Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 31 (25.9.1888)
- Date
- 1888-09-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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L — Ln welchem ihm Gelegenheit geboten wurde, in seiner Gemeinde für die Interessen des Cantorenvereines zu,wirken. > 7 Die SammeMgen wurden endlich ausgesendet, und siehe da, gerade Jene, -welche vorher 'ihre Stimme ain lautesten erhoben hatten, ließen plötzlich nichts von sich" Horen/ die schönen Versprechungen zeDossen in eitles Nichts Wir gHchen>,gerne,^-.?Läjs...mancher Boden nicht geeignet war und selbst bei bestem Willen der Erfolg problematisch erschien, womit aber könnten sich diejenigen freisprechen, welche wirklich Erfolge erzielten, jedoch dieselben für die Dauer nicht festhielten? Zn einer größeren Anzahl von Gemeinden wurden für den Cantorenverein Jahresbeiträge gezeichnet und nur in dreien un- Herzogen sich die betreffenden Vereinsmitglieder der geringen Mühe, auch im folgenden Jahre für deren. Eingang Sorge zu tragen, alle Uebrigen waren wieder in ihre frühere Unthatigkett und Apathie zurückgefallen.; Traurig ist das Gefühl, von seinen eigenen Standesgenossen im Streben und Ringen für dieselben verlassen zu werden, aber wir hoffen, dass die Festestage, die wir eben begangen haben und die so sehr zu ernsten Betrachtungen geeignet sind, unsere College» wieder zu ihrer Psiicht, die sie der Gemeinschaft gegenüber zu erfüllen haben, zurückführen werden. Die jMsch-csnftssiMlelle Schnle. Durch die bekannten Schulanträge der Clericalen im öfterreichischen Abgeordnetenhause hat die Frage der jüdisch-confessionellen Schule eine erhöhte Bedeutung erlangt, und' wir halten es darum für angezeigt, die Ansichten, die Herr Dr. Ludwig Philippsohn in der ״Zeitung des Judenthums" über dieses hochwichtige rm Nachstehenden wiederzugeben: Es giebt Fragen, welche ein Jahrhundert lang erörtert werden, um welche viele Menschenalter hindurch gestritten und gerungen wird, ohne dass sie zur Entscheidung gebracht werden. Denn es handelt sich Lei ihnen um Principien, die, anerkannt, doch iminer wieder Lu ihrer Ausführung auf nachhaltigen Widerstand stoßen und einen Kampf Hervorrufen, der bald Sieg, bald Niederlage wechselnd bringt. Zu diesen Fragen gehört die Schule, besonders die Volks- - schule. Abgesehen von allen anderen Problemen, ist dieselbe entweder confesfionell oder simultan, wo jede Religionspartei ihren besonderen Religionsunterricht erhält, oder religionslos, wo in der Schule gar kein Religionsunterricht ertheilt, derselbe vielmehr jeder Confession aüßerhalb der Schule überlassen wird. Die Sache wird aber noch cömplicirter, indem hinsichtlich der Confessionsschule die Geistlichkeit das Verlangen erhebt,, die Schule dem Staate völlig zu entziehen, um sie in ihre Hand zu bekommen. Es sollen nämlich nicht blos der Religionsunterricht, vielmehr alle Disciplinen von der Confession gefärbt, erfüllt, beherrscht werden, bis auf den Streit zwischen Staat und Kirche, wobei der Pädagog einen sehr geringen Einfluss übt, die Angelegenheit vielmehr einen kirchenpölitischen, ja eminent politischen Charakter annimmt:. Welche einen sonderbaren ArLlick bietet diese Schülfrage gegenwärtig in den. europäischen Staaten! In Frankreich hat die dritte Republik die Schule durchaus ״laicirt", d. h. nicht blos gänzlich dem Clerus entzogen, sondern den Religionsunterricht aus ihr verbannt, so dass sie nicht MmA die Schülräuche für den von den Confessionen gestellten Mligusnsunterricht gestattet. Zn Belgien folgte man hiesem Beispiel, rmr dass man hier den Bestand der ״Privatschulen", d. h. der, cleri-: «Hl Mcht ,V«^hiMeM׳'köMe^.Md,' sterium den Stünd der Dinge möglichst wieder umdreht. In Oesterreich ist der Kampf gegenwärtig auf's . Heftigste