Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 38 (22.11.1888)
- Date
- 1888-11-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wä» Zigeunern gefördert und aufrecht erhalten wird." Redner schloß MÜ. dM: Wunsche: ״Möchte aber die hellleuchtende Sonne der allgemeinen Volksbildung immer Mehr und mehr zum Durchbruch gelangen." Jungvunzkau. Mit Erlass des hohen k. k. Ministeriums für Eullus Md Unterricht vom 15. Oktober 1888, Zahl 11382 wurden die ״Deutschen Schullieder mit liturgischem Anhang" von Benedikt Singer, Obercantor in Jungbunzlau zum Unterrichtsgebrauch an isr. Volksschulen als zulässig erklärt. Magdeburg. Ueber die vor Jahren gegründete Hilfskaffe Mischer Gemeindebeamten für Ost- und West-Preußen wird der ״Isr. Wochenschrift" folgendes gemeldet: ״Hilf dir selbst, so hilft Dir Gott!" Unter diesem Motto traten vor 5 Jahren eine Anzahl Rabbiner, Lehrer und Cantoren in Danzig zusammen und gründeten die ״Hilfskaffe für Wische Gemeinde-Beamten, deren Wittwen und Waisen in den Provinzen Poyrmern, Ost- und Westpreußen". Zweck dieser Kaffe ist: 1. denjenigen Mitgliedern, die durch Krankheit oder Alter dienstunfähig geworden sind,, für die Zeit ihrer Dienstunfähigkeit,. 2. den Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder Beihilfen .zu gewährend. Die dm Wischen Gemeindebeamten von ihren Gevremden verweigerte Pension im Falle ihrer Dienstunfähigkeit, die Meist Lejammernswerthe Lage der Hinterbliebenen von Beamten solcher Gemsndm, die. ihren Angestellten nur ein mäßiges Einkommen gewähren können und zu deren Unterhalt dann die Wohlthätigkeit Mgerufm. werden muß,, hatte den Gedanken in ehrenwerthen Männern hervorgerufen,, eine Kaffe zu gründen, die diesem Elende mit diesem Jammer Abhilfe verschaffen sollte. Diese Männer haben gewiss gedacht: wie werdm sich die jüdischen Beamten beeilen, Mitglieder dieser Kaffe zu werden, um ruhiger in die Zukunft schauen zu können; wie gern werdm sie dm geringen jährlichen Beittag zahlen, um etwaige Unglücksfälle in den Familien ihrer Kollegen, ja in ihrer eigenen Familie leichter erttagen zu machen — aber weit gefehlt. Seit dm fünf Jahren ihres Bestehens zählt die Kasse ״achtzehn" ordenÜiche Mtglieder, d. h. solche, die dem Wischen Beamtenstande migehLrey. Indm Provinzen Ost- und Westpreußen und Pommern «mürm-sicher mehr als sechshundert Personen, die nach dem Statut der״Hilfskaffe" Mitglieder werden könnten, und davon gehören ״achtzehn" zu derselben. Es könnte der Einwurf 'erhoben werden, .diese Bsamtey wollen erst sehen, ob die Kaffe sich lebensfähig zeigen wird?! Jawie soll ihre Nützlichkeit, erprobt werdm, wenn die Herren, welche ׳ ihr/Menskrast gebm sollen, fern von ihr bleiben? Aber zur Beruhigung! solcher- Gemuther kayni ich-, folgende Thaisache anführen. Die Kaffe, ist jetzt in Wjrksamttit< gettÄen undhat' in einem! Falle!ihre-Hilfe zu-beweisen. Ein!.seit Gründungihr zugehöriges Mitglied ist vor-׳ wenigen Wochen verstorben und,; hat eine Wittwe mit zehn!Kindern, hjnterlaffcn: Diese Familie wird, nun aus der ״Hilfskaffe" «ne jährliche Unterstützung erhalten, die dem Gehalte eines Cultus- -beamten j in einer kleinen Stadt gleichkommt,- und so vor äußerer MG rimgermaßen geschützt fein! Der Beittag, dm das verstorbene Mitglied zu zahlen hatte, bettug jährlich 20 Mark. Die Herren Lehrer und Eautorm in den genanntm Provinzm mögen nun einmal mit. sich zu Mathe . gehen und ausrechnem! ob sie bei jährlich gleichem Beittage ihrer Hinterbliebenen eine so hohe Reute sichern können. ״Viele Wenig machen ein Viel!" Würden die Beamten Beitreten, so könnten die Quoten .noch höher gegeben werden. — Der letzte Kaffenabschluß hat folgendes Resultat. Der Bestand ans dm Vorjahrm betrug 4549 59 Mark. Die Einnahmen im Jahre 1887 betrugen 1221 25 Mk. Mit einem Vermögen von 5656 89 Mk. ist die Hilfskasse in das Jahr 4888 eingettetm. Die Kasse zählt außer den vorher bezeichnten ״achtzehn" noch 13 korporative und 14 außerordentliche Mitglieder, die. zusammen jährlich 10.32 50 Mk. Beittag zahlen. Wauchester. Wie der ״Lancet" meldet, hat sich.:.bei׳ dem! Wüthm der Blattern zu Manchester im׳ Anfänge dieses Jahres das merkwürdige׳ Factum ereignet, dass von der zahlreichen israelitischen-. Bevölkerung nicht eine einzige Person unter der׳ großen Anzahl Blatternkranker sich - befand, obgleich diese Bevölkerung sehr viele Arme! zählt und von . ihr viele Hunderte als Scharlachkranke im Hospitale , lagen.. Es erklärt -. sich dadurch, Lass die'׳- israelitischen Kmder gut gympft Md die Erwachsmen.größtentheils wieder geimpft (wurden, wohl! in Folge der-Maßregeln von Seiten der israelitischen MomitM,, welche,keiner . Familie׳ Unterstützung.