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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-16 · Heft 30 (16.9.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 30 (16.9.1888)
Date
1888-09-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 sein bei den Gebeten, die auch als Geschenk dem Herrn des Welt- Ms, als Versöhnuugsopfer von dem Boten, dem . Chasan, dargebracht werden, , ist diesem Vorgang in Betracht zu ziehen; darum schaffet einen Raum. Und wenn auch dieser Grund ein. vager zu sein scheint, so ist die Anspielung jedenfalls geistreich und verdient Erwähnung. Nun folgen 'mehrere Eigenschaften,- die der Verfasser beim Schlliach-Zibbur vertreten wissen will. Bescheidenheit in erster Reihe, wie die Schrift diese Eigenschaft bei Moses besonders hervorhcbt. Die Erörterung dazu ist zu weitläufig, wir lassen nur die Schlagwörter folgen, um zu zeigen/ warum gerade und besonders vom Cantor diese Eigenschaft gefordert wird. עניו״" der Bescheidene — -סולם״" die Leiter — "קול" die Simme — alle diese Wör- 1er haben die gleiche Zahl 136. Ist . der Cantor bescheiden (עניו'», dann ist seine Stimme (קול) eine Leiter (סולם), worauf dessen Gebete zu Gott hinauf gelangen; doch darf die Leiter keine mangelhafte sein, Lass sich nicht קול״" in קל״" verwandle. Und wenn diese Variation nur ein Witz ist, so ist es doch ein geistreicher und moralischer Witz. Der Sch'liach Zibbur soll mit freudigem Sinn und frohem Herzen, muthig und liebevoll seinen Gottesdienst verrichten. ״Dient Gott mit Freude, tretet vor.ihm hin mit Jubel", ruft.der Psalmist aus (Ps. 100,. 2) Hier ergeht ein Ruf. an die Gemeinden in Israel, dass sie ihren Cantoren eine sorgenfreie- Existenz gründen sollen, damit sie freudig ihres Amtes walten können. ' : W . . . r. (Fortsetzung folgt.) Seien wir vorsichtig im Gebete! Die um einen herostratischen Ruf ringenden Antisemiten könneu w':r Meraglim in der doppelten Bedeutung des Wortes, neuneu; sie stehen im Dienste der Ausspähung und der Verleumdung, ihr christliches Bestreben zielt uur dahin, auszukundschaften, wie der Jude beschaffen ist, ob er viel Vermögen besitzt, ob der Boden, worauf er sich bewegt, fett ist, ob er einem lebenskräftigen Baume, gleicht, der seine Zweige weithin ausbreitet, und sieht er mit. seinen mißgünstigen Augen, dass es Juden gibt, bei .denen, mit der hei- Ligen Schrift zu sagen, Milch und Honig stießt,, so nennt er ihn den Wurm Jacobs. Er verleumdet und sagt, wie ein Wurm nagt der Jude am Marke des nationalen. Baumes, der ihn beschattete, er saugt am Blute der Völker, unter denen er lebt-; das Wort Pharaos: Ozem hu mimenu, der Jude ist stark und mächtig von uns, durch uns, führen auch die heutigen Antisemiten im Munde. Sie sind Meraglim, sie erspähen uud erkundigm sich, ob nicht in unseren Schriften und in unseren Gebeten Anstößiges oder Feindseliges gegen Nichtjuden vorkommt, und wenn die Antisemiten die Antisemiten belügen, weil es meist die getauften Juden sind, welche falsche Stellen ciüren, so erheben sich gleich die Feinde, verleumden und sagen, dass uns befohlen wird, die Nichtjuden zu has-. sen, sie auszübeüten und zu beherrschen; in echt Heidnischer Weise verleumden sie, aus unseren Schriften-und Gebeten sei ersichtlich, dass wir einen Nationalgott haben, dessen ausschließliches Volk die Juden sind. .; Und wenn wir auch an den heiligen Festtagen beten: ״Vater, unser König, verschließ Du den Mund unserer - Ankläger und Verteumder", so dürfen wir doch nicht die Hände in den׳ Schoß