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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-08-27 · Heft 28 (27.8.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 28 (27.8.1888)
Date
1888-08-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ner Hand geschriebenen Partituren waren die allercste Veranlassung ׳zur Herausgabe des Schir Zion II. Die stille. Thätigkeit Deutsches fand jedoch nicht blos seitens der Wiener Synagogenbesucher verdiente Anerkennung, der Ruf seiner Thätigkeit war bereits wert über die Gemarkung der öfterreichischen Residenz, ja des österreichischen Staates gedrungen, so Lass viele der dazumal aufstrebenden größten Gemeinden ihr Augen merk auf. den Wiener zweiten Cantor gerichtet hatten und ihn als Obercantor gewinnen wollten. Waren nun die Intentionen Deutschs sicherlich jetzt, nachdem er sich zur Ausübung einer freien, selbststän- Ligen Berufsthätigkeit hinlänglich vorbereitet fühlte^ auf die Ecveichung eines solchen Zieles gerichtet, so folgte er im November 1844 freudig dem Rufe der hochangesehenen Breslauer Gemeinde, dortselbst. den Obercantorposten zu übernehmen. So stand Deutsch endlich an der Schwelle seiner eigentlichen Lebensbestimmung, d. h. an der Stätte einer uneingeschränkten, cantoralen Thätigkeit. Was Deutsch an musikalischen Vorarbeiten in der Breslauer Gemeinde übernahm, darf nicht hoch angcrechnet werden; sein Vorgänger Jaretzky war ein sehr guter, aber sogenannter ״alter" Chasen und besaß leider nicht die Fähigkeiten), um dem bereits vor Zähren durch Gemeindemitglieder creirten Synagogenchor einen musikalischen Impuls zu verleihen, derselbe ward vielmehr Lurch Die kärgliche Begabung seines Leiters geradezu ruinirt, so Lass es nur noch etwelche Reste waren, welche Deutsch bei seinem Amtsantritte als chorisches Erbe zugetheilt wurden. Allein schon nach kurzer Zeit, nachdem Deutsch die Leirung des Breslauer Synagogenchores übernahm, erwachten die morschen Theile zu neuem, frischen Leben, so dass der Breslauer Synagogen chor ' alsbald als künstlerisch ausgebildeter Musterchor anerkannt werden musste. Auch das sonstige musikalische und gesellschaftliche . Leben Breslaus ge währk sowohl dem Sänger wie dem gebildeten Manne Anregung und reiche Gelegenheit, sich bemerkbar zu machen, und waren es namentl ch Händel'schr Oratoricnaufführungen, in denen Deutsch die Tevorsoli zur allgemeinen Befriedigung fang, welche auch die Aufmerksamkeit nichtjüdischer Kunstkreisc auf ihn lenkten Deutsch galt alsbald als Autorität auf dem von ihm vertretenen Gebiete, und da er sich auch componistisch glücklich versuchte, so schritt er muthig daran, seine musikalischen Intentionen theils durch Aufführung in seiner Synagoge, theils durch Drucklegung weiteren Kreisen zugängüch zu machen. So sehr ihn nun auch die Vielseitigkeit seiner Beschäftigungen in Anspruch nahmgewann er noch immer Muße, um in der Zeitung des Zudenthums, deren hervorragendster musikalischer Mitarbeiter er war, schriftstellerisch und in der von ihm im Jahre 1809 ins Men gerufenen Musikschule für jüdische Cantoren pädagogisch nützlich zu wirken, außerdem, jedoch auch noch durch Privatmusik And Gesangsunterricht thäüg zu sein. Als Synagogencomponist folgte Deutsch, nach einem Selbstbekeuntniße, stets nur ״den Anforderungen seiner Gemeinde", wie es die jeweiligen geänderten liturgischenFormeu verlangten, und der eigenen Anschauung nur dort, wo bis dahin eine Lücke vorhanden war, die ausgefüllt werden musste. So enfftanden im Jahre 1864 seine Orgelpräludien, 1867 die Synagogen- und Schullieder, 1870 die Vorbeterschule und 1880 die Breslauer Synagogengesänge und bald daruf der col nidre mit Orgelbegleitung. Bezüglich der pädagogischen Wirksamkeit Deutsches als