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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-16 · Heft 30 (16.9.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 30 (16.9.1888)
Date
1888-09-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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. י. — =4 יließen. Wie kann bei. solcher geistiger Beschaffenheit, von.einer Kenntnis des. Stimmorganismus und von poetischer Auffassung die Rede feint . / Außer den genannten drei Nasen-Consonanten gibt es noch neun, andere Consonanten, welche ebenfalls zwar, dem Ausflüsse der. Luft ein Hindernis darbieten, aber dennoch die Luft noch durch den ’ Mund ausströmen lassen (nicht durch die Nase). Bei (v, w, sch, s, ch, j, r und 1 treten Heils die Lippen, Heils die Zähne, Heils: die Zunge und der Gaumen in klappenärtige Opposition gegen einander; aber die Klappe ist, wenn auch oft sehr enge,- doch nie ganz geschlossen, so dass die Luft noch zum Munde ausströmen kann, zwar nicht als tönende, sondern, nur als summende. Wir können diese zweite Classe der ConsonanteN kurz Klappen-Consonanten nennen, und brauchen nicht weiter auszuführen, dass natürlich auch.sie sowohl im Sprechen als im Gesang nicht fortsummen-dürsen, sondern stets sogleich nach ihrem bestimmten Auftreten wieder ׳ Verschwinden müssen. Bei f und v treten die Lippen schnell zusammen und lassen der aussiießenden Lust nur eine-sehr kleine runde Oeffnung; bei rv treten ebenfalls die Lippen schnell zusammen,-lassen aber für den Ausstuss der Luft eine breitere, sehr enge Spalte offen; und beim Aussprechen achte man sehr darauf, dass das w nicht so wie ne klinge. Bei sch und s nähern sich die beiden Zahn- - rechen, und wahrend die Zunge bei sch die Zähne nicht berührt, berührt, sie Lei s die untere Zahnreihe. Das , sogenannte Lispeln Leim Sprechen und Singen des 8, welches oft so störend einwirkt,, wird demgemäß leicht dadurch beseitigt, dass dabei Heils die Zange fest an die untere Zahnreihe gedrückt, Heils das u stets schnell Vorübergehend angegeben wird ohne.Nachsummen. Bei äh und j liegt die Zunge nahe am Gaumen, und die Luft geht zwischen Leiden durch einen sehr engen Zwischenraum durch (ähnlich ' der. Ensstehung des Vokals I, daher auch nicht unähnlich seinem Klang.) Bei r vihrirt die Zunge gegen den Gaumen, und zwar deshalb, weil die Zunge dem aussiießenden Luststrom widerstreben will; die Zunge will der Lust den Weg versperren, die Luft aber drückt die. Zunge weg und bringt sie dadurch in Vibration. Allerdings gibt es aber außer diesem Zungen-r noch ein anderes r, wobei die Zunge ruhig ist und die Gaumensegel auf jene Weise vibriren. Und es fragt sich nun, welches r im Gesänge besser ist? Offenbar das Zungen-r; denn wenn das r nicht durch Vibra- Lion der Zungenspitze, also vorn im Munde, sondern durch Vibra- Lion der Gaumensegel, also im Hinteren Gaumen gebildet wird, so wird Heils die tönende Luft noch vor ihrer gehörigen Resonanz im Mundkanal — also zu ftüh — erdrückt, Heils der Gaumen und und seine naheliegenden Theile, die Mandeln, so sehr in Thätigkeit gebracht, dass der sogenannte Gaumenton auch für die mit diesem r verbundenen Vokale kaum vermeidlich ist; ja durch das Gaumensegel-r wird gar bald die freie Thätigkeit der Kehlkopfmuskeln und dadurch die richtige Muskelthatigkeit für die materielle Tonbildunz erschwert und aufgchoben. Und wenn nun auch bisher die'Meinung herrschen mochte, das Zungen-r lasse sich nicht erlernen; so versuche man doch erst, die. Zungenspitze dem vorderen Gaumen zu nähern und dadurch einen heftigeren aussiießenden .Luftstrom zurückhalten zu wollen; alsbaH wird die Zunge vibriren, und auch bei sanfter aus stießender Lust ihr