Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 30 (16.9.1888)
- Date
- 1888-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichiseh -ungarische Oxg*a.]Q. 'W Krärmmerationspreis Für DereinsailtgUeder. Ganzjährig . fl. 5.— - Halbjährig fl. 2.50 ' Vierteljährig fl. 1.25 Für Nicht»,: itg lieber Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig ff. 3.— Vierteljährig st. 1.50 Für La- Ausland «Mjflhrig st. || ^£0 Mark oder 5 Rubel. für llie Interessen Msther H Zntoreu UUll 'vltvsbesmten. I Erscheint jeden achten C n g.! Begründer: Obcrcantor Jacob Bauer.! Medaction und Administration , m teil, II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht relournirt. Nr. 30. ien^ 16. September 1888. 8. Jahrgang. Der jüdische Cantsr als Sch'liach Zibbur. m. So wird auch Mancher die Vorschriften, Rathschläge, Pflichten, welche der Verfasser unseres Merkchens den Cantoren als Sch'liach Zibbur vorführt und zur Beherzigung eindringlich em- Pfiehlt, als übertrieben, überspannt, vielleicht gar als unzeitgemäß, betrachten, als überfromm b-lächeln^.Vom Standpunkte der- Religion, aufgefasst, muß man jedoch dem Verfasser und..frommen Wegweiser beipflichten; wenigstens die Gegensätze zwischen dem E i n st und dem Jetzt womöglichst auszugleichen trachten. Nach dieser Voraussetzung schreiten wir zur Fortsetzung unserer Arbeit und lassen wieder den Verfasser sprechen. . ״An den hohen Feiertagen, am Neujahrsfeste und Versöhnungstage soll der Cantor als Sch'liach Zibbur dem Hohenpriester gleichen, dessen Stelle, er jetzt versieht, die Gemeinde Israels zu versöhnen, er soll fromm, rechtschaffen, selbstlos dastehn. Wenn er auch durch seine schöne Stimme, durch seinen lieblichen Gesang Gott und Menschen wohlgefällig ist, so muß er selbst diese Stimmmittel änwenden, das Volk in eine rührende Stimmung zu versetzen und durch seine aufrichtige Andacht auch seine Zuhörer zur Andacht erwecken, nach dem bekannten Spruche, ״Worte die vom Herzen kommen, dringen wieder zum Herzen," damit Israel gesühnt werde. Sind aber seine ganzen Gedanken nur dem Gesänge zugewendet, erwacht in ihm die Eitelkeit, sich nur den Beifall der Versammlung durch seinen schönen Vortrag zu erringen, spricht er. mit dem Munde, ohne dass sein Herz dabei etwas fühlt, ja sogar die Bedeutung dec Wörter nicht beachtet, dann wehe ihm und wehe denen, die ihn.gesendet, Daher ist auch, jede Gemeinde verpflichtet, an diesen heiligen Festtagen nur einen solchen Sch'liach Zubbur-zu wählen, der würdig ist, als ihr Dolmetsch vor Gott hinzutreten, dem es auch an Verständnis der Gebetstücke nicht fehlt, sie früher geordnet und eingeübt hat; . dann , bleibt auch der Segen Gottes nicht aus. Wünschenswerth und wirkungsvoll ist es, wenn in den Jomim Noroim der Cantor beim Gebete, wenigstens bei gewissen Stellen, bis zu Thränen gerührt i^,'und wenn schon das nicht der Fall ist, wenigstens soll die Stimme sehr elegisch klingen, denn es heißt im Talmud (Berach. 32): ״Seit der Zerstörung des Heitigthums zu Jerusalem sind die Pforten des Himmels, woselbst die Gebete eindringen sollen, verschlossen, doch die Pforten der Thränen bleiben geöffnet." Durch solch' ein inniges Gebet werden auch die Zuhörer erregt und ihr Flehen. wird erhört. Cs kommen ja überhaupt in den Gebeten häufig solche Stellen vor, wo der Thrstnen gedacht . wird, finden solche gar nicht, statt, so ist das Gebet ein falsches. Drei Lage vor Roschhaschonoh und Jom Kipurim soll der Sch'liach Zibbur mit seiner Person selbst sich beschäftigen, seine Aufmerksamkeit auf seinen Wandel lenken, sein Inneres erforschen, in sich gekehrt sein, vor allem Unreinen sich zurückhalten, gemeiner Gedanken sich entschlagen (Siehe, Orach Chajim 499.) Auch soll er am. Rüsttage ein Tauchbad in Quellwasser nehmen, soll sich aber nicht vom bösen Trieb verleiten lassen, dass er dadurch eine Erkältung sich zuziehen könne und seiner Stimme Schaden zufüge. Hat doch der Hohepriester, dessen Stelle er vertritt, fünfmal in einem. Tage solche Tauchbäder nehmen müssen und hat keinen Schaden erlitten! Es ist überhaupt eine Pflicht, wie der Talmud lehrt, dass jeder Jsraelite vor einem Feiertage sich reinige, um so mehr der Vorbeter und besonders an den hohen, heiligen Feiertagen." Nun folgen Regeln, Anweisungen bei verschiedenen. Gebet-- stellen in Betreff der richtigen Aussprache und Leseart,. die wohl sehr belehrend und nicht minder beherzigenswerth sind, die hier aber nicht, zufolge des vielen hebräischen Textes, der zum richtigen Verständnis anzuführen unumgänglich nothwendig ist, angeführt werden können. Als Muster wollen wir jedoch ein Beispiel.anführen, worauf sich auf die übrigen schließen lässt. Bei Wörtern, wo der letzte Buchstabe des einen mit dem ersten Buchstaben:, des anderen Wortes gleichläutend ist, mache der Sch'liach Zibbur eine kleine Pause, damit die beiden gleichlautenden Buchstaben nicht, zu einem verschlungen werden. Beispielweife: «זגל לבבך"; denn fügt der Verfasser hinzu> der Beweggrund ist nicht außer Acht zu lassen. Als Jacob .feinen Bruder Esau durch Geschenke versöhnlich stimmen wollte, sprach er zu seinen Dienern .: ״lL'Vti דודו,", lasset einen freien Raum zwischen .Heerde und Heerde (1. M. 32, 14), es nimmt sich schöner aus, macht einen besseren Eindruck. Um wie viel mehr soll das der Fall