entbrannt. Die,.clericale Partei sucht die liberale, auf, das Staalsgrundgesetz sich stützende Schulgesetzgebung zu beseitigen, wie es ihr bereits gelungen ist, dass der Lehrer der Confession der Mehrheit der Schüler angehören muß, ^wodurch dem protestantischen und ׳ Jüdischen Lehrer so gut wie jede Aussicht auf Anstellung genommen ist. Hierzu kommt nun gegenwärtig der Antrag des Fürsten Liechtenstein,.dem noch zwei andere Anträge gleicher Art zur Seite gehen, welche die bisherige Schulgesetzgebung völlig nmwandeln würden. Im Kerne devselben tritt dabei die Nationalitätenfrage sehr sichtbar hervor; der deutsche Lehrertag in Graz hat sich einstimmig dagegen erklärt, und sämmtliche deutsche Mitglieder des Neichsrathes sind entschlossen, bei Annahme dieser Anträge durch die Negierung den Neichsrath zu verlassen. In Deutschland, besonders in Preußen, steht derselbe Kampf bevor. Das Centrum hat wiederholt angekündigt, dass es, nachdem die Forderungen der Kirche so., ziemlich befriedigt sind, den Kampf um die Schule anheben werde, und ist. bereits ein diessälliger Antrag von Windhorsi gestellt worden. Man verlangt, dass die Schulaufsicht den Geistlichen überwiesen werde, Lehrplan und Lehrbücher von der Geistlichkeit äbhängen und die Lehrer nur mit Zustimmung der Geistlichen angestellt werden sollen. Die protestantische Orthodoxie tritt nämlich für dieselben Forderungen ein und der sögenannte Hammerstei-n'sche Antrag will, außer seinem kirchlichen Theile, dasselbe. - . In. den letzten Tagen bekundete die conservative Partei in. schärfster Weise, dass sie diesen Antrag zu ihrem Programme gemacht habe. Die Staatsregierung aber wies sie bis jetzt entschieden zurück, und die Organe der Conservativen, namentlich die . ״Kreuzzeitung", richten ihre Geschosse offen gegen den Reichskanzler und geben vor, dass sie in diesen Fragen den regierenden Kaiser und König auf ihrer Seite hätten, während die beiden früheren Kaiser ״kein Herz für die evangelische Kirche gehabt hätten." Deshalb wollen auch die Conservativen bei den bevorstehenden Landtagswahlen nichts von den Nationalliberalen wissen und kündigen diesen das Cartell auf. Man sieht hieraus, wie heftig die Leidenschaften auf dem Gebiete entflammt sind, und dass dieser Kampf mit größter Heftigkeit geführt werden wird. Die bevorstehenden Wahlen werden hiervon auf's Stärkste beeinflusst werden. Diesmal handelt es sich nicht um die Existenz der Deutschfreisinnigen, sondern auch um'die der Nationälliberalen. י Wie verhält es sich nun hiebei mit der jüdisch confessionellen Schule? Es ist anerkannt, dass die schnellen Culturfortschritte der Juden seit dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts Vorzugsweise der jüdischen Schule zu danken sind. In den Gemeinden, wie Berlin, Frankfurt a. M., Dessau, Hamburg in Seesen und Wolffenbüttel u. s. w. entstanden treffliche Schulanstalten, die allerdings weit über das Niveau der Elementarschulen hinausgingen und -den Stand der jetzigen Bürger-, Handels- und Realschulen erreichten. Neben ihnen aber kämen auch in sehr zahlreichen kleineren Gemeinden jüdische Schulen zu Stande. Der Weg war sehr einfach. Diese - Gemeinden, hatten ja immer Lehrer; sie brauchten also statt der polnischen Melamdim nur in profanem Wissen unterrichtete Per-- sonen änzustellen, um eine jüdische Schule zu haben. Diese Lehrer, wären in der Ueberzahl Aütodidacten. Dies war kein Nachtheil; denn diese Aütodidacten besaßen naturgemäß einen großen Eifer für ihr VZifsen und die Mittheilung desselben für. ihre Schüler, und wenn ihre Methode nach der schulgerechten: Pädagogik mangelhaft war, da sie ja nicht. seMinaristifch. gebildet waren, so passte dies geradefür',jbie'^äiMßgejüb^e‘.Jugench die an strenge Regel nicht gewöhnt und mtellectuel geMkt ntar. Das sich immer mehr verbrei-