Zungen-r hergeben. . (Fortsetzung folgt.) Litterarifches. Was wich zur Kerausgaöe meiner SchnMeder Sestimmte, von Benedict Singer, Obercantor in Jungbunzlau. Bevor ich zur Erläuterung meiner Absichten schreite, die ich mit der Herausgabe eines Schullieder-Buches verfolgte, sei den Herren Recensenten, welche dasselbe zu besprechen die Güte hatten, der innigste ' Dank gesagt. Es ist heutzutage keine geringe Aufgabe, als Verfasser - irgend einer Arbeit zu figuriren, umsomehr einer Arbeit, welche sich blosr im Rahmen der Fachwisfenschast bewegt. Auf dieser engspu- ' ׳ rigen Bahn zu schreiten, ist für jeden Schaffenden ein. kühnes und undankbares Unternehmen, und, wie mir unlängst ein College aus Ungarn schrieb, ein Martyrium für die heilige Sache, wenn es auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur oer Fall ist. Insbesondere gilt dies vdn der jüdischen Gesangs litteratur. Was mich nun zur Veröffentlichung dieser meiner Arbeit bestimmte, ist in kurzen Worten: die Vereinigung des österreichischen Patriotismus mit dem Gefühle für's wahre Judenthum, und der Aussiuss dieser J-»ee, welche, - ausgesäet unter der österreichisch-israelitischen Jagend, reiche Früchte tragen wird, sind die Lieder selbst. Dass bereits eine ziemliche Anzahl Liederbücher in Schulen eingeführt sind, ist eine Thatsache, der ich gerne beipstichte,. dass es auch jüdische. Gesangsbücher gibt, wiewohl nur int deutschen Reich, . ist auch wahr; dass aber in unserem,.Vaterlande die Verbindung des deutschen Schulliedes als weltliches, patriotisches und religiöses- - mit dem gottesdienstlich-hebräischen eine Erscheinung ist, welche in Oesterreich bisher nicht da war, und welche durch die jetzigen Verhältniße emporgewachsen, für die israelitische Jugend eine, Nothwendigkeit geworden ist, muß jeder österreichisch Fühlende anerkennen. Nicht materieller Gewinn, nicht Ruhmsucht, ist das Motiv, welches Mich leitete, sondern der liberale Gedanke, "zu wissen, dass das nicht immer in jüdischer Atmosphäre erzogene Kind die melodienreichen Weisen in hebräischer Sprache für den. Gottesdienst, und׳ die in deutscher ^Sprache, für Schule und Haus mit größter Freude sinken wird, denn Kennerblicke haben prüfend das Volksthümlichs in den Weisen hervorgehobcn. Schließlich sei mir noch gestattet, das Urtheileines bekannten Pädagogen über die ״deutschen Schulliede.r" hier anzufugen, Herr Dr. Herzseld, Volksschuldirektor in Brody, äußert sich über dieselben in folgender Weise: ״Euer'Wohlgeboren! Ich danke Ihnen bestens für die freundliche Zusendung des von ' Ihnen Herauszegsbenen Gesangsbüches. Es lässt sich der Werth.desselben nicht verkennen, r da sie damit die Verallgemeinerung des g e s a n glichen T h e i l e s unseres G o tLesdienstes bezwecken wollen. Alle Kinder, nicht׳ nur die etlichen Chorknaben, sollen miteinstimmen können in das Lob des Herrn und zur Verherrlichung des . öffentlichen Gottesdienstes beitragen! Es wäre schon höchste Zeit, wenn die Betheiligung aller Anwesenden am Gottesdienste, wodurch meiner Ansicht nach derselbe weihevoll und erhebend wirken, kann, möglich gemacht würde? Die Schule kann da Vieles leisten; wenn die Jugend die Melodien, die alle ohne Schnörkeleien und stabil sein müssen, kennt, und verhalten wird, dem Gottesdienste regelmäßig beizuwohnen/ sich-an demselben zu betheiligen und insgesammt mitzuwirken, so dürfte das auch etwas zur Abschwächung des unter uns überhandnehmenden Glaubens-Jndifferen- ׳ tismus beitragen. Wie gesagt, durch Ihr Gesangbuch könnte der von mir;! angedeutete bessere Zustand wesentlich gefördert׳' werden, weshalb ich Ihnen jedenfalls den besten Erfolg wünsche." ׳

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