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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-25 · Heft 31 (25.9.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 31 (25.9.1888)
Date
1888-09-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Bildung im Kehlkopf. Es können bei der sogenannten heimlichen Stimme ganze Wörter und Sätze so hörbar hervortreten, dass sie von dem in einiger Nähe stehenden Zuhörer deutlich verstanden werden; jedoch kann der Mensch diese heimliche Stimme immer nur in ein- und derselben Weise, gebrauchen, er kann die Worte nie auch nur um einen halben Ton höher oder tiefer aussprechen. Denn es ist hiebei überhaup t noch gar kein Ton vorhanden, son- Bern nur die tonlose Luft erhält durch die verschiedenen Formen des Mundkanals die Artikulation der Sprache; das Geräusch selbst aber ist kein anderes, als das Geräusch^der Aspiration und zugleich der einfache Ausdruck der Resonanz der Mandwände beim Ausathmung der Luft. Die heimliche Stimme entsteht also durch Bas Ausstießen der noch tonlosen Lust aus dem verschieden geformten Ansatzrohr mit den durch die Consonanten gegebenen Unterbrechungen. Die heimliche Sprache kann man daher auch die stumme nennen. Bei der lauten Sprache dagegen muß erst die ausfließende Luft im Kehlkopf durch die Schwingung der gespannten Stimmbänder tönend geworden sein; erst dann verbindet sich die Sprache mit dem Ton. Bei der lauten Sprache also wirken beide, der Stimm- ׳Organismus und der Sprach-Organismus, zusammen. Und wie die laute Sprache schon auf einer Spannung der Stimmbänder beruht, so ist vollends beim Gesang die Lhätigkeit der Kehlkopfmuskeln in freiester Weise nothwendig. Das Singen unterscheidet sich vom lauten Sprechen vor Allem durch die gesteigerte Thätigkeit der Ring- Schildknorpelmuskeln und — weil das Singen zugleich ein länge- , geres Anhalten der Töne mit sich bringt, — durch die gesteigerte Athemthätigkeit (Flankenathmen). Zum Singen ist nicht blos eine -größere Bestimmtheit, sondern auch ein größerer Umfang der Töne nothwendig und ebenso nicht blos ein ruhigerer, sondern auch ein -längerer Athem. Weil aber das Gesang-Organ bei der lauten Sprache, ׳wenn auch in geringem Grade, schon in Anwendung ist, ׳so lässt sich schon aus der Sprache der Charakter einer Stimme annähernd erkennen; und auch die Fehler der Tonbildung werden schon in der Sprache deutlich, denn auch beim Sprechen hört man kst genug den Nasen- und Gaumenton. Natürlich zeigen sich, aber die Fehler der Ton- und Sprachbildung am deutlichsten beim Sinogen, und weil eine falsche Tonbildung sogleich eine.freie Sprachbildüng unmöglich macht, so ist ein rationelles Singen ein treffliches Mittel zur.Entdeckung und Beseitigung der Manchen anhaftenden Sprachfehler. (Fortsetzung folgt.) Ein alter Musikant. . <AuS der Mappe eines alten Musikers.) Von Franz H e n t s ch e ,1.*) In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren Äie Zelte.(ein Bergnügungsort im Berliner Thiergarten) ein beliebter -Aufenthalt für alle Berliner. An schönen Sommertagen versammelten sich hier in den Bor- ^gärten der Zelte Künstler/ Gelehrte und reiche Kaufleuteum sich zu zerstreuen und von vier Musikern durch Quartettspiel unterhalten .zu lassen. Drei der lletztern waren junge Leute, die durch ihre sauberen "Anzüge einen vortheilhaften Eindruck machte». Seltsam stach gegen -diese Männer dagegen der Vierte, der zweite Violinist, ab. Es war ein sehr alter, hagerer Mann mit langen wirren Haaren mb *in denkbar vernachläffigftem Anzuge. Wahrscheinlich wurde der *) ÄuS der,Deutsche« Jllustr.Mnsik'ZritllUg". Mann hier aus Mitleid beschäftigt oder weil er das unliebsame Einsammeln mit dem Nstenbkatte übernehmen musste. Der Wirt naunie