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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-11-05 · Heft 36 (5.11.1888) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 36 (5.11.1888)
Date
1888-11-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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des Gesanges, zu betrachten sind; wie das Gewürz die Speisen schmackhaft macht, so der Gesang der Jungen mit Altstimmen im Bunde Nun aber wenden die Ueberfrommen ein, das war alles recht,. so lang das Heiligthum in Jerusalem vorhanden war. aber nach ^tssen Zerstörung heißt es ja: ״Wie sollen wir den Gesang, für Gott singen auf fremder Erde?" (Ps. 138. 4.) Darauf giebt der Verfasser folgende Antwort: ״Mir ist ein sehr altes Buch zur Hand gekommen, gedruckt in Venedig, (ש״םג) mit mehreren Gutachten der damals lebenden Geonim, und alle sprechen sich lobend aus über musikalisches Wissen und. regelmäßigen Gesang zur Anwendung beim Gottesdienste. Wir wollen hier in nuce das Gutachten, getreu dem Inhalte nach anführen, weil die Abhandlung bafetbft auch für unsere Zeit, nach beinahe drei Jahrhunderten, noch immer Interesse hat. Anfrage. ״In unserer Mitte befinden sich sechs oder acht Personen, nicht bezahlte, angestellte Sänger,, sondern Gemeindemilglieder, die musikalische Bildung und schöne Stimmmittel besitzen und dem Schöpfer zu Ehren an Sabbat-, Feier- und Festtagen im Gotteshause Loblieber im Chore vortragen wollen. Da erhob sich eine Partei dagegen, die ein solches Vorgehen als eine Neuerung, als eine antireligiöse Handlnng betrachtet. Seit der Zerstörung des Tempels, machen sie geltend, ist ein solcher Gesang im Gotteshause der jüdischen Anschauung zuwider gehandelt, denn es heißt: ״AI tissmach Jisroel el gil boamim, freue dich nicht Israel voll Jubel gleich den Völkern" (Hos. 9. 1.) Und so wurden diese Männer mit ihrer frommen Gesinung und den religiösen Gefühlen und Absichten vom Volke mit ihren Vorhaben schmählich abgewiesen. Wir fragen nun die Gelehrten in Israel, ob denn ein schöner, regelmäßiger Gesang zur Verherrlichung des Gottesdienstes vom Standpunkte der Religion wirklich verboten ist? Antwort. Die Quelle zu diesem Verbote befindet sich im Talmud (Gitin, 7.) ״Man frage an bei MarUkba: Simroh m’no Ion d’ossur, woher wissen wir, dass Gesang verboten ist? Derselbe antwortete mit den Worten des Propheten Hosea: ״Freue dich nicht Israel voll Jubel gleich den Völkern", und wird daselbst ausgeführt, weder Musik durch Instruments noch Gesang mit dem Munde, ist gestattet". Aber die Worte Alar Ukbas werden mißverstanden: nur bei profanen Unterhaltungen und Zechgelagen gilt dieses Verbot, aber eine religiöse Pflicht zu erfüllen, überhaupt zur Verherrlichung des Gottesdienstes ist weder Musik noch Gesang verboten. (Siehe Raschi zur Stelle, da heißt es ausdrücklich: leschaurer b’bess hamischtoaus. S. auch Tosfos das.) Ist es doch eine religiöse Pflicht und wird als besondere Pietät angerechnet, am Vermählungstage Braut und Bräutigam durch Tanz, Gesang und Musik zu erfreuen. Im Oraob Chajim 338 heißt es ausdrücklich, dass man sogar am Sabbat einen Nichtisraeliten spielen lassen darf zur Freude des Brautpaares, und nach Oarke Moscheh ist es sogar den Israeliten selbst nicht verboten, da heut zu Tage die Ursache ״schemo jessaken k’le Schir« wegfällt. Und wenn das zu Erhöhung der Freude des Brautpaares gestattet ist, um wie viel mehr zur Sabbatverehrung, da der Sabbat auch »Kalloh«, Braut, genannt wird, den man als liebliche Braut