Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 29 (4.9.1888)
- Date
- 1888-09-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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tSJaga (Asa)K unweit von Damascus, wo er als Rabbiner funk girft. Trotz seiner innigen, aufrichtigen Religiosität, trotz seiner ungeheuchelten Frömmigkeit und hohen poetischen Begabung, wurde er, -und zwar von dem kabbalistischen Schwärmer R. Chajim Vital, angefeindet und verünglimpft. In dem Werke ״Meoraoth. Olom" wird folgende Aeußerung Vital's mitgetheilt: ״Es ist wahr", sagt Vital ״dass die Pismonim, die Nagara verfasst hat, an und für sich sehr schön und trefflich sind, er selber ist jedoch nicht würdig, dass '׳man mit ihm verkehrt, oder gar seine Pismonim singt, dem steht nichts Gutes bevor, denn er gebrauchte stets banale Ausdrücke und zu allen Zeiten war er betrunken. In den drei Trauerwochen ״ben Hamzorim" war er einst bei Jacob Menidasch zu Gaste geladen, wo er den Hut auf die Erde gelegt, mit erhobener Stimme Lieder gesungen, Fleisch gegessen und Wein getrunken hatte, bis er be- ׳rauscht war." Wahrlich Israel Nagara, der sein Dichtertalent nie der pro- Pfauen Poesie zugewandt, der vielmehr stets über die Klänge weltlicher Liebeslieder, die schon damals in den Gotteshäusern ertönten, bitter klagte und dessen Gesänge sich selbst des Beifalls eines R. Isak Luria erfreuten, solch' bittere, dessen Ehre und Würde tief verletzende Vorwürfe machen zu können, waren nur Schwärmer von der Sorte eines Vitals (Kalabrese) fähig. - Man sieht also, dass das wahre Talent auch in früheren Jahrhunderten von den sogenannten Großen, die es verstanden haben, sich einen Namen zu machen, ohne etwas Wesentliches geleistet zu haben, verdunkelt und in den Hintergrund verdrängt wurde. Allein die Nachwelt ist in dieser Beziehung etwas gerechter und tadelt und verurtheilt entschieden das Treiben jener hohlen Stre- Her, die an Größenwahn leiden, sich selbst vergöttern und daher'!jedes wirkliche Talent auf alle mögliche Weise verfolgen, während' sie das wahre Verdienst auf die gebührendste Weise anerkennt und -würdigt. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Gingesen-et. Löbliche Redaction! Gestatten Sie mir, zu den jüngsten Ausführungen des strebsamen 'Verfassers ״über die Entstehung der Synagogentonarten" das Wort Steiger etymologisch zu erklären. Zunächst die Beruhigung dass-das Wort S i e greif sich gegen den Verfasser selbst wendet, da S t e g r e i f aus S t e i g — reif, d. h. der Reifen zum Steigen oder Besteigen des Pferdes, entstanden. Demgemäß ist ״aus dem Stegreif" eigentlich so viel, als ohne abz u ft e i- :g en, dann übertragen ohne Vorbereitung. Dass Steiger in musikalischer Beziehung dem dem lateinischen scanckere entstammenden Scala Leiter" gleichkommt, dürfte klar sein. Dass man beim Steigen auch wieder fallen muß, dies zu beweisen, dürfte jedem Mensch enkinde nicht schwer fallen. Schließlich sei noch bemerkt, dass der tech nische Ausdruck für Bergleute ״Steiger" ist, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in die Höhe, sondern in die Tiefe der Erd e h i n a b st e i g e n. Ueber die Synagogentonarten selbst wollen wir, so Gott will, bei gelegener Zeit in dieser gesch. Zeitschrift Näheres mittheilen. Juugbunzlau, den 23. August 1888. Dr. M. Grünwald, - Rabbiner. Kleine Ehvanik. Wien Der bekannte SchriststeLer Karl Emil Franzos richtet an die Redaction der ״österr. Wochenschrift" in Wien folgende berichtigende Zuschrift: ״Eine der Jänner - Nummern der ״Oesterreichischen Wochenschrift" brachte eine, auf den Glaubenswechsel eines Schriftstellers ״Emil" bezügliche Notiz, welche, wie ich aus mündlichen und schriftlichen Anfragen erfahren habe, von einigen Ihrer Leser auf mich bezogen worden ist. So unbegreiflich dies auch angesichts des Wortlautes der Notiz und des Umstandes, als ich zu einem Zweifel über meine Denkweise