Cantoren-Bildner ist nichts weiter zu sagen, als dass Hunderte seiner einstigen Schüler in den größten Gemeinden des In- und Auslandes in den glänzendsten Stellungen seiner Anleitung gemäß trefflich rmd zur allgemeinsten Zufriedenheit wirken. Bezüglich seiner idealen Bedeutung als Manu oder Mitglied der menschlichen Gesellschaft hat die Welt entschieden und bedarf es keiner weiteren Erörterung. Deutsch reichte im Jahre 1851 einem hochgebildeten und geistvollen Mädchen aus der Familie des als Privatgetehrten berühmten Herrn Simon Ausch die Hand zum ewigen Bunde. Der selten glücklichen Ehe entstammen vier Söhne und eine ׳Tochter, welche bereits seit Jahren selbstständig und in den glücklichsten Verhältnißen leben und den Stolz und das Glück ihrer Eltern äusmachen. (Fortsetzung folgt.) Znr Geschichte des letzte» Repräsentanten der spanischen Poetanim des sechsehnten Jahrhunderts. Von ' Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r. Rabbiner in Pisek. Die hebräische Sprache hat mit anderen todten Sprachen, wie z. B. der lateinischen und griechischen, insofern ein gleiches Geschick,- als.sie gleich diesen aus dem Bereiche des lebenden Verkehrs . desjenigen Volkes geschwunden zu sein scheint, von dessen ehemaliger Größe und Wichtigkeit sie ein ehrwürdiges Andenken aus. unendliche Zeiten auf sich überträgt. In anderer Beziehung ist jene Sprache von dem Nimbus der Heiligkeit umgeben. Sie ist durch die in den heiligen Büchern der Bibel enthaltenen gütlichen Offenbarungen und durch die erhabenen Dichtungen des unvergleichlichen Sängers in den Psalmen allgemein als heilig bezeichnet. Mit dem Verluste der Selbstständigkeit des Volkes im eigenen Lande gieng auch die -Reinheit der hebräischen Sprache größtentheils verloren. Der - Umstanddass dieses unglückliche Volk, nachdem dasselbe aus.se nem Lande getrieben, in aller Herren Länder zerstreut-wurde,- und von Sprachenseiner Umgebung fremde Bestandtheile in die ihm eigene Sprache aufzunehmen nicht vermeiden konnte, trägt die Schuld daran. / Ihre. Erhabenheit und Reinheit wird seitdem nur in den biblischen Büchern gefunden, aber äußerst selten erreicht. Das elfte und zwölfte Jahrhundert brachte uns jedoch mehrere Koryphäen in Gelehrsamkeit und hebräischer Dichtkunst, als Salomon b. Gabirol, Isaak b. Giath, Moses b. Esra, Josef b. Zodik, Jehuda Halewi und Abraham b. Esra, welche den, Glanzpunkt der hebräischen Poesie bezeichneten und die die hebräische Sprache zu kultiyirey angefangen hatten. Diese Periode ist die wichtigste in der ganzen Litteraturgeschichte der Juden überhaupt. Die Dichter waren Lehrer des Kunststyls für die späteren' Zeiten, sowohl für die religiösen Dichter (Pvetanim), als für weltliche Stylisten. Die socialen Verhältniße waren für die Israeliten in Spanien zu verschiedenen Zeiten günstiger als in den anderen christlichen Ländern, was sie denn, auch eifrig benützten. Die Schulen, welche zuvor auch bei Moscheen bestanden (Wüstenfeld, Schulen der Araber, S. 5), aber nicht so eng mit ihnen verbunden warenund ein mehr selbstständiges Leben führten, standen ihnen offen,, alle Bildungsanstalten durften sie gemeinschaftlich mit den Arabern benützen. Die Israeliten der maurijch-spanischen Länder führten damals ein freies Leben; sie wurden von keiner Seite beschränkt und in ihrem Wirken gehemmt. Dies wirkte auch auf die Piutim im Allgemeinen. Reinheit der Sprache, wohlgewogene Formen, Wohlklang, das Ohr erfreuend, ausgebildeter Sinn für Schicklichkeit und gehöriges Maß, schöne Verschmelzung der Reflexion mit Phantasie charakterisiren dieselben. Daher kommt es auch, dass die meisten - Piutim der spanischen Poetanim bedeutend schwungvoller . als der

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