Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 28 (27.8.1888)
- Date
- 1888-08-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/1304829-3453130-3453158--2605-3456872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
deutsch-französischen find. Die damaligen Freiheiten gaben den spanischen Poetanim mehr Kenntnis des menschlichen Herzens, und sie gebrauchten diese Kenntnis im Dienste der Frömmigkeit. Die erbaulichcn Poesien derselben dringen tief in das Herz und Gemüth, sie treffen den rechten Fleck. Ihr ganzer Sinn war blos nach dem Baume des ewigen Lebens gerichtet Sie benützten ihr Talent zu ׳gottrsfürchliacN Zwecken, sie wussten aber auch mit der Welt ihre Sprache zu sprechen. Spanien ist es, das uns Männer des Lichtes darbietet, Männer der Kritik und Wissenschaft, Männer, begeistert für ihren heftigen Glauben und ihre väterliche Litteratur ebenso, wie für die ״Erzkugniße allgemein menschlicher Bildung, allgemein menschlichen Denkens. Spanien ist es, das reich an großen Geistern über-- Haupt, auch im Judcnlhume Männer und Werke jüdischer Litteratur hervorgrbracht, Spanien ist es, das, wie in der allgemeinen, so auch bcsondeis in jüdischer Litteratur mystische Uebergriffe zu Tage gefördert hat, aber auch ebenso in nicht unbedeutender Anzahl Männer hellsehcndcn Geistes, nervigen Denkens, rüstigen Schaffens, Männer mit Geist, Herz und Gemüth. Mose b. Esra nnd Jchuda Halewi, deren religiöse Gedichte eine-Zierde aller Weisheit sind, beide kannten die Welt, sie kannten die Empfindungen der n.insctlichcn Ernst, sie liehen Worte diesen Empfindungen, wovon man in Deutschland, der Brutstätte des Antisemitismus, kerne Ahnung hatte. Nicht minder offenbart sich ein bedeutender Unterschied zwischen den Dichtern der Maurisch-spanischen, und der französischen . Schule in der Bearbeitung ganz nationaler Stücke. Bei den erzählenden Piutim hielten die maurisch-spanischen religiösen Dichter an die Bibel allein, die deutsch-französischen hingegen verstochten viele Hagädoch hinein. Ein Blick auf Yehuda Halewi's Behandlung der . Purim-Geschichte ׳ (unter dem : Namen ״Mi Kamociia" bekannt),-, verglichen mit der ähnlichen im . deutschen Ritual, bestätigt das Gesagte. Bei den Gebeten um materielles Wohlsein, bemerken wir ein leiscs, anständiges Auftreten, während wir bei den-deutsch-franzöfischen Dichtern ein stärkeres Pochen auf traditionelle Momente vernehmen.' So z. B. können die Gebete um Thau und Regen als Belege hiesür dienen. Die. neuere Und neueste hebräische Litteratur hat durch den Einstuss des aufgeklärten und milden Zeitgeistes sich gefügt und allgemeinen Verhältnißen sich zugewendet, in Ausdrücken trauernder und wehmüthiger Gefühle von ihren Schöpfungen abstreist. ׳, Israel Nagara, der um 1566 zu Gaya als Rabbiner wirkte, und dessen Vater, R. Moses Nagara, ein Mitglied des Rabbinats- Collegiums zu Safet, das von R. Josef Karo präsidirr wurde, gewesen ist, war der letzte würdige Repräsentant der spanischen Poetanim. Er hatte sogar einige der genannten Dichter der spanischen Schule, welche, seine Vorbilder waren, in vielen Beziehungen übertroffen; denn die Dichtungen der Spanier drücken zumeist den tief wurzelnden Schmerz über die verlorene Herrschaft Israel mit einer Innigkeit und Wahrheit aus, die wahrhaft rührend sind, wiewohl in ihrer Rückkehr zur ursprünglichen Reinheit schüchterne und unfreiwillige Rückschritte manchmal noch gefunden werden. Israel Nagara aber, welcher mit geschickter Handhabung der mannigfachsten Metra.die.