Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 39 (5.12.1888)
- Date
- 1888-12-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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noch genug Antisemiten gibt, so soll das Gebet welamalschinim 3) beibehalten werden, und für unsere hartbedrängten Brüder in Rußland und Rumänien mögen wir beten, dass Gott unseren Brüdern, welche noch so viel zu leiden haben, helfen möge, dass auch sie befreit werden und aus der Finsternis ins Helle Licht kommen. Wir schließen mit dem innigen Wunsche, dass Gott unseren erhabenen Monarchen uns noch eine lange Reihe von Jahren frisch an Geist und an Körper erhalte! Siklos, 29. November 1888 A. R o t h Bezirksrabbiner 3) Es war ein unwissender Vorsteher, er verord nete, dass man das Gels welamalschinim nicht mehr sagen soll, da sagten ihm die täglichen Tempelbesucher, was das ihn interessirt, da er doch nie an Wochentagen das Gotteshaus besucht, darauf ^antwortete er, also an Wochentagen mag man es sagen, aber am Sabbate nicht, weil er cm Sabbath den Tempel besucht. —v Arber Gesang Md Musik von Prof. Januschka. . Was das Wasser wiederspiegelt das ist die Wahrheit der Natur, und was die Wellen erzählen, das ist der Lebenslauf des Stromes; desgleichen erklingen die Eindrücke der Natur und die Erlebniße des Menschen in den Liedern wieder und tönen fort, wie kreiselnde Wellen ziehen, vom Ursprünge, von der Quelle bis in das Meer der Ewigkeit. Der Strom mit seinem Rauschen, das Lied mit seinem Klange gibt den Erscheinungen ihr eigenartiges Gepräge. Unwirthlich ist die Gegend, wo die Quelle entspringt; aus steinigem Grunde tritt das Wasser hervor und stürzt wild über uncultivirte Abhänge. Unter ähnlichen Verhältnißen finden wir auch den Ursprung der Mufik und des Gesanges.׳ Die Culturgeschichte zählt die Musik in ihren ersten Anfängen in die Reihe der Berauschungsmittel, der Sorgenbrecher auf. Der Tanzschritt bildet den Tactschall, welcher den Zweck hat, den Geist zu fesseln und von quälenden Sorgen abzuziehen; bei den Negern im Innern Afrikas sind Trommelschläge nach bestimmtem Rhythmus bis zur Gegenwart die ganze Musik, und der Tanz ist die Aeußerung des Mitempfindens. Das Quellenwasser eilt gelegeneren Stellen zu, Musik und Gesang nehmen in fortschreitender Entwickelung edlerem Formen an und dienen höheren Zwecken: König Saul besänftigte eine Krankheitdurch Harfenspiel; und der Prophet des alten Testaments behauptet, nichts weissagen zu können ohne Klänge der Instrumente. Wie sehr auch diese höhere Form von der ursprünglichen absteht, so w ird doch gleich ihre Quelle erkannt, wenn man die Propheten mit den Sehern anderer Völker vergleicht, welche sich durch Trank und Rauch in den Zustand der ״Verzückung" setzten. Viele Völkerschaften der früheren und der gegenwärtigen Zeit ermuthigen sich durch alkoholhaltigen Trank: Die alten Germanen zogen mit Geschrei und Gesang in den Kampf und soll dieser Umstand nach den keltischen Gairmanen (Schreier) ihnen ihren Namen eingetragen haben. Eine höhere Cultur, die feinere Empfindung und die entwickelte Vernunft lassen uns heute den edelsten Gebrauch von den ״Sorgenbrechern", und somit auch von Musik und Gesang, in diesem Sinne machen: Nicht das Leben vergessen, sondern das Leben würzen und anregen, es erheitern und seine Lasten mildern, die Menschheit zu nähern, Freundschaft anzübahnen und zu schließen in hier die Aufgabe. *) Vortrag gehalten anlässlich des schlesischen SLngerbundfestes Ln