Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 39 (5.12.1888)
- Date
- 1888-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ararmmeratiorispreis Kür BrreinStnitglirder. «anzjährtg fl. b.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 Für Nichtniltglieder Ganzjährig fl. Halbjährig , fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.60 Qsjf/ Für da» «u»la״d «ährig fl. 10 Mark oder 5 Rubel. Oesterreichisch ungarische Organ ilie ptilmffctt Wischer Tanloreu M ^ultmbekimlen. Hrscheinl jeden achten F a g. Begründer: Obcrcantor Jacob Bauer. Dedactran und Administration Wien, II., Rovaragaffe Kr. 27. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnements׳ n Iusertionsbeträge find in Wien zahlbar. Nr. 39. Wien/5. Dezember 1888. 8. Jahrgang. An unsere p. T. Abonnenten! An Jolge der Seherstrike erscheint diese M. NM einige Tage verspätet. Pie HLedaction. st .■׳ - :״—<־״ Bum 2. Derember 1888. Pie fortftkreileade Hutwicke tuug der Kultur und d-s Kultus §ei de« ungarische« Juden unter der 4vjäßrigen glorreichen Aegierung Hr. Majestät des Kaisers Kranz Josef l. ' Wenn es auch der erhabene Wünsch Sr. Majestät ist, dass der Gedenktag dieses 40jährigen Jubiläums nicht durch kostspielige Feste und gottesdienstliche Feier, sondern durch Werke der Wohlthütigkeit begangen werde, so wollen wir doch aus inniger Dankbarkeit, die ein heiliges Gebot unserer Religion ist, wie Gott selber sagt: ״Wer ein Dankopfer mir bringt, der ehrt mich" — der Gnadenakte Sr. Majestät, die auf die fortschreitende Entwickelung der Kultur und des Kultus bei den ungarischen Juden, den größten Einfluss ausübte, mit gehobener Festesstimmung gedenken, denn Danke und Denke, ist die Devise des Judenthums. — Unter den vielen gnadenreichen Akten erwähnen wir nur mit . dankerfülltem Herzen zwei monumentale Thaten, für welche jeder ungarische Jude ein ewiges Dank- und Denkmal in seinem Herzen aufbewahrt,, die eine ist die Emanzipation der Juden im Jahre 1867, die andere die allerhöchste Verordn ung im Jahre 1850, dass die Strafkontribution zu Schulzwecken wie zur Kreirung eines Rabbinerseminars verwendet werde. Diese zwei königlich humanen Akte haben die Freiheit und die Bildung bei den ungarischen Juden hervorgebracht, denn wenn ein Grieche sagt, dass Bildung frei macht, so ist es anderseits auch wahr, dass nur im Lande der Freiheit die echte und rechte Bildung gedeiht. Freiheit und Bildung, diese bedeutendsten und werthvollsten Wörter im großen. Wörterbuche der Menschheit, verschaffen die bürgerliche wie die sittliche Freiheit, und was gewänne auch ein Volk an der äußern Freiheit ohne die innere? Nichts als die Schäle | einer Frucht ohne den Kern, daher war es die hohe und weise Bestimmung Sr. Majestät, *) dass die ungarischen Juden nicht nur bürgerlich frei, sondern auch gebildet werden sollen; durch die Bildüng soll Israel grünen und blühen, dem Kleinen wie dem Großen soll die Schatzkammer der verschiedenen Zweige der Wissenschaft durch tüchtige und wissenschaftlich gebildete Männer erschlossen werden, . dann , werden die »Mgarischm. Juden in der erwäruunden und es* leuchtenden Sonne der Fre iheit und Bildung heranwachfen und sie werden thatkräftige und gemeinnützige Patrioten sein. Da nun Kultur und Kultus nicht nur gleichlautend sind sondern auch im innigen und engem Zusammenhänge stehen, so hat mit der Kultur auch der Kultus sich bedeutend gehoben. In jeder gebildeten Gemeinde ist schon ein geregelter Gottesdienst, das Gotteswort wird in einer formvollendeten Sprache verkündet, und humane Institute gedeihen; denn es ist eine unbestrittene Wahrheit, dass der Gottesdienst stets den Typus der Zeit an sich trägt, nach dem Standpunkte der Kultur bildet sich der Kultus. In der neuen Zeit, unter der weisen und väterlichen Regierung unseres erhabenen Monarchen erging an uns oft der Ruf schiru lo schir chodosch, wie viele Hymnen wurden komponirt, wie viele Dankgebete wurden angestimmt. Es erfordert aber die Dankbarkeit gegen Sr. Majestät, von welchem man mit dem Könige Salomon sagen kann: ״Ein König auf gerechtem Richterstuhle sitzend, zerstreut mit seinem Blicke alles Böse", und der uns die Freiheit gegeben, dass wir alle jene Stoßseufzer in den Gebeten, welche an die tyrannische Zeit erinnern wie z. B. ״dass wir zur Schlachtbank geführt wurden uns zu erschlagen", oder ״wie lange wieder wir noch in der Gefangenschaft sein", wie mehrere solche harte Wehklagen eliminirt werden, 3) und wenn es leider x) Ich erinnere mich, als unser erhabener Monarch in den ersten Jahren seiner Regierung in Agram war, hat ihm der damalige liberale und humane Erzbischof Hainald folgenden Segen ertheilt: Der Name Er. Majestät ist Franz Josef, möge Euere Majestät so eifrig katholisch sein, wie Franz war und so human sein, wie es war der II. Josef. 2) Im Talmud heißt es, dass man solche Gebete, die nicht mehr paffend sind, und die man nur deshalb betet, weil man sie sehr oft gebetet hat, weglaffe; man soll immer neue Gebete hinzu | fügen (Berachot 29.)