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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-11-22 · Heft 38 (22.11.1888) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 38 (22.11.1888)
Date
1888-11-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ganz voll gepackt mit Knöpfen von. allerhand Formen und Größen , mit Näh- und Stecknadeln,^ umwickelt mit Zwirn; in der Mitte deeses bunten Durcheinanders liegt.-ein Stückchen; Kreide, ein ungespitzter Bleistift, eine Feder mit ausgetrockneter. Tinte, ein stark be- -Nagtes, schwarz gewordenes Stückchen Zucker bedeckt mit den Zwirnsfasern, ein UHrschlüssel von einer- Taschenuhr,. die nie im Hause existirt hat, ein blank geputzter Messingknopf und dergleichen mehr. Ebenda auf der Kommode.steht: eine — der Himmel weiß, an welche Weise dahin gerathene —Gyps-Statuette irgend eines Kriegers im Panzer aber ohne — Kopf. Doch ist es . im Zimmer in Allgemeinen sehr sauber, behaglich, ja sogar angenehm, trotzdem Alles gewissermaßen unter der Erde liegt, ,Reb Awner sitzt in halbliegender Stellung auf einem der Bettstechen; er befindet, sich halb im Negligee und hält Heide Hände unter:-hem Kopfe, Auf meine Frage, was ihm fehle, antwortete , er, dass er sich, gar nicht mehr so unwohl fühle, dass er Morgens beim Aufstehen vom:-Schwindel befallen worden sei und sich wieder habe niederlegen müssen, dass ihm dann aber bedeutend besser geworden sei und er schon längst aufgestanden wäre, wenn Reb Joske und dessen Frau nicht so entschieden dagegen gewesen wären. Und in der Thät, als er jetzt wieder den Wünsch aussprach, aufzustehen und ein wenig spazieren zu gehen, widersetzte sich die Frau Reb Josk^s, die sich auch im Zimmer befand, in entschiedenster Weise. Ich hatte die Frau im ersten Augenblick gar nicht bemerkt, da ׳sie auf-einem Fußbänkchen saß zwischen dem Bettstell, wü Reb Awner lag und dem Ofen, an welchem sie etwas zubereitete. Erst als sie aufstand, um aüs dem an der entgegengesetzten Wand unter dem Fenster stehenden Schränken etwas zu holen, konnte ich sie betrachten. Sie war eine noch' junge — etwa fünfundzwanzig Jahre alte — Frau von sehr großem Wuchs, wohlgebildet, aber sehr hager, so dass die Kleider auf ihr in Falten hingen, wie auf einer Stange. Das- Gesicht mar von durchsichtiger Klarheit, wen.» auch äußerst blaß, fast blutleer; alle^üge an demselben waren wunderbar-regelmäßig und fein, man könnte sagen: kunstvoll; eine gerade wie gedrechselte Nase; feine Lippen/ blaß, kaum geschlossen, so daß Lie -Zähne als Fchmaler, weißer Streifen zwischen ihnen sichtbar wurden; das Kinn etwas länglich, spitz. Im Allgemeinen war dies in des Wortes vollster Bedeutung der claffische Kopf einer Statue auf dem hageren, tiefen Körper einer armen Jüdin. Aber trotz feiner Marmorbläffe war dieses kunstvolle Gesicht voll lebensfrischen Ausdruckes, der sichtbar floss aus den großen, dunkelblauen Augen, die von einem feuchten Wölkchen leicht umhüllt und dadurch noch schöner waren. Besonders im ersten Moment machte sie den Eindruck einer, ihres Thrones beraubten und dadurch in furchtbare Armuth gerathenen Fürstin. Aber auch später mar es mir, als sei diese Frau hier nicht am rechten Flecke, angesichts ihrer wundervollen, abgerundeten Bewegungen, ihrer majestä ischen Haltung, ihres graziösen Ganges. Das dunkelrothe Kattuntuch -— nachlässig hinter die Ohren gestrichen und unter dem Kinn lose zusämmengehalten — stand vorzüglich zu ihrer weißen Stirne. Zart waren auch die aka» basterweißen Hände, die sie so zierlich bewegte, während sie' mit einem Messer Zwiebeln schälte und sie in das auf dem Kochherd stehende Töpfchen warf. Diese edel geformten Hände und — Zwiebelschalen t Welch' ein Contrast! Das Gesicht dieses Weibes zog mich bald im ersten Moment an, denn neben seiner classischen Schönheit und ungewöhnlichen Zartheit, enthielt dieses Gesicht etwas Inniges, Warmes, Einnehmendes; die Augen drückten sv viel Güte, Bescheidenheit und Friedsertigkeit aus, zugleich aber auch so viel Zärtlichkeit und Liebe! EL schien, dass ein Blick dieser wunderbaren Augen hinreichend war, um diesen finsteren, feuchten Keller Behaglichkeit zu verleihen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz der Aedaciion. Abonnent in St. Gallen. Bewusste Gemeinde ist ziemlich bedeutend, fortschrittlich und har Gottesdienst mit Chor und Orgel. -- . 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