr wird das untere Ende des Saugröhrchens über den Penis des Kindes gestülpt und mit der einen Hand auf die Haut

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.