Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 31 (25.9.1888)
- Date
- 1888-09-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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lende Verlangen nach Bildung hob׳ diese , Schulen durch sich selbst, und sicherte ihnenreichlichen Erfolg. Me Periode der Aufklärung wirkte aber bald auf die Lage der Di nge, ein, und nicht minder das erwachte Verlangen nach Emancipation. Es verbreitete sich die Ansicht, dass ein besseres Verhältnis, zwischen der Wischen und christlichen Bevölkerung am meisten durch die Gemeinsamkeit des Schulunterrichtes, sowie die Abschleifung des jüdischen Jargons und gewohnter äußerer Haltung' erzielt werden könne. Hiezn kam, dass in den jüdischen Eltern das Streben anwuchs, ihren Kindern die Befähigung zum Eintritt in bessere Lebenssphären durch den Besuch höherer Lehranstälten zu ermöglichen, so dass anwachsend die jüdische Jugend der Frequenz der jüdischen Schule entzogen wurde. Die Gründung solcher höherer Lehranstalten, selbst nur einer gehobenen Bürgerschule, war nur für große Gemcinden möglich. Auf diese Weise kam' die jüdische Schule im Allgemeinen in Decadence, und in der That erhielt sich die Menge der .jüdischen Schulen, in zahlreichen kleineren Gemeinden nur durch deren Leistungen, durch welche sie — ohne Vorurtheil sei es gesagt — nicht selten die christliche Ortsschule übertrafen. Hiezu kam das Bedürfnis, die jüdische Jugend in der Religion zu unterrichten, da in den öffentlichen Schulen dieser Unterricht gänzlich fehlte. Dieser Zustand konnte nicht allzu lange währen. In den vielen Gemeinden, namentlich mittleren Umfanges, in welchen eine Wische Schule nicht bestand, stellte sich die Nothwendigkeit heraus, durch eine Religionsschule dem Mangel abzuhelfen. Eine solche konnte die Unterrichtszeit nur in die freien Nach- und Vormittage verlegen, wodurch sie ihren Zöglingen diese freie Zeit sehr beschränkte und dennoch bei dem Umfange der Unterrichtsgegenstünde nicht ausreichende Zeit hatte. In Oesterreich gelang dies vollständig, in Preußen gelingt es nur sehr langsam, und deshalb ungenügend, weil ihm nur eine geringe Stundenzahl nach dem Maße des christlichen Religionsu. - terrichtes zugestanden wird. Denn der Wische Religionsunterricht umfasst, wenn er irgend genügen soll, zu viele Fächer, um in etwa zwei Stunden die Woche absolvirt werden zu können, nämlich das Hebräische mit Gebetbuch.und der heiligen Schrift, die biblische und Wische Geschichte, die Liturgie und die eigentliche Religionslehre. Unter diesen Umständen frägt es sich: soll die. jüdische Confessionsschule erhalten werden oder nicht?. Hierüber MeinungsverschieLenheit. Nach unserer Ansicht hängt die Frage vor Allem davon ab, ob in einem Staate die Volksschule confessionell, und zwar streng confcssionell, , oder simultan ist. Ist das erstere der Fall, so, kann eigentlich über die Nothwendigkeit der jüdischen Confessionsschule eine Frage nicht bestehen. Herrscht der confessionelle Geist in der Schule, so liefert man mit gebundenen Händen die Jugend der Propaganda, aus. Der christlich-kirchliche Sinn dringt da durch alle Adern des Schulunterrichtes in einem Maße, dass die Wische Ingend nicht davor geschützt werden kann.