betrachtet, bejubelt und empfängt. Es wäre daher ein Unsinn zu behaupten, an Sabbat-, Feiernnd Festtagen de» Gottesdienst nicht durch mehrstimmigen Gesang verherrlichen zu dürfen. Sollen wir etwa anderen Völkern zu unserer eigenen Schande nachstehen, als besitzen wir gar keinen Sinn sür schöne Künste, wie Musik und Gesang sind, sollen wir unseren Gottesdienst verunstalten, etwa bei den Gebeten wie Thiere brüllen? Ist es nicht religiöser, durch einen harmonisch geregelten Gesang den Gottesdienst zu verherrlichen, wenn es nicht zu unserem Vergnügen, zu unserer Unterhaltung, sondern aus religiösem Antriebe zur höhern Andachtsstimmung geschieht? Gewiss, in allen Stellen im Talmud, wo Musik und Gesang den Israeliten im Exile verboten ist, ist es nur zu frivolen Zwecken, Orgien und dergleichen zu feiern, aber aus Liebe zur Kunst, zur Uebung, um sich zu vervollkommen, besonders aber zur Hebung der Andacht in religiösen Angelegenheiten, kann und wird es kein verständiger Gelehrter verbieten". In diesem Sinne werden noch fünf andere Gutachten von damals lebenden berühmten Rabbinern angeführt. Wahrlich, wir müssen über diesen fortschrittlichen Sinn in diesem vorurtheilsfreien Gutachten unserer alten Lehrer nur staunen, das ist vor beinahe dreihundert Jahren ausgesprochen worden, aus dem Munde frommer Männer und berühmten Talmudgelehrten, und wir müssen mit dem bekannten Spruche übereinstimmen: Im horischaunim k’malochim onu kiwne Odom, wenn unsere Vorgänger, wie Engel waren, gleichen wir nur als Nachkommen den Menschen, sind aber unsere Alten nur wie Menschen zu betrachten, so gleichen wir"-— (S. Sabbat 112, b.) W.r. (Fortsetzung folgt.) ObeniMner, Oberrantsr und Oderlehrer. Ter Titel Cantor ist der christlichen Liturgie entnommen und datirt in den jüdischen Gemeinden seit der Zeit der Regelung des Gottesdienstes. In der christlichen Kirche hieß gewöhnlich derjenige Lehrer im Gymnasium, dem die Leitung des Kirchengesanges, der Kirchenmusik und des Gesangsunterrichtes übertragen war, Cantor, doch war es auch blos der Titel eines Elementarlehrers, wie analog nach der Mischnah Sabb. 1, 3, der Name Chasan beim Unterricht der Jugend erwähnt wird. In den alten Zeiten war die Stelle des Cantors in der christlichen Kirche eine der wichtigsten bei den Kathedralschulen. Er hatte nicht allein den Gesang im Chore und den Gesangsunterricht der Knaben zu leiten, sondern es lag ihm auch ob, die Lese für die großen Feste anzugeben und den Kirchenkalender anzufertigen. Der Titel Cantor war daher ein besonders ehrenvoller und sein Amt wurde auch von denen verwaltet, die schon höheren kirchlichen Aemtern vorgestanden haben. Entsprechend dem Namen Cantor ״Sänger" ist das hebräische Wort Meschoror, welches in der Schrift den Sänger religiöser Luder bezeichnet, während weltliche Säuger שרים genannt wurden. Der Titel Neschoror wurde in der arabischen Kulturepoche auf auf den Dichter übertragen. In der Synagoge wurden nur die Hilfssänger Neschorerim genannt, der Vorbeter hingegen Sch’liach Zibbur, bann Chasan geheißen, aber nicht in der Bedeutung, wie dieser Name im Talmud vorkommt, als ein Dienender und Anweisender in dem Gotteshause, oder auch beim Unterrichte sich Beschäftigender, sondern mit dem Titel Chasan wurde nur derjenige benannt, welcher mit seinen Hilfssängern oder ohne solche an Sabbaten und Festtagen, wie auch bei besonderen Festlichkeiten vorbetete; denjenigen, welcher an Wochentagen vorbetete, nannte man . Meschubod.

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