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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-04 · Heft 29 (4.9.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 29 (4.9.1888)
Date
1888-09-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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nur schnell hmtennach. Die Wörter ״mein, dein, sein, sein, Heil, . Lei, frei, Freiheit, Zeit, Kleid de." werden in der hochdeutschen Sprache immer so ausgesprochen, wie wenn sie mit ai geschrieben wären, uud müssen daher auch mit dem Vokale a gesungen werden. Noch schwerer ist es bei den Diphthongen eu (eu) und aeu (au), den ersten Vokal, mit welchem der Ton oder die Tonreihe gesungen werden muß, genau zu bestimmen; nehmen wir z. B. das Wort ״Heulen", so würde die Sprache im Gesang zu sehr von der gewöhnlichen Sprache des Lebens abweichen, wenn wir behaupteten, es müsse ein Helles a gesungen werden und ein ü erst am Schlüsse Nachfolgen; wenn dagegen absichtlich dieses a sogleich dunkel begönnen und dunkel ausgehalten wird, dann, wird sich nicht nur das dunkle ü besser anschließen, sondern der Sänger wird damit der Sprache des gewöhnlichen Lebens wohl am nächsten kommen. Bei ai und ei also wird ein Helles a ausgehalten, d. h. gesungen, und Las i erst ganz am Schluffe des Tons gesprochen; beieu und aeu wird ein dunkles a gesungen und das ü ganz am Schluffe des Tons gesprochen. Und der Anschluss des i an das ausgehaltene Helle a ist um so leichter, weil auch i ein Heller Vokal ist; und ebenso ist der Anschluss des ü an das ausgehaltene dunkle a um so leichter, weil auch ü ein dunkler Umlaut ist. (Forts, folgt.) Zur Geschichte des letzten Repräsentanten -er spanischen Psetanim -es lechsehnten Lahrhnnderts. Von -Dr. M. H. F r i e d lau d e r, Rabbiner in PiseL.; . (Schluss.) , ' . ' : Die Semiroth Israel zerfallen in drei Abtheilungen, die -erste} ״Olat Tamid", 225 Gedichte für die tägliche Andacht enthaltend, die zweite ״Olat Schabbat", 54 Stücke, an den Inhalt des jedes-; maligen pentateuchischen Wochenabschncktes anknüpfend, die dritte ״Olat Chodesch" für Neumonde und Feste, 67 Gedichte, . darunter! mchrere umfangreiche, so für Chanuka eposärtige Versification der Megillat Antiochus, ebenso für Purim' die Ester Megillah in Reimen, etwa in der Form des Adon Chasdecha von R. Jehuda Ha- ׳ lewi, und für den Sabbath vor Peffach die Geschichte der Erlösung aus Egypten. Einige Stücke der ״Semiroth Israel" hat der sel. Prediger Dr. M. Sachs ins Deutsche übersetzt. Der zweite Theil seiner ״Gesänge Israels", welcher sich Handschriftlich in der k. k. Hof-Bibliothek zu Wien befindet, von mir im Jahre 1858 Ln Wien, wo ich Philosophie studirte, unter dem Tiiä ״Pismonim", ״Hymnen des R. Israel Nagara" zum ersten \ Male veröffentlicht. Ich war damals 19. Jahre alt und wurde von meinem thmren unvergesslichen Lehrer, dem sel. H. Üniversttätspro-׳ feffor Dr. Goldenthal, dessen Liebe und Achtung ich mir im hohen Maße erworbm, zur Herausgabe dieser Hymnen lebhaft angeregt. Die Hymnen des R. Israel Nagara, welche nach dem anerkennenden Ausspruche seiner Zeitgenossen fastden Psalmen angereiht zu werden, vollkommen würdig feien, entsprechen sowohl dem religiösen Bedürfniße, als sie in politischer . Beziehung , allen Änforderungen der Dichtkunst gmügen. Diese Ansicht wird, zweifelsohne Jeder Leipstichten, der Gelegenheit gefunden hat, seine bereits erwähnten ״Gesänge Israels" zu lesen, welche von dm letzterschienemen Hymnen dieses religiösen Dichters um Vieles noch übertroffen werden. Ein erhabener Geist durchzieht sie und belebt die Kraft des 4= — Glaubens an die göttliche Allmacht und die Ergebung in ihren herligen Willen. Nicht minder durchweht dieselben ein