׳ Hierzu kommt, dass unter dem Einflüsse dieses Geistes, Lehrer und Mitschüler gegen die jüdischen Kinder feindselig gestimmt werden. Wenn z. B. der Lehrer . nach dem ׳katholischen Lehrbuche seine Schülern lehren muß, dass die Juden, dem Brudermörder Kain gleich, fluchbeladen über die Erde wandern, so kann man die Wirkung aus die Lehrer und die Schüler für ihr Verhalten zu. den jüdischen Mitschülern voraussehen. Auch hat sich durch, die Erfahrung genügend erwiesen, dass, wenn im Leben selbst der Geist der Duldung und Gerechtigkeit nicht . vorherrscht, und die Confessionen in socialer Scheidung bestehen, die Gemeinsamkeit des Schulunterrichtes anch nicht Hilft. Es erweist sich dies nicht blos in- Bezug auf die Juden, sondern auch im Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten.. Anderweitig sind die Bitd ungsmittel in unserer Zeit so mannigfaltig und die Abschleifung des altjüdischen Erscheinens ist so weit gediehen, dass die Gemeinsamkeit des Elementarschulunterrichtes für diesen Zweck entbehrlich erscheint. In Preußen findet für die jüdischen Schulen der Unterschied Patt zwischen denen, welche den Charakter als öffentliche erhalten haben, und somit ganz unter dem Schulgesetze stehen, und denen, ׳ die als Privatschulen angesehen werden. In der Provinz Posen wurden sie nach dem Gesetze von 1833 sämmtlich als öffentliche Schulen organisirt; ebenso gibt es deren in Schlesien, aber nur wenige in Westfalen und der Rheinprovinz. Bekanntlich steht zwar in der Verfaffung von 1850 die Forderung eines Unterrichtsgefetzes; dieselbe ist jedoch bis heute noch nicht erfüllt, und somit steht das Schulwesen in seinen wesentlichsten Theilen unter der Einwirkung des jedesmaligen Unterrichtsministers. Der Minister Falk nun war Gegner der Confessionsschule und Freund der Simultanschule. Er übte seinen Einfluss, ja sogar Druck aus zur Beseitigung der Wischen Schule, und es gelang ihm, einige Gemeinden zum Eintritt in die Simultanschule zu bewegen. Bald aber mussten diese erfahren, dass hiermit, weder die Anstellung jüdischer Lehrer, noch die Ertheilung des jüdischen Relkgionsunterrichtes in der Schule gemeint gewesen sei. Mit Falk wurde auch, die Simultanschule verabschiedet, die meisten dieser Gattung wurden aufgehoben, und der Confessionalismus nachdrücklich wieder eingeführt. Diesen immer mehr zu verstärken, ist das Bestreben der Conservativen und der Ultramontanen. Hiernach stellen sich für das Bedürfnis, ja für die Nothwendigkeit der jüdischen Volksschule zwei Bedingungen heraus: 1. ist die öffentliche Volksschule eine confessionelle, ja von confessionellem Geiste nachhaltig imprägnirte? 2. ist die jüdische Schule im Stande, den billigen Anforderungen zu genügen, wozu insbesonders ein. tüchtiger, mit Miss n und seminaristischer Schulung ausgestatterer Lehrer unumgänglich nothwendig ist? Sind diese beiden Verbindungen vorhanden, so muß die jüdische Schule erhalten und gepflegt werden, auch wenn dies beträchtliche Opfer kostet. Methodik -er Gefangskunst. XXXIX. Schließlich gehört zu den Klappen-Consonanten noch das l. Es entsteht dadurch, dass die Zungenspitze dicht und fest am vordereu Gaumen liegt und die Lnft demgemäß nur auf beiden Seiten zwischen Zunge und Wangen ausströmt. Weil aber auf diese Weise gerade beim Buchstaben l die Zunge am höchsten steht, und also ihre größte Thätkgkeit entfaltet, um so mehr hat der Sänger darauf zu achten, dass in jedem Worte, in welcheur das l oorkommt, sogleich die Zunge sich wieder in ihre zu den Vokalen nöthige ausgestrickte Lage verfüge; sonst entsteht nur zu leicht ein Gaumenton, indem die Zunge , sogleich auch bei der materiellen Ton-Erzeugung Mitwirken möchte,. wobei sie nichts zu thun hat. Zugleich leuchtet daraus ein, wie fehlerhaft und verkehrt es von vorn herein ist, wenn ein Gesanglehrer die ersten Uebungen nicht auf a, sondern auf la machen lässt, also sogleich mit voller Zungenthätigkeit. So können die Sprachbildung und .die Tonbildung nie frei und unabhängig von einander werden; und wenn es — wie gewöhnlich — gerade beim ersten Gesangunterricht der Kinder in den Schulen so verkehrt gelehrt wird, da werden gar manche viel versprechende Stimmen nach kurzerFreude schon ruinirt. — Dass auch das L an» Schluffe nicht fortsummen darf, sondern rasch abgeschnitten werden niuß, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, denn wir haben es