Troppau, mitgetheitt von Obercantor Siugermann. An der Stelle angelangt, tritt die angeführte Quelle der Musik in die große Ebene der gesellschaftlichen Ordnung und trifft zusammen mit einer andern mächtige» Quelle. Diese ist die menschliche Empfindung, die an Tiefe und Neichthum -ganz besonders bei den Deutschen entwickelt ist, und die geistige Thätigkeit, es ist die ergiebige Quelle der Poesie, nach Aristoteles, der geistigen Nachahmung der Natur. Schon in früheren Zeiten musste die Natur bedeutungsvolle Erlebniße und die Gefühle des Herzens zu Erzählungen veranlassen, die in fortschreitender Entwickelung immer schönere Formen annahmen und zum Liede wurden; nach der deutschen Litterätur, sind die Bardenlieder, die Volksepen, die herrlichen Nibelungen» und Gudrunlieber, die Lieder der Minne- und Meistersänger unserem heutigen vierstimmigen Chor vorangegangen und haben Denselben vorbereitet. In Nürnberg und Ulm haben sich Meistersänger, Sänger aus dem Gewerbestande, bis ins 19. Jahrhundert erhalten; in Ulm übergaben dieselben 1839 ihren ganzen Besitz dem dortigen Männergesangsverein, dem Ulmer Liederkranze. Finden wir hier zwar einen unmittelbaren Anschluß unserer Männerchöre,: an׳ den Meistergesang, so ist dieser doch nicht die eigentliche Quelle unseres Chores. Der deutsche Männer-Gesang entstammt der Kirchenmusik und dem Volksliebe, welches zuerst zu Beginn der neuen Zeit gesungen ivurde; speciell in der Schweiz begründete Nägeli die Männerchore zur Veredlung des Volksgesanges und schuf damit ein mächtiges Volkserziehungsmittel.!"יל Das Volkslied, von unbekannten Dichtern und Componisten, ein Gemeingut des Volkes, gibt die Empfindungen und das Leben der Volksseele in der reinsten Form wieder:und bildet die sicherste und reichste Quelle zu unfern heutigen Liedern, dem mächtigen Strome, der nunmehr alle Quellen der Musik und des Gesanges vereinigt. So bringt uns das Lied von fernen Quellen her die köstlichsten Gaben, Freud und Lust, die Erinnerung an Schönesund Großes aus der Vergangenheit und begeistert für Tugend und Ideale, für Wahrheit und Recht. Am Strome schaukeln sich Gondoliere und glücklich liebende Paare,, der Strom trägt schwer beladene Schiffe, treibt Arbeits- Maschinen der Menschen, Kunstwerkstätten und andere gemeinnützige Werke. Ebenso Diesseitig und förderlich für das menschliche Leben erwisl sich״das Lied. In seinem Laufe gleicht es gesellschaftliche Un« ebenheiten aus, es steigt aber auch himmelan und wächst zu unbezwingbarer Kraft, wenn sein natürlicher Lauf mit frevelnder Hand eingeschränkt und gehemmt wird, und mit allgewaltigem Brausen reißt es das Hindernis fort. Sichtlich knüpft hier das Lied an die alt germanischen Schlachtengesänge an; das Lied hat unsere Altvorder» zum Siege geführt, es wird auch uns zum Siege begeistern wenn Vaterland und Deutschthum von Gefahren bedroht werden".— Eine neue Form -er Mesizah. Der Ausschuß der freien Vereinigung für die Interessen des orthod. Judenthums versendet soeben ein Zirkular, dessen Inhalt für die jüdischen Cultusbeamten, die doch in der Regel auch Mohelim sind, von ganz besonderem Interesse ist. Der Wortlaut desselben ist folgender: , . , . , . . ’ ״Wir beehren uns hiermit, emen Gegenstand zut gesi. Kenntnisnahme zu bringen, der, wie wir glauben, von bedeutsamer Wich« ttgkeit ist für die vorschriftsmäßige Ausübung eine^ unserer Heiligsten Gebote. Seit längerer Zeit ist die Ausübung der Mezizah.von 1 medizinischer Seite, aus Befürchtung einer Gefahr durch JnseÜwn,