Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 29 (4.9.1888)
- Date
- 1888-09-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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zu haben, soll ihn über eine Million Mark geastet haben. Vielleicht merken sich es unsere Geldmanner und sehen in Zukunft mehr auf Thatigkeit und Charakter jüdischer Männer als auf vergilbte Ti׳ pkomr lebenslustiger, leichtsinniger Geburtsadeliger. V6r B^ial^r ephilla,. Von M. I. R a b b i n o n) i t s ch. Wesko. Die Gattin des hiesigen Pölizeimannes P. unterhielt seit längerer Zeit mit ihrem Kostgänger, einem Gerichtsdiurnisten, ein intimes Liebesverhältnis, worüber sich übrigens der Herr Gemal, der öfters in brau: tweinsiliger Laune nach Hause zu kommen Pflegte, kein graues Haar wachsen lüß. Da jedoch das Liebespaar eine Ehe einaehen wollte, beschloss dasselbe, das einzige Hindernis, den ״nichtsnutzigen Trunkenbold" aus dem Wege zu räumen. Als T. vor einigen Tagen wieder in trunkenem Zustande nach Hause kam, schritt das Liebespaar znr Ausführung des Verbrechens. Sie schickten zunächst ein zehnjähriges Mädchen, das sich bei den Che- Leuten T. in Pflege befand, in eine Scheune, woselbst sie ihr eine Lagerstätte ״blos für diese Rächt" anwiesen, worauf sie den Polizeimann im Schlafe überfielen und ihm mit einem Kücheumesser die Kehle durchschnitten. Hierauf trugen sie den Leichnam in seiner ganzen Kleidung sammt Steck und Mütze in das etwa dreißig Schritte entfernte Haus eines Juden. Nachd.m das Liebespaar die Spuren des Verbrechens beseitigt, schlug dasselbe gegen׳ Mitternacht Lärm und bezichtigte sofort die Juden, dos Verbrechen verübt zu haben. Zur Aufnahme des Thatbestandes' erschien der hier stationirte Gendarmerie-Postenführer. Dieser bemerke jedoch, dass von-dem Hause, in welchem der Leichnam des Etmordeten gefunden worden war, «ine Büttspur wegführe. Er gieng derselben nach und gelangte so zu dem Hanse der Eheleute T. Bei der Untersuchung des Hauses gewahrte der Gendarm, dass das Bettzeug fehle, welches er nach Vieler Mühe auf dem Dachboden des Hauses versteckt fand. Da das Bettzeug vom frischen Blute ganz durchgetränkt war, lenkte sich sofort der Verdacht auf die Frau des T. und ihren Liebhaber. Das kleine Mädchen wurde ins Verhör genommen und es gestand, die Verübung der Blutthat durch das Fenster mit angesehen zu habenda sie sich fürchtete, in der Scheune zu bleiben. Das verbrecherische. ... Liebespaar wurde dem Gerichte eingeliefert. — , . Stuttgart. Rur einige Wochen tagte in unserer Stadt der siebente Kommers alter Corpsstudenten von allen deutschen Univerz sitäten. Den Ehrensitz führte Prinz Wilhelm von Württemberg. Der . Präsident, Herr Landrichter Cronmüller, sagte in seiner Begrüßungs- \ rede unter Anderem: Auch die Fernstkhenden werden allmählig be-k greifen lernen, dass die Corpsstudenten, wenn sie auch manchmal et-? was Mehr fechten und trinken, als der Durchschnittsphilister es für? -nöüg haltnicht so schlimm sind, dass sie besser sind als die Wiener und Grazer Studentenwelche Judenhetzen veranstalten und unreffe Polittk treiben, besser find als die Pariser Studenten, welches mit dem Pöbel auf der Straße, mit den Boulangisien und Polizisten sich Herumbalgen, und als die Studenten in Petersburg, Moskau und Kiew, welche dem Nihilismus anheimfallen. x «Liverpool. Am 5. August fand die Einweihung der dritten Synagoge am hiesigen Platze statt. Das Bedürfnis zur Errichtung Liner neuen Ändachtstatte ergab sich aus dem Umstände, dass die am ' Nordend wohnenden Juden früher die ganze Stadt der Breite -nach passiren müssten, uni nach einer Synagoge zu gelangen. Die Geschichte dieses neuen Gotteshauses ist eine , ganz s außergewöhnliche. Das Gebäude hat früher den Dissidenten und Katholiken als Kirche 'gchiimt,'VorWchefS^..2/MW^-,wurbe erst.der Plan gefasst; dasselbe zu erwerben, uub diese kurze Zeit genügte, den Umbau und die Einrichtung zu dem gegenwärtigen Zwecke fertig , zu stellen. Es sind Sitze für 30() Personen vorhanden, einschließlich der Gallerie, welche