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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-25 · Heft 31 (25.9.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 31 (25.9.1888)
Date
1888-09-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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im Gesänge mit artikulirten gehaltenen Tönen, nicht mit thierischem l GÄrummel zu thun. . ' Wir haben nun bereits Z Nasen- und 9 Klapp en-Consonanten; die deutsche Sprache hat aber noch mehr Consonanten, die Einen rechnen im Ganzen 20, die Anderen 21. Vor Allem haben ' wir von-den Consonanten b. 6, g und p, t, k nach gar nicht gesprachen; und doch zeigt sich gerade bei diesen am deutlichsten, dass wir das Wesen der Consonanten ״richtig bestimmt haben, wenn wir sagen, es bestehe in der Hemmung der tönend ausfließenden Lust. Bei allen Consonantenwelche wir bis jetzt betrachtet haben, hatte die aussiießende Lust stets noch einen Ausweg, bei den Nasen- Consonanten durch die offene Nase, bei den Klappen-Consonanten durch eine Verengung des Mundraums. Bei den eben genannten 6 Consonanten aber Hört aller Ausstuß der Luft geradezu auf; sie geht nicht durch die Nase, sondern will zum Mund heraus, aber der Weg ist verschloffen. Alle diese eben genannten Consonanten Leginnm also mit einer Verschließung des Mundkanals, die Luft aber, -welche heraus will, beseitigt durch ihren Drang oder Stoß das Hindernis, und kömmt windartig hervor. Wir können darum ׳ diese 3. Elaste von Consonanten kurz Stoß-Eonsonanten nennen. Bei b ist der Mund geschlossen durch die Lippen und öffnet sich mit dem Durchgang des Windes; bei 6 ist der Mundkanal geschlossen durch die an den vorderen Gaumen ganz angelegte Zunge, und öffnet sich mit dem Durchgang des Windes; bei § ist der Mundkanal geschlossen durch den an den hintern Gaumen angelegten Zungenrücken, und öffnet sich ebenfalls ' mit dem Durchgang des Windes. ,Ganz auf dieselbe Weise entstehen die Consonanten p, t und k, nur mit dem Unterschiede, dass das Ausströmen des^ durchbrechenden Luftstroms bei ihnen ein mehr ab-׳ sichtliches Blasen ist, als bei b, d und g. Die Athemthätigkeit ist bei p, t nnd k eine absichtlich größere. ׳ Außer den 3 Nasen, den 9 Klappen- , und den zuletzt genannten 6 Stoß Consonanten gibt es auch noch 3 zusammengesetzte Consonanten; z ist zusammengesetzt aus t und s, q aus k und w, x aus k nnd s. Auch sie müssen kurz und rasch gesprochen werden uud erklären sich aus dem Bisherigen von selbst. Endlich gibt es. . aber noch einen Buchstaben, welcher theils stumm, theils laut zur Anwendung kommt, wir meinen das h. Wenn das h in einem Worte nicht ausgesprochen wird, so zeigt es nur so viel an, dass der damit verbundene Vokal nicht rasch und kurz, sondern länger gedehnt ausgesprochen werden soll; wenn es aber — wir reden jetzt nur von der deutschen Sprache — am Anfänge eines Wortes, oder einer Silbe steht, muß es deutlich und bestimmt ausgesprochen werden/ und ist in diesem Falle ebenso Consonant, wie die andern Consonanten. Wie entsteht aber dieser Consonant h? Bei den übri- Consonanten allen lag die Ursache des durch sie entstehenden Geräusches darin, dass dem Ausströmen der Luft irgend ein Hindernis entgegengesetzt war; bei h aber findet keine Opposition der Mundtheile gegen einander statt, der Mundkanal ist ganz offen. Im Mundkanal kann also dieses k nicht cnstehen, auch nicht im Kehlköpf, denn die Kehllopsmuskeln sind bei allen Consonanten in voller Ruhe; es entsteht vielmehr dadurch, dass die ebenfalls unserem Gedanken dienstbaren Athemmuskeln durch einen raschen Druck auf die Lungen rasch die Lust aus den Lungen treiben; der Consonant k ist das Geräusch der Asp ration und bezeichnet den Anfang jedes absichtlich herausgezogenen Athems, bald in heftigerem, bald in sanfterem Grade. ,Dieses k ist eben darum auch das beste Kennzeichm des sogenannten -Wanbenathems, denn nur bei Anwendung dieser Athmung ist