ihn ״den alten Friedet, feine Kollegen ״Herr Friedemann". Der alte Mann hatte viele Eigenthümlichkeiten. Schweigend, ohne fich mit feinen Kollegen zu unterhalten, saß er da, und schien fortwährend zu brummen, doch nach Beendigung eines Musikstückes machte er oft laute Bemerkungen über dasselbe. Er lobte niemals, und mit beißendem Spotte griff er die Komponisten an. Wurden Tänze gespielt, dann steigerte sich sein Unmut noch mehr. ״Herr Sußmann!" redete er den ersten Violinisten an. ״Ob wohl in der Hölle auch Tänze gespielt werden? Wenn ich dort auch zweite Violine spielen müsste? — Heiliger Gott, dieses ״schrumm, schrumm" ist schon Hölle genug!" Auch eine eigenthumliche Gewohnheit von ihm war die, jedesmal vor dem Einsammeln erst nach der Schenke zu gehen, um mit einem Zuge —. ein Glas Schnaps zu leeren. — An einem schönen Sommertage traten zwei Herren und ein hochgewachsener Knabe in den schon gefüllten Garten. Es waren diese der alte, ehrwürdige Konzertmeister Franz Benda, sein Schwiegersohn, der königliche Kapellmeister Joh. Friedr. Reichhardt, und der Lieblingsschüler Bendas, der später berühmte Karl Möser. Me drei waren vortreffliche Violinisten. Sie nahmen Platz, und bald daraus brachte der Kellner den bestellten Kaffee und für den alten Herrn die damals gebräuchliche lange, weiße Tonpfeife. Das Rauchen war damals noch nicht allgemeine Sitte. Reichhardt, der für feinen Schwiegervater wenig Sympathie empfand, versetzte boshaft: ״Ich kann nicht begreifen, wie ein gebildeter Mann daran Gefallen finden kann, aus einer Röhre stundenlang Rauch zu blasen!" ״Mir ist das Rauchen ein großer Genuss", entgegnete der alte Herr verlegen.- ״Meine besten Gedanken bringen mir diese Rauchwolken. Bin ich mürrisch oder verdrießlich, so verdampfe ich sehr bald alle üble Launen". ״Der Glaube macht selig!" meinte Reichhardt höhnisch. ״Glücklich sind vielleicht diejenigen, die in dieser Weise ihr Leben qualmend verträumen!" Benda, der seinen Schwiegersohn als eine unruhigen,, revolutionaren Kopf kannte, erwiderte beleidigt: ״Besser doch, als man beschäftigt sich mit unnützen und tollen Ideen, welche den Zweck haben, die Welt zu erschüttern". Reichhardt hatte die Andeutung sehr wohl verstanden. Gereizt antwortete er: ״Glauben Sie, dass die Zeit der Schlasmützen und Zöpfe ewig dauern wird?" ״Enden wir den Streik Ich Liebe dergleichen Gespräche nicht", versetzte Benda ruhig. ״Sagen Sie mir lieber, wie steht es mit Ihrer neuen Oper?" ״Ich habe wenig Aussicht dieselbe aufführen zu sehen", er» wiederte Reichhardt unmutig. ״Daran sind Sie selber schuld, lieber Reichhardt!" sagte Benda wieder einlenkend. ״Treten Sie weniger schroff aus; ein bittend Wort hilft oft zum Ziel". * ״Meinen Sie!" brauste Reichhardt aus. ״Soll es mir vielleicht ebenso ergehen, wie meinem Freunde Schulz, welcher der Prinzessin Amalie in tiefster Verehrung seine ״Athalia" mit der Bitte .übersandte, doch so gnädig sei» zu wollen, diesem Werke ihrem Namen voransetzen zu gestatten. Lesen Sie die Antwort, mein lammfrommer Schwiegerpapa. Hier ist der Brief!" Benda hatte das Schreiben gelesen und reichte dasselbe Reichhardt schweigend und mit Achselzucken wieder zurück. ״Nun, Sie schweigen?" fuhr Reichhardt mit glühendem Gesicht auf. ״Leider beherrschen Franzose» mit ihrem hohlen Pathos im. Drama und Italiener mit ihrem Geklingel und Getriller unsere Bühnen. Aber es wird anders werden. Aus meinen vielen Reisen habe ich gesehen, mit welchem Enthusiasmus man ״die Jagd", ״das Donauweibchen", ״den Dorsbarbier" und des jungen Mozart unübertreffliche ״Entführung aus dem Serail" auhörte. Auch ich werde alles thun, deutschen Gestmz fördern. Gewinne ich erst Zeit/

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