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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-11-22 · Heft 38 (22.11.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 38 (22.11.1888)
Date
1888-11-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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wie der hiefür vielleicht noch obwaltenden Anreise seiner Zeitgenossen ‘ wegen, zu bedeutend, dass er sich einch solchen, semer Meinung nach unauMhrbaren Arbeit unserziehefl^ soNe, uph~ so' üntettieß er es lieber. Unsere Weisen haben aber die SachewoMinem gapz anderen Standpunkt aus angeschen und es in Rüchsicht^auf den imersetz- Lichen Herülst, den die Ärzeitige MMHviWschD^,sLHuH^'?Meid«r musste, ' dennoch als eine Ruchlosigkeit' und' einen unverzeihlichen Leichtsinn erachtet, dass er sich nicht alle Mühe gab, sein Wissen auch Anderen zugänglich zu machen und sein außergewöhnliches? ״Capitel" auch weiteren Kreisen zu erschließen. Der Wiffensreiche , dars ebenso mit seinen Schätzen nicht geizen und muß sie für die Welt nützbar machen, wie der Geldreiche verpflichtet ist, mit seinen Reichthmnern Wohlthätigkeiteu zu üben und die Armen nicht zu verlassen. ״Die Quellen müssen sich nach Außen ergießen'', so spricht der weise König, ״wenn sie der Welt Genuss und Nutzem bereiten sollen" ׳ eine Engherzigkeit Ws also, eine Leben und Genuss sprudelnde Quelle gänzlich zu verschließen und Änderenden Zugang zu ihr zu verwehren. An befähigteren Talenten wird es denn auch nicht gänzlich gefehlt haben, die diese neue Lehre, so hoch sie auch gewesen sein mochte, in sich aufzunehmen und sie nützlich zu verwerthen im Staude gewesen wärm; weshalb wir -es nun wohl für gerechtfertigt finden, dass jener Meister für diese seine unschöne, nur seine Person allein beachtende That unter die anderen Mißgünstigen und Engherzigen gezählt und gleich ihnen der Schande und dem Fluche der Nachwelt preisgegeben wurde. Wir resumiren nun aus dem erwähnten Zwiefaches : erstens, dass ''die alten Hebräer die Musik — wie alles Andere — nur durch mündliche Ueberlicferung erlernten, und zweitens,' dass die Musiker' selbst eben deshalb, weil sie ihr Metier — wie jeder Handwerker — nur durch unablässiges Ueben und anhaltendes Ar- LeÜM erlernen'konnten, zu Len: einfachen ׳ Professionisten gerechnet wükden. Um Mer. noch ein Beispiel dafür zu geben und zu׳ zeigen, wie weit die überliefernde Lernmeise sich Lei uns erstreckte, wollen rüir eine nicht hinwegzuleugnende und bereits constaiirw Thatsache anführen, die uns die ganze Art und Weise dieser Methode deutlich vor Äugen fuhren und vollständig erklären wird. ־ Die hebräische Sprache ist so complicirt uud mehrdeutig, dass oft em Wort, ohne die hierzu gehörige Punktation, in verschiedenen Flexionen aus vielfache Weise gelesen werden kann. So kann z. P. das Wort ׳'דבר״ zehnfach verschieden mit immerneuer Bedeutung variirt werden, nämlich: dowor (Wort, Sache), d’var (im Konstr.), daher (rede), dower (er redet), diber (er hat geredet), d'ubor (es wurde geredet), dewer (Seuche), diber (Subst.), dower (Führer), dwir (Palast). Dennoch aber warLer ganze Schriftbestand dieser Sprache, im langen Zeiträume von ihrem Ursprünge an bis zur Zeit der Masoreten, welche erst den ganze mächtigen Apparat des ״Nikkuel" (Punktationssystem) festgestellt und eingeführt hatten, aus nichts weiter als aus lauter leeren Consonanten. (Vergleiche Gcsenius ״Hebr. Grammatik" § 7, 3, Fürst ״Gesch. d. Karäer" 1. Theil, 1. Abschn. 