seine Bildung ganz in unserm Willen' gegeben. Hinsichtlich der praktischen Ausführung im Gesänge ist 'jedoch .darauf Msmerksam zu machen, dass dieser Consonant ׳stets absichtlich recht deutlich nnd scharf gesprochen werden muß, z. B. in den Wörtern ״Herz, Häng, hat, hier, hin oc."; würde das k nicht scharf ausgesprochen, so müsste der Gesang mehr oder weniger geistlos erscheinen. Ebenso muß das k zwischen 2 Silben deutlich hörbar sein z. B. ״näher", nicht: ״näjer" oder ״nächer". Ueber- Haupt weiß Jeder, ^der sich auch nur wenig mit Sprach-Philosophie abgegeben hat, dass in jeder Sprache die Consonanten die Träger des Gedankens, die Vokale die Träger des Gefühles , sind; wer deutlich seine Gedanken wieder geben will, muß vor Allem die Consonanten scharf markiren, denn auch jeder Mensch spricht, je mehr' er im Affect ist, desto deutlicher und bestimmter die Consonanten; bei den Consonanten beruht die Deutlichkeit auf der Schnelligkeit ihres Entstehens und Verschwindens, sie müssen kurz sein und bestimmt zugleich. Die ״t" am Ende, der Silben und die ״n" wollen auch gehört werden, nur rasch angeben, -aber bestimmt und deutlich. Ebenso wollen die Consona nten auch bestimmt angefangen sein, ohne vorhergehendes Summen und langes Besinnen; also weg mit solchem Anhängsel, sei es vor oder nach den Silben; Einfachheit und Wahrheit — dann allein gibts Deutlichkeit und Geist! Und wenn endlich gar mehrere Consonanten unmittelbar auf einander folgen, so müssen alle sehr rasch und bestimmt ausgesprochen sein; und .in dieser Anhäufung der Consonanten liegt allerdings hinsichtlich des Gesanges die große Schwierigkeit für den Gtbrauch der deutschen Spräche. ' Die italienische Sprache hat hierin wesentlich den Vorzug. Ein langsames unbestimmtes Aussprechen solcher aufeinander folgender Consonanten hebt geradezu allen Gesang auf, und wen» man einen Deutschen singen hört: ״n'nein sampfter Sinn war einschtens mein", da kön nie man fast verzweifeln. Wenn dagegen die Consonanten alle schnell, scharf und bestimmt gesprochen werden, dann können auch in der deutschen Sprache die Vokale genug zu ihrem Rechte kommen, und die׳ Gedanken und die Gefühle der Seele alle auch im deutschen Gesänge sich wiederspiegeln. Leider müßen wir aber noch eines Fehlers erwähnen, welcher fast täglich vorkommt; wenn nämlich eine Silbe, in welcher ein Consonant sich findet, auf einer Note gesungen werden soll, so darf dieser Consonant nicht etwa aus einer anderen tieferen Note schon voraus gesprochen werden, sondern auf jener Note, die mit dem Vdkal ausgehalten wird. Jeder kennt die Bildnis-Arie; wie würde es klingen, wenn ein Säuger auf der ersten Note d nicht das Wort ״Dies" spräche, sondern auch noch das ״B" vom Worte ״Bildnis", und demgemäß die höhere Note g mit ״ild" statt ״Bild begänne? Es ist lächerlich, aber sehr häufig : und wenn man es genauer ansieht, so wird man finden, dass das widerliche, schwerfällige Ziehen so vieler Sänger eben darin seinen Grund hat: ja eine gewisse geistlose Sentimentalität findet auch diese ״Unnatur sogar weich und schön. Wir nennen -es eine Unnatur, denn die Sprachbildung im Ansatzrohr , kann selbstverständlich niemals der, Tonbildung im Kehlkopf vorangehen; vielmehr muß die ausströmeude Luft zuerst im Kehlkopf, durch welchen sie ja zuerst stießt, zum richtigen Tone (nach Höhe oder Tiefe) werden, dann mag der bestimmte Ton, oder die so tönende Lust im Mundkanal ihre weitere Resonanz (Vokale) mit deren Hemmüugen (Consonanten) finden: dies ist der naturgemäße Gang,, welcher als solcher auch der leichteste und schönste ist, bei der lauten S prache und beim Gesang. . : An dieser Stelle halte ich es für-angezeigt, einige Bemerkungen über den Unterschied zwischen Sprechen und Singen anzureihen. Bei der heimlichen Sprachezeigt es sich ganz deutlich, dass die Sprachbildung im Ansätzrshr gauz ׳unabhängig ist von der׳ Tow-

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