ältesten Poetanim überflügelt, ist ׳schon durch )ein selten gewordenes Werk ״Semiroth Israel", ״Gesänge Israels" in der hebräischen Litteratur rühmlichst bekannt. - (Schluß folgt.) Methodik -er Gefangskunst. XXXVI. Bei der Ton-Erzeugung und Ton-Nüancirung ist das Ansatzrohr nur durch die verschiedene Stellung seiner beiden Theile, der Schlund- und Mundhöhle, zu einander thätig; seine volle active Thätigkeit dagegen hat es in allen seinen Theilen bei der Bildung der Sprache, der Vokale und Consonanten. Gesungen werden nur die Vokale, die Consonanten dagegen werden auch im Gesang stets nur gesprochen. Der Unterschied zwischen Sprechen und Singen beruht ans der Art der Athem- und Muskelthätigkeit; der Mensch kann auch sprechen bei vollkommener Ruhe des Gesangsorgan: sobald er aber in lauten, hörbaren Tönen spricht, kommt das Gesangorgau sogleich zur Anwendung, nur in geringerem Grade, als beim Gesang. Schon aus der Sprache lässt sich daher der Charakter einer Stimme annähernd bestimmen. Dass das Ansatzrohr m t seinen beiden Theilen, der Schlund- und Mundhöhle, schon bei der Stimmbildung mit in Betracht kommen musste, versteht sich von selbst; denn die im Kehlkopf töne nd gewordene Luft muß doch ihren Ausweg haben; und wenn ein Ton hell gesungen werden soll, so stellen sich jene beiden Theile anders, als wenn er dunkel klingen soll. Wir sprachen aber hiebei immer uur vom Ansatzrohr im Großen, die kleinen Theile desselben ließen wir absichtlich in vollkommener Ruhe. Ja man könnte wohl jene Mitwirkung des Ansatzrohrs bei der Stimmbildung eine mehr passive und allgemeine nennen; bei der Sprachbildung dagegen werden auch alle die kleinen Theile des Ansatzrohrs selbstständig und activ wirksam. Diese Thätigkeit .aller Theile des Mundkanals bei der Sprache ist ganz unabhängig von der Tonbildung im Kehlkopf, wie sich dies deutlich bei der sogenannten ״heimlichen Stimme" darthut. Ja zur richtigen - Sprachbildung ist es durchaus nothwendig, dass kein Theil des Ansatzrohrs unnützerweise schon bei der Stimmbildüng wirksam ist; die Zunge braucht ihre ganze Beweglichkeit zur Sprache, wenn sie aber schon bei der Tonbildung thätig ist, so kann sie nicht mehr ihre ganze, leichte, schnelle, ungehinderte Thätigk A der Bildung der Vokale und Consonanten widmen: die Sprache würde dadurch schwerfällig, schleppend, undeutlich. Durch diese falsche Mitwirkung der Zunge bei der Tonbildung würden beide, die Stimmbildung und die Sprachbildung, zu gleicher Zeit gehindert und erschwert; nur bei richtiger Stimmbildung ist daher auch eine richtige Sprachbildung möglich. Alle die Theile aber, welche bei der Stimmbildung in Ruhe bleiben mussten, mögen nun bei der Sprachbildung ihre größte Bewegungsfähigkeit zeigen; je beweglicher und schneller, desto besser » Vor Allem gilt dies bei der Zunge, denn es gibt ja auch schwere Zungen, d. h. solche Zungen, welche sich nur schwer und langsam bewegen; im Gesang ist dies aber ganz unstatthaft, daher der Kehrer durch fleißiges Neben der Vokale und Consonanten, einzeln und im Zusammenhänge, eine solche Zunge erst leichter beweglich machen muß. Sehr oft liegt jedoch die Ursache solcher Zungenfchwerfäüigkeit in nichts Anderem, als im Gaumenton, d. h. in der vorangegangenen Mitwirkung der Zunge Lei der Tonbildung, wodurch sie sogleich in ihrer freien Beweglichkeit gehemmt und gebunden ist. — Außer der Zunge kommen sodann bei der Sprachbildung auch die Lippen und Zähnt in Betracht; die Lippen müssen einer schnellen Ausdehnung und Zusammenziehung fähig, und die beiden Zahnreihen, soweit sie bei der Mundöffnung sichtbar sind, lückenlos sein. Denn wenn schon in der Sprache" allein durch solche Mangelhaftigkeit ein Sausen und Zischen entstehen muß, so wird es im Gesänge, beim