in diesem Punkte niemals berechtigt habe, erscheinen mag, so klaube ich mir doch die Bitte, gelegentlich des Abdruckes dieser Zellen in Ihrem geschätzten Blatte constatiren zu wollen, dass sich jene Notiz — was ohnehin jedem Kundigen klar sein musste — nicht auf mich bezogen hat " Andrveis. Am 3. September L I. um 5 Uhr Nachmittag fand die feierliche Eröffnung des neuen israelitischen Tempels statt. Schaffa. Anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät unseres Kaisers fand am 18. August l. I. Lm CafLsalon des Herrn A. L׳ Much ein geselliger Abend statt. Derselbe war vom hiesigen Leseverrein veranstaltet und durch Clavier- Violin- Gesangs- Zitherernste und humoristische Vorträge ausgezeichnet, hatte zahlreichen Zuspruch und seinem Zwecke entsprochen. Herr Moriz Spitzer stellte bereitwilligst das Clavier, einen hübschen Salonflügel, zur Verfügung, worüber ihm vom Vereinsvorstande, H. Oberlehrer Riesenfeld, der auch die Festrede hielt, öffentlich der Dank votiert wurde. Bemerkt muß werden, dass sämmtliche Productisnen von Dilettanten, die ihre Kräfte selbstlos der guten Sache liehen, in uneigennütziger Weise eract ausgeführt wurden. Besonders rühmlich thaten sich hervor die Fräulein Wallisch, Leutner, die Frau Spitzer, Fräulein Löwy, Herr H Ehrenstein aus Wien und Herr Philipp Much.' Bei dieser Gelegenheit sei die Erwähnung gestattet, dass die Bildung des hieror- Ligen Lesevereines der Initiative des H. Josef Much zu danken ist. Die Mitglieder des Vereines rekrutieren sich aus beiden Confessionen, die hierorts friedlich neben einander leben und keinen Unterschied kennen zwischen Mensch und Mensch. Die antisemitische Giftpflanze findet hier keinen Boden. Wudapest. Die Ehescheidung des Baron Paul Bornemisna und seiner Gattin, geb. Ottilie Schoßberger von Tornia, ist mittelst Urteils der köngl. Kurie endgültig ausgesprochen worden. Der Feriensenat der kömgl. Kurie unter Vorsitz des Präsidenten Nikolaus Szab6 (als Referent fungirte Kurialrichter Sigmund Kaßap) verhandelte diese Angelegenheit. Dem Referate gemäß wurde die Ehe im Juli 1882 geschloffen. Die Eheleute Lebten nur fünf Jahre mit einander. Um die Scheidung zu erleichtern, traten beide im vorigen Jahre zur protestantischen Kirche über. Die köngl. Tafel löste die Ehe auf und die Kurie bestätigte dieses Urteil. Das Auge manchen Lesers mag gleichgültig darüber hinweggegleitet sein. Und doch verdient diese Notiz größere Beachtung. Der Vater der geschiedenen Baronin, Heinrich Schoßberger von Tornya, ist Jude. Seine Ahnen aus Schoßberg, einer altberirhmten jüdischen Gemeinde im Neutraer Komttat stammend, gehörten zu den berühmtesten Rabbinen und Talmudisten Ungarns. Der Großvater der Frau Baronin, Jesaja Wolf Schoßberger, ein armer Laie, hatte es bis zum ungarischen Adel gebracht, der ihm für feine Verdienste um den ungarischen Tabakhandel verliehen worden. Dieser Adel genügte dem Sohne Heinrich von Schoßberger nicht mehr, er suchte sich mit dem christliche Geburtsadel zu verschwägern und ließ zu diesem Behufe seilte zwei Töchter taufen. Die jüngere hatte einen Battyani geheiratet, nachdem sie sich ohne Wissen der Eltern vorher mit einem Dr. Rosenberg, hauptstädtischen Advokaten, in einem böhmischen Badeorte jüdisch hatte trauen lassen. Die letztere Ehe wurde für ungesetzlich erklärt, was -zu einem Duelle zwischen den zwei ׳ Gatten führte, in welchem Graf Battyani das Leben verlor. Die verwitwete Gräfin heiratete sodann einen Brünner Fabrikanten (Christen). Jetzt ist auch die adelige Ehe der älteren Tochter gelost worde. Herr Schoßberger dürste nun an Erfahrungen reicher, aber an Kapital ärmer fein. Aehnlich ergieng es, wie deutsche Blätter vor Jahresstrist meldeten, dem jüd. Banquier Herrn v. Bleichröder in Berlin. Dieser hat seine Tochter nun auch wieder heim bekommen und Ms Vergnügen, einige Zeit einen geborenen christlichen Adeligen zum Schwiegersohn gehabt