- verleihen, bei ׳ welcher S — sich ein nicht geimpftes Kind befindet.. Wie die ״Neue Rotterdams Courant" mittheilt, findet sich eine ähnliche Verordnung auch in manchen Reglement der Niederländischen israelitischen Armen-Comit6s. Der Baal-Tephilla. Von M. I. Rabbinowitsch. . Aus dem Russischen von A. L e v in - Sagau. (Autörisirte Uebersetzuvg.) (Nachdruck verbsten.). l22. Fortsetzung.) . In diesen finstern Schlund trat, ich ein und stieg an dm schiefen, stark ausgetretenen, oft ganz fehlenden Holzstufen hinunter. Unten, am Ende der Treppe befand sich ein mit -Koth ganz .bespitzte und mit Staub bedeckte Glasthüre, die jetzt ganz offen stand, und unmittelbar' an dieser Thür sah ich Reb Josken hinter einer Arbeit sitzen. Auf seinem mit einer groben Schürze bedeckten׳ Mie lag ein stark zerschnittenes Brettchen, . auf dem er aus-einem alten Stück Leder einen runden Flickfleck. schnitt und ihn mehrere Male einem zerrissenen . staubbedeckten Stiefel von respektablem Umfange anpaßte. Auf seinem Kopfe saß eine alte, . fettige, schirmlose Mütze ganz in den Nacken zurückgeschoben und den Wald dichter Haarekaum bergend. Mich bemerkend, lächelte er mir freundlich zu׳ und. lud mich ein, in das Zimmer zu-treten^ Ich überschritt die Schwelle und befand:! mich in irgend einem: dunkeln Grab, wo ich im ersten Moment nichts sehen konnte. Erst nach mehreren Sekunden erblickte ich einen matten Lichstteifen, der aus einem kleinen niedrigen, aus Nur zwei Scheiben bestehenden Fensterchen kam; die Scheiben waren mit dichten Staub und Schmutz bedeckt, da das Fenster tiefer-als hie Straße lag und. fast ganz: in die Erde hineinlieft Das von mir betretene, ,finstere Grab" ent-- puppte sich als ein geräumiges, Lokal, wo in aste Richtungen breiteklaffende Schluchten, die zu weit verzweigten Minen führten,--und. aus denen intensive Feuchtigkeit'und Kälte dräng, sich befanden, undbildet^ eine Art Korridor -oder- Höfraümzn'einem weitem unterirdischen Labyrinth. Dieser Raum war(!! ganz vollgestellt mit Kisten, Kasten, Handwagen und - deren Vrst chtheifen, - sowie mit alten-Tonnen,, allerhand Früchten, die > in verschiedenen Eckenaufgehäüft waren:, mit'Strohöder Schilfrohrgebinden^ alte Lastmatten 2c. 2c. Augenfcheinlich" diente der Keller ׳als״'Speicher für verschiedenen kleine Händler,- die hierihre EaärM'Lufbiwahrten, während der Nacht und der- Feiertage. Solche Keller giebt es in- N. gar viele. Endlich: konnte ich ganz unten, rechts/ einige Holzstufen wahr׳ nehmen, die ich. auf Weisung Reb Joskes Hinanstieg. Auf der. obersten Stufe — deren es im Ganzen fünf gewesen sein mochten angelangt, fand ich tastend eine feuchte, verrostete, eiserne Thürklinge,, an die ich drückte und auf diese Weise in ein großes׳ Zimmer gelangte, das mir im ׳Vergleich mit-der Finsternis/ aus der ich eben gekommen war,, sehr hell vorkam. Dieses׳ Zimmer erhielt das Lichtaus zwei Fenstern,- die nicht größer als das Korridorfenster waren,, aber sauber, soweit der von der'Straße auf sie fallende Staub und Koth es gestattete. Zwei hölzerne, gelb'gestrichene Bettstellen, von denen eins sorgfältig aufgebettet und mit einer großen weißen Decke mit einer schönen selbstgestickten Borte bedeckt war; ein großer, länglicher Tisch, dessen Beine beharrlich ihre. Richtung nach Innen nahmen; eine dunkelbraune geschweifte Kommode,- deren Fächer alle im Centrum um das Schlüsselloch mit ovalen Messingschildern versehen waren; ein niedriges, weißes Schränkchen; einige Stühle verschiedeuer Fasans und Kalibers; ein großer eisenbeschlagener Koffer, dessen Deckel mit bunten,, schon etwas verblassten Blumen verziert und dessen Eisenbänder schon stellenweise defekt oder überhaupt abgespruugen, rothe Spuren aus dem Holze zurücklaffend — — — das ist׳ das-Ameublement-des Zimmers! :• ׳,Ni/Mikf der- Kommode sind! allerhand.farbigeverschieden geformte Vkft» bemalte Fläschchen und Gläschen ausgestellt, - dann׳ gewöhnliche 1 .MLser.zin;Untertassen%, eine Zuckerdose׳ mit einenzerbrochenemDeM,.