Hauch von tiefer Wehmüth, der eine stille Trauer weckt und die Gefühle bewegt. Doch verleihen sie auch Kraft durch Trostverheißungen, wie sie zu- . . .gleich erschüttern, wenn sie von der Macht Gottes in einem Bilde der Naturereigniße, z. B. vom Donner, eine Schilderung entwerfen. Die gewählten Bilder seiner Dichtungen sind zwar nicht originell, denn man findet dieselben häufig in der Bibel, dennoch aber sind sie als gewählte Texte zu den Dichtungen als vortrefflich zu bezeichneu, indem er ein Bild aus. den gewöhnlichen, profanen Lebensverhältnißen zur religiösen Erhebung verwendet. Sein tief religiöses und hochpoetisches Gemüth ergießt sich darin bald rührend in wercher, schmelzender Sprache, bald ergreifend und erschütternd, mit , gleicher Stärke, und von einer Reinheit, die von keinerlei Einmischung fremdzüngiger Ausdrücke getrübt, den ganzen Schatz der.hebräischen Sprache in sich schließt. Sie dringt mächtig in das Herz des-Lesers und durchdringt seine Gefühle. ׳ In seinem Kataloge der neuerworbenen Handschriftlichen, hebr. Werke der k. k. Hof-Bibliothek zu Wien äußert sich der sel. Prof. Goldenthal über die edirten Hymnen des Israel Nagara in folgender Weise: ״Auch hier, wie bei den in ״Semiroth Israel" fließt sanft seine Sprache, klingen lieblich seine Reime und kehrt allemal'ein Refrain wieder, der wahrhaft wie die bezauberndste Musik in den Ohren tönt. Aber noch viel reizender, lieblicher, ich möchte sagen, ungezwungener sind seine Poesien hier als dort, bei aller Künstlichkeit der Form und des Metrums; und ebenso bei allem Schmelz der Gefühle, doch voll Saft und Kraft. Es ist eine Süßigkeit und Erhabenheit zugleich darin, welche nur der zu kosten “ vermag, der die Schwierigkeiten, welche die hebräische Sprache dar- ׳ - ,bietet, zu würdigen weiß, sowie die Schmiegsamkeit, die ihr die feurige Begeisterung des Sängers 'angestammt hat":; ־ . Sachs äußerte sich über Nagara in folgender Weiser ״Als die. Zeit des. Gesanges längst, entschwunden und die in Spanien ' und der Provence von allen Geistern lange gepflegte Kunst aus der Mitte der Juden entwichen schien, entstand ihr im Oriente ein eisriger Pfleger in R.. Israel. Nagara, der die.verstummte Zionsharfewieder von den Weiden nahm und ihr liebliche Töne entlockte. In . einer edlen Form, in künstlich verschlungenen Rhythmen, mit In- , brunst und frommer Hingebung sang er den alten Meistern nach, und die Sehnsucht, die in ihnen glühte, stimmte auch ihn zu bald klagenden, bald hoffnungsreichen Klängen; auch er umwand Sabbath und Fest mit Kränzen und goldenen Schnüren, an denen die Perlen poetischen Empfindens, an gereiht waren. Spannte er auch keine neue Saite auf das alte ktangreiche Psalter, das schon so vielfacher Melodien getönt,׳ so wusste er mit kunstfertiger Hand es 'in alter Weise erklingen zu lassen. Kein ursprünglicher' schöpferischer'• Genius, aber ein kundiger Virtuos voll Talent, Uebung und Ernst." ' (Busch. Iahrb., 5. Iährg., S. 233.) -'״ . Die von mir edirten Hymnen haben auch das Aehnliche mit denen Ln ״Semiroth Israel", dass sie alle den Namen des Berfassers ״Israel" oder ״Israel ben Mosche Chasak" akrostisch erhalten. Ueber jeder Hymne, steht die Melodie arabisch oder türkisch, mit dem Ansdrucke ״Pismon noeh lachan." bezeichnet, charakterisirend. die Abkunft und das Vaterland des Verfassers. Was das Wort ״Pisruou" betrifft, so erklärt es Zunz für das französische -״Pseauine". Auch, tragen viele Hymnen Nagara's als Ueberschrift 7. das Wort ״Romaine" (Romanze), welches die Melodie anderer- Lieder anzeigt. ' Anfangs lebte Israel Nagara in Damascus, wo sein Vater ^ange Zeit das Rabbinat inne hatte, -später übersiedelte er nach

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