legen, sondern, so weit es in unseren Kräften ist, jede anstößige Stelle,' die Veranlassung zu Verleumdung gibt, entfernen, damit kein Schatten des Verdachtes auf uns ruhe. Daher , erachte ich es als eine heilige Pflicht, auf einige .Gebetstücke aufmerksam zu mache«,. die, weil sie eine etwaige Veranlassung zur Verleumdung bei unseren׳ Meraglim fein können, entweder ganz zu entfernen oder zu pnri- .. fiziren wären. . . Wir sagen: ״Väter, unser König, wir haben keinen König außer, dir." Wenn wir auch darunter verstehen, dass Gott die Welt regiert und er der König aller Könige ist, so können uns doch die Antisemiten, die jede Gelegenheit, wenn sie noch so absurd ist,, gerne ergreifen, der Illoyalität zeihen und sagen, dass wir, . wenn wir ' eutre nous sind, keinen König auf Erden anerkennen. Dieser Verdacht kann umso.eher Wurzel fassen, wenn sie von den getauften Juden erfahren, dass dieses Gebetstück Rabbi Akiba zur Zeit einer Hungersnoth verfasst habe, und, wie bekannt, war Rabbi Akiba der Anführer, der Empörer gegen den römischen König Hadrian und , erkannte nur Gott als ׳König an. -Daher seien wir vorsichtig/ entweder wir lassen dies ganz weg, da' es doch keine Bitte, wie die anderen Abinu •Malkenu enthält, oder wir sagen: Unser Vater, du׳ bist der König aller Könige. . Wir beten ferner: ^Entfe rne -jede Plage von deinem Erbtheile, sende vollkommene. Genesung den Kranken deines Volkes!" Wenn ' auch alle Menschen kin Volk Gottes sind, so behaupten trotzdem unsere schlauen Fein de, da. wir täglich in unseren Gebeten sagen : Gott heilt die Kranken Israels, dass wir also beten, Gott möge nur die Kranken in Israel heilen und jede Plage nur von ihnen entfernen, und zeihen uns hiemit der. Inhumanität gegen die ׳ anderen Völker. Daher seien wir vorsichtig und stehen wir: Gott möge Heilung schickenallen Kranken und von Jedem jede Plage entfernen. . - Ueber das Gebet, -dass Gott vor unseren Augen sich räche, ist schon so Vieles gesprochen, worden und doch wird dies,, wie das Ab Horachmim, in Fortschrittstempeln mit einem wilden Geschrei gebetet. . - Es ist eine unbestreitbare Wahrheit, dass der Gottesdienst den Typus der Zeit an sich tragen und mit der Gegenwart im Einklänge gebracht werden muß, wenn das Gemüth sich in andächtigem Erguß zum.Schöpfer des Alls erheben soll. Nach dem Standpunkte der Cultur, den Begriffen Und Vorstellungen von Gott und Vorfehung bildet sich daher zu allen Zeiten und bei alley Völkern die Gottesverehrung und die dazu gehörige Form der Riten. Wir sind, es daher der Cultur und der Humanität unserer Zeit schuldig, dass». ' die. Gebete, welche bei ihrer Verfassung eine Nothwendigkeit waren, aber jetzt.exklusiv und inhuman scheinen, entfernt oder -verändert werden, besonders dort, wo die Meraglim Hausen und brausen. Einer solchen Abänderung, der Gebete steht keine Bestimmung im Wege, die nachtalmudischen Formeln haben keine Autorität für sich, um unabänderlich zu bleiben. In Mögen Abraham K. 68 wird ein Jeruschalmi citirt, wo es heißen solle: Ihr sollt nicht die Gebete, die Gebräuche, eurer Väter verändern. Das ist nicht währ, in Jeruschalmi heißt es nicht Seder hatefiloth, sondern Leder hamoadoth, also die Feiertage sollen sie nicht verändern. Und so mögen wir beitragen, dass die Verleumder verstnmmen, und Gott erhöre unser Gebet: Unser Vater, unser König vernichte jeden. Bedränger und Ankläger. . Siklos, am 22. August 1888.; ~ Aron Roth, Bezirks - Rabbiner.

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