für die Damen reserviert ist. Die Beitrage wurden vonden jüdischen Einwohnern des Nordends aufgebracht, und ist die Synagoge Ggenthuar derselben. DieZahlder gegenwärtigen^ Mitglieder bewegt sich zwischen 40 llnd ' ZÜ. Die Einweihung würde von Rev. ׳ I. Polack vollzogen. . V ' ' Aus dem Russischen von A. Levin - Sagän. (Autorifnte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) i15. Forschung.) ...... Jetzt sitzt er am Tische in der Milte der Synagoge auf einenr eigenen, von seiner Wohnung mitgebrachten Stuhl und ertheilt Reb Bärken siüsternd seine Befehle; dieser schlägt mit der stachen Hank auf das vor ihm liegende Buch, und in der Synagoge herrscht anhaltende Stille. Ganz in Weiß gekleidet und mehr einem Gespenst, denn einem lebenden Wesen ähnlich, tritt Reb Awner langsam an das Betpult. Er räuspert sich, nestelt herum an dem ״Tallis", dem Käppchen, dem den Kittel umspannenden Gürtel und beginnt dann das Gebet. Bis auf einige Indispositionen, die sich bisweilen'geltend machen, .klingt sein sympathischer Tenor herzinnig und feierlich zu-- gleich; etwas Schönes und Wunderbares erfüllt die ganze Synagoge und dringt in alle Herzen. Alle Gesichter haben sich jäh per« ändert; ein gewisser nicht zu. erhaschender Schatten huscht über sie hinweg und verändert ihren Ausdruck; alles Werk- und Alltäglicheentschwindet und etwas Erhadenes, Geistiges lagert sich aus ihnen. Aber auch das Gesicht Reb Awners hat sich verändert: seine glanzlosen Augen leuchten auf, seine bleichen Wagen röthen sich ein wemg. Ernst und . köncentrirt steht er da und vermeidet es, mich anzuschauen. Besondere Gesänge giebt es an diesem Abend nicht, denn die Motive der Gebete sind ausschließlich traditionelle. Ich hatte, darum: nichts zu singen und stand nur als eine Art Dekoration am Betpult und betete gleichfalls inbrünstig. Hin und wieder nur unter- -stützte ich Reb Awnern im Gesänge, besonders in den Finalen; aber Ees that ׳ ich nichts allein,^ sondern ^in der Wemeinschasi?mis.ber ganzen Gemeinde, denn die Motive sind Allen geläufig und — beiläufig bemerkt — der Jude ist nicht im Stande, sein Können und Wissen für sich zu behalten — das ist fast ein ausgeprägter, nati-. onaler Zug. ־ Nach Beendigung des Gottesdienstes, der gewöhnlich nicht lange dauert, - wäre es fast zu einer ernsten Collision gekommen zwischen Reb Äwrohomen, dem obengenannten ausgedienten Solda-. ten, und dem Gabbai Reb Josken, indem Beide wünschten, Reb Awnern als Gast für die Feiertage zu haben; allein das Publikum entschied zu Gunsten Reb Joskes, einmal weil er. Repräsentant der Gemeinde und dann weil Reb Awner selbst erklärte, Reb Josken persprachen zu haben, bei ihm bis zur Heimreise zu speisen. Alle trennten sich nun freundschaftlichst, heiß und innig einander wünschend: ״eingeschrieben' zu ׳werden zu einem glücklichen Jahre!" . ' IX. Draußen. empfängt. uns ein stiller,. wenn׳ auch, etwas, frischer,, kühler Abend. Der dunkelblaue Himmel umhüllt mit seiner endlosen Kuppel die ganze Erde. Hell glänzen , die Sterne, wie Millionen zückender, blauer Flämmchen. Auf den Straßen ist es still, und eine feierlich-ernste Festtagsstimmung schwebte einem unsichtbaren Engel gleich über die Stadt. Hell und. heiter sind die Fenster aller Hauser-erleuchtet. Bisweilen ’ vernimmt man; das Geklapper und Geklirr von Gefäßen, die auf den Tischen zurecht gestellt werden, dringt zu uns eine in gedampftem Tone geführte Unterhaltung- oder das Helle Lachen irgend eines feschen zwölfjährigen Mädchens oder auch das zirpende Weinen .eines,' aus dem Schlaf.' erwachten Aber auch dieses Geräusch nimmt allmählig ab und verstummt ganz; Dort schleicht eine , weiße Katze einher, deren räuberische Augen in der Dunkelheit wie zwei brennende Kohlen glänzen; da. habendder׳ kahlen Wand eines Gebäude einige Hunde ihre Schnauzen gierig versenkt in einen Haufen Kehricht, stoßen bisweilen ein mürrisches, ärgerliches Knurren aus und zeigen einander die Zähne; das Knurren wird lauter und häufiger-und artet nach wenimn Minuten in einen wüthenden Kampf aus: in der öden