13, und den großen Federstreit zwischen Loli und Regio im ״Ozar nechmod" 4. Jahrg.) Vocale, Accente, Dageschpunkte, sowie die diakritischen Punkte des ״Leb" und ״L" rc. haben also vorher nie cxiftirt und mussten folglich behufs richtigen. Verständnißes der Sprache mündlich und traditionell erlernt werden. Dass es wirklich so gewesen sei und somit die angeführten Quellen unbedingt Recht haben, hiefür können wir — ab׳ gesehen von ihren eigenen tüchtigen uud geschichtlich erwiesenen Gründen — schon das als unumstößlichen Beweis gelten lassen, dass unsere geschriebene Thora, die wir als das. Allerheiligste, von allem dcm, was uns von allen unseren früheren Herrlichkeiten geblieben ist, verherrlichen und hochverehren, um eben ihre Originalität und Unvsränderlichkeit für alle Zeiten zu wahren, nicht anders als nur ohne jede Punktation .und ohne? jedes Lesezeichen geschrieben werden darf. Und ferner, dass es Möglich und ausführbar war, sehen wir ja an uns selbst, die wir auch jetzt noch jeden hebräisch geschriebenen Brief, jedes unpunktiouirte Buch, ja Len ganzen Talmud und die Codices, die bekanntlich alle nicht das mindeste Punktations- Zeichen haben, richtig, ohne jeden Fehler und ohne die kleinste grammatikalische Regel dabei zu übersehen, zu lesen verstehen. Dies also war unser damaliges Sprachverhättnis, und wenn nun der noch yon Niemand bestrittene Ausspruch vollkommen wahr ist,...dass׳die Sprache und die Musik eines Volkes — gleich zweien unzertrennlichen Zwillingsschwestern — immer Hand in Hand einherschreiten und gleichyräßige Schritte im Volksleben machen, -so wäre es ein unlösbares Räthsel, wenn der Musikton mehr Berechtigung gehabt Haben sollte, Schriftzeichen ׳ zu besitzen, als - der Laut :und Ton der Sprache. : , Nach dieser Feststellung aber lösen sich dann auch die Willkürlichen und jeder Begründung entbehrenden Aufstellungen von Speidel und Anton in Dunst und Nebel׳ auf; denn wenn es erwiesen ist, dass.Jahrtausende vorher bei den Hebräern gar keine Zeichen für Vokal und Neginoth vorhanden waren und dass sie allerdings im Volksgeiste, keineswegs aber auf dem Papiere existirten, so können sie. selbstredend unmöglich als Notenzeichen verwendet worden sein; Und was nun den Versuch Arend's anbetrifft, aus Buchstaben eine Art ״Salomon'sches ׳Notensystem'' zu construiren, so hätte das eigentlich etwas für sich haben können, indem wir auch bei den alten Griechen alphabetische Tonzeichen finden; nur ist der einzige Fehler dabei, dass es, statt ein Abbild von jenem System zu sein, ein Vorbild desselben ist. Die Tempelsänger müssten es erst gründlich flu- Litt haben ündsbei jeder Bezeichnung M LieäDerhängyißvKfle Frage vorlegen: Warum? Wunderbar ist aber,:, dass von allen diesen ״Forschern" noch Niemand darauf verfallen ist, die Tyne mit den ersten 7 Buchstaben unseres Alphabets zu bezeichnen, was. doch am nächsten gelegen wäre, da bei uns die Buchstaben auch Zahlenwerth werth besitzen. Die chromatische Skala ginge sogar durch die.doppelten Buchstaben בגדכפת״" gu vermitteln.. Z. B. auf diese Weise:. c h ais(b) a gis(as)־ g fis(ges) f e dis(es) d cis(des) c א ב ב• - ג• •ג ד י ד .כ . כ פ פ ת ת Allein wir überlassen es Anderen, nicht dagewesene Systeme zu, erfinden. ׳ . (Fortsetzung folgt). Ner Mische Cantor als Sch'liach Zibbar. Vll. Nun folgen wieder Verhaltungsregeln für den Cantor. Er sei kein Heuchler, er soll den . Reichen, wie den Armen gleich achten, das Gebet der Heuchler erhört Gott nicht, lehrt Bibel und Talmud. Der Sch'liach Zibbur, der zugleich Thoravorleser ist, sei gewarnt, nicht auswendig zu lesen, auch nicht ein Wort,, weil das verboten ist; ferner soll der Kore auch genau darauf achten, ob nicht irgend ein Fehler sich eingeschlichen hat, und schon aus diesem Grunde soll . er sein aufmerksames Auge auf jedes Wort richten, was sein Mund auZspricht. Natürlich setzt das voraus,, dass der Kore kein Am- Hoorez sein darf. Jeder Israelit ist verpflichtet, seinen Nebenmenschen zu lieben, wie das Gebot lautet: ״Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst"^ ׳ Leider aber findet mau gerade Cantoren